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Gutenberg > Ferdinand Raimund >

Der Barometermacher auf der Zauberinsel

Ferdinand Raimund: Der Barometermacher auf der Zauberinsel - Kapitel 4
Quellenangabe
typecomedy
booktitleRaimunds Werke I
authorFerdinand Raimund
yearca. 1905
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
addressBerlin, Leipzig, Wien, Stuttgart
titleDer Barometermacher auf der Zauberinsel
pages1-2
created20020809
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1823
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Sechzehnte Szene.

Indische Gegend. Auf einer Seite ein Feigenbaum, auf der andern eine praktikable Quelle. Im Hintergründe eine Strohhütte. Quecksilber sitzt auf dem Feigenbaum, sieht überall herum und steigt herab.

Dem Himmel sei Dank, es kommt niemand nach. Jetzt steh' ich frisch! Jetzt hab' ich kein Horn, keinen Stab, keinen Gürtel und 's Stubenmädel ist auch beim Guckguck. Mir bleibt nichts, als das schöne Bewußtsein, daß ich ein Esel war und hab' mich anführen lassen. Aber g'loffen bin ich, wie ein Windspiel. Hingegen, wie ich ausseh', das ist schrecklich! Meine Füß' sind totenblaß, und einen Hunger hab' ich, daß ich die Goldborden auf meiner Weste aufessen möcht'. Ich geh' gerad' auf den Feigenbaum los, in fünf Minuten ist keine einzige mehr oben. (Steigt hinauf.) Ach, jetzt wollen wir dem Hunger die Feigen zeigen. (Er ißt.) Prächtig! Herrlich! Klassisch! (Pflückt einige und steigt herab. Seine Nase hat sich um vieles vergrößert, so daß sie noch ganz proportioniert bleibt, und nicht zur Karikatur wird. Er ißt noch eine Weile fort.) Ich weiß nicht, mich blendt immer was vor den Augen. (Greift an die Nase.) Was ist denn das? Ich habe ja eine völlige Pfundnasen? O ich unglückseliger Mensch, was wird mir noch alles geschehn? Am End' muß ich noch mit einer langen Nasen auch abziehn. Die Nasen! Wenn ich da die Strauchen bekomm', das wird eine Todeskrankheit. Wenn ich mich nur sehn könnt'! Jetzt sollt' ich halt in der Spiegelgassen sein. Ist denn niemand hier?

(klopft an die Hütte.)

 
Siebzehnte Szene.

Zadi. Voriger.

Zadi (von innen). Wer klopft?

Quecksilber. Ich!

Zadi. Was willst du?

Quecksilber. Ich bitt' Sie, haben Sie keinen Trumeauspiegel?

Zadi. Kerl, wenn ich hinauskomm', so schlag' ich dir die Nase entzwei.

Quecksilber. Der will mir die Nasen entzwei schlagen! Diese Nasen! Frage, wie ist das möglich?

Zadi (kommt aus der Hütte mit einer Keule, die er schwingt). Wart', du verdamm— Haha! Da seh' ein Mensch den närrischen Kerl, wie er aussieht.

Quecksilber. Der merkt's schon.

Zadi. Besieh dich dort in jener Quelle, wie du aussiehst.

Quecksilber (tut es). O Spektakel! Ich hab' eine ordentliche Plutzerbirn' im G'sicht. Wenn ich mit dieser Nasen nach Wien komm', so lassen s' mich bei gar keiner Linie hinein.

Zadi. Du hast gewiß von diesen Feigen gegessen?

Quecksilber. Freilich!

Zadi. Das hätt' ich dir vorher sagen können. Wie kommst du in diese Gegend, die ich allein bewohne, und zu diesem Baum'?

Quecksilber. Das ist jetzt nicht die Frag', wie ich zu dem Baum' komm', die Frag' ist, wie ich von dieser Nasen komm'.

Zadi. Diese komische Nase und dein komisches Aussehn haben dich gerettet. – Mich hat die Menschenscheu in dieses Zaubertal geführt, das ich nie verlasse, und das aus Vorurteil seit hundert Jahren kein menschlicher Fuß betreten hat. Ich lebe hier lieber unter den Tieren, und hätte dich verjagt, wenn ich nicht über deine Nase und dein komisches Aussehn hätte lachen müssen. (Sieht in die Kulisse.) Sieh, hier kommt noch jemand.

Quecksilber. Das ist mein Stubenmadel. G'schwind! – Nun? – Sie bleibt stehn.

Zadi. Siehst du denn nicht, sie kann ja nicht über den tiefen Graben.

Quecksilber. So soll sie über die hohe Brücke gehn.

Zadi. Ich will ihr helfen. (Eilt ab.)

Quecksilber. Jetzt, wenn die mich mit der Nasen sieht, die kann mich nicht mehr gern haben, es ist unmöglich!

 
Achtzehnte Szene.

Linda. Zadi. Quecksilber.

Linda. Hab' ich dich endlich g'funden! (Sieht ihn an und schreit.) Ach Himmel! Wie siehst du aus?

Quecksilber Hat's schon g'sehn. Ein Aug' hat sie, wie ein Falk.

Linda. O du abscheulicher Mensch, was hast du denn getan?

Quecksilber. Ich bitt' dich um alles in der Welt, verzeih mir's nur diesmal, ich werd's in meinem Leben nicht mehr tun. Ich hab' dort von diesen Feigen gessen, und da ist mir die Nasen g'wachsen.

Linda. Nein, so mag ich dich nicht. Jetzt bin ich ihm nachg'loffen und bin vor Angst völlig krank worden, bis ich ihn eing'holt hab', und jetzt sieht er so aus.

Quecksilber (kniet). Linderl! Ich bitt' dich, sei nur g'scheit! Jetzt kannst mich doch bei der Nasen herumführen. Wenn mich jemand bei der Nasen erwischt, dem komm' ich nicht mehr aus.

Linda. O, du Unglücksvogel! Fort, ich kann dich nicht mehr ansehn.

Zadi. Nu, ich will dich nicht länger leiden lassen. Trink dort aus jener Quelle, und du wirst sie wieder verlieren. Wie ich diese Gegend bezogen habe, ist es mir auch so ergangen.

Quecksilber. Ist das wahr? Dem Himmel sei Dank! (Läuft zur Quelle, trinkt, die Nase verschwindet, er springt vorwärts.) Ist schon weg! Ach, das ist eine Freud'!

Quecksilber und Linda (zugleich). Das ist eine Freud'! (Hüpfen vor Freude.)

(Wie sich ihre Gesichter begegnen, hören sie mitten unter dem Lachen auf, Quecksilber bleibt plötzlich ernsthaft stehen, und Linda ist betroffen.)

Quecksilber. Was ist's? Was wollen Sie? Sie mögen mich ja nicht mehr.

Linda. Ach ja, jetzt mag ich dich schon wieder.

Quecksilber. Da haben wir's! Wie ich mit meiner Schönheit Krida hab' ang'sagt g'habt, hat sie nichts mehr von mir wissen wollen, jetzt, weil ich wieder rangiert bin, jetzt möcht s' mich wieder. Was willst du denn jetzt mit mir machen? Ich bin ja Betteltutti! (Zu Zadi.) Lieber Freund, wie soll ich Ihnen meinen Dank abstatten? Wollen Sie mir nicht zweihundert Gulden leihen?

Zadi. Zweihundert Prügel kannst du haben.

Quecksilber. Ich weiß nicht, wie die Münzen bei Ihnen heißen.

Linda. Ach, wir werden nicht verhungern. Weißt du was? Ich verkauf' den Leuten solche Feigen, und wenn sie verschandelt sind, so kommst du als Doktor und kurierst sie mit dem Wasser wieder, so bekommen wir Geld in Menge.

Quecksilber. Halt! Laß mich nachdenken. – Wie? – Was? Ja, ich hab's, mein Glück, ich hab's g'fangt!

Zadi. So halt's fest.

Quecksilber. Lieber Freund, tu mir nur den einzigen G'fallen, nimm einen Korb, füll' ihn mit solchen Feigen an, und zwei Flaschen mit Zauberwasser, ich werd' dich reichlich belohnen, aber nur g'schwind.

Zadi. Nu, nu, den Gefallen kann ich dir schon tun. (Geht in die Hütte und holt Korb und Flasche, die er füllt.)

Linda. Aber was ist's denn?

Quecksilber. Linderl! Jetzt nimm dich z'sammen. Vermißt man dich schon im Palast?

Linda. O nein! Es geht ja alles drunter und drüber wegen dem Fest.

Quecksilber. Ein Fest? Das ist herrlich. Kennt man auf der Insel die Wirkung der Feigen?

Linda. Ich hab' noch nie was davon g'hört. Diese Gegend ist behext, darum getraut sich auch niemand hierher zu gehn, und nur weil ich dich von weitem laufen g'sehen hab', bin ich dir gefolgt.

Quecksilber. Du mußt wieder zurück zum Fest. Du nimmst einen Korb voll solcher Feigen und bringst sie deiner Prinzessin und ihrem Vater als Geschenk zum Konfekt. Sie sind so schön, daß sie g'wiß davon essen.

Linda. Nun, und dann?

Quecksilber. Dann kriegen s' große Nasen, du verschaffst mir Kleider; wenn sie hernach verzweifeln, so bringst du mich als Wunderdoktor, und ich kurier' sie nicht eher, bis sie mir meine Zaubergaben zurückgibt.

Linda. Das ist ein prächtiger Plan! Ich freu' mich! Wenn sie nur recht häßlich wurd', weil s' immer die Schönste sein will. 's g'schieht ihr schon recht.

Quecksilber. Das ist ein Wasser aus der ihr' Mühl'. Ja, die Frauenzimmer! –

 
Neunzehnte Szene.

Vorige. Zadi.

Zadi (hat nun den Korb mit Feigen und die Flasche mit Wasser gefüllt und tritt vor). Nun, hier hast du alles!

Quecksilber. Bruder, ich dank' dir! (Umarmt ihn.) Ich kann dir unterdessen nichts dafür geben, als hier dieses silberne Schnupftüchel, was mir von meinem Reichtum noch überblieben ist. (Zieht eines aus der Rocktasche.)

Zadi. Ich brauche nichts.

Quecksilber (gibt Linda den Korb). Das nimmst du; so, und wenn's gelingt; Viktoria im Schwabenland!

Zadi. Aber was machst du denn damit?

Quecksilber. Das geht dich nichts an. Ich hab' einen guten Freund, und der muß mir eine Nasen bekommen, daß man sie mit der Ellen ausmessen kann. Jetzt, Linderl, komm, es ist keine Zeit zu verlieren. Waldteufel, adieu!

Zadi. Du bist ein närrischer Kerl, lebe wohl. (Ab in die Hütte.)

Quecksilber. Linderl, jetzt fahr' ab. Ich werd' gleich nachkommen. Miteinander dürfen wir nicht fort, damit uns niemand sieht.

Linda. Verlaß dich nur auf mich. Ein g'scheits Madel setzt alles durch. (Geht mit dem Korb ab.)

Quecksilber (allein). Jetzt ist mir wieder leicht. Es geht halt nichts über die Hoffnung. Jetzt bin ich so froh, daß ich alle Menschen könnt' beim Kopf nehmen und könnt' s' küssen. Diese Welt ist das Beste auf der Welt.

Arie.
            In der Welt ist's recht schön
            Glauben Sie's mir!
Man tanzt einen Langaus durchs Leben dahin,
Bewahrt man sich immer den lustigen Sinn.
            Glauben Sie's mir!

Und die Weiber sind schon brav,
            Glauben Sie's mir!
Und zwingt auch der Eh'stand die Freiheit ins Joch,
Die Weiber versüßen das Leben uns doch.
            Glauben Sie's mir!

Und die Männer, es passiert auch,
            Glauben Sie's mir!
Bleiben's brav, meine Damen, beim untreuen Blick,
Dann sehn wir erst ein und kehrn selber zurück.
            Glauben Sie's mir!

Zwar, das Glück ist oft falsch!
            Glauben Sie's mir!
Doch hoff' ich, daß niemals mein Glück sich verdreht,
Weil in Ihrer Freude mein Glück nur besteht.
            Glauben Sie's mir!

Und mein Herz ist so voll,
            Glauben Sie's mir!
Es klopft etwas drinnen, es möcht' gern heraus,
Und gäb' Ihnen gern seinen Dank mit nach Haus.
            Glauben Sie's mir!
            Glauben Sie's mir!

 
Zwanzigste Szene.

Großer indischer Garten. Auf der einen Seite ein Blumenthron für Zoraide, auf der andern der praktikable Eingang in ein schön verziertes chinesisches Lusthaus. Großer Einzug. Tänzer und Tänzerinnen voraus, dann Gefolge. Sklaven, Sklavinnen; zum Schlusse Tutu, Zoraide, Hassan. Zoraide besteigt den Thron, die Zaubergaben werden auf drei Kissen nachgetragen.

Chor.
          Lange herrsche Zoraide
Durch des Geistes Strahlenkranz,
Unser Jubel werd' nie müde
Zu verkünden ihren Glanz.

Zoraide (stolz). Ich dank' euch! Obwohl es mir durchaus keine Neuigkeit mehr ist, daß mein Witz und meine Schönheit sich mit allen weiblichen Vorzügen auf dieser Erde messen können; so will ich doch nicht so unbescheiden sein, es heut' nicht noch einmal aus eurem jauchzenden Mund' zu hören.

Alle. Heil Zoraide!

Zoraide. Papa, nehmen Sie jetzt das Wort.

Tutu. Still! Ich nehm' jetzt das Wort. – Alle meine Herren und Frauen, laßt euch sagen; wir sind hier versammelt, um ein Fest zu feiern, welches wir veranstaltet haben, weil meine Tochter durch die außerordentlichen Gaben ihres Verstandes, welcher sogar den meinigen noch übertrifft, dem übermütigen Fremdling, der auf unsre Insel gekommen ist, drei Zaubergaben von hohem Werte abgenommen hat. – Weil dieser Fremdling nun – nicht wahr, meine Tochter? – weil dieser Fremdling – so undankbar an uns gehandelt hat, so – o, weiß ich vor Zorn gar nicht mehr, was ich reden soll. (Auf Zoraide deutend.) Die Fortsetzung folgt.

Zoraide. Hier sind die Zaubergaben. Durch dieses Horn ist unsre Insel vor jedem Überfall gesichert. Dieses Staberl birgt eine goldne Welt, und die Binden bringt mit Blitzesschnelle den, der sie tragt, an den entferntesten Ort. Alle diese Gaben werd' ich vorzüglich zu eurem Glück' anwenden.

Alle. Heil Tutu! Heil Zoraide!

Hassan. Nehmen Sie, gnädigste Gebieterin, hier die Früchte unsrer Muse, welche in den größten indianischen Köpfen erst heute morgens reif geworden sind.

Zoraide. Wo sind sie?

(Vier Sklaven bringen einen großen goldenen Korb, worin eine Menge Papierrollen von verschiedenen Farben aufgehäuft sind.)

Hassan. Hier ist das poetische Ragout!

Zoraide (nimmt mehrere in die Hand, ohne sie anzusehen). Was enthalten sie?

Hassan. Die ungeheuersten Lobsprüche auf deine Liebenswürdigkeit und deinen Verstand.

Zoraide (selbstgefällig lächelnd). Sie gefallen mir. Eine schöne Schreibart; ich bin ganz zufrieden damit.

Tutu (wiegt einige in der Hand). Ach ja, sie sein recht gut, sein recht gut. Sein mitunter recht frische dabei, wie man jetzt sagt; mit humoristischer Frische.

Hassan. Und nun erlaube auch, daß meine Schönheit es wagt, dir auch eine Poesie zu übergeben.

Zoraide. Was ist's denn?

Hassan. Es ist eine Elegie auf deine Liebenswürdigkeit.

Tutu. Das hat Er gewiß wo abg'schrieben. Das trau' ich Ihm nicht zu, daß Er ein Negligé machen kann, oder wie das heißt.

Hassan. Herr, bei meiner Schönheit, ich hab' es selbst verfaßt.

Zoraide. Genug, ich werd' Ihm hernach schon etwas schenken. Tragt die Gedichte auf mein Gemach. (Es geschieht.) Die Gaben hier hinein, ich werd' sie bewahren.

Ein Sklave. Herr, die Tafel ist bereitet.

Tutu. Ach, du hast ein schönes Wort gesprochen. (Laut zu allen.) Die Tafel ist bereitet.

Alle. Ach!

Tutu. Komm, meine Tochter! Der Geist hat seine Mahlzeit eing'nommen, jetzt wollen wir dem Magen auch eine kleine Vorlesung halten. Man schreie; Heil Zoraide! Heil Tutu!

Alle. Heil Tutu! Heil Zoraide!

Tutu. Ich dank' euch, ihr habt mich überrascht. Man folge uns! (Alles geht ab, bis auf Hassan und die Tänzer.)

 
Einundzwanzigste Szene.

Linda. Vorige.

Linda (kommt mit zwei Teller Feigen). Hassan, Hassan!

Hassan. Du Katze, wo steckst du denn? Zoraide wird deine Backen schön bewillkommen, wenn du ihr vor die Augen kommst.

Linda. Sei nur nicht bös', lieber Hassan. Ich hab' es schon recht oft bereut, daß ich mich von dem Landstreicher hab' bezaubern lassen, dir abtrünnig zu werden.

Hassan. Nun, das ist dein Glück. Was hast du denn da für schöne Feigen?

Linda. Sie sind von unserm Hofgärtner und g'hören nur für Tutu und Zoraide. Sie sind äußerst selten. Trag sie auf die Tafel und übergib sie nur unsrem Herrn und der Prinzessin; ich hoff damit sie wieder gut zu machen.

Hassan. Bei meiner Schönheit, das sind herrliche Feigen! Da will ich mich damit einschmeicheln; ich werde sagen, ich habe sie selbst gepflanzt.

Linda. Nur g'schwind!

Hassan. Ja, ja, geh nur.

(Linda geht zurück.)

Hassan. Da muß ich auch ein paar davon stibitzen. (Steckt zwei Feigen ein.) Das wird ein herrlicher Schmaus für meine Schönheit sein. (Ab ins Lusthaus.)

Linda (tritt vor). Wart', du Spitzbub', du wirst schön ankommen. – Er kommt schon zurück. Nun?

Hassan (kommt). Alles ist in Ordnung, Tutu hat eine rasende Freude.

Linda (für sich). Das hast du prächtig g'macht. Es ist gelungen. Jetzt zu meinem Geliebten. (Hüpft ab.)

Hassan. Jetzt werd' ich meine Feigen verzehren; daß mich nur niemand belauscht. (Geht ab.).

 
Zweiundzwanzigste Szene.

Zoraide. Vorige. Gefolge.

Zoraide (stürzt heraus; ihre Nase hat sich vergrößert, doch nur so, wie man auf einem öffentlichen Ball eine falsche Nase als Maske nimmt, durchaus nicht Karikatur. Gleich darauf Gefolge). Hilfe! Hilfe! Was hab' ich g'sehn! Es ist nicht möglich, es muß ein Blendwerk sein. Schaut mich nur an – wie seh' ich denn aus? (Die Tänzer erschrecken.) Was ist das? (Alle suchen das Lachen zu verbergen.) Was, Spott? Mich ergreift der Wahnsinn. Spiegel herbei! (Man bringt einen Spiegel, sie sieht hinein und fällt mit einem Schrei in Ohnmacht.)

 
Dreiundzwanzigste Szene.

Vorige. Tutu.

Tutu (kommt auch mit einer vergrößerten Nase). Was ist denn g'schehen? Ich sitz' da drinnen ruhig bei meinen Feigen und schlummre ein wenig, und auf einmal lauft alles fort. (Alle lachen.) Jetzt, was soll das Lachen? Sie ist ja ohnmächtig! Tochter, was ist dir denn? (Eilt auf sie zu und prallt zurück.) Himmel, wie sieht die aus! Ah, das ist a Spaß! Hahaha!

Zoraide (erwacht). O, ich unglücklichs Madel! (Weint.) Wer hat mir das getan? (Sieht Tutu.) Aber Papa! Hahaha!

Tutu. Sie hat eine Freud' drüber! Ein spaßiges G'sicht hat s', mir g'fallt's!

Zoraide. So sehn Sie sich doch in den Spiegel. (Man hält ihm einen vor.)

Tutu. Halt's mich! Mich trifft der Schlag! G'schwind' fort um meinen Leibarzt.

Zoraide. Man hol' alle Ärzte der Insel.

Tutu. Nur g'schwind' ein Konsilium. (Man eilt ab.)

Zoraide. Ich ertrag' es nicht. Jetzt soll der Ball angehn.

Tutu. Ich unglücklicher Mann, ich bin verschandelt.

Zoraide. Das muß Zauberei sein.

 
Vierundzwanzigste Szene.

Linda. Vorige.

Linda. Gebieterin! (Erschrickt.) Ach, wie sehn Sie aus?

Zoraide. Aus meinen Augen, wenn dir die deinigen lieb sind.

 
Fünfundzwanzigste Szene.

Leibarzt. Vorige.

Alle (rufen). Der Leibarzt kommt!

Tutu, Zoraide (zugleich, sehr kläglich). Ach, helfen Sie uns.

Leibarzt (erschrickt). Vergib, mächt'ge Zoraide, da kann ich nicht helfen. Wo die Natur solche Bocksprünge macht, hat meine Kunst geendet.

Zoraide. Ich verzweifle!

Tutu (zugleich). Ich geh' durch, mit samt der Nasen!

 
Sechsundzwanzigste Szene.

Hassan. Vorige.

Hassan (mit einer großen Nase). Mächtiger Tutu! (Erschrickt.) Alle guten Geister! Was ist das? Diese Nase – (Alle lachen.)

Zoraide. Halt Er sein Maul! Untersteh Er sich nicht, unsern Nasen etwas Schlechtes nachzureden.

Tutu. Er hat noch eine größere.

Hassan (greift an die Nase). Bei meiner Schönheit! (Voll Angst.) Das ist Hexenwerk.

Tutu. Was hat Er melden wollen?

Hassan. Es ist ein außerordentlicher Arzt hier, der dich sprechen will.

Zoraide und Tutu. Wo? Wo?

Hassan. Hier ist er schon.

 
Siebenundzwanzigste Szene.

Vorige. Quecksilber als Arzt, mit einer Art Flaschenkeller, in dem sich das Wasser befindet.

Quecksilber. Servus humilissimus! Sie sehn in mir den berühmten Arzt Barometrianus, der sich in allen Teilen der Welt berühmt gemacht. Von allen diesen Weltteilen werd' ich hernach schon die Ehre haben, Ihnen verschiedene G'schichten zu erzählen. Jetzt sagen Sie mir, bin ich so glücklich, den mächt'gen Tutu vor mir zu sehn?

Tutu. Bei mir können Sie jetzt nicht mehr fehlen, Sie dürfen nur der Nasen nachgehn.

Quecksilber. Weil Sie grade von der Nase sprechen, so lassen Sie mich nicht vergessen, daß ich Ihnen hernach eine G'schichte davon erzähl'. Hab' ich die hohe Ehre, meine Angebetete, in Ihnen die schöne Zoraide zu bewundern?

Zoraide (schluchzend). Ja – ich – bin – die schöne – Zoraide.

Quecksilber. Hm! Sie scheinen mir eine Gemütskrankheit zu haben! Das ist eine üble Krankheit, da könnt' ich Ihnen eine G'schicht' erzählen, welche sich in Nordamerika zugetragen hat. Da war einmal ein Mann, der hat siebenundzwanzig Töchter g'habt. Jetzt will ich Ihnen nur in der Geschwindigkeit die Geschichten aller dieser Töchter erzählen.

Tutu. Verzeihn Sie, wir werden ein andres Mal darum bitten. Wir wünschten zuerst Ihren Rat zu hören.

Quecksilber. Hören Sie, weil Sie gerade von Rat sprechen, erlauben Sie, da fällt mir eine prächtige G'schichte ein, an deren Erzählung mich aber die Bemerkung hindert, daß Ihre Nasen sich in einer etwas massiven Form produzieren, darum entsteht die große Frage; ob Sie schon sind damit auf die Welt gekommen, oder ob sich das erst kürzlich ereignet hat?

Zoraide. Das ist ein langweiliger Mensch! Ja, ja, erst vor kurzem.

Tutu. Ja, wir haben sie so unter der Hand bekommen.

Quecksilber. Gut also! Da kann ich Ihnen zum Troste sagen, daß Sie nicht die einzigen Menschen auf der Welt sind, welche große Nasen haben. Es gibt Leute, welche sich auf der Nase herumtanzen lassen. Warten Sie, da werd' ich Ihnen eine G'schicht' erzählen. Vor vielen tausend Jahren hat einmal ein Mann gelebt. Der hat einen Pudel gehabt –

Tutu. Können Sie uns kurieren oder nicht? Nur das wollen wir wissen.

Quecksilber. Erlauben Sie, wie können Sie sich unterstehn, daran zu zweifeln? Ich kuriere Sie, und wenn Ihre Nase so groß wäre, als der Chimborasso in Amerika, das ist der höchste Berg der Welt. Ihre Nasen müssen nach den Regeln des Aristoteles kuriert werden.

Zoraide. Das ist uns alles eins –

Quecksilber. Erlauben Sie, das ist nicht alles eins! Darüber werd' ich Ihnen eine G'schicht' erzählen. Hippokrates und Galenus haben darüber ganze Ries Papier verschrieben, weil auf der Universität die Streitfrage entstanden ist; ob der Mensch die Nase mitten im Gesicht' hätte oder nicht.

Tutu. Aber wir kennen ja die Herren nicht.

Quecksilber. Hippokrates war ein berühmter Apotheker zu Straubing, und Galenus ein großer Regimentsarzt bei den chinesischen Truppen. Nun haben Sie nur die Güte, mir Ihren Puls fühlen zu lassen.

Tutu. Aber was hat der Puls mit unsren Nasen z' tun?

Quecksilber. Erlauben Sie! Alles in der Natur steht miteinander in Verbindung. So hat Ihre Gurgel Einfluß auf Ihren Magen, die Hände auf die Backen, der Mund auf die Füße. Ich will Ihnen gleich einen Beweis geben, daß der Mund die Füße in Bewegung setzen kann. Ich hab' zum Beispiel über einen ein loses Maul; er nimmt einen Stock und prügelt mich tüchtig durch, so bleibt mir nichts übrig, als davonzulaufen. Also war mein Mund daran schuld, daß sich meine Füße in Bewegung gesetzt haben.

Zoraide. Nein, das ist nicht zum Aushalten! Jetzt hören S' einmal mit Ihren G'schichten auf, wir wollen keine G'schichten hören. Unsre Nasen ist die unglücklichste G'schicht', die man erleben kann.

Quecksilber. Sie wollen also Ihre Nasen verlieren? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? (Zu Tutu) Trinken Sie hier aus dieser Flasche.

Zoraide. Nun endlich bringt er doch was heraus.

Tutu. Da bin ich kurios. (Trinkt, die Nase fällt weg.)

Quecksilber. Na! Na! Was sagen Sie jetzt? Die große Nase ist fort!

Tutu. Bei meiner Seel'!

Alle. Wunder über Wunder!

Tutu. O, Sie goldner Doktor, das ist die schönste G'schichte, die Sie mir erzählt haben.

Zoraide. Ist's möglich! O, Sie liebes Mannerl, helfen Sie mir auch. Nur g'schwind', nur geschwind'!

Quecksilber. Da sollt' ich Ihnen doch vorher noch eine G'schich—

Zoraide (hält ihm den Mund zu). Nicht! Nicht! Gut's Mannerl sein! Keine G'schichterl erzählen – trinken lassen.

Quecksilber (für sich). Der gib ich nur ein Brunnwasser, das hilft nicht. (Laut.) Da trinken Sie auf die Gesundheit Ihrer Nase.

Zoraide. Es lebe die Schönheit!

Hassan (verbeugt sich). Gratias!

Zoraide (trinkt). Nun? (Es wirkt nicht.) Es hilft ja nicht.

Quecksilber. Trinken Sie noch einmal.

Zoraide (trinkt). Es hilft nichts! Es ist umsonst.

Tutu. Sie laßt nicht nach, die Nasen.

Quecksilber. Ich begreife nicht, die Nase muß eine besondere Anhänglichkeit an Sie haben. Ich bin so betroffen, daß mir nicht einmal eine G'schichte einfallt, womit ich Sie trösten könnt'.

Zoraide. Und ich muß meine Schönheit wieder haben! Sie müssen mir helfen.

Quecksilber. Wenn ich nur wüßte, wie? Das ist das einzige Mittel. Erlauben Sie, besitzen Sie vielleicht einen Talisman, der durch die Macht seines Besitzes meinen magischen Kräften entgegenstrebt? Den müssen Sie von sich werfen.

Zoraide. Wie? Meine Zaubergaben?

Quecksilber. Die müssen Sie verschenken.

Zoraide. Das ist unmöglich.

Quecksilber. So kann Ihnen auch nicht g'holfen werden.

Zoraide. Was soll ich machen?

Tutu. Wirf s' weg.

Zoraide (entschlossen). Wohlan, ich will meinen Reizen auch dieses Opfer bringen. (Zieht einen Schlüssel aus dem Busen und geht ab.)

Tutu. Das ist eine verwickelte Sach'.

Quecksilber. Sie wird schon klar werden. Ich werd' Ihnen heut' noch sonderbare G'schichten erzählen..

Zoraide (bringt die Gaben). Wohlan, hier liegen sie. Wenn du mir meine vorige Gestalt wieder verschaffst, so gehören sie dein.

Quecksilber (rafft die Gaben von der Erde auf). Sie g'hören mein. (Er bläst ins Horn und wirft die Maske ab. Ideale Krieger erscheinen unter Musik. Nur einige Takte Musik.) Schützt mich! – Kennen Sie mich? Aus dem Quacksalber ist der Quecksilber geworden. Ich nehm' zurück, um was Sie mich betrogen haben, und Ihnen laß ich Ihr falsches Herz und Ihre große Nasen.

Tutu. Da hast es! Jetzt sind wir im klaren.

Zoraide. Also so wär' ich betrogen, und von Ihnen? Von einem Menschen, von dem man nicht weiß, ob er einen Kopf oder eine Wassermelone zwischen den Schultern hat. Hoffen Sie Ihren Namen auch einmal in dem Buche der Menschheit zu lesen? Nein, ein eingebogenes Eselohr wird statt dessen zu lesen sein. O wendet euch weg, ihr Elemente, (auf ihre Nase deutend) von dieser ausgearteten Tochter der Natur! Verstumme, o Muse, die du sie besingest, Donner, die ihr sie umbrauset, Winde, die ihr sie umsauset, Sonne, die du sie beleuchtest, Regen, der du sie befeuchtest. Doch tyrannisch soll sie in dem Reiche der Schönheit herrschen. Alle Spiegel müssen ihr zum Opfer fallen; in einen Maskenball will ich diese Insel umg'stalten, und alle Schönen müssen solche Nasen tragen, nur ich will mich in eine Camera obscura verschließen und Rache brüten über dich, du Nasenfabrikant. (Wütend ab.)

Quecksilber. Linderl, du hast deine Sachen g'scheit g'macht; wir sind a Paar.

Linda. Nun, das ist ein Glück, daß du Wort haltst.

Quecksilber. Jetzt zu Ihnen. Wie steht's mit uns, alter Herr?

Tutu. Sein wir gut. Seitdem Sie das Staberl wieder haben, hab' ich eine außerordentliche Lieb' zu Ihnen g'faßt. Vielleicht ist die Kur für meine Tochter grad' gut.

Hassan (kniet). Euer Gnaden! Ich bin auch eine Partei aus dem schmeckenden Wurmhof.

Quecksilber. Da nimm das Wasser, und trink dir einen Rausch. (Gibt ihm von dem Zauberwasser.)

Hassan. Gratias! Meine Schönheit ist gerettet. (Eilt ab.)

Quecksilber. Vivat! Jetzt zeigt mein Barometer auf schönes Wetter. Morgen verlassen wir diese Insel, aber heut will ich meine Verlobung noch hier auf goldnem Hügel feiern. Linderl, du hast dir bei mir goldne Berge versprochen, du sollst sie haben.

(Er winkt, das Theater verwandelt sich in goldne Hügel mit silbernen Quellen. Auf dem mittleren größten Hügel erhebt sich ein silberner Tempel mit einem Opferaltar, wobei Hymen mit der Fackel steht, Genien gruppieren sich auf den Hügeln. Die Kulissen bilden Bäume mit goldnen Früchten. Das Ganze bildet ein imposantes Tableau.)

Schlußgesang.
            Man muß stets lustig sein,
Und sich des Lebens freun,
Außer man hat kein Geld,
Nachher ist's freilich g'fehlt.
        Hab' ich nicht recht?
        Na, wenn S' erlaub'n!

D' Madeln sind freundlich gern,
B'sonders mit jungen Herrn,
Liebt eine nur nicht zwei,
Bleibt ihr Herz einem treu,
        Hab' ich nicht recht?
        Na, wenn S' erlaub'n!

D' Weiber sind manchmal bös',
Machen oft viel Getös';
Und wenn man widerspricht,
Weiß man schon, was oft g'schieht.
        Hab' ich nicht recht?
        Na, wenn S' erlaub'n!

D' Männer sind gar superb,
Die hab'n schon's schönste G'werb,
Wie s' wo ein Madel sehn,
Bleib'n s' auf kein Fleck mehr stehn.
        Hab' ich nicht recht?
        Na, wenn S' erlaub'n!

Mir geht's heut gar nicht schlecht,
Alle Tag wär's so recht,
's wird doch was Schönes sein,
Wann man brav Geld nimmt ein.
        Hab' ich nicht recht?
        Na, wenn S' erlaub'n!

(Der Vorhang fällt.)

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