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Der arme Verschwender

: Der arme Verschwender - Kapitel 44
Quellenangabe
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typefiction
authorErnst Weiss
titleDer arme Verschwender
publisherRowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
year1980
isbn3499145677
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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5

In Ermanglung der schönen Tochter freundete sich Jagiello sofort mit dem Vater an. In ihrer Bewunderung für Judith waren sie ja einig. Und wenn es nur auf das Äußere angekommen wäre, hätte man sich keine herrlichere Frau denken können als Judith, wie sie damals war, von ihrem fünfzehnten bis zum siebzehnten, achtzehnten Lebensjahr.

Jagiello kam seitdem des öfteren wieder. Aber seine Riesengestalt machte ebensowenig Eindruck auf meine Schwester wie seine Studien über die Kinderarbeit, die er übrigens jetzt nicht mehr so leidenschaftlich weiterführte, als er vorgeben wollte. Er hatte sich in der langen Gefangenschaft an das Müßiggehen, Kartenspielen und an das ›wissenschaftliche‹ Plaudern mit Gleichgesinnten gewöhnt. Zum Glück hatte er Reste des großen Vermögens der Familie geerbt und gut angelegt, er konnte also selbst jetzt sorgenlos leben und eine Frau und Kinder gutbürgerlich erhalten. Aber für ihn war das kein Ideal, und noch weniger für meine Schwester, die in letzter Zeit eine Art Passion für einen sehr reichen, hochstehenden, aber verblühten, alten Mann empfand, der dieses Gefühl erwiderte – aber seit langem gebunden war. Judith vertraute sich mir an. Ich warnte sie, wie ein älterer Bruder seine unerfahrene Schwester. ›Du gönnst mir nur mein Glück nicht‹, sagte sie bitter. ›Als du dich mit unserem Stubenmädchen eingelassen hast, da hast du dir nichts dreinreden lassen.‹ Durch Zufall war bei den letzten Worten meine Frau eingetreten. Nun war sie, zu meinem Kummer, niemals ganz das Bewußtsein losgeworden, immer noch als alte Magd, als unwillkommene Braut in unserem Haus angesehen zu werden. Jetzt beherrschte sie sich, wie sie es immer getan hatte, sah uns an, gab aber keinen Ton von sich, und schloß jetzt hinter sich mit besonderer Zartheit die Tür. Sie tat mir leid, jetzt empfand ich ein starkes Mitgefühl mit ihr. Sie war die Schwächere. Ich hatte ihr längst alles verziehen, was es zu verzeihen gab. Sie war uns immer eine Stütze, keine Last.

Ich warf Judith ihre Dummheit vor. Das war ein Fehler. Hätte ich ihr Bosheit zum Vorwurf gemacht, Niedertracht, Gemeinheit, selbst Teufelei, sie wäre lächelnd darüber hinweggegangen. Aber einem so schönen jungen Geschöpf – Dummheit vorwerfen! Mich konnte sie ihre Wut nicht fühlen lassen, an mich reichten ihre Teufeleien und Gemeinheiten nicht heran, wohl aber an den armen Jagiello, an meinen guten Vater und am meisten an meine Frau, die ganz unschuldig dazu kam. Judiths Groll wurde dadurch vermehrt, daß der bejahrte Gentleman, den sie liebte, der Gefahr aus dem Wege ging, indem er ohne Angabe der Adresse verreiste. Welche Szenen gab es bei uns! Wie oft habe ich überlegt, ob wir, Vally, ich und vielleicht mein Junge nicht irgendwo anders endlich in Frieden und in Ruhe zusammenleben könnten. Aber wie hätten wir dann auch noch für unsere kleine Eveline, die wie ihre selige Mutter sehr zart war, sorgen können? Wie hätten wir meine Familie, Vater, Mutter, Geschwister in ganz ungeklärten Verhältnissen zurücklassen sollen? Es war ja unmöglich. Judith wußte es, und sie war so unvornehm, immer schärfere Töne gegenüber der sonst so resoluten, jetzt aber ganz wehrlosen Vally anzuschlagen. Es begann damit, daß sie ihre Schwägerin nur noch Walpurgis nannte, weil sie wußte, daß man sie als Stubenmädchen in der ersten Zeit bei uns so genannt hatte. Dann, als auch dies nicht mehr wirkte, beschuldigte sie sie, sich an ihren teuren Seidenstrümpfen vergriffen zu haben. Nun waren diese stets zu Dutzenden gebündelt in Judiths wohl verschlossenem großen Spiegelschrank. Aber Judith behauptete, meine Frau ziehe die Strümpfe heimlich an, weite sie mit ihren dicken Beinen aus, und als Beweis zeigte sie, daß die Strümpfe tatsächlich an ihren eigenen Beinen etwas schlaff saßen. Es hatte seine Gründe, wir alle wußten es, es war der Liebeskummer um den grau melierten, verblühten, vornehmen Mann, der sie so heruntergebracht hatte.

Nachts setzte sich Vally mit tränenüberströmtem Gesicht auf meinen Bettrand. Eine zarte Wärme ging von ihr aus. Ihre immer noch schönen, wenn auch schon von Silberfäden durchzogenen Haare schimmerten fast wie einst im gedämpften Licht. Ich faßte ihre kleine, rauhe Hand und dachte an die ersten Zeiten unserer ersten Verbindung, an die Himbeeren in Puschberg, an unser Zusammensein hinter dem Bienenkorb, an die Nacht im Regen, an den furchtbaren Rausch, der uns später überwältigt hatte und aus dem unser Junge hervorgegangen war. Man merkte ihm aber nichts von dieser Leidenschaft an. Er war ein stiller, scheuer, aber gut lenksamer, schwerfälliger Junge, der in Bludenz in allem Frieden aufwuchs und der gern aß, gern schlief, gern arbeitete. Das Essen schlug an, auch der Schlaf. Nur mit der Arbeit wollte es beim besten Willen nicht vorwärts, und wir, Vally und ich, dachten an ein Handwerk.

Meine Frau hatte jetzt ihren Kopf auf mein Kissen gelegt, neben meinen Kopf. Sie lehnte immer noch in unbequemer Haltung auf der Bettkante, sie spielte mit der Verbindungsschnur der Lampe. Ich sah sie jetzt aus der Nähe, und mein Blick war scharf (der alte Arzt!) gegen meinen Willen. Es war eine verblühte, abgearbeitete Frau. Es war eine arme Magd, trotz des dicken Eherings, den sie stolz am Ringfinger trug. Ich empfand gegen meinen Willen, ebenso wie ich gegen meinen Willen die Runzeln und das Hängekinn bemerkt hatte, ein bitteres Mitleid mit mir und mit ihr. Was empfand sie für mich? War es noch die alte, niemals ganz erfüllte Liebe? Auch ich war ja alt geworden, die grauen Haare waren seit einigen Jahren an meinen gehöhlten Schläfen nicht mehr zu zählen, und an Runzeln um die Augen und den Mund sollte es auch bei mir nicht fehlen. Ich lächelte, ich sah sie verständnisinnig von der Seite an, mein Blick ging weiter zu ihrer Hand, die mit dem Steckkontakt der Nachttischlampe spielte. Es wurde dunkel. Wir küßten uns in aller Stille, und zum erstenmal seit bald vierzehn Jahren waren wir wieder wie Mann und Frau.

Wir kamen, ohne es auszusprechen, überein, daß wir an unserem Leben, wie es die Familienmitglieder kannten, noch nichts ändern wollten. Wir schämten uns beide, besonders sie. Ich war eher glücklich darüber. Mich hatte die Last der Dankbarkeit für Vally, die mir ihr Leben – ob viel oder wenig, es war ein ganzes Menschenleben! – hingegeben hatte, oft bedrückt. Aber wenn ich meine Gefühle stets in mich verschließen konnte, meiner Frau sah man die Freude über ihr spätes Eheglück an.

Man? Nur Judith, die eine Art Eifersucht empfand und die sich an mir rächte, so teuflisch, wie es nur eine in ihren echtesten Gefühlen gekränkte, betrogene, bis zur Verzweiflung enttäuschte Frau tun kann. Sie hatte jetzt die Adresse ihres Freundes erfahren, oder er hatte ihr geschrieben – ich habe es nie genau gewußt –, eines Abends war sie fort, hatte nichts mitgenommen als ein paar Seidenkombinations und zwei Dutzend Strümpfe, all ihr Parfüm und ihre silberne Toilettengarnitur, hatte einen Brief hinterlassen, worin sie meinem Vater schrieb, meine Frau hätte ihr das Leben in ihrem Vaterhaus zur Hölle gemacht. Sie liebe einen Mann, der ihr unerreichbar sei. Sie wolle ihm ihre Unschuld hingeben und nach dieser Nacht sich nicht mehr überleben.

Mein Vater war ein alter Mann. Aber wer geglaubt hätte, daß seine Leidensfähigkeit abgestumpft war, hätte ihn jetzt sehen müssen, wie er schreiend, weinend, sich die wenigen Haare raufend durch die Wohnung eilte und in allen Ecken suchte, wie er unaufhörlich nach der verlorenen Tochter rief. Ich glaubte zuerst, es sei etwas Komödie dabei. Aber er aß nicht, er hockte trüben Blicks, Tränen auf Tränen in seinen grauen Spitzbart hinab vergießend, in einem Winkel, und wehe mir und wehe meiner Frau, wenn wir uns nähern wollten. Da zeigte er, daß er nicht nur die Leidensfähigkeit eines Jünglings bewahrt hatte, sondern auch die Kraft zu hassen, eine Sicherheit, einen Menschen dort zu treffen, dort, wo er zu treffen war.

Meine Frau hatte vorsichtig versucht, ihm klarzumachen, daß Judith soviel Wäsche mitgenommen hatte, daß sie es sicherlich nicht bei dieser einen Nacht bewenden lassen würde. Er schrie sie in Gegenwart meiner Mutter an: ›Geh aus meinen Augen, verworfenes Mensch! So lohnst du es, daß wir dich und deinen Bastard zu uns genommen haben!‹ Ich begütigte meine arme Frau, die, nicht zum erstenmal, ihre alten Sünden abbüßte. Ich verteidigte sie. Aber dann ging seine Wut weiter, sie entlud sich auf mich. Ich fürchtete für seine Gesundheit. Er sprang auf, wollte gegen uns beide los, plötzlich griff er sich ans Herz und sank zusammen. Er war fahl, die Haut war feucht, er atmete schnell und flüchtig, wir riefen ihn beim Namen, benetzten die Stirn mit Essig, ich gab ihm eine Kampferinjektion. Endlich, nach langen Minuten, schlug er die Augen auf, schloß sie wieder. Der Puls wurde schnell besser. Wir verließen ihn auf den Zehenspitzen. Meine Mutter und das Dienstmädchen – wir hatten jetzt nur noch eines – brachten ihn zu Bett. Ich war nachts bei ihm. Er schlief. Der Puls war beschleunigt, aber glücklicherweise sehr gut. Am nächsten Tage war er bei Bewußtsein, er erkannte seine Umgebung, er sprach, wenn auch nur leise und mit etwas Mühe, aß mit Appetit. Aber sein linker Mundwinkel und das linke Augenlid hingen etwas herab, er hatte einen leichten Schlaganfall erlitten. Er war still, ernst, geduldig. Seine Wut war verraucht, er wollte nur noch Judith sehen – und sterben. Wie sie ihm bringen? Sollten wir an den Litfaßsäulen anschlagen lassen: Liebe Judith, komme zu deinen tiefbetrübten Eltern zurück, es wird alles geregelt?

Auch Jagiello war hier und erhöhte die Verwirrung. Mein Vater hatte vielleicht schon vorher an ihn als den künftigen Ehemann Judiths gedacht. Jetzt war es schwer, ihm die Tatsachen zu verbergen, aber ebenso schlimm, sie ihm zu sagen. Ich zog das Letztere vor. Er erblaßte. Er hatte sich immer gerühmt, über die Vorurteile der Unberührtheit einer Braut erhaben zu sein. Aber doch nur für andere, nicht für sich. Immerhin faßte er sich schnell. ›Ich bringe sie euch zurück!‹ ›Wie willst du das anfangen?‹ fragte ich. ›Weißt du, wie der alte Don Juan heißt?‹ Ich wußte es leider nicht, aber meine Mutter wußte es, wie sich zu unserem Staunen herausstellte. Meine Mutter weinte, vor Scham errötend wie ein junges Mädchen. Sie hatte öfters Briefe von ihm an unsere Judith aufgefangen. ›Gut!‹ sagte Jagiello, ›ich gehe jetzt, ihr habt bald Nachricht von mir. Aber ich möchte erst noch mit Papa sprechend ›Papa‹ war mein Vater. Ich war bei diesem Gespräch anwesend. Es handelte sich um die Mitgift, die Judith bekommen sollte, wenn sie Jagiello nahm. Mein Vater sprach von der hohen Versicherungspolice. ›Das war gut vor dem Sündenfall‹, sagte Jagiello roh, ›aber jetzt? Vielleicht bringt sie mir ein Baby mit, wenn sie unter dem weißen Brautschleier neben mir aus der Kirche kommt.‹ Mein Vater versprach eine große Summe, die aber, wie ich genau wußte, weit über seine Kräfte ging. ›Bringen Sie sie mir! Versprechen Sie es mir! Bringen Sie sieh Jagiello versprach nichts, sondern ging. Am nächsten Tag rief er an. Er hatte sich mit ihr in Verbindung gesetzt. Sie lebte, war gesund und sehr traurig. ›Und wann kommt sie?‹ Jagiello wurde etwas verlegen am Telephon. Er hatte einen etwas delikaten Vorschlag: meine Frau und ich sollten auf einige Tage verschwinden, um der armen verführten Judith die Wiederkehr ins Elternhaus leichter zu machen. Was sollten wir tun? Wir fügten uns.

Wir unternahmen eine kleine Reise nach Puschberg. Da sich die Finanzen meines Vaters täglich verschlechterten, hatte er uns vorgeschlagen, uns von dem Landhaus zu trennen. Wir wollten unten einen Käufer suchen. Meinen Eltern war alles recht, wenn wir beide für einige Tage abwesend waren. Indessen wurde nichts aus dem Verkauf. Die Summe, die man uns dort bot, war zu gering. Als wir heimkehrten, kamen wir gerade zurecht, die Verlobung meiner Schwester mit Jagiello zu feiern. Das war ein Glück. Aber ein noch größeres Glück war es, daß wir rechtzeitig kamen, um die kleine Eveline zu pflegen. Hatte man sich in unserer Abwesenheit nicht genug um sie gekümmert trotz der Schwüre und Versprechungen, oder war es ein unglücklicher Zufall – Eveline fieberte hoch, der Arzt dachte angesichts der erblichen Belastung an tuberkulöse Meningitis, die immer tödlich endet, und während im Salon die Gläser klangen, saßen wir beide voll Zittern und Beben an dem Krankenbett unserer Kleinen. Ich kannte meine Frau, ich wußte, daß sie die Pflege kranker Kinder meisterhaft beherrschte. Und doch mißtraute ich ihr, ich hätte Gott-weiß-wen hierherrufen, dem Schicksal Gott-weiß-wieviel anbieten mögen, wenn uns nur Nischy erhalten blieb. Und während wir dem leichenblassen, trocken fiebernden Kind das Thermometer zum drittenmal im Lauf des Nachmittags einführen wollten, kam ein furchtbarer, dröhnender Lärm aus dem Salon, wo gefeiert wurde. Beinahe hätte meine Frau das Thermometer fallen lassen. Wir sahen uns schreckensbleich an, Nischy war erwacht aus ihrem Halbschlaf, wimmerte, und mit Mühe beruhigten wir sie. Es war der Mühe nicht wert. Alles stand gut, und Jagiello hatte sich eben nur bei seiner Verlobung als Sesselmörder produziert. Der Schreck schadete unserer Kleinen nichts. Nach sechs Tagen wurde sie fieberfrei und stand auf. Jetzt hatte auch ich Grund zu feiern: vor allem die völlige Genesung meiner kleinen Nischy, bei der es sich Gott Sei Dank nur um Masern gehandelt hatte, bei denen der Ausschlag verspätet aufgetreten war. Dann aber auch eine andere Sache, die ich nicht verdient hatte und auf die ich nicht vorbereitet war.

Damals war der Hofrat Dr. Julius Peèírka Dekan der medizinischen Fakultät. Ich hatte ihn noch gekannt, als er Prosektor auf der Anatomie gewesen war. Er hatte mir bei der Carotisdrüse geholfen. Eines Tages gab mir mein Vater mit bitterem Lächeln einen aufgerissenen Brief von der Fakultät. Er hatte geglaubt, er sei an ihn gerichtet, nicht an mich. Ich sollte den Dekan aufsuchen. Ich tat es. Was konnte er von mir wollen? Er empfing mich mit einer gewinnenden Freundlichkeit, fragte mich nach meinen Plänen. Ich hatte damals auf eine Anregung des modernen und sozialistischen Jagiello auch eine Arbeit über die sozialen Indikationen in der Augenheilkunde! begonnen, die sehr interessante Resultate lieferte. Es gibt Augenkrankheiten bei Armen und solche bei den Reichen. Unsere Therapie ist in allen Fällen gleich. Aber die Erfolge nicht. Die Fabriksarbeiter nehmen die Arbeit zu früh auf, sie begeben sich zum Teil zu Rad in ihre Arbeitsstätte, und das Pedalieren bei gebückter Haltung sprengt so und so viele Hornhautwunden etc. etc. Der Dekan hörte sich dies und ähnliches mit großer Geduld an, dann machte er mir den Vorschlag, die Arbeit möglichst rasch zu beenden und sie ihm mit den Abdrucken der früheren Arbeiten zu übergeben. ›Ich weiß nicht, welchen Wert derartige soziale Studien für die exakte Wissenschaft haben, aber ich glaube, daß Ihre Studie über die Sehnervenatrophie schon für eine Dozentur genügt.‹ Ich strahlte. ›Grüßen Sie Ihren Vater, wir wünschen ihm von der Fakultät aus schnelle Besserung. Lassen Sie sich also wieder einmal sehen und warten Sie nicht zu lange wie damals bei Ihrer Jugendarbeit. Vielleicht ist Ihnen unrecht geschehen.‹ Ich widersprach. ›Na ja, das ist vorbei. Wir waren alle damals jung.‹ Mein Vater war nicht ebenso entzückt von meiner Dozentur. ›Und was dann, wenn man uns verwechselt? Du bist nur ein Dozent, ich aber ein Professor!‹ ›Man hat mir gesagt‹, log ich, ›einen Mann wie dich könne ich niemals im Leben erreichen. Es gilt eigentlich dir, daß man mir eine Dozentur anbietet. Sie bitten dich, du sollst dich bald auf der Fakultät zeigen – oder sie kommen zu dir!‹ Jetzt war er es, der strahlte. Er eilte sofort in den Salon zu Jagiello, um ihm dies mitzuteilen. Sie waren und blieben die besten Freunde. Durch Jagiello erfuhr ich übrigens auch – und dies war ein dritter Grund zur Freude für mich –, daß mein Jugendfreund, der Philosoph und Paralytiker Perikles, nach einem Aufenthalt in der Landesirrenanstalt als geheilt entlassen worden sei, daß er eine neue Philosophie ›entdeckt‹ habe und in den Tageszeitungen sehr interessante Artikel über den Krieg und seine Folgen veröffentliche, zum Beispiel einen unter dem Titel: Nun erst recht! Nun erst Recht!

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