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Der arme Verschwender

: Der arme Verschwender - Kapitel 40
Quellenangabe
pfad/weiss/armevers/armevers.xml
typefiction
authorErnst Weiss
titleDer arme Verschwender
publisherRowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
year1980
isbn3499145677
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Sechstes Kapitel

1

Als ich in meinem Zimmer wieder das Licht anzündete, sah ich auf dem Schreibtisch, von meinen Tränen naß geworden, ein Telegramm. Ich nahm es in die Hand, trocknete es mit meinem Taschentuch ab und ging in dem Zimmer hin und her. Sollte ich es lesen? Sollte ich mir das Unvermeidliche noch schwerer machen lassen? Ich erwartete nichts Gutes mehr von der Welt, und die Welt konnte nichts Gutes von mir erwarten.

Ich suchte nach den Papierschnitzeln. Ich hatte vorhin das schöne weiße Blatt mit meinem Testamentsentwurf zerrissen. Wohin waren die Papierschnitzel gekommen? Ich überlegte. Und doch war nichts auf der weiten Welt gleichgültiger als diese Beantwortung der müßigsten aller Fragen. Aber ich fand sie dennoch. Die Direktorin war hier gewesen. Sie hatte das Telegramm gebracht, das vorhin der Postbote, den ich im Hofe gesehen hatte, in der Kanzlei abgeliefert hatte.

Die Direktorin hatte jetzt scharfe Augen. Der Prozeß in ihren Augen war alt, die Entzündung war jung. Das künstliche Fieber hatte unter Leiden und Schmerzen geheilt, was die mildeste Medizin nicht hatte heilen können. Plötzlich sah ich meinen Freund Perikles vor mir. Auch seine Krankheit war ein alter Prozeß, er mochte sich sein Leiden durch eine billige Freude geholt haben vor vielen Jahren. Nun lag er dem fiebernden Grafen gegenüber, und ich hoffte, ein künstliches Fieber würde ihn heilen, das heißt: ihm die vollständige Vertierung ersparen, und ihm hinüberhelfen. Schon hatte ich Gewissensbisse. Durfte ich über sein Leben verfügen, das mir nicht gehörte? Ich griff nach dem Telephonhörer, um einen Gegenbefehl zu geben. Als ich ihn an mein Ohr hob, spürte ich im rechten Ellbogen einen heftigen Stich. Plötzlich erinnerte ich mich. Hier war die Stelle, wo man mir vor wenigen Stunden das Blut abgenommen hatte, um Eveline zu retten. Es schlug etwas Unbeschreibliches in mir empor, ich hätte mich selbst zerreißen mögen. Ich wollte nie mehr etwas von ›retten‹ wissen, ich legte den Hörer wieder zurück auf die Gabel. Auf dem Nachtkästchen, sauber auf einem Mullpolster, lag meine Injektionsspritze, die mir hinüberhelfen sollte. Das war die letzte Rettung, die ich in meinem Leben vorhatte. Zerreiße das Telegramm ungelesen, sagte ich zu mir. Setze dich dann hin und mache dir die Injektion. Alles, was du noch zu tun hast, hast du dann getan.

Eine furchtbare Müdigkeit überkam mich. Mein Knie, dem ich an diesem höllischen Tage zuviel zugemutet hatte, begann zu schmerzen. Auch das noch! sagte ich zu mir. Ich lag in dem bequemen Lehnstuhl, das weiße Läppchen und die bis an den Rand gefüllte Spritze vor mir. Neben ihr ein Fläschchen mit Alkohol. Wenn nur die Direktorin in ihrer allzu großen Ordnungsliebe nicht den Inhalt der Spritze mit unschuldigem Alkohol vertauscht hatte?! Zuzutrauen war es ihr. Dann stand mir statt einer schnellen Erlösung nur ein kleines Räuschchen bevor. Ich wollte es nicht darauf ankommen lassen, entleerte die Spritze und suchte die Ampullen, die ich brauchte. Ich fand sie nicht. Der Ordnungsteufel, die alte Sauberkeitshexe, hatte sie mitgenommen. Ich mußte mir neues Gift im Zentralgebäude holen. Dabei aber durfte ich niemandem begegnen. Ich wollte keinen Menschen mehr sehen. Als ich aufstehen wollte, begann der Schmerz im Knie so heftig zu werden, daß ich stöhnend zusammensank. Ich hatte aber Geduld. Ich war fest entschlossen und konnte einige Minuten warten. Hatte ich doch sechs Tage und Nächte gewartet! Ich sah das Telegramm immer noch vor mir liegen. Ich öffnete es aus Langerweile.

Vater Schlaganfall. Furchtbare Vermögensverluste. Dein Kommen dringendst erwünscht. Deine Mama.

Ich liebte Eveline seit zehn Jahren. Ohne sie war mein Leben nur eine Last für mich. Meinen Vater liebte ich seit fast dreißig Jahren. Ich liebte ihn nicht mehr so abgöttisch wie als Kind. Aber ich wollte ihn nicht schnöde im Stich lassen. Ich ging zum Telephon, wollte meine Frau anrufen. Dann aber stockte ich: was dann, wenn mich meine Familie brauchte, wenn mein Vater so schwer krank war, daß ich ihn ersetzen sollte, was dann, wenn er im Sterben war? Ich dachte an Eveline. Die ist noch warm, dachte ich, sie wird jetzt noch nicht die Kälte einer Leiche haben. Wer hat ihr die Augen zugedrückt? Warum hast du es nicht getan? Hast du dich davor gefürchtet?

Ich hatte nie verstanden, warum man einen Toten auf seinem letzten Lager aufsucht, ich hatte nie gewußt, was er einem noch zu sagen hatte. Sie hat gelebt. Du hast sie geliebt. Sie war krank. Du hast sie gepflegt. Sie ist gestorben. Du hast sie begraben. – Ich hatte sie nicht begraben. Ich hatte nur an mich gedacht, nur an die beste Methode, einem kaum zu ertragenden Schmerz zu entgehen. Wie damals, als man mir das Knie durchgeschossen hatte, war mein erster Gedanke gewesen, mich den Schmerzen, die über meine Kraft gingen, durch Selbstmord zu entziehen. Entziehen? Oder am Leben bleiben? Im Grunde wollte ich es nicht. Ich wollte aber etwas tun. Eine Tat ist immer etwas Schönes, Befreiendes, selbst wenn sie unsinnig ist. Deshalb ist die Tat ohne Ziel so gefährlich. Ich hatte aber kein Ziel mehr. Was nun? Niemand konnte mir raten, entscheiden mußte ich. Ich nahm noch einmal den Telephonhörer hoch, ich meldete das Gespräch bei meinem Vater an, ich rief dann durch das Haustelephon den Chefarzt und die Direktorin zu mir. Sie kamen. Wir saßen alle drei um den Schreibtisch. Die Injektionsspritze hatte ich in der Schublade des Nachttisches verschwinden lassen. Wenn ich sie noch für andere verwenden sollte, mußte sie ausgekocht, desinfiziert werden, genau so desinfiziert wie diese Zimmer hier, in denen meine Eveline gelebt und lange gelitten hatte. Da sie aber nie mehr hierher zurückkommen würde, war mir alles gleichgültig. Endlich begann Mohrauer. Wir besprachen zu dritt das Notwendige. Zwischen den sachlichen Besprechungen rannen mir die Tränen stromweise über die Wangen, ich wischte sie mit dem Taschentuch ab, als wäre es ehrlicher Schweiß bei einer notwendigen, geachteten Arbeit. Wir warteten, bis sich meine Familie meldete. Es dauerte lange. Inzwischen sollte besprochen werden, wo und wie Eveline begraben werden sollte. Wir wußten nicht, wieviel Geld sie bei sich hatte. Die Kosten des Privatsanatoriums hatte sie wahrscheinlich im Vornherein erlegt, ihre Wertsachen, mit Ausnahme ihrer schönen kostbaren Ringe, dort im Büro abgegeben mit ihren Papieren. Wir riefen dort an und erfuhren, daß der Betrag, der noch zur Verfügung stand, nach Abzug der Operations- und Verbandskosten ganz gering war. ›Was haben Sie also vor?‹ fragte die Direktorin. ›Wir müssen dafür aufkommen, man kann sie nicht wie einen Hund in der Erde verscharren‹, sagte ich, ›wenn es nicht anders geht, Herr Chefarzt, werden Sie mir das Geld vorstrecken.‹ ›Nicht gesagt! nicht gesagt! Sie großer Verschwender! Ich werde es mir noch gut überlegen!‹ antwortete er, als könne man über einen so ernsten Gegenstand Witze reißen. ›Und wie steht es damit?‹ Er hatte das Telegramm, das auf dem Tisch lag, in seiner alten Unverschämtheit durchgelesen. Ich zuckte die Achseln. ›Ich habe daheim angerufen, ich erwarte Bescheid.‹ ›Ja, mein Lieber‹, sagte er stupid, ›so kommt immer alles im Leben zusammen.‹ Ich schwieg, und wir sahen jeder vor sich hin auf die grüne Schreibtischlampe. ›Schlimmstenfalls begraben wir das schöne Kind hier bei uns auf dem Dorfkirchhof. Was kann das kosten? Ich habe Kredit. Ich liefere ja der Gemeinde jedes Jahr meinen Tribut‹, sagte er. ›Die arme kleine Frau wird hier ebensogut ruhen wie in einem hocharistokratischen Erbbegräbnis. Auch ich will nicht anderswo begraben sein‹, sagte die Direktorin. Daraufhin versiegte das Gespräch. Der Chefarzt zündete sich eine Zigarette an, und die Direktorin tat desgleichen. ›Wollen Sie nicht doch etwas essen?‹ fragte sie mich mütterlich, ›solche Tage strengen an. Gott weiß, was Sie noch von daheim erwartet.‹ Ich dankte. Nach einer Viertelstunde fragte ich in der Zentrale an, ob man das Gespräch bei der Post angemeldet habe. ›Eben, vor zwei Minuten.‹ ›Warum nicht schon längst?‹ ›Der X. und der Y.‹ (zwei Leichtkranke, die sonst in dem Büro mithalfen) ›haben die Grippe, ich konnte mich nicht früher freimachen. Die Verbindung muß in einigen Minuten da sein.‹ Ich dankte. ›Was ziehen wir der Armen ins Grab an?‹ fragte die Direktorin. Ich vergoß wiederum etwas Augenschweiß, Tränen genannt. Diesmal hatte der Chefarzt ein menschliches Rühren. ›Törichtes Weibervolk!‹ sagte er. ›Lassen Sie doch den armen Kerl in Ruhe!‹ ›Sie hat ja zwei Koffer voll Kleider mitgehabt‹, fuhr die alte Frau unbarmherzig fort, ›da wird doch etwas Passendes darunter sein. Den Pelz geben wir keinesfalls mit.‹ Ich schüttelte den Kopf. Ich wollte, daß sie im Pelz begraben würde. Ich erinnerte mich des Abends, als ich sie von der Bahn abgeholt hatte, und als sie sich in dem kalten Hotelzimmer mit dem Pelz zugedeckt hatte. ›Sehen Sie denn nicht‹, grollte der Chefarzt, ›daß Sie ihn quälen. So alt und noch so sadistisch!‹ ›Pfui!‹ sagte die alte Frau und lachte. Er stand auf und wollte gehen, ›das sehe sich ein anderer an.‹ ›Sie alter Kindskopf‹, sagte die Direktorin sehr gutmütig, ›Sie sind Hagestolz, haben nicht einmal einen Hund, der Ihnen nach Ihrem Ende eine Träne nachweint, wie wollen Sie bei einer Angelegenheit mitreden, die unter Menschen spielt?‹ ›Übertrieben! Übertrieben wie immer!‹ sagte er und setzte sich wieder hin, denn jetzt begriff er nicht, daß ich Höllenqualen litt, während er sich mit der alten Frau stritt. Zum Glück meldete sich jetzt das Hauptpostamt der Stadt, wo mein Vater lebte, und die Verbindung war fast augenblicklich hergestellt. Meine Frau war am Apparat. ›Wie geht es jetzt Papa?‹ fragte ich. ›Er schläft.‹ ›Ist er bei Bewußtsein?‹ ›Natürlich! Er ist aber furchtbar mitgenommen, der Arzt spricht von einem Zusammenbruch.‹ ›Zusammenbruch? Mama telegraphiert: Schlaganfall.‹ ›Vielleicht ist es auch ein leichter Schlaganfall. Er hat jedenfalls die Sprache verloren, und wir haben ihn ohnmächtig auf dem Teppich in seinem Sprechzimmer gefunden, die Abrechnung von der Bank in der Hand.‹ ›Also hat er doch das Bewußtsein verloren?‹ fragte ich hartnäckig. ›Jetzt gib endlich Ruhe!‹ sagte sie mit scharfer Stimme, der gleichen, wie sie sie einst in Puschberg gehabt hatte, ›es hilft nichts, du mußt deine Gaby im Stich lassen und augenblicklich kommen.‹ ›Wen? Welche Gaby?‹ ›Du hast zu kommen‹, wiederholte sie aufgeregt, ›Mama und ich wissen nicht, was aus uns und den Kindern werden soll, du mußt sofort kommen. Mit welchem Zuge kannst du hier sein?‹ Ich überlegte. Ich legte die Hand auf den Hörer, so daß Vally keinesfalls etwas verstehen konnte, und fragte den Chefarzt und die Direktorin: ›Was soll ich tun? Soll ich sofort heimreisen, oder soll ich die Beerdigung abwarten?‹ Der Chefarzt wollte etwas sagen, aber die alte Frau fiel ihm ins Wort: ›Sie haben vorläufig zu bleiben. Unbedingt.‹ ›Warte noch einen Augenblick, Vally‹, sagte ich in den Hörer, ›ich überlege es mir.‹ ›Wir sprechen aber schon sieben Minuten‹, mahnte sie. Ich legte den Hörer wieder vor mich hin auf die Schreibtischplatte. ›Wann kann die Beerdigung stattfinden?‹ fragte ich die beiden. ›Zwei bis drei Tage dauert es. Transport, Einsegnung in der Kirche, Verhandlungen mit der Friedhofsverwaltung. Das dauert seine Zeit.‹ ›Zwei Tage?‹ Die alte Frau schüttelte den Kopf. ›Wir müssen uns über das Kind schlüssig werden. Was soll denn aus dem unseligen Erdenwurm werden?‹ ›Drei Tage!‹ sagte ich zu Vally. ›Das ist ja unmöglich‹, antwortete Vally und schrie so, daß die anderen es hörten, ›du kannst deine Angehörigen nicht immer verkaufen und verraten.‹ ›Höre, Vally‹, sagte ich, ›ich weiß, daß du es mit uns gut meinst. Ein wenig Geduld. Bitte, habe Geduld mit mir. Ich komme unbedingt.‹ ›Versprichst du es mir?‹ fragte sie, so leicht beruhigt und versöhnt wie immer. ›Ich werde morgen um acht Uhr wieder anrufen.‹ ›Besser nach neun Uhr‹, antwortete sie, ›der Arzt will um acht Uhr zu Papa kommen.‹ ›Gut‹, sagte ich, ›morgen sind wir weiter als heute.‹ ›Willst du deine Mutter sprechen?‹ ›Ja, wenn sie kann.‹ ›Sie hat ein Schlafpulver genommen, soll ich sie wecken? Wir haben den ganzen Abend auf ein Telegramm von dir gewartet.‹ ›Nein, lasse sie schlafen. In bezug auf das Vermögen soll nichts geschehen, bevor ich da bin. Versuche dir heute nacht einen Überblick zu verschaffen ...‹ ›Nein, du mußt kommen, ich kann die Verantwortung nicht übernehmen, die Verluste sollen in die Millionen gehen.‹ ›Ja, liebe Vally‹, sagte ich sehr weich, ›ich komme. Die Millionen von heute sind nicht mehr die alten Millionen. Rege Papa nicht auf! Wir sprechen morgen früh weiter. Jetzt schlafe wohl. Beruhige dich! Ich werde euch nicht im Stich lassen!‹ ›Ich, ich brauche dich sehr‹, sagte sie, ›schlafe auch du gut. Ich danke dir.‹

Während dieses langen Gespräches war der Chefarzt fortgegangen. ›Wir müssen jetzt die Angelegenheit des Kindes ordnen‹, sagte die unerbittliche alte Frau. ›Ist es getauft? Sind die Angehörigen verständigt?‹ ›Ja, aber ich weiß nicht, ob sie sich gemeldet haben.‹ ›Wir fragen in der Privatklinik an.‹ ›So spät?‹ gab ich zurück. ›Einerlei. Wir müssen wissen, woran wir sind.‹ Wir riefen an und erhielten den Bescheid, daß sich die Familie Evelines bis jetzt nicht gemeldet hätte. ›Wie geht es dem Kind?‹ fragte ich. Die Direktorin sah mich etwas erstaunt an. ›Dem Säugling geht es bis jetzt gut. Wir ernähren ihn künstlich, morgen oder übermorgen beginnen wir damit.‹

Drei Tage nachher bestatteten wir Eveline. Auf dem Dorfkirchhof, wo unsere Kranken begraben lagen, sproßte schon das erste Grün. Auf meine Bitte hatte man der Toten ihr schwarzes Abendkleid angezogen, es hatte zwar keine Ärmel, und der Rock war etwas kurz. Aber darüber kam der Pelz. Die Hände bekleideten wir mit langen schwarzen Handschuhen, dann gaben wir ihr ein einfaches schwarzes Kreuz mit silbernem Heiland in die Hand. Man hatte ihr die Ringe abziehen wollen. Aber ich wußte, daß sie während des Lebens immer an ihrem Schmuck gehangen hatte. So sollte sie ihn auch hier behalten.

Der Chefarzt folgte gelangweilt den Zeremonien des Dorfpfarrers. Sein Blick schweifte ab auf die umliegenden Gräber, und ich erkannte an seinem Gesichtsausdruck, daß er über seine Patienten hier und ihre längst vergangenen Geisteskrankheiten nachdachte. Ich konnte an nichts denken. Ich war wie gelähmt und wollte nur, daß alles zu Ende sei. Sofort nach Beendigung der kurzen Trauerrede, kaum daß er mir die Hand gedrückt hatte, zündete der Chefarzt sich eine Zigarre an.

Er hatte mir das nötige Geld geliehen. Er war väterlicher als je, und ich mußte ihm schwören, daß ich zurückkomme. Bis zum Abgang des Zuges hatte ich noch etwas Zeit. Er hatte mir das Anstaltsauto zur Verfügung gestellt. Es war also noch früh. Ich ging noch einmal in die Privatklinik, fragte nach Briefen. Man mißverstand mich. ›Die Dame hat nichts an Sie hinterlassen‹, sagte mir die Oberschwester, eine Nonne, die übrigens auch bei der letzten Ölung ministriert hatte. ›Wir haben leider gar nichts gefunden.‹ ›Ist von den Angehörigen keine Nachricht gekommen?‹ ›Nein, ihr Mann meldet sich nicht. Wir haben an den Schwager geschrieben. Es soll auch noch ein Bruder da sein. Die Dame hat uns die Adresse auf alle Fälle hinterlassen. – Aber dem Kinde geht es gut, es ist eine Freude, es anzusehen.‹

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