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Der arme Verschwender

: Der arme Verschwender - Kapitel 33
Quellenangabe
pfad/weiss/armevers/armevers.xml
typefiction
authorErnst Weiss
titleDer arme Verschwender
publisherRowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
year1980
isbn3499145677
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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6

Ich las erst jetzt den Brief Evelines. Es war ein glühender Liebesbrief, so leidenschaftlich, daß ich nicht verstand, wie er an mich gerichtet sein konnte. Sie kannte mich doch nicht, wie konnte sie mich so lieben? Aber ich wollte nicht an ihr und an meiner Liebe zweifeln. Ich verabredete vor allem brieflich mit ihr, wie wir uns in Zukunft verständigen sollten, ohne daß ein Dritter unsere Briefe überwachte. Ich legte ihr meine Lage dar. Wir waren beide katholisch, und die katholische Kirche kennt keine Scheidung, keine Wiederverheiratung der nach bürgerlichem Gesetz geschiedenen Gatten. Aber das galt nur für das alte Österreich, das nicht mehr bestand. Mir machte der Gelderwerb Sorge. Die einzige Aussicht, sofort zu Arbeit und Brot zu kommen, war die Assistentenstelle in der Anstalt, in welcher Perikles lebte. Aber würde mir Eveline, an ein großes Haus und an Luxus gewöhnt, dahin folgen wollen? Sie antwortete sogleich auf diese Frage. Sie wollte mit mir glücklich sein, gleichviel wo, gleichviel wie, in einer Ehe oder ohne Ehe.

Ich begab mich Anfang Januar, nachdem ich an Dr. Mohrauer um die Assistentenstelle geschrieben hatte, zum Direktor unseres Krankenhauses und kündigte. Er tat, als sei er sehr überrascht, aber ich ersah aus unserem Gespräch, daß mein Vater ihn von meinem Entschluß benachrichtigt hatte. Ich hatte meinem Vater noch nichts davon gesagt, solange ich mit Eveline nicht im reinen war, aber er kannte mich zu gut, er konnte in mir lesen. Ich in ihm nie.

Der Direktor rühmte meine schwachen ärztlichen Leistungen. ›In Anbetracht der kurzen Zeit haben Sie eine ganz ungewöhnliche Sicherheit bei Operationen gewonnen, und vor allem muß ich Ihre fast religiöse Gewissenhaftigkeit anerkennen. Ich würde Sie ungern gehen lassen. Sie sind in einer guten Schule gewesen, oder in zweien, in der Ihres Herrn Vaters und in der des Krieges. Sind Sie von Ihrer Verletzung wieder ganz hergestellt?‹ Ich errötete und schwieg. Meine Kniewunde war nicht ganz geheilt, es bildeten sich von Zeit zu Zeit kleine Fisteln, ich hatte Schmerzen und ab und zu geringes Fieber. ›Was haben Sie‹, fragte er teilnahmsvoll, ›setzen Sie sich doch!‹ Ich setzte mich hin, mein steifes Bein ungeschickt vor mich hinstreckend. Die Tränen waren mir nahe. ›Nun gut, schon gut‹, sagte er, ›ich sehe, Sie haben etwas Erholung nötig. Ich habe es nur gut gemeint. Wir alle haben Ihnen dankbar zu sein. Eure Schuld ist es nicht, wenn es mit unserem armen Lande so weit gekommen ist!‹ Er glaubte, ich sei ihm böse wegen seiner Taktlosigkeit. Aber mich hatte es nur ergriffen, daß er als fremder Mensch nach meiner Wunde fragte, während mein Vater, meine Mutter, meine Frau nie danach fragten, und doch mußten meiner Frau die Verbandstoffe aufgefallen sein, die ich verwendete, sah doch ihr scharfes Hausfrauenauge alles.

Gerade das erleichterte mir meinen Entschluß. Ich hatte eben keine Frau, ich hatte keinen Vater, ich hatte keinen Beruf, denn die Augenheilkunde füllte mich nicht aus, ich hatte kein festes Vaterland, denn das alte große Österreich war dahin auf immer. Aber ich hatte mich, ich war gesund, das Knie konnte mich nur stören, aber es konnte nicht mehr gefährlich werden, ich hatte Eveline, die mir vertraute. Mein Brot würde ich finden.

Ich hatte etwas Angst, Eveline zu begegnen, ich gestehe es. Wenn ich daran dachte, daß ihre Gesundheit keineswegs so zähe war wie die meine, übermannte mich ein tiefes, schmerzhaftes Mitleid und schnürte mir die Kehle zusammen. Aber wenn ein Mann sich für sie opfern, wenn ein Arzt mit allen Kräften für sie sorgen konnte, so wollte ich es sein. Mochte ich mir sonst zuviel zugemutet haben, hier nicht. Und wenn sie sterben mußte? Auch dann! Bis zum letzten Augenblick alles für sie tun, ihr Schmerzen, unnütze Leiden, das Wissen um den Untergang ersparen und bis zum Schluß ihre Hand in der meinen halten, ich dachte es mir zwar nicht leicht, aber doch menschenmöglich! Viel vermochte die moderne Wissenschaft. Und gerade die innere Medizin, die Behandlungsmethoden der tuberkulösen Lungenkrankheiten hatten Fortschritte gemacht. Daheim durfte niemand von meinen Plänen wissen. Ich hatte es so mit Eveline besprochen. Aber alle wußten es. Zuerst kam Judith, das schöne, blühende, bezaubernde – und doch so fremde Geschöpf, und, ungeschickt und scheu, wie sie war, suchte sie stotternd und errötend ihren Auftrag auszurichten, so gut sie konnte. Mein Vater ließ mich nicht gern ziehen. Er schickte das schöne Kind Judith vor, als ob ihr niemand widerstehen könnte. Ich lächelte sie gutmütig an, wie ein so viel älterer Bruder sein Schwesterchen, und versprach zu bleiben. Auch sie zeigte ein Lächeln wie eine Braut, ein sehr süßes, bestrickendes Lächeln ihrer korallenroten, etwas dünnen Lippen und sagte: ›Bruderherz, vielleicht nimmst du mich mit?‹ Ich streichelte schweigend ihren Kopf, und sie ging, die Locken schüttelnd und sich neugierig in meinem ärmlichen Zimmer umsehend.

Mitte des Monats kam eines Abends meine Mutter. Sie setzte sich seufzend in dem alten Lehnstuhl nieder, der mein kleines Zimmer fast ausfüllte, verschränkte ihre Hände – wie waren sie alt geworden! – in ihrem Schoß und wartete, bis ich anfangen würde zu reden. Aber ich schwieg. ›Du mußt das alles nicht so ernst nehmen‹, sagte sie endlich. ›In jeder Familie kommen kleine Zwistigkeiten vor. Weiche ihm im Anfang etwas aus! Er beruhigt sich wieder!‹ Ich nickte. ›Gerade das will ich‹, sagte ich. Sie verstand mich nicht. ›Verzeihe ihm, wenn er dir wirklich Unrecht getan haben sollte. Was weißt du vom Leben? Was hast du mitgemacht? Er trägt eine ganz andere Last. An allem ist der Krieg schuld, meinst du nicht? Dein Vater hat riesige Verluste.‹ ›Ich weiß‹, sagte ich. ›Du bist ungeduldig, weil du nicht so schnell vorwärts kommst in deinem Beruf‹, sagte sie, ›du bist vielleicht gar ein bißchen neidisch auf seine Erfolge. Du mußt dich aber gar nicht mit einem solchen Genie vergleichen.‹ ›Ich vergleiche mich nicht mit ihm.‹ ›Du bist eben nicht so begabt für das Fach, mein Kind, dafür kannst du nichts.‹ ›Ich sage seit Jahr und Tag nichts anderes, deshalb will ich es ändern.‹ ›Ja, aber wenn er es nicht will? Er wünscht, daß du hier bleibst und nicht neue Dummheiten machst. Gib acht, mein lieber Junge, sieh doch, wie alles steht und geht. Hat er nicht immer recht gehabt? Hättest du es als Großkaufmann nach der Handelshochschule nicht leichter gehabt? Ich habe dir doch auch dazu geraten, wir Eltern haben alles Menschenmögliche getan. Wir haben dich vor Vally gewarnt. Jetzt ist es zu spät. Du läßt deine Wut an der Ärmsten aller Armen aus und zerbrichst die Uhr, die sie dir geschenkt hat, aus reinem Trotz.‹ ›Nein, das hat nicht diesen Grund.‹ ›So, nicht diesen Grund? Und welchen denn? Sie hat mir gesagt, daß du die Uhr so wütend auf die Erde geschmissen hast, daß sie die Splitter vom Boden auflesen mußte.‹ ›Das war aber nicht so, es lag doch der Teppich da.‹ ›Ja, das sagst du immer! Das war nicht so! Du bist nicht der Jüngste, du bist bald dreißig Jahre. Jeder muß einmal Vernunft annehmen. Sieh mich an, deine alte schwache Mutter. Glaubst du, mir ist alles in den Schoß gefallen? Du bist auch mit mir böse, weil ich dich einmal im Scherz Eisenfuß genannt habe. Ist das gar so schlimm? Ich habe eben schwache Nerven, ich kann das Getrampel nicht ertragen.‹ Ich sagte nichts. ›Vielleicht, mein alter Liebling‹, sagte sie und faßte nach meinen Händen, ›sieh mich doch einmal an, vielleicht hätte ich mich mehr um dich kümmern müssen, nicht? Jeder heimkehrende Sohn erwartet ein geschlachtetes Kalb, und das habe ich dir an unserem Tisch nicht genug geboten? Ich bin eben nicht nur deine Mama, sondern die Mutter meiner Kinder, aller meiner Kinder, und die Kleinen und Hilflosen brauchen eben mehr Fürsorge als du, du darfst nicht auf deine Geschwister eifersüchtig sein. Vielleicht habe ich trotz allem keines so lieb, wie ich dich lieb gehabt habe, als wir noch allein waren, ich und du.‹ Sie wurde von ihren rührseligen Worten ergriffen, und die Tränen tropften ihr über die schlaffen Wangen. Ich konnte es nicht ansehen. ›Zwischen uns hat es doch nie Streit gegeben, Mama‹, sagte ich, ›ich werde dir nie einen Vorwurf machen, das mußt du wissen.‹ ›Ja‹, sagte sie schluchzend, ›du wirfst mir vor, daß ich damals nicht gesagt habe, daß ich die Unterschrift unter den Mahnbriefen gefälscht habe. Aber glaube mir, mein süßer Liebling, dein Vater hätte es mir nie verziehen, und er ist doch mein Mann!‹ ›Ich mache dir keinen Vorwurf‹, wiederholte ich. ›So?! Dann bin ich also beruhigt‹, schloß sie schnell und stand auf. ›Und keinesfalls dürft ihr zu gleicher Zeit aus meinem Hause fort, dein Sohn und du. Nicht wahr, das versprichst du mir doch?‹ ›Ich werde es mir einrichten, so gut ich kann.‹ Mein Sohn sollte in die Klosterschule in Bludenz in Vorarlberg. Ich konnte diesem Wunsche meiner Frau nichts mehr entgegensetzen, und sie wußte es. Ich habe nie erfahren, in welchem Maß sie meinen Sohn – vielleicht ohne es zu wollen – gegen mich einnahm. Ich weiß nur, daß sie möglichst jede Gelegenheit verhinderte, bei welcher er und ich ohne einen Dritten Zusammensein konnten. Trotzdem traf es sich einmal so. Er brauchte für das Internat einen Koffer, und ich ging mit ihm zusammen in ein Geschäft, ohne in dem ersten Laden etwas Brauchbares zu finden. Denn die Lager waren geleert. Aber statt ungeduldig zu werden oder auf einem Koffer zu bestehen, dessen Preis über meinen Mitteln lag, wurde er immer zutraulicher und herzlicher zu mir, er hakte sich in meinen Arm ein, und ich merkte jetzt zum erstenmal, daß er doch etwas an mir hing und daß er sich nicht so leicht von mir trennte. Aber was war zu tun? Weiterleben wie bis jetzt konnten wir alle nicht mehr. Es war ein Wunder, daß es bis jetzt noch ohne Schwierigkeiten gegangen war. Ich sagte meinem Jungen, ich würde ihm regelmäßig schreiben. Ich würde regelmäßig Antwort auf meine Nachrichten erwarten, die ganz kurz gehalten sein könnten. Wenn es ihm an Geld für Porto mangeln sollte, könnte er sie unfrankiert an mich absenden.

Ich erhielt in der letzten Januarwoche einen Brief von Mohrauer in B., er freue sich, mir die Stelle als Assistenzarzt geben zu können. Er hoffe auf gedeihliche Zusammenarbeit. Ich sollte spätestens in den ersten Februartagen in B. sein. – Ich packte gerade meine Habseligkeiten in den alten Studentenkoffer, als mein Vater bei mir eintrat. ›Ich höre‹, sagte er mit einem Blick auf meinen Koffer, der mit der Zeit so abgenützt und schäbig geworden war, daß ich mich schämte, ihn vor Eveline zu zeigen, ›ich höre, daß du die Absicht hast, uns zu verlassen, und finde es merkwürdig, daß du es nicht der Mühe wert findest, mich zu verständigen. Aber natürlich, man ist von seinen Kindern nichts anderes gewöhnt. Aber sei dem, wie es sei. Darf ich mich wenigstens setzen?‹ Der Lehnstuhl war nicht frei, ich hatte meine Kleider und Bücher auf ihm vorbereitet. ›So, das tut gut‹, seufzte er auf, als er sich hier niederlassen konnte. ›Laß dich nicht stören, laß dich ja durch mich nicht stören.‹ Ich hatte natürlich das Packen gelassen und stand vor ihm. Er war alt geworden, die Haare waren grau, der Mund bitter, die Augen trüb, und man sah an dem Übergang der Hornhaut auf die Aderhaut einen weißlichen Ring angedeutet, den Greisenring. Er wollte nicht, daß ich ihn so genau ansah. Vielleicht wollte er nicht bemitleidet sein, nicht so geliebt, wie ich ihn von meiner frühesten Jugend an geliebt hatte. ›So‹, sagte er und stand auf, wie um zu gehen. ›Wir bekommen doch deine neue Adresse? Wenn etwas Post für dich einlaufen sollte, wird sie dir nachgesandt, sie komme, von wem sie wolle. Ich wollte dir noch etwas sagen. Wenn du auf der Priorität deiner Idee – ich denke an die zwei Methoden der Druckmessung am Auge – beharrst, ich werde nicht anstehen, dir Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ich kann es in der Zeitschrift berichtigen, es kann eine Namensverwechslung gewesen sein. Habe ich dich nicht davor gewarnt! – und sein altes undurchsichtiges Lächeln erschien auf seinem Gesicht –, ›den gleichen Beruf zu ergreifen wie ich?‹ ›Nein, Vater‹, rief ich und griff nach seiner Hand, die er mir sehr langsam entzog. ›Es soll alles so bleiben, wie es ist. Ich wähle nur ein anderes Fach, weil ich ...‹ ›Ja, ja, ich weiß‹, schnitt er ab, ›ich wollte dich eigentlich etwas anderes fragen. Man hat mir geraten, die Lebensversicherung für meine Judith in amerikanische Währung umschreiben zu lassen, was hältst du davon?‹ ›Ich bin sehr dafür‹, sagte ich. ›Ja, aber die Gesellschaft tut es nur, wenn sie einen bedeutenden Gewinn bei dieser Gelegenheit einstecken darf ...‹ ›Ich würde es unter allen Umständen tun, denn Amerika ist sicher!‹ wiederholte ich. ›So? Nein, ich tue es nicht. Recht muß Recht bleiben. So, und nun adieu. Viel Glück!‹ Wir sahen uns vor meiner Abreise nur flüchtig. Meine Mutter weinte beim Abschied mehr, als sie bei meinem Abgehen ins Feld geweint hatte. Sie war inzwischen viel älter geworden. Nach einer Fahrt im ungeheizten, schmutzigen Eisenbahnwagen kam ich am 30. Januar in B. an. Unser früheres Haus machte einen trübseligen Eindruck. Die Stadt war sehr trist, es war viel Elend zu sehen. Eveline holte ???mich am nächsten Tage von der Bahn ab.

Sie war zurückhaltend, zuerst redete sie mich mit Sie an, und wir gingen nebeneinander, ohne uns den Arm zu geben, auf der Straße auf und ab. Ich konnte mich zuerst nicht entschließen, sie aufzufordern, in das sehr schlechte, ungeheizte Hotelzimmer zu kommen, wo ich wohnte. Ein besseres verbot sich mir des Preises wegen. Plötzlich drängte sie sich an mich. Ihr kostbarer Pelz duftete herb nach den Fellen und beklemmend nach einem mir unbekannten Parfüm. Ihre großen Steine in den Ohren glitzerten. ›Ich will aber jetzt zu dir!‹ sagte sie.

Sie folgte mir an dem schmierigen, unfreundlichen Portier vorbei in das häßliche Zimmer. ›Soll ich heizen lassen?‹ fragte ich. ›Nein, nicht heizen! Ich will allein sein mit dir‹ – und sie lag an meinem Hals, lachte und weinte, sprach aber nichts. ›Wirst du es nicht zu kalt haben?‹ fragte ich, denn sie hatte zu hüsteln begonnen. ›Ich, zu kalt? Was fällt dir ein? Liebst du mich sehr? Du sollst mich aber gar nicht zu sehr lieben!‹ Sie faßte mich an den Haaren und schüttelte meinen Kopf hin und her, nahm ihn dann in beide Hände und legte ihn an ihre Brust, auf den breiten weichen Kragen von Breitschwanzfell. Dumpf und schnell hörte ich ihr Herz pochen. Ich war glücklich, ich bekam keinen Atem vor Glück. Es war mir, als fiele ich tief. ›Warum sprichst du nichts? Liebe mich nicht zu sehr!‹ wiederholte sie. ›Was bin ich gegen dich?‹ Sie warf sich plötzlich auf den Boden nieder und knüpfte mir meine Schuhbänder auf. Ich war so überrascht, daß ich nichts dagegen tun konnte. Es waren schwere Schuhe, ich hatte sie aus Sparsamkeit nicht reinigen lassen. ›Mein Liebes, setze dich‹, sagte sie und führte mich zu einem Stuhl. Ich setzte mich, das kranke Bein vor mich hingestreckt. Ihr kleiner glitzernder schwarzer Hut aus Pelz und Samt lag auf dem Bett. Meine Finger gruben in ihrem hellen Haar, aus dem der Duft ihres Parfüms aufstieg, vermischt mit dem Geruch von Eisenbahnrauch. Sie hatte aufgehört, an meinen Füßen zu nesteln. ›Warum liebst du mich denn eigentlich nicht‹, fragte sie, und ihre Augen strahlten von unten in düsterer Glut zu mir, warum küßt du mich nicht? Ich habe so lange auf dich gewartet! Zehn Jahre oder mehr. Hat es dir mein Vater nicht gesagt? Er hat dich noch mehr geliebt als ich.‹

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