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Der Alte von Menkendorf

Edmund Hoefer: Der Alte von Menkendorf - Kapitel 8
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authorEdmund Hoefer
titleDer Alte von Menkendorf
publisherGrüne Bücher
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Siebentes Kapitel

Vier Frauenherzen

Die Entfernung zwischen der Pfarre und dem Hofe war nicht groß und wurde für die Einheimischen noch um vieles geringer, wenn sie statt durchs Dorf, unterhalb des Kirchhofes den sogenannten »Herrensteig« entlang gingen; man gelangte dann in weniger als einer Viertelstunde zum Ziel und hatte obendrein die Annehmlichkeit, daß man nicht bloß gegen die Sonne, sondern auch gegen Wind und Regen so ziemlich geschützt war. Denn der ganze Weg führte, bis auf die letzte kleine Strecke, durch jungen Wald hin. Man bedurfte aber auch eines solchen Pfades, da der Verkehr zwischen den Plätzen von jeher ein äußerst lebhafter war und sich keineswegs auf festgesetzte Tagesstunden beschränkte. Wahrend es anderwärts, in ähnlichen freundschaftlichen Verhältnissen, leicht zur Regel wird, daß die Herrschaft häufiger und ungezwungener bei der Pfarrfamilie vorspricht, als diese bei jener, so war dies zu Menkendorf keineswegs der Fall. Im Gegenteil, wenn es hier überhaupt einen Unterschied gab, so bestand der lediglich darin, daß Frau von Gunslebens Gesundheit eine zartere war als diejenige der Pfarrerin, und die Dame daher in ihren Bewegungen häufiger und ernstlicher beschränkt ward als die alte Freundin.

So hatte denn auch die Pfarrerin, nachdem sie von den Sorgen erfahren hatte, die drüben im Hofe eingekehrt waren, am heutigen Nachmittag sich auf den Weg gemacht, um nach der alten Lebensgenossin und der gleichfalls wieder heimgekehrten Enkelin zu sehen und ihnen ihren Kummer tragen zu helfen. Bei sich konnte sie den Besuch heut ohnedies nicht erwarten, denn es ging auf dem Pfarrhof unruhig zu. Die Gerichtsabordnung blieb voraussichtlich noch bis gegen Abend, der Ermordete lag im Haus, und aus dem Dorf, von den Vorwerken und selbst von Drömnitz her kamen die Leute herbei, um zu sehen und zu hören und ihre Ansichten über das Verbrechen, ihre Vermutungen über den Mörder auszutauschen. »Endlich!« sagte Frau von Gunsleben erleichtert aufatmend von ihrem altgewohnten Fensterplatz her, als Frau Silberg mit einem herzlichen: »Da bin ich Kinder!« eintrat und streckte der Freundin die Hand entgegen. Gleichzeitig huschte ein junges Mädchen heran und umschlang und küßte die Angekommene zärtlich. »Tante,« jubelte sie dabei, ihr den landesüblichen Kosenamen gebend, »wie lange habe ich dich nicht gesehen! wie mich gefreut!! Ich wäre schon gestern abend zu dir gekommen, aber das Schreckliche hier hielt mich zurück. Doch Marie hab' ich auch erwartet –, wo steckt sie denn?« – »Daheim, Blanka, sie hat zu tun,« gab die Pfarrerin ausweichend zur Antwort, indem sie liebkosend über die Wangen des blühenden Menschenkindes strich. »Wie gut du aussiehst, mein Liebling, gar nicht nach Stadtluft!« – »Marie nicht bei dir?« schmollte das Mädchen ganz traurig, »Tante, wie bist du grausam! Wir sehnen uns so sehr nach einander. Oh, ich eile selbst hinüber und hole sie her!« Und damit schlüpfte sie auch schon zur Tür hinaus.

»Lasse sie gehen, Agnes,« sagte Frau von Gunsleben heimlich und bedrückt, »wir beide bleiben heut besser eine Weile allein.« Die Pfarrerin legte indem den Strohhut und das leichte Umhängetuch nebst dem Sonnenschirm weg und setzte sich. »Ja, Agnes, da magst du recht haben! Ich habe, da mein Alter es mir gestern abend noch erzählte, kaum schlafen und an nichts anderes denken können!«

»Ja, gottlob, daß du da bist!« nahm die bedrückte Freundin die Rede auf, »du weißt es, wie mich dies treffen mußte – das von dem unwürdigen Menschen weniger, denn ich rechnete schon seit seiner Versetzung beinahe sicher auf einen solchen Ausgang und konnte Gunslebens Hoffnungen niemals teilen. Aber nun dies von Viktoria. Es ist bei uns nicht Mode, viel über uns und die Unseren zu reden, selbst mit euch nicht. Aber dies geht über das Maß hinaus, mit dem man allein fertig wird. Das Mädchen hat uns von jeher mehr Sorge als Freude gemacht. Aber nun offenbart sie sich uns so arg!«

»Nicht so, nicht so!« beschwichtigte die andere. Du darfst dich nicht so verhärten! Es ist ja noch kein verlorenes, sondern nur ein verirrtes Menschenkind, das mit Vernunft und Liebe doch noch zurückzuführen sein wird von den traurigen Abwegen! Was mein Mann mir erzählte, zeugt freilich von einem kaum glaublichen Unverstand –«

»Von mehr nicht?«

»Auch von mehr – immerhin,« versetzte die Pfarrfrau unverändert weich. – »Aber das alles ist noch kein Grund, die Unglückliche, wie ich dich beinahe schon dazu entschlossen sehe, nun gleich für verloren zu erklären und aufzugeben. Du sagst selbst, daß du nicht viel Liebe zu Viktoria gehabt hast, und eure Hildegard und die übrigen können sich dessen gleichfalls nicht rühmen. Ich tadle euch deswegen auch nicht. Sie verstand es nicht, sich wirkliche Liebe zu erwerben und zu bewahren. Aber eure Pflichten gegen die Arme werden dadurch nicht verringert. Und wenn die Sache wirklich so schlimm steht, wie es scheint, selbst da wird wohl noch Hilfe zu finden sein, wenn nicht mit Liebe, dann allerdings mit Strenge. Mit dem dummen Briefeschreiben muß es freilich ein Ende nehmen, denk ich. Euer Wolfgang oder Moritz muß hin und sie zur Vernunft zwingen.«

»Zwingen?« Die Gutsherrin schüttelte hoffnungslos den Kopf. »Lies die Briefe!«

»Unbesorgt, Agnes,« beharrte die Pfarrerin, »wenn sie den Ernst sieht, und statt der brieflichen die lebendigen Worte vernimmt und sich vor die Wahl zwischen Gehorsam und Verzeihung oder dem drohenden Bruch mit ihrer ganzen Familie findet – so gehorcht sie. Und endlich, sie ist dort und ihr seid hier. Seht ihr die Verhältnisse wirklich wie sie sind? – Also Vorsicht, mein altes Herz, und ein wenig Barmherzigkeit – wir bedürfen ihrer ja alle! – ein wenig Glauben und Vertrauen! Es wird noch alles gut – verlaßt euch darauf!«

Frau von Gunsleben saß ganz still und geneigt und sagte nichts. Aber die tiefen Schatten in ihren Zügen begannen zu schwinden, und da sie nun dem klugen Augenpaar gegenüber begegnete, wurde ihr Antlitz vollends klar und sie erhob die Hände wie befreit und streckte sie der treuen Trösterin entgegen und jetzt sagte sie auch: »Ach, Agnes, was bist du für eine gesegnete Natur!«

Agnes Silberg war niemals schön gewesen und ihre ganze Erscheinung, im Sinn und nach den Ansprüchen der Gesellschaft, war stets eine unscheinbare geblieben, – um so unscheinbarer, als sie selbst nicht das geringste dazu tat, diese hervorzuheben und zur Geltung zu bringen. Und dennoch ward sie überall und immer schnell beliebt durch ihre unabänderliche Güte und Milde.

»Nun laß uns vernünftig weiter denken,« hub sie nach einer Weile gescheiten Abwartens wieder zu sprechen an, »ich fühle mit euch und stimme euch bei: diese ganze Geschichte läuft schnurstracks wider mein religiöses und menschliches Gefühl. Aber eben deshalb habe ich für die Unglückliche geredet und tus noch. Wir dürfen uns auch durch unser gerechtes Zürnen nicht zur raschen und vollen Verurteilung eines Sünders fortreißen lassen, sondern müssen seine Verteidigung hören oder auch wohl selber übernehmen.«

Während diese Zurechtsetzung eines hart getroffenen Frauengemütes so ihren guten Fortgang nahm, war Blanka im Pfarrhause angelangt. Die Herzlichkeit, die auch den weiteren Nachwuchs der zwei befreundeten Familien noch aneinander band, spiegelte sich nirgends so ansprechend wider als in der Verbindung der beiden Enkelinnen Blanka und Marie. –

Blanka und ihr Bruder Robert hatten im zartesten Lebensalter ihre Eltern, die zweite Tochter Gunslebens und den Präsidenten von Barneck, verloren, und waren zu Menkendorf aufgewachsen, bis die Vollendung ihrer Ausbildung einen längeren Aufenthalt in der Stadt erheischte und beide eine herzliche Aufnahme in der Familie des hier als Prediger angestellten Silbergschen Sohnes fanden. Da schlossen sich Blanka und die nur um weniges jüngere Tochter des Hauses, Marie, auf das engste zusammen und blieben einander getreu, auch als Blanka nach einigen Jahren wieder zu den Großeltern zurückkehrte, überdies bedeutete das keine wirkliche Trennung; denn Marie weilte, seit sie erwachsen, oft genug und lang im Menkendorfer Pfarrhaus, wo die beiden Alten sich, nach der Entfernung aller ihrer Kinder, doch zuweilen recht einsam fühlten, und Blanka besuchte nicht weniger häufig ihre Verwandten in der Stadt und die Mädchen wußten es schon immer so einzurichten, daß diese Aufenthaltsänderungen in Einklang kamen. In diesem Jahre aber war es dennoch so gekommen, daß, während die eine aufs Land hinaus ging, die andere einer Einladung in die Stadt folgen mußte. Blankas Rückkehr war eine vollständig unerwartete und Marie hatte nicht einmal durch einen Brief darauf vorbereitet werden können. Welche Überraschung also! Und welche Freude! Und welche Ungeduld! –

»O, gottlob. Blanka, da bist du ja!«

»Böse Marie, wie konntest du es so lang aushalten, ohne mir nachzukommen!«

Hand in Hand und Aug' in Aug', – zitternd und erglühend vor Aufregung und Ungeduld und doch noch immer zurückhaltend mit dem vollen Freudenrausch! bis der alte Pfarrer sagte: »Macht nur, das Ihr fortkommt! Ich sehe schon, wie's steht! Hinaus, hier ist kein Platz für euch! Ich habe schon Unruhe genug im Haus! Grüße die Großmama, Blanka, wenn du dazu Zeit findest!« Aber als sie nun allein waren auf schattigem Wege und von keinem Auge mehr belauscht, da brach es denn auch aus, und sie umschlangen sich und erdrückten sich schier, sie küßten sich und jubelten und küßten sich wieder und hielten einander beim Kopf, standen still und schauten sich an, gingen weiter und blieben nach einigen Schritten doch wieder stehen, um nochmals einander zu sagen, daß ... doch wir können sie ja selber hören:

»Und das muß ich dir doch sagen! So gesehnt hast du dich nicht nach mir, wie ich nach dir, und so gefreut hast du dich heut auch nicht, – ach, mir, da ich dich wiedersah, stand das Herz still, so voll war's von Glück. Du bist kalt, Blanka!«

»Und ich glaubte, ich sei dir zu ungestüm gewesen! Ich habe dich ja halbtot gedrückt und bin selbst über meine Heftigkeit erschrocken. Wenn du mich noch ein bißchen kennst, so weißt du, wie es mich seither erfüllt und bedrängt hat! Wenn es bei mir laut werden soll, muß es weit gekommen sein.«

»Ja, ja! Du warst ja bei Tante Hildegard. Man merkt's gleich. Du bist dann stets in deinem Gebahren so überaus vornehm!«

»Du hast gut scherzen, Marie! Was weiß deine glückselige Natur viel von Sorgen und Kummer, zumal hier, bei deinen lieben alten, ewig heiteren Großeltern! Über uns kam es anders. Ich habe dir davon wenig geschrieben, aber gehört hast du wohl davon. Und es kam noch viel – viel häßlicher. Man kann sich's gar nicht so denken.«

Unter solchen Reden und Plaudern waren sie zum Hof und auf die Rückseite des Hauses gelangt, wo sie die beiden alten Damen noch in ernster Unterhaltung am Fenster des Gartensaals sitzen sahen. Man nickte sich gegenseitig freundlich zu; da aber kein Wink erfolgte, einzutreten, so gingen die Mädchen auf dem nächsten Steige weiter, zwischen den hübschen und sorgfältig gepflegten Anlagen des großen Gartens hin. Bei einer Laube, von der aus man das Haus noch sehen konnte, wollte Blanka haltmachen. Aber die Freundin zog sie weiter gegen den Wald zu. »Da findet man uns gleich! Wir brauchen einen sicheren Platz! Denn, lieber Gott, was mußt du mir alles noch erzählen! Und wie's mit dir selber steht, will ich auch wissen, ob du mir wirklich nicht untreu geworden!« – Bald fand sich auch das richtige Fleckchen, so recht in grüner Laubwaldtiefe. Es war ein kleiner, freier Platz, ein Steintisch und ein paar Moosbänke zeigten, daß er trotz seiner Verstecktheit nicht immer ohne Besucher blieb.

»So, da ist's recht, hier haben wir Ruh vor aller Welt. – Weißt du's noch, Blanka, wie wir als kleine Mädchen zuerst den Platz hier fanden und Robert und Alfred herbeiholten und alles einrichteten? Wir haben hier doch viele – viele schöne Stunden erlebt!« Blanka nickte nur leise vor sich hin. »Komm', sitz her und dann erzähle!« redete Marie weiter und zog die Freundin neben sich auf den Moossitz nieder. »Mir ist, als sei ich seit Jahr und Tag nicht daheim gewesen, und alles dort erscheint mir fremd infolge dieser abscheulichen Geschichten –«

»Ach, Marie, was wollen wir davon reden! Sieh', du magst die Base gar nicht mehr nennen, und ich – ich fühle mich immer ganz unglücklich, wenn ich nur an sie denke. Sieh', wir haben immer nur so in die Welt hineingelauscht und uns dort alles so wunderbar, so herrlich, so gut und lieb ausgemalt. – Und nun mit einem Male sehen wir's offen vor uns, und unsere Luftschlösser stürzen alle in den wüstesten Abgrund. Wie haben wir Viktoria bewundert! Wie war sie schön, wie war sie stolz, wie war sie lustig, und wie wurde sie gefeiert. Und jetzt?«

»Ja, siehst du, stecktest du nicht immer auf dem Gute, sondern lebtest in der Stadt, so hörtest du schon öfters von so etwas und maltest dir die Welt nicht so schwarz aus. Traurig oder häßlich bleibt es immerhin, zumal da es mit deinem Vetter Eugen gleichfalls wieder schlimm stehen soll. Ist es wahr? Du schriebst mir davon nichts.«

Blanka schaute mit einem fast scheuen Blick auf, und auch in ihrer Stimme ließ sich ein gewisses Zögern bemerken, als sie gedämpft erwiderte: »Es kam ja auch ganz plötzlich heraus, und dann – dann – es tat mir für dich so schrecklich leid – ich konnte dir unmöglich so weh tun –«

Mariens Gesicht überflog eine glühende Röte. »O, darum brauchst du dich nicht zu sorgen, denn damit habe ich nichts mehr zu schaffen. Damals, als Eugen – Graf Altheim noch bei uns war und ich für ihn durch alle Himmel schwärmte, war ich doch noch das reine Kind und glaubte, doch auch eine Flamme haben zu müssen, wie die anderen alle. Nun aber ist das anders geworden, und ich begreife meinen dummen Einfall selber nicht mehr. Und wenn's nicht um euretwillen wäre – meinetwegen könnte der Herr Eugen –«

»Und doch wurdest du eben so rot!«

»Nur aus Verdruß, daß du noch wirklich an diese Kinderei denken und daß die Erinnerung daran mich noch ärgern könnte! – Aber wir wollen alle diese Torheiten lassen. Wir haben ja genug Gutes zu bereden. Sei nur nicht so erschrecklich einsilbig. Hast du die Meinen oft gesehen? Ist meine Mutter auch gewiß so wohl, wie sie mir schreibt? Du weißt, sie hat uns im Winter und Frühling oft recht Angst gemacht durch ihre Mattigkeit.«

»Nicht doch – nicht doch, mein Herz! Mütterchen war stets so munter und freundlich wie je und ganz rüstig – wir sind an schönen Abenden mehrmals im Bertholdschen Garten zusammen gewesen und einmal für den ganzen Nachmittag im Wehrlander Holz. Sie schritt uns munter voran und wurde gar nicht müde und wollte selbst zurück nicht des Onkels Wagen benutzen. Zum Abschied bin ich leider nicht mehr zu euch gekommen. Meine Fahrt nach Drakenhof wurde erst beim Frühstück beschlossen.«

»Hast du oft Nachricht von Robert gehabt? Ist er recht lustig in Heidelberg?«

»Ach, der und schreiben! Der weiß von nichts als seinen Freunden.«

»Und nun endlich – ich bitte tausendmal um Verzeihung für diese Vernachlässigung! – unser vornehmer Vetter Alfred?« Marie schaute mit einem seltsamen, neugierig prüfenden Blick, gewissermaßen vorsichtig, auf die Freundin. »Ist er jetzt umgänglicher, oder war's wieder wie im Winter?«

»Je nun, du weißt ja, wie's mit ihm steht, und sprichst es selber aus. Wir haben ihn nicht oft bei uns zu sehen bekommen und, wo dies geschah, ihn fast noch ernster und kälter als früher gefunden. Er behauptet, sehr viel zu tun zu haben. Und man muß wohl an seine Arbeiten glauben, denn er sieht recht –«

Während der letzten Worte war Blanka zusammengezuckt und auch Marie fuhr erschreckt empor. Gerade ihnen gegenüber wurde das Gebüsch plötzlich vorsichtig auseinander gebogen und es blickte das bärtige Gesicht eines jungen Mannes hervor.

»Eugen!« schrien die beiden jungen Mädchen überrascht auf.

»Ah – solche Begegnung bedeutet Glück!« meinte der Erschienene lachend und drängte sich weiter ins Freie. –

»Hui da – hui da! Kinder – wo steckt Ihr?« klang in diesem Augenblick auch eine laute Stimme von der Gartentür herüber. »Hui da! Antwort!«

»Hier – hier –!« rief Marie zurück.

»Der Großvater!« murmelte zugleich Eugen, und es huschte etwas wie eine nichts weniger als angenehme Überraschung durch seine noch jugendlichen, aber schon verlebten Züge. Es war fast, als wollte er ins Gebüsch zurückweichen. Allein, er mochte wohl berechnen, daß es schon zu spät sei, und blieb, und im nächsten Augenblick trat auch bereits der ›Junker‹ aus dem Fußsteige hervor ...

»Hollah! – Richtig, da steckt Ihr ja! Hab' eine feine Spürnase, was?« bollerte der alte Herr lustig, stutzte dann, stand wie angewurzelt und starrte mit jach finster werdenden Augen auf den aus dem Busch Brechenden und zischte: »Afft mich der Teufel – oder –? Wo kommst du her, Bursche?!« – –

Aber bevor wir weiteres von dieser Begegnung vernehmen, wollen wir nachsehen, was vor einigen Stunden in der Tiefe dieses Waldes vorgegangen ist.

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