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Der Alte von Menkendorf

Edmund Hoefer: Der Alte von Menkendorf - Kapitel 38
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authorEdmund Hoefer
titleDer Alte von Menkendorf
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Siebenunddreißigstes Kapitel

Auffällige Badegäste

In Drömnitz war heuer alles auf eine großartige »Säßongk« vorbereitet gewesen und da war nun – der Krieg gekommen! Immerhin hatte Kaspar Bloom, der Badewirt, keine sonderliche Ursache, sich zu beklagen; denn es mangelte keineswegs so sehr an Besuch, daß er etwa hätte Fliegen fangen können. Außerdem waren alle Gäste – wir finden darunter übrigens auch zwei Bekannte: Frau Adele von Wildenow und Frau Klara Stephani – durchaus wohlhabend, und schließlich langten sogar noch zwei wirkliche »Baröner« mit Familie und »Gefolge« an. Jetzt wurde Kaspar Bloom zusehends breiter und gröber und seine Preise vornehmer.

Bei einer der ersten Bootsfahrten, welche die beiden Häupter der neuen Gäste – sie waren Vettern gleichen Sippennamens: er lautete Korzin – zu ihrer Einfühlung am Strande entlang unternahmen, gelangten sie auch zu dem kleinen Menkendorfer Bootshafen und fanden in dem aufwärts sich erstreckenden Mühlengrund ein so hübsches Bildchen vor sich, wie es an diesen Küsten überall zu den Ausnahmen gehört und in der nächsten, verhältnismäßig öden Umgebung von Drömnitz gar nicht zu finden war. Sie legten an und ließen sich von der Müllerin eine Erfrischung bereiten, stiegen auch auf die hinter der Mühle aufragende Höhe, und als sie zurückkehrten, erkundigten sie sich bei ihrer gesprächigen Wirtin lebhaft nach der Herrschaft dieser schönen Besitzung. Der Name Gunsleben fiel dem älteren Baron auf. »Den habe ich schon irgendwo gehört, August,« meinte er zu seinem Vetter, »ja mir ist, als wäre ich mit so geheißenen Leuten schon einmal zusammengetroffen! Aber ich bring' es nicht mehr heraus. Nun, Leopoldine wird es vielleicht besser wissen.« Und als er daheim seine Frau darum befragte, konnte sie ihm in der Tat die Aufklärung geben, daß sie vor zwei Jahren im Bade Liebenstein – »Aha, ich entsinne mich schon,« unterbrach er sie mit Wichtigkeit, »allein hier sprach man von hochbejahrten Leuten –«

»Nun denn, Charles, da könnten unsere Bekannten ja,« setzte Baronin Korzin mit einer Art von plötzlichem Verstehen fort, »möglicherweise deren Nachwuchs oder Anschwägerung sein – aber gleichviel –«

»Ganz meine Meinung, liebe Leopoldine, denn auf alle Fälle haben wir jetzt einen Anknüpfungspunkt zum Eintritt in ein Haus, wie wir es vielleicht brauchen werden.«

Am Tage nach der Wörther Siegesfeier blieben die meisten Badegäste nach dem Nachmittagskaffee beim »Pavillong« versammelt und beobachteten den nördlichen Himmelsrand. Ein Fischer wollte dort eben ein paar verdächtige Schiffe bemerkt haben, und ob auch kaum recht glaublich, so war es doch am Ende nicht unmöglich, daß die Vorhut der feindlichen Flotte schon bis in diese Gegend vorgedrungen wäre. Gestern war ja gleichfalls schon davon geredet worden. Baron Charles, der diese Annahme achselzuckend für eine Torheit erklärt hatte, brach inzwischen mit seiner Gemahlin und dem Vetter August zu einem Spaziergange nach der Landseite hin auf und schlenderte einem kleinen Waldstück zu, das sich etwa in der Entfernung einer Viertelstunde, Menkendorf zu, erhob und wegen seiner prachtvollen alten Bäume und der den ganzen Waldrand umfassenden, auch jetzt noch hin und wieder blühenden zahlreichen wilden Rosen von den Drömnitzer Gästen häufig aufgesucht wurde. Gegenwärtig freilich verirrte sich von dort nur selten jemand hierher, und die beiden Barone fanden sich daher sehr und anscheinend auch peinlich überrascht, als sie dort zwei lustwandelnde Damen antrafen. »Verdammt,« murmelte Baron Charles, »dieses Nest ist doch lebendiger als ich dachte!« Allein sein Unmut legte sich, nein, schlug sofort in eine lebhafte Freude um, als seine Gemahlin die Störenfriede erkannte. – es war Frau Hildegard von Gunsleben und ihre Tochter Rose, die Bekannten aus Liebenstein.

Am Abend dieses Tages äußerte Hildegard sich über die Begegnung im »Lieben Busch«, wie jenes Waldstück geheißen ward, merkwürdigerweise mit keiner Silbe. Erst am nächsten Morgen, als man, wie üblich, im Gartenzimmer beim Frühstück saß, kam Hildegard endlich mit dem kleinen Begegnis heraus. Der ›Junker‹ wischte sein Messer an einem Stück Brot ab, um zu einer anderen Speise überzugehen. »Ja, ja, Drömnitz macht sich,« sagte er dabei einigermaßen höhnisch. »Ganz hübsche Publikümer dort, hör' ich, und Kaspar Bloom macht gute Geschäfte. Und nun gar echte Barone – hm! – Beiläufig, Frau Tochter, da Sie die Herrschaften kennen, könnten Sie ihnen gelegentlich schon einen kleinen Wink geben. Unser Batteriechef erzählte mir gestern, daß sein Kamerad zu Drömnitz beträchtlich grimmig über die Feuerwerksspielerei von vorgestern abend sei – es ist ja auch sonst schon dergleichen vorgekommen! – und sich Verhaltungsbefehle aus Liepen erbeten habe. Verdenken kann man's den Leuten nicht: die Behörden löschen die Leuchtfeuer aus, die Badegäste zünden sie an und lachen die etwaigen Einwendungen aus – 's ist merkwürdig, sag' ich auch. Also einen kleinen Wink, Frau Tochter – Major Grüning zu Liepen gilt als kein besonders spaßhafter oder höflicher Mann.« Dazu goß sich der Sprecher ein letztes Glas Wein ein und schlürfte es behaglich aus. Dann stand er auf und zündete seine Pfeife an und langte nach Hut und Stock. »Grüß Gott, Kinder! Wenn was vorkäme und man mich suchte – ich will mich mal beim Rehkamp umsehen und hernach hab' ich mir zu Groth mein Pferd bestellt und reite zum Vorwerk. Langhaus mag dort übermorgen mit dem Roggen anfangen lassen. Viel vor Mittag könnt ihr mich nicht erwarten.«

Seit er mit den Seinen aus der Stadt zurückgekehrt war, verließ er selten auf längere Zeit den Hof, ohne von der Richtung und Dauer seines Ausfluges daheim gesagt zu haben. Wer konnte in dieser Zeit wissen, wann und weshalb seine Anwesenheit daheim nötig werden möchte! Er schlenderte jetzt durch die Gartensteige und Parkwege dahin und es hatte wenig den Anschein, daß er einem bestimmten Punkte zustrebe, wie er doch daheim gesagt hatte. Es war beinahe, als verlege ihm etwas fortgesetzt den geraden Weg. Mit einem Male aber nahmen seine Schritte wieder das zielbewußt Gestreckte an, woran seine Leute ihn stets von weitem schon zu erkennen vermochten. Und er hielt nun, wenngleich auch nicht nasenlangs dem »Rehkamp«, so doch dem Walde, und zwar einer erhobenen Lichtung zu, die uns bereits unter dem Namen »Lindenplatz« bekannt geworden ist und von wo man außer der unmittelbar darunter liegenden »Lindenbucht« noch ein gutes Stück der Küste und der See überblicken konnte. Dort traf er einen, dem er hier am allerwenigsten zu begegnen erwartet hatte, den Müller Clarmann, zudem in einer Stellung, die auffällig genug war: hinter einem dicken Stamm, sozusagen gedeckt, und angestrengt mit einem Krimstecher auf die See hinausspähend. Und der Mann war so versunken in den Ausdruck, daß er des Gebieters Kommen gar nicht wahrnahm.

»Was seht Ihr denn, Clarmann?«

»Ei –sehen Euer Gnaden doch nur einmal dahin!« stotterte der Angeredete, zuerst nicht wenig erschrocken, und deutete nur mit einem Kopfruck auf die See hinaus.

Als sich die Blicke des ›Junkers‹ in der angegebenen Richtung hinabsenkten, stießen sie auf ein kleines, sauberes Nordlandboot, das mit eben niedergelassenem Segel nur durch den Seegang in einer leichten Bewegung war. Jetzt legte einer von den beiden Insassen die Riemen ein und ruderte das kleine Fahrzeug langsam in die Bucht. Der andere stand im Schnabel und schien eben eine Schnur auszuwerfen. Und nun legte der erste auch schon die Riemen wieder an Bord, stand auf und musterte, wie man glauben konnte, durch ein Glas mit äußerster Sorgfalt die Ufer und die Lindenhöhe. Beide waren in Hemdsärmeln, aber man sah es trotz der Entfernung gut genug an den seinen Strohhüten, daß es keine eingeborenen Fischer, sondern Leute besseren Standes waren.

»Was treiben die da eigentlich?« fragte der ›Junker‹ der, ohne recht zu wissen weshalb, bei diesem Anblick gleich seinem Begleiter noch weiter hinter den Stamm zurücktrat. »Angeln sie? Na, das Vergnügen habe ich nie recht verstanden.«

»Angeln, Herr? Ich weiß nicht recht. Nehmen Euer Gnaden hier einmal mein Glas! – Aber seien Euer Gnaden recht auf der Hut. Gern haben's die beiden dort, glaub' ich, nicht, daß man ihnen hier auf die Finger sieht, und es wäre doch auch schade, wenn man ihren Spaß stören wollte.«

Detlef von Gunsleben hatte das Glas indem auch schon ans Auge gehoben und schaute genau und lange durch – ließ es sinken und starrte den Müller mit einer Art von Überraschung an. »Was Teufel, Clarmann – die peilen ja!«

»Na ja, Herr, ich glaub's auch,« erwiderte der Müller bedächtig, »und sehen Euer Gnaden, weil ich das gern einmal recht gewiß sehen wollte, darum bin ich ihnen hierher nachgegangen. Ich habe mir das Ding schon ein paarmal von meiner Mühle angesehen, aber es war meistens für mein Glas zu weit, und die Herren sind vorsichtig. Nun sah ich sie heut morgen wieder herankommen und da bei dem ›alten Sand‹ herumlungern – sie angelten dort aber. Dann jedoch ging's fort, unter dem Mühlberg hin, und da strolchte ich ihnen nach. – Sehen Sie nur, da angeln sie wieder – sie können uns doch nicht gesehen haben, Herr?«

Der ›Junker‹ blickte von neuem vorsichtig hinab und fragte dann: »Kennt Ihr die Leute, Clarmann?«

»Ich meine schon, Euer Gnaden,« versetzte der Müller mit einem gerissenen Lächeln, »es ist der fremde Baron und sein Vetter, die zu Drömnitz bei Kaspar Bloom wohnen – sie sollen, glaub' ich, aus dem Hannoverschen sein – sind schon zweimal bei uns in der Mühle gewesen und haben sich was zu essen geben lassen. Leider war ich beide Mal nicht daheim. Und das Boot, Herr, – das kenne ich auch: der Peter Ahrens ist damit vorm Jahr zu seinem Vetter Christopher Behr auf den Golm gekommen – weiß nicht, ob er's gestohlen hat! – und hat es, als er davon mußte, dem gelassen. Es ist das fixeste kleine Ding, das ich Zeit meines Lebens gesehen habe, und wenn man damit umzugehen weiß, auch das sicherste.«

»Danach wird man also einmal sehen müssen, Clarmann?«

»Der Meinung bin ich auch, Herr. Und wären Euer Gnaden nicht gerade hergekommen, so wäre ich noch heute zu Ihnen gegangen. Beim Golm haben sie schon gleich gepeilt, als sie hierher kamen, und damals haben wir ja noch kaum was vom Krieg gewußt. Aber die sind schon davon unterrichtet gewesen, scheint's, – sie sagen ja, daß sie es mit den Franzosen halten und nichts von unserem König wissen wollen. Aber sehen Sie einmal, Herr,« brach der Sprechende wichtig ab und spähte wieder gespannt auf die Bucht hinunter und murmelte zuletzt: »Sie gehen seewärts. Müssen uns doch gesichtet haben!«

Der Lindenplatz ist, wie schon angedeutet, von dichtem Wald begrenzt. Es ist dies ein Gehölz, das sich von hier einwärts fast eine Meile weit ausdehnt Es schiebt seine dichten Massen wie grüne Schranken bis an und zwischen die alten Linden hinauf, die der Stelle den Namen gegeben, und verschließt den Ein- und den Ausblick gerade hier so vollkommen, daß, was hüben oder drüben geschieht, sich regt oder nähert, für einen Beobachter sozusagen bis zum letzten Schritt verborgen bleibt. Daher hatte auch der Mann, der bei des Müllers letztem Wort aus der Gebüschwand hervortrat, sehr wahrscheinlich keine Ahnung von der Anwesenheit anderer gehabt und seine begreifliche Überraschung riß ihn unwillkürlich zurück. Allein wäre man auch bis dahin seiner nicht gewahr geworden, so hatte nun doch das neuerliche, mit seinem heftigen Zurückweichen verbundene Rauschen des Blattwerks ihn angezeigt.

»Was Teufel, wer ist denn das?« rief der Müller aus, aber ersichtlich noch überraschter als jener. »Das ist ja wohl –«

Und da auch der ›Junker‹. »Ja, was! Ist das nicht der Matthies?«

»Ja, Euer Gnaden, der bin ich freilich,« – wie aus ihm selbst sprach auch aus seiner Erscheinung jetzt, im Gegensatz zu früheren Zeiten, etwas Tüchtiges und Ruhiges, – »und ich freue mich, daß ich da gleich Euer Gnaden und den alten Schlaukopf finde. Ich wollte eben hier nur noch einmal hinuntergucken, denn ich habe etwas gesehen –«

»Was hast du gesehen?« griff der ›Junker‹ befeuert dazwischen.

»Des Teufels Spiel, Herr, oder ich bin ein Wickelkind an Verstand und Einsicht!«

»Und wo kommst du her und was willst du hier?« fragte der alte Herr gezügelt weiter.

»Ich komme heut morgen von dem Häusler Rülow zu Mollin, wo ich noch eine alte Schuld zu bezahlen hatte. Ich wollte zu meinem alten Ohm, dem Brüst, daß der mich bei Euer Gnaden ansagte. Und weil's mir noch ein bißchen zu früh war, so sah ich mir wieder einmal die Reviere an. Beim ›scharfen Eck‹ guckte ich einmal hinaus und kriegte da unten das Schelmenwerk zu sehen. Da war es denn nichts mit dem alten Ohm. Ich mußte zuerst hier zu Clarmann, weil der sicherlich schon die Halunken kannte und mir namhaft machen konnte. Denn setzen Euer Gnaden, sie haben in der Stadt schon allerhand Anzeichen, und ich habe mir gleichfalls bereits dies und das gedacht, und das ist auch ein Grund, weshalb ich gern hierher wollte –«

Durch des Gutsherrn ernstes Gesicht zuckte ein kleines schlaues Lächeln. »Sieh, sieh,« sagte er, »was doch so ein Schatz alles zuwege bringt!« Und da er des Mannes Gesicht auf diese Worte sich mit jäher dunkler Röte bedecken sah, so redete er freundlich weiter: »Laß es nur gut sein, mein Junge, es ist nichts Böses dabei. Was mir Wehrenberg seinerzeit erzählt hat, macht dir alle Ehre, und was die Renate angeht, nun, ich sehe, du weißt es schon, daß meine Frau sie hier heraufgenommen hat, und das zeigt dir ja wohl zur Genüge, wie wir von ihr denken. Also darum kümmere dich nicht, wir legen dir nichts in den Weg. Aber« – und sein Blick wurde wieder so fest wie vorhin – »wie steht es mit dir selber? Du bist flüchtig und noch unter Anklage – wie kann ich dich schützen, selbst wenn ich es wollte?«

Matthies aber schaute dazu munter auf. »Alles recht, Euer Gnaden,« versetzte er und holte aus der Brusttasche seiner blautuchenen Jacke eine alte Brieftasche, öffnete sie und nahm ein zusammengefaltetes Papier heraus. »Hier ist mein Strafaufschub und hier mein Ausweis als Kriegsfreiwilliger! Es ist eine lange Geschichte, aber ich kann es auch kurz sagen. Als der Kriegslärm anging, ärgerte es mich, daß ich zurückbleiben sollte, und doch', wo konnt' ich hin? Auf der Flotte ist's nichts für mich, die kann gegen die Franzosen nicht hinaus. Aber bei der Küsten- und Hafenwache, da kann ich etwas nützen. Es ist von hier bis Emden kein Platz, wo ich mich nicht gut umgesehen habe und Bescheid weiß, und hier unser Fahrwasser, kenne ich wie meine Tasche, ich nehme es selbst mit dem Peter Ahrens auf. Es wissen hier aber, gerade von wegen des Schmuggels, mehr fremde Leute Bescheid, als gut ist, und wenn der Franzose davon wüßte, und es hier versuchen wollte, so könnte es eher ein Unglück geben als anderwärts. So rechnete ich und kam zurück und ging mit Peter Jansen geradeswegs zum Herrn Staatsanwalt, um ihm von mir und allem die Wahrheit zu sagen, und ihn um freie Fahrt zu bitten bis nach dem Kriege. Dann will ich gern leiden, was ich leiden muß.«

Der ›Junker‹ nickte immer befriedigter.

»Nun, Euer Gnaden, was soll ich noch viel sagen? Zuerst wollte er nicht recht hören, aber hernach tat er's doch, dann hat man mich noch im Verhör gehabt, von wegen des Jan Lörnsen –«

Meister Clarmann hatte bisher schweigend dem Bericht zugehört, ohne darüber jedoch das verdächtige Boot zu vergessen, das währenddem nahe am Lande gewendet und langsam den Rückweg angetreten hatte, bei dem zuletzt genannten Namen aber fuhr er auf und fragte hastig: »Wie sagst du, Matthies?«

»Jan Lörnsen, sag' ich, Alter! Hast du das nicht gewußt, daß er mit Peter Ahrens im Loch –?«

»Jan Lörnsen, wer ist das?« forschte nun auch der ›Junker‹.

»Der schlimmste von allen, Herr, die sich hier jemals gezeigt haben,« versetzte der Müller grollend und finster, »ein Erzschuft, und wenn's der ist, den Euer Gnaden selber bei Drews festgenommen haben, so muß ich klagen, daß ich ihn damals nicht zu sehen bekommen habe, da hätte ich Ihnen und den Herren gleich ein Licht anstecken können! Er hat die Schmuggelschiffe seit dem Winter als Lotse geführt und auch die Ladungen über Land geschafft, – hier durch die Bucht über die Trift nach Renken. Na, – und du, Matthies, sagst, er sitzt fest? Sicher?

Der aber schupfte jetzt mißmutig die Achseln. »Na, Alter, du weißt ja, so etwas ist bei den Landratten Flickwerk und nichts nutz. Als sie von mir alles gehört hatten, und ihn mit mir zusammenbringen wollten, da war das Nest leer – verdenken tu ich es ihm nicht, denn wo ich einmal da, war es mit ihm und seinen Lügen aus.«

»Und wann war das?« stotterte Clarmann blaß und scheu.

»Gestern morgen, Alter. Und da ließen sie mich um so schneller los, denn ich sagte: Kommt der hierher, so gibt es Unheil –«

»Ja, bei Gott! So ist es, Matthies! Und mich wundert nur, daß es nicht schon da ist,« murmelte der Müller, »da heißt es, sich in acht nehmen, Euer Gnaden, denn was der mit mir gehabt hat und wie es ihm hernach hier gegangen ist, das schenkt der uns, wo er es irgend möglich machen kann, nicht!« Dazu schaute er sich unwillkürlich besorgt und ängstlich um, – zuckte zusammen und riß erschreckt und entsetzt die Augen auf. »Beim lebendigen Gott, – was ist da los?«

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