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Der Alte von Menkendorf

Edmund Hoefer: Der Alte von Menkendorf - Kapitel 36
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authorEdmund Hoefer
titleDer Alte von Menkendorf
publisherGrüne Bücher
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Fünfunddreißigstes Kapitel

Vorkehrungen

Man war wieder in Menkendorf und es fehlte so manches und so mancher, woran und an dem man seit vielen Jahren gewöhnt gewesen, und es schaute einem wiederum so mancherlei fremd in die Augen, das nun doch erst von neuem erprobt werden und seine Brauchbarkeit und seine Vorzüge beweisen sollte. »War denn diese Umwälzung unumgänglich nötig?« fragte Frau Agnes von Gunsleben kopfschüttelnd die alte Freundin, die zum Anfang so viel wie möglich an ihrer Seite war. »Seid ihr in eurem sicherlich sehr gerechten Zorn nicht dennoch gar zu hart gewesen?«

»Nein, Agnes, – es mußte durchgegriffen werden. Danke du Gott, daß du nichts von den näheren Umständen und Einzelheiten zu erfahren brauchtest, und nimm's an, wie es geworden. Es wäre für dich selbst in deinen gesunden Tagen zu viel geworden.«

»Ich kann's nicht sagen, wie mir mein alter Mann leid tut!« sagte Frau Agnes, aus trübem Sinnen aufschauend, »er mit seinem schier kindlichen Vertrauen und seiner Anhänglichkeit für alles, was zu ihm gehört.«

»Wohl, wohl, er darf dir auch leid tun, wie er uns leid tat. Es wurde fast zu viel für ihn. Und glaub' es nur, es ist ein wahres Glück, daß ihm und uns die Kriegssorgen über den Hals gekommen sind und alles, was sonst damit zusammenhängt. Daran rafft er sich wieder auf. Hättest du ihn neulich hier gesehen und sähest ihn jetzt, es ginge dir wie uns und du kenntest ihn gar nicht wieder!«

Und so war es in der Tat. »Laßt den Quark gehen,« konnte er jetzt wohl auch gelegentlich antworten, wo ihm irgend etwas wie eine Klage aufstieß. »Sagt dreist weg: so soll's sein, so will ich's und damit basta.« Und tätig war er unermüdlich von morgens früh bis abends spät, ebenso wie die Enkelin, so daß ein Argwöhnischer hätte vielleicht auf den Gedanken kommen können, sie betäubten und überwänden beide in solcher Weise, was sie anders nicht zu überwinden vermocht. Doch dem war nicht so, zuwenigst bei dem Alten nicht. Die Ernte war vor der Tür und zwischen den Arbeitern hatte die Einberufung gewaltig aufgeräumt. Es fehlte überall und man konnte die Einheimischen nicht einmal wie sonst durch Gemietete recht ersetzen. Aber was half's? Es mußte auch so gehen und es ging. Zu allen übrigen Geschäften des Landwirts kamen aber gerade jetzt in der drängendsten Jahreszeit hier zu Lande auch noch die weiteren, nicht weniger ernsten, welche der Kriegszustand mit sich brachte. Man hatte zwar keine besondere Sorge vor der angedrohten Landung feindlicher Truppen, allein sie konnte doch möglicherweise versucht werden und verlangte daher gewisse Vorkehrungen, welche die natürlichen Hindernisse verstärkten; denn da der Strand hier fast durchweg ganz langsam in die tiefe See hinabsinkt, ist eine Landung größerer Truppenmassen, auch wenn sie auf keinerlei Widerstand stieße, schon keineswegs leicht, wo dieser Widerstand sich aber erhebt, wird sie schwierig, wenn nicht ganz unmöglich. An den wichtigsten Küstenpunkten waren seit langem zweckdienliche Befestigungen vorbereitet worden. Jetzt wurden sie überall rasch vollendet. Auf dem Golm ward eine schwere Batterie ausgestellt, zu Drömnitz ein Scheinwerfer und gegenüber der Mühle standen wiederum ein paar Geschütze. Etwas Besonderes und Ausgezeichnetes fand sich hierin zu Menkendorf indessen nicht: gleiche oder ähnliche Einrichtungen traf man an der ganzen Küste. Was der ›Junker‹ aber vor den meisten seinesgleichen voraus und in's Werk gesetzt hatte, war die Herstellung einer pünktlichen und raschen Verbindung des immerhin ziemlich abgelegenen Menkendorfer Winkels mit der alten Stadt. »Das bin ich euch, die ihr hier meine Einsamkeit teilt, schuldig,« sagte er zu den Seinen. Auf diese Mitteilung, die er mit der Miene und im Ton des uneigennützigsten Wohlwollens machte, schmunzelte der Magister höchst vergnüglich und meinte: »Na, na, alter Schlaukopf! Mache uns kein X fürs U, wir kennen dich schon und täuschen uns nicht über deine großartige patriotische Miene! Doch ist's ganz recht! Es muß das Herz an etwas hangen, – sonst muß es in sich selbst vergehen!«

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