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Der Alte von Menkendorf

Edmund Hoefer: Der Alte von Menkendorf - Kapitel 26
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authorEdmund Hoefer
titleDer Alte von Menkendorf
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Fünfundzwanzigstes Kapitel

Der Fall ist klar

Und Matthies Matthiesen erzählte: »Mein Vater, ein Zimmermann, kam bei einem Bau zu Schaden und die Mutter hatte Mühe, uns fünf Kinder durchzubringen. Der Älteste war ich, und so mußt' ich auch zuerst von Haus. Ich hätte auch Zimmermann werden sollen und war schon in der Lehre, aber es ging nicht recht und gefiel mir nicht, und da tat die Mutter mich, als ich sechzehn wurde, zu ihrem Bruder, dem Rudolf Brüst, der beim ›Junker‹ zu Menkendorf und noch ein richtiger, hirschgerechter Jäger ist, wie sie das heißen. Das war in dem Jahre 1848, wo es anderwärts so viel Spuk gab, aber zu Menkendorf spürten wir nichts davon, sondern gingen unseren ruhigen Weg weiter und waren alle guter Dinge. Ich auch. Mein Geschäft gefiel mir. Es waren lauter brave Menschen um mich her, und wenn mein alter Ohm auch haarscharf war, so meint' er's doch immer gut mit mir. Nun, Herr, das ging so fort, bis ich nach ein paar Jahren zuerst und bald immer häufiger zu dem Müller Clarmann kam. Er sollte keine Schenke halten, aber es war in Wirklichkeit kaum etwas anderes bei ihm und es verkehrte da nicht selten eine merkwürdige Gesellschaft. Dort lernte ich eines Tags, oder richtiger in einer Nacht auch den Peter Ahrens von Drömnitz kennen und das ist mein Unglück geworden. Peter ist ein schlechter Kerl, treulos und ohne Gewissen. Aber was wahr ist, muß wahr bleiben: einen besseren Seemann gibt's auf der Welt nicht; er hat sich auf allen Meeren und an allen Küsten herumgetrieben und weis; davon, wenn's ihm gerade darnach einmal ist, ein Garn zu spinnen wie keiner sonst. Das ist denn für einen jungen Kopf, in dem es obendrein auch nicht allzu zahm aussieht, und der sich daheim nicht mehr recht gefällt, ein gefährlich Ding. Das traf bei mir alles ungefähr zu, und zumal die Aussicht, daß ich im nächsten Jahr schon als gelernter Jäger in die Landwehr eintreten und zwanzig Jahre lang immer wieder einmal in den Dienst mußte, die war mir das Graulichste von allem. So verließ ich Menkendorf und ging hier zu Schiff: mein Vetter Willmanns machte mir eine Stelle aus, wo ich was lernte und es gut hatte. Ich kam auf vielen Schiffen herum und kriegte ein tüchtig Stück von der Welt zu sehen, denn ich suchte mir immer die aus, welche die weitesten Fahrten machen. Mit dem Peter Ahrens traf ich auch hin und wieder zusammen, und da gab's dann allerhand Torheiten, an denen es freilich bei mir auch sonst nicht immer fehlte. Ich muß es noch einmal sagen: leichtsinnig bin ich all' mein Lebtag gewesen und oft genug in der Patsche gesessen, für mich selbst und noch häufiger für andere. Aber ein schlechter Kerl war und wurde ich nicht. Was ich mir wirklich vorzuwerfen habe, dazu bin ich mehr nur in meiner dummen Gutmütigkeit gekommen, die's nicht mit ansehen kann, daß ein anderer in Not ist. Das hab' ich hart genug gebüßt, härter, als wenn mich ein Gericht angefaßt hätte. Anno 61 hatt' ich's mit meiner damaligen Heuer schlecht getroffen – der Peter Ahrens war natürlich auch wieder um den Weg und stiftete Unheil. Genug, ich machte mich los und kam heim, um – spottet nicht, Herr, es war mein blutiger Ernst! – um ein gesetzter Mensch zu werden und meine Steuermannsprüfung zu machen. Das kam denn auch richtig alles in guten Gang. Bei meinem Vetter Willmanns und auch hier beim alten Peter Jansen fand ich gute Ansprache, und hätt' ich mich daran gehalten, so war' alles recht geworden. Denn daß ich mit der armen Dirne, der Renate, anband, das kann ich mir nicht zum Übel anrechnen. Wie unglücklich es auch mit uns gekommen und in welche Not sie durch mich geraten – in meiner Absicht lag das nicht. Ich hab's mit ihr stets ehrlich gemeint und, seit ich davon wußte, nichts anderes im Sinn gehabt, als wie ich sie wieder in Ehren brachte. Ich hing und hänge an ihr und unserem Kinde mit tausend Banden, und ich sagt' es schon, ich bin auch jetzt nur um ihretwillen hier. Zur damaligen Zeit wohnte droben bei Willmanns Graf Eugen, der Leutnant, blutjung, wild und schmuck, ein Windbeutel und leichtsinnig. Er tat es jedermann an, und ich spürte das nicht am letzten. In ihm und mir war ja so etwas vom gleichen Schlag. Natürlich waren wir in keinem rechten Verkehr und von seinem eigentlichen Treiben erfuhr ich nichts. Begegnen aber taten wir uns im Hause oft genug, ja tagtäglich, und schwatzten dann wohl eine Weile miteinander. Und einmal, als er mir den alten Meierbusch nannte, daß er dem gelegentlich eine richtige Tracht Prügel gönne und mir dankbar sein würde, wenn ich's dazu brächte, – so fand ich dabei nichts besonderes, denn ich gönnte dem schmierigen Schleicher, der mehr als einen armen Teufel von Seemann bis auf's Hemd ausgezogen hatte, schon längst selber so etwas. Daß der Leutnant bei dem festsitze, davon ahnt' ich nichts. Ein acht Tage später kam ein Amerikaner binnen, an dessen Bord ich selber vor einigen Jahren gedient hatte und auch nun noch ein paar alte Maate fand. Wir saßen abends bei Kaspar Lepel beieinander und waren lustig. Der Peter Ahrens, der dazumal hier auch wieder herumlungerte, saß gleichfalls dabei – ich konnte ihn schon von der letzten Fahrt her nicht mehr recht ausstehen, aber es war, als sollt' ich keinen Schritt mehr an Bord oder auf's Land tun, ohne daß der Teufel mir ihn in den Weg stellte. Nun, der Meierbusch kam auch dahin, wie immer und allerwärts, wo er seine Geschäfte machen zu können meinte, und da ich die Burschen vor ihm warnte und kein Blatt vor dem Mund nahm, war der Zank und Spektakel sogleich im Gange, – um so mehr als der Schuft was im Kopf hatte und, trotz seiner gewöhnlichen Feigheit, jetzt gleichfalls auftrumpfte. Er schimpfte auf mich – er wisse es schon, daß ich gegen ihn von wem angestiftet sei. Aber dem wollt' er es heimbringen und mir auch. Er wisse von mir aus der westindischen See, was mich den Kopf kosten könne – die Bestie log, denn das konnte sich nur auf mein letztes Schiff beziehen, das allerdings auf den Sklavenhandel fuhr, von mir aber, da ich das merkte, so bald wie möglich verlassen wurde! – Und von der liederlichen Dirne, sagt' er, wisse er auch, wie's mit der und mir stände. Nun, Herr, im Kopf hatt' ich auch mein Teil und der Lärm und das Geschimpf machten mich nicht zahmer. Peter Ahrens hetzte, die anderen pufften schon auf den Schuft ein. Und da nun gar die Renate 'ne liederliche Dirne genannt wurde, war's mit ihm aus. Ich fuhr auf ihn zu und gab ihm einen Schlag, daß er stürzte. Er rafft' sich wieder auf, aber ich packt' ihn und schleppt' ihn zur Tür und warf ihn die Stufen hinab. Er schlug schwer hin wie ein Klotz, und lag und rührte sich nicht mehr. »Der hat genug, drück' dich!« sagte einer neben mir – ich glaube, es war der Peter. »Was genug – verstellen tut er sich!« sagt' ich, sprang ihm aber doch nach, um nach ihm zu sehen. »Drück' dich!« sagte der neben mir noch einmal, und da macht' ich mich davon zu meinem Vetter. Nun war ich nüchtern genug, und die Haare stiegen mir zu Berge, wie es so im Handumdrehen mit mir gekommen war. Fort mußt' ich, Ketten und Gitter hätten mich totgedrückt. Aber wie sollt' es nun werden, mit der Renate hier und draußen mit mir? Das Herz drehte sich mir im Leibe um, doch was konnte all der Jammer helfen: fort mußt' ich! Das sagte mir auch Willmanns und der Leutnant. Der schob mir auch noch eine Handvoll Geld in die Tasche – ich selber hatte keinen halben Taler bei mir. Ich nahm's und ging davon. Als ich mich nach Jahr und Tag wieder einmal einschlich, sah's nicht tröstlicher aus. Der Meierbusch war also wirklich tot gewesen, doch hatten die anderen bezeugt, daß ich bis auf's Blut gereizt worden und kein Mensch, und sicher auch ich selber nicht, an solch' Unglück habe denken können. Aber Kaspar Lepel hatte was von der Rede des Schuftes gesagt, daß ich angestiftet worden. Und dazu hatte das Taschenbuch gefehlt, das Meierbusch, wie seine Tochter beschwor, immer bei sich führte, und in das er gerade heute abend, ich weiß nicht wozu, noch wichtige Papiere gesteckt haben sollte. Das fehlte und, weil ich mich zu ihm gebückt hatte, sollte ich es genommen haben. Und dennoch kann ich sagen, – so wahr, wie ich hier sitze, ich wußte und weiß nichts davon. Aber was half mir das! Ich mußte wieder fort. Damals hatt' ich weder meinen Vetter, noch den Leutnant gefunden, der eine war auf seiner Herbstreise, der andere im dänischen Krieg. Das zweitemal, als ich wieder kam, es war gleich nach dem österreichischen Krieg, waren sie beide hier. Und der Graf handelte mit mir, daß ich ein gut Wort bei meinem Vetter einlege, der sich schon dazu verstanden hatte, des Leutnants Schulden zu regeln, nun aber auch noch einen schweren Rest übernehmen sollte, wozu er aber keine Lust hatte, trotz aller Freundschaft für den Herrn. Der Vetter hatte wohl ein paarmal unter der Hand solche Geschäfte gemacht – ich kann's beschwören, als ein Ehrenmann! – neuerdings dies aber verschworen und nur noch für den Eugen eine Ausnahme gelten lassen. Nun war's ihm aber zu viel. Ich bracht' ihn nur schwer herum. Doch hat er dabei, wie er mir selber gesagt hat, keinen Schaden gehabt, sondern ist allmählich befriedigt worden. Vorm Jahr war die gleiche Sache wieder im Gange, die Schulden waren größer als je, und Willmanns hieß sich selber einen Dummkopf und fluchte auf den Grafen, der ihm von viel kleineren Summen geredet, ihn nun schon zwei Fristen im Stich gelassen habe, um weiteren Aufschub handeln oder Ausflüchte machen lasse. Der Herr war übrigens verreist. Ich redete dann zum Guten, so viel ich konnte. – Aber mein Vetter wollte nicht hören. Acht Tage woll' er noch auf Nachricht warten. Länger könne er nicht. Das war alles, was er nachgab. Nun aber kommt etwas dazwischen, Herr, was ich selber nicht versteh. Es war am Tage jenes schauderhaften Unwetters, spät abends, wie ich von der Renate kam, da begegnete mir der Peter Ahrens und hängte sich an mich; wollte allerhand wissen, was mir an sich nicht von Bedeutung schien – nach meinem Vetter fragte wohl manch ein Abgebrannter und nicht immer vergebens und was vielleicht noch keiner weiß: er gab auch ohne Schein und Zins – aber der Ahrens, der hatte so etwas Arges dazumal im Blick und so ließ ich ihn abfallen, wenngleich im Guten, rücksichtlich seiner gewalttätigen Art. Nun gut, das war der eine. Ich traf aber auch noch einen zweiten und dritten. Und das merkwürdigste, Herr, alle drei so hier um's Haus herum. Fragt mich nicht, Herr, ich kann's nicht erklären, mag sein, daß es nur ein Zufall gewesen ist. Ich kann nur sagen, wer's war: der zweite – Willmanns, der verteufelt fluchte und unter anderem sagte, daß er mit dem Grafen Ernst machen müsse, und der dritte – der Graf selber.«

»Also doch!« unterbrach Alfred hier zum erstenmal den Bericht. »Das ist denn allerdings eine Nachricht von der höchsten Wichtigkeit. Nahmen Sie den auch mit hierher, Matthies?«

»Ich mußte wohl, Herr. Reden wollt' er mit mir – ich sei ja sein bester Geschäftsführer bei Willmanns! – und draußen konnten wir freilich nicht bleiben, es war ein Hundewetter, sagt' ich schon. So kam er mit herauf und redete und hieß mich sorgen, daß Willmanns nicht zum ›Junker‹ und nicht an's Regiment gehe. Aber Sie wissen das ja, Herr, es hat ja einer nebenan geschlafen und alles gehört. Genug, ich bracht' ihn endlich, da er mir's zu bunt machte, wieder hinaus.«

»Wohin ging er, Matthies?«

»Das weiß ich nicht, Herr. Ich bracht' ihn, nicht wie den Ahrens vorher zum Damm, sondern nur bis zur Tür. Er sagte mir hernach, daß er nur die eine Nacht hier und bei einem Kameraden gewesen. Und wenn Herr von Wildenow noch hier ist, wird's wohl bei dem gewesen sein.«

»Sie sagen ›hernach‹, Matthies. Also sahen Sie ihn noch wieder?«

»Ja, Herr. Da ich ihm versprochen hatte, noch einmal seinetwegen mit meinem Vetter zu reden, so ging ich, als ich den hier unten nicht mehr treffen konnte, und weil ich wußte, daß er nach Menkendorf wollte, selber hinauf, um ihn womöglich im letzten Augenblick abzufangen. Es war ein Unglück, daß ich mich nicht sehen lassen und erkundigen durfte. So stimmte meine Rechnung nicht, und ich kam zu spät. Von Holzarbeitern hört' ich, daß er am Tage zuvor beim Pfarrhause tot gefunden worden sei. – Ich will ehrlich sein, Herr, und sagen, daß ich für den armen Teufel schier so etwas wie ein Unglück gefürchtet hatte –«

»Sie sagten doch von einer Begegnung mit dem Grafen?« sagte Alfred ungeduldig dazwischen.

»Ja, Herr. Als ich bei der großen Eiche mich versteckt hielt, denn sehen mocht' ich mich nach der Nachricht allerdings nicht lassen, weil ich ja jedenfalls hätte in Untersuchung kommen müssen, – da begegnete mir der Leutnant – Er kam von Birken herauf und hatte beim Rehkamp eine Achse zerbrochen.«

»Wußt' er schon von dem Morde?«

»Seinen Worten nach nicht. Die Tat selber hat er ja auch gewiß nicht begangen, aber daß er damit dennoch zu tun gehabt, darauf möcht' ich schwören. Und wenn's wahr ist, daß Peter Ahrens um den Weg war, da ist vor meinen Augen alles klar, obgleich ich von der Bekanntschaft zwischen den beiden sonst nichts gewußt habe. Aber so was macht sich ja. – Und nun bin ich damit fertig, Herr. Denn wir gingen dort auseinander; nicht gerade als Freunde, da er meinen Verdacht, den ich nicht zurückhielt, erschrecklich übel nahm und mir nun seinerseits die Tat zuschieben wollte. Ich nahm mir vor, der Sache auf den Grund zu kommen, aber das gelang mir nicht. Ich mußte allzu bald davon, wenn ich frei bleiben wollte. Und seitdem hab' ich nichts mehr von den beiden gesehen oder gehört.«

Alfred schaute den Mann eine ganze Weile lang mit ernsten, prüfenden Blicken an. »Sie werden einsehen, Matthies, daß in Ihrer Darstellung manches Unklare ist. Aber ich will darüber hingehen, weil ich wirklich an Ihre Unschuld glaube, und nur fragen: Können Sie einen sicheren Zeugen stellen, daß Sie am Tage der Tat nicht im Menkendorfer Winkel waren?«

»Ja, Herr. Ich habe mich zwei Tage lang bei dem Häusler Rülow zu Mollin bei Grünau versteckt gehalten und bin erst am dritten Tage früh morgens hinauf in den Winkel, wo ich dann von dem Mord am vergangenen Tage hörte und die Nachricht abends zu den Leuten mit hinab brachte. Sie müssen's bezeugen, daß ich vorher keinen Schritt aus dem Hause gegangen, und erst nach der Tat hinaufgekommen bin, und sie werden es, wenn's sein muß.«

»So gehen Sie hin! Mit der Pflichtverletzung muß ich eben fertig zu werden suchen. Es geht mir aber wider das Herz, meinen Lebensretter, denn für den muß ich Sie erkennen, für alle Zukunft unglücklich zu machen. Sie wollen gleich wieder fort?«

»Ja, Herr, sowie ich mit der Renate ins Reine kommen kann.«

»Das wird in Ihrem Sinn aber schwerlich so bald geschehen können, da sie als Pflegerin bei einer kranken Dame ist. Es wäre nicht recht, diese zu verlassen.«

»Das soll sie auch nicht, Herr. Haben wir acht Jahre lang gewartet, werden wir auch noch ein halbes weiteres aushalten können.«

Alfred ging im Zimmer auf und ab. »Ich wollte Sie noch etwas fragen, Matthies,« sagte er nach einer Weile mit bemerkbarem Zögern. »Sie waren also bis in den Anfang der fünfziger Jahre zu Menkendorf –«

»Ja, Herr, im Herbst 1862 ging ich fort.«

»Sie waren dazumal aber schon seit Jahr und Tag mit Clarmann und Peter Ahrens näher bekannt?«

»So wird es wohl gewesen sein, Herr.«

Nun blieb Alfred vor Matthiesen stehen. »Im August 1851 wurde Herr von Warneck tot gefunden. Haben Sie nie etwas von dem Täter erfahren? Ist auch unter euch niemals ein Verdacht laut geworden? Ich brauche es Ihnen wohl nicht erst zu sagen, daß ich nicht als Jurist darnach frage, noch, daß ich irgend jemand in Verdacht habe. Mein Vater war der beste Freund des Unglücklichen, und mir ist, als hätt' er mir ausdrücklich die Aufgabe hinterlassen, den rätselhaften Fall aufzuklären. – Matthies, ich seh' es Ihnen an, Sie wissen mehr hiervon.«

Matthies war in der Tat schon bei Alfreds ersten Worten zusammengefahren, und die Augen hielt er auch jetzt noch gesenkt, und da er sie nun erhob, war etwas Scheues in ihrem Blick. »Lügen kann ich vor Ihnen nicht, Herr – ja, ich weiß davon. Ich habe nicht die Tat gesehen, aber den Schuß gehört und den Täter gleich nach seiner Tat erblickt.«

»Und auch erkannt?«

»Ja, Herr, auch erkannt?«

»Und Sie konnten ihn nicht festhalten, nicht verfolgen, nicht anzeigen?«

»Nein, Herr, ich konnte nicht und wollte nicht. Er hat mich nicht gesehen, noch meine Nähe geahnt.«

»Aber mir werden Sie ihn nennen?«

»Matthiesens Züge zogen sich wie im Krampf zusammen. »Nein, Herr, – Ihnen auch nicht!«

»Aber ein paar Fragen werden Sie mir wohl beantworten. War der Täter von geringerem Stande?«

»Nein, Herr.«

»War es der Graf Altheim?«

»Nein Herr, der war es nicht. Und nun Herr, fragt mich nicht mehr. Es nützt Euch nichts, denn ich will und ich kann Euch nicht mehr davon sagen. Und wenn Ihr's gut mit Euch meint, so fragt Ihr auch sonst nicht mehr darnach – davon hat niemand was, die Toten und die Lebenden nicht.«

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