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Der Alte von Menkendorf

Edmund Hoefer: Der Alte von Menkendorf - Kapitel 16
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authorEdmund Hoefer
titleDer Alte von Menkendorf
publisherGrüne Bücher
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Fünfzehntes Kapitel

Trau, schau, wem

Man war sorglichst bedacht, dem »Geburtstagskinde« die Störung so wenig als möglich merkbar werden zu lassen, und dieses ließ sich die fromme Täuschung auch so geduldig gefallen, daß man von ihrer Güte wirklich überzeugt sein durfte. Als aber Freund Silberg nach zwei Stunden immer noch nicht zu erblicken war, begann »das Kind« verdrießlich zu werden: »Das ist ja zum Teufelholen! So dumm, unser ganzes Vergnügen zu stören! Ich habe große Lust, selber hinüber zu gehen und die Ausreißer zurückzuholen!«

»Das tät ich nicht an deiner Stelle, Onkel,« wandte der Pfarrsohn, der Prediger zu St. Marien, ein. »Du weißt, der Vater liebt dergleichen nicht, und zwar mit Recht. Ist's etwas Unangenehmes, so erfahren es die Seinen so früh wie nötig, und ist's etwas Gutes, so hält er's auch nicht zurück. Aber es wird ja, diesem Ausbleiben nach zu schließen, Wohl nicht etwas sehr Erfreuliches sein –, weißt du, was ich mir denke? Sollt' es nicht am Ende mit den beiden Unglückskindern, der Viktoria und dem Eugen zusammenhängen?«

»Hm, – möglich, möglich, mein Junge! Und dann ist's gut, daß er uns heut damit verschont, – das erfährt man immer noch allzu früh!« brummte der alte Polterer einigermaßen beschwichtigt. »Aber. – aber,« wurde er auch schon wieder lebhaft, »da geht einer, den ich festhalten muß! – Bis nachher, mein Lieber!« Und er schritt eilig davon und schnitt Alfred, der in einem anderen Steige vom Hause herkam und vorüber wollte, den Weg ab.

»So, so, mein Junge, da bist du ja endlich einmal. Läufst mir seit gestern aus dem Wege, glaub' ich fast, und hast also wohl wirklich ein schlechtes Gewissen, wie sie dir nachsagen? So, also halt' einmal still und laß dich ein wenig mustern, – nun, siehst ja doch noch ganz munter und brav aus!« Und indem er seinen Arm in den Alfreds schob, redete er launig weiter: »Komm, begleite mich ein bißchen! Und sag', was gibt's mit dir? Was hacken sie alle auf dich?«

»Je nun, davon werden Sie vermutlich mehr wissen als ich, der ich das Hacken spüre aber keinen Grund zu hören bekomme.«

»Gut pariert, mein Junge!«

»Daß man mich verändert findet, begreife ich, denn ich bin's; allein wie man sich darüber wundern kann, versteh' ich nicht. Man bleibt nicht immer ein Kind, und erheiternd sind meine Geschäfte am allerwenigsten.«

»So sagen dein Großvater und ich auch, – du siehst, es hacken doch nicht alle auf dich. Du hast, wie ich höre, mit dem Willmannschen Fall zu tun?«

»Ja, ich bin dem Rat Gutmann zugeteilt. Dabei gibt's auch nicht gerade Vergnügen.«

»Ich möchte wohl ein paar Fragen tun. Wenn du aber nicht antworten darfst, so sage es offen heraus, – ich bin nicht unbillig.«

»Fragen Sie nur, Papa. Was ich Ihnen zu verschweigen hätte, wüßt' ich wirklich nicht. Ja, es ist mir lieb, daß wir hierauf kommen. Ich habe selber einiges zu fragen, Sie oder meinen Großvater. Es ist uns um die eine oder andere Auskunft zu tun, die wir voraussichtlich nur hier erhalten können.«

»Amtlich?«

»Nein, einstweilen nur unter uns, Papa.«

»Also, aber nein, laß mich zuerst fragen, bei mir brennt es. Also – sind die Verhältnisse des Willmanns euch günstig und geordnet erschienen?«

»Günstig, – durchaus; geordnet, – wie man's nimmt.«

»Findet sich irgend etwas, das seinem bekannten guten Rufe widerspräche? Ich meine, – könnte er etwas mit – zweifelhaften Geldgeschäften zu tun gehabt haben?«

»Wie kommen Sie auf diese Frage, Papa?«

»Antworte nur erst!«

»Nun denn, Papa, es ist merkwürdig: weder seine Frau, noch sonst jemand, wollen, einen einzigen Fall ausgenommen, von dergleichen etwas wissen. In seinem sogenannten Buche aber finden sich wirklich solche Spuren mehrfach, – wohlverstanden, ohne irgendeinen auch nur verdächtigen Anstrich.«

»Und der eine Ausnahmefall?«

»Nun ja, Papa, – es ist, wie Sie zu argwöhnen scheinen, wirklich Eugen dabei im Spiel: Namen findet man in dem Buch freilich nirgends, sondern nur Buchstaben, wie zum Beispiel: G. A. – und diese wurden von uns allerdings sogleich auf ihn gedeutet, und die Frau bestätigte dies. Willmanns hat sich damals, als Eugen noch bei ihm wohnte, dazu verstanden, die Regelung der Schulden zu übernehmen, – doch hauptsächlich, um Ihnen den Ärger zu ersparen.«

»Und er ist befriedigt worden?«

»Nach der Angabe der Frau, und wenn wir jene Buchstaben richtig deuten, auch nach derjenigen im Buch, – vollständig!«

»Und neue Spuren solcher Geschäfte fanden sich nicht?«

»Nein!«

»So! Und dennoch soll Willmanns eine neue Forderung eingebracht oder doch damit gedroht haben –«

»Papa, das überrascht mich sehr. Woher weißt du –?«

»Von dem sauberen Früchtchen selber. Du weißt, er war vor einigen Tagen hier und machte mir auf meinen nicht gerade freundlichen Empfang wunderbare Mitteilungen. Er hat durch Bruneck von den angemeldeten Schulden erfahren und durch ebendenselben mittels eines fabelhaften Spielgewinns die Gläubiger befriedigen lassen. Nur eine, die größte Forderung, blieb unerledigt, ja, trieb ihn, im Verein mit den Nachrichten über seine Schwester vor der Zeit zurück. Und dieser Gläubiger war nach seiner Angabe Willmanns und seine Forderung eine betrügerische, wie er durch die Quittung des Mannes beweisen zu können behauptet. Ja, er sagt, daß mehr als einer schon ähnliche Erfahrungen an dem Manne gemacht habe.«

»Das ist allerdings eine kaum glaubliche Geschichte.«

»Genau, wie wir davon denken.«

»Von einer solchen Forderung ist mir jedenfalls nicht das geringste bekannt geworden. Ob sie beabsichtigt gewesen, daß läßt sich einstweilen, trotz einer merkwürdigen Äußerung des Mannes kurz vor seinem Tode, über die ich jedoch nicht zu reden habe, nicht ergründen, – die Papiere sind ja sämtlich verschwunden. Daß sie eine betrügerische gewesen, und daß der Mann sich sogar öfters an dergleichen versucht habe, leugne ich – einstweilen! – ganz entschieden. Es spricht, wie gesagt, nichts dafür, und es wäre auch fast unmöglich, daß derartiges niemals kund geworden sein, nie zu lautem Zank und Streit geführt haben sollte. – Aber, sagen Sie mir vor allen Dingen, Papa, – wann kam Eugen hierher und wußte er schon von dem Geschehenen?«

»Er kam am Tage nach dem Morde und, wenn ich nicht an eine übernatürliche Verstellungskunst glauben soll, so erfuhr er wirklich von mir das erste Wort davon.«

»Und, – verzeihen Sie mein Fragen, aber es könnte wirklich etwas darauf ankommen! – von wo kam er zu Ihnen?«

»Von Birken, und zwar mit dessen Fuhrwerk –«

»Birken, aha! – nicht wahr, Papa, das Gut heißt ebenso und grenzt an Belitz?«

»Das ist richtig, wenigstens ungefähr. Aber warum fragst du?«

»Hm, – es ist nur so ein Einfall, Papa. Und nun noch eine Frage, und dann bin ich für jetzt fertig. Entsinnen Sie sich noch eines gewissen Matthies Matthiesen, der hier vor achtzehn, zwanzig Jahren bei Ihrem alten Brüst Lehrling war und hernach zur See ging?«

»Na, ob ich mich seiner erinnere, es war einer der schmucksten und fixesten Jungen, die ich hier an der Küste gefunden habe, und du weißt, das will schon etwas heißen, denn die sind nicht rar. Ich und selbst Vater Brüst haben selten jemand ungerner verloren; aber seit die Bekanntschaft mit dem widerlichen Gesellen, dem Pater Ahrens, da war, ließ sich nichts mehr mit ihm anfangen.«

»Sie waren also hier mit ihm zufrieden?«

»Durchaus, bis, wie ich sage, diese Bekanntschaft anfing.«

»Es ist merkwürdig, Papa, der Mensch war mir bisher wie verschollen; selbst sein Name, den ich neuerdings oft genug hörte, rief keine rechte Erinnerung in mir wach. Jetzt, da sie von ihm reden, steht er plötzlich vor mir, wie gemalt, – ich müßt' ihn wiedererkennen, mein ich fast! Ich war ja nur ein kleiner Junge, da ich ihn hier sah, aber er hat sich viel mit mir beschäftigt, glaub' ich. Aber, haben Sie später nie wieder von ihm gehört, zumal in den letzten Jahren nicht?«

»Doch, anfangs öfter, und er schien gut zu tun, – er war ja auch ein guter Bursch, solange er sich von dem Lumpen fernhielt. Jetzt hört' ich lange nicht mehr von ihm. Doch nun, mein Junge, was gibt's mit dem Matthies? Der hat doch, so Gott will, nichts mit diesen Geschichten zu tun?«

Sie waren indes durch einen anderen Steig gegen die offeneren Gartengründe zurückgekehrt und sahen sich jetzt wieder der Laube nahe. Alfred merkte, daß der alte Herr Verlangen nach diesem Platz hatte, und da es ihm nicht gerade um eine Antwort auf die letzte Frage zu tun war, so hielt er den jetzt schneller Vorwärtsstrebenden nicht zurück. Der dachte auch wirklich nicht mehr daran, sondern horchte nur auf die Stimmen, die ihm entgegenklangen. Und nun, da man den Raum der Laube übersehen konnte und der ›Junker‹ den alten Lebensfreund zurückgekehrt und in Unterhaltung mit den übrigen Anwesenden sah, stürmte er los.

»So, so, ist der Ausreißer wieder da? Na, das nützt ihm nichts, – Strafe gibt's doch!« rief er, dort angelangt, in bester Laune aus. »Bin schon von selber dabei,« versetzte Silberg schmunzelnd und erhob sein volles Glas. »Trinke eben pro poena

Alfred wandte sich ab; die Unterhaltungen, die hier geführt wurden, sagten ihm in seiner jetzigen Stimmung wenig zu; denn da er sich mit einer Art von Leidenschaft aus den Wirren des Tageslebens in seine Berufsgeschäfte und besonders in die gegenwärtige Untersuchung geworfen hatte, hatten ihn die Mitteilungen des ›Junkers‹ natürlich auch um vieles ernstlicher getroffen, als er es hatte zeigen mögen. Er empfand eine gewisse Befriedigung; war es doch, als sei er jetzt erst auf eine wirklich deutliche und auch verfolgbare Spur gestoßen. Die Richtung und das mögliche, Ende dieser Spur erfüllten ihn freilich mit den tiefsten Sorgen. Was konnte und sollte daraus werden, wenn Eugen ernstlich in den bösen Fall verwickelt war? – In dieser unheilvollen und gar nicht mehr auszuweichenden Frage weiter grübelnd, war er einen gekrümmten und bebuschten Kiesweg entlang gegangen, froh, niemandem begegnet zu sein. Jetzt aber hörte er mit einem Mal sehr eilige Schritte sowie das Rauschen von Frauenkleidern vor sich und sah nun, halb ärgerlich, halb neugierig, der Annäherung entgegen: Es war eine Dame, die er im nächsten Augenblick erkannte: – Blanka!

Sie hatte ihn wohl gleichfalls erst zuletzt bemerkt; ihre Augen waren bisher wie suchend auf den Boden gerichtet gewesen, und es hatte da ein Spännchen Zeit lang den Anschein, als zögerte sie weiterzugehen, ja sogar, als wollte sie umkehren, doch da schritt sie auch wieder aus, rascher noch als vordem, und kam heran und hielt vor ihm, der offenbar noch und zwischen ganz anderen Gefühlen als sie schwankte und auch ersichtlich darunter litt. – »Kind, was heißt denn das? In solcher Eile und allein?« zwang ihn dieser Augenblick aber besorgt und herzlichst sie zu fragen, »wie erhitzt du aussiehst!« und darnach war es ihm, als verlöre die Kluft, die zwischen ihnen seit vielen Wochen schon so schrecklich gähnte, plötzlich an Weite. »Wir haben getanzt,« erwiderte Blanka indem, »mache daß du hineinkommst!« und lächelte dabei mit einer gewissen Befangenheit, während ihre Augen wieder links und rechts die Erde streiften. »Es fehlt an Herren und man ist schon ganz böse über dich Treulosen! Geh, ich komme sogleich zurück!« Und damit wollte sie Weitereilen. »Ei, da habe ich ja auch noch so lange Zeit,« versuchte er zu scherzen und zugleich sie bei sich zu behalten, »es versteht sich doch von selbst, daß nur du meine Tänzerin sein kannst, – mein Gott! wie lange drehten wir uns schon nicht mehr miteinander! – Aber –« unterbrach er da, sich besinnend, diese ungewollt heitere Art mit ehrlichem Ernst, »suchst du etwas, Blanka, was ist'? konntest du nicht jemand darnach schicken oder kann ich es dir nicht besorgen?«

»Doch nicht,« entgegnete sie, immer noch ohne ihn anzugucken, »ich habe vorhin, da wir hineingingen, da draußen irgendwo mein Taschentuch liegen lassen, und es war eins von meiner Mutter, – ich muß es wieder haben!«

»Ich hol's. Nicht wahr, ihr wartet auf dem Lindenplatz?«

»Nicht doch, – nicht doch! Wir streiften schon ein bißchen umher, und du, ungetreuer Mensch, wärest natürlich wieder nicht dabei!« Jetzt endlich hob sie den Blick voll zu ihm auf und lächelte ihn kurz an. Dann aber, als sei ihr dies indem erst bewußt geworden, wurde sie scheuer als zu Beginn des Zusammentreffens und, nochmals den angebotenen Diensteifer abwehrend, diesmal jedoch stumm und unverbindlich, kehrte sie sich schnell ab und lief davon. Er ihr nach. »Nein, nein! Allein lasse ich dich diesen Weg keinesfalls machen, Blanka! Sieh, es dämmert schon und die Abende sind jetzt kühl! Sieh, dein leichtes Kleid! Wie unvorsichtig, Blanka!« Sie sah flüchtig auf und um –: er hatte Recht, zwar hingen in den Wipfeln der großen Bäume noch die Sonnenstrahlen, doch auf den Büschen war aller Glanz schon fort.

»Das tut nichts!« entgegnete sie dennoch und eilte wieder weiter. »Wir hier kümmern uns darum nicht, – du hast das nur vergessen, – Herr Alfred! Ich gehe hier oft genug noch nach dem Nachtessen ganz allein herum –«. Trotzdem litt sie nun, daß er bei ihr blieb. Er aber bemerkte diesen kleinen Wandel gar nicht, so voll der Besorgtheit war er um sie. »Ich weiß es wohl, doch gutheißen kann ich es nicht; wir haben wieder allerhand Gesindel im Land. Denk' doch an Willmanns! Und das geschah sogar am hellichten Tag!« Sie hatten indessen einen Pfad erreicht, der die Anlagen vom Walde trennte und auf den Aussichtspunkt führte, den man nach den glücklich darauf gedeihenden Linden zu benennen pflegte. »Aber du glaubst doch nicht, Alfred, daß sich so etwas wiederholen könnte?« Obschon dies gar nicht furchtsam klang, guckte sich Blanka dabei dennoch nach allen Seiten um. Alfred aber versetzte bedächtig: »Wer kann das bejahen oder leugnen, Kind? Solange ein solcher Schuft unentdeckt bleibt, stehe ich für nichts. Aber da es ein Einheimischer sein muß, so werden wir ihn schon fassen, – ja, ich hoffe –«

»Nimm dich in acht, mein Junge, – es gibt auch für dich noch eine Kugel!« klang plötzlich aus nahem Gebüsch hervor eine drohende Stimme, und zugleich knackte der aufgezogene Hahn einer Flinte ...

»Während Blanka gellend aufschrie, sprang Alfred mit einem Satz seitwärts und um den Busch herum. Und er kam in der Tat noch früh genug, um einen mittelgroßen Mann von gedrungener Gestalt und in dunkler Jacke über den Weg eilen und drüben in den dichten Gebüschen verschwinden zu sehen. Dann aber wich er rasch wieder hinter den Busch zurück und zog auch die noch wie völlig erstarrte Blanka mit einem festen Griff in seine Nähe; denn wer stand dafür, daß nicht demnächst schon die verheißende Kugel den Weg von drüben herüber und zu ihnen finden werde? »Von dem muß ich mehr erfahren!« knirschte er zuletzt.

»Alfred, – du sollst, du darfst ihm nicht nach! Bitte, –o bitte, laß uns fort, – fort!« flüsterte Blanka, jetzt am ganzen Leibe bebend, und ihre Blicke sagten noch mehr. Da nahm er ihre zitternden, eiskalten Hände in die seinen und zog sie, als wollt er sie seines Schutzes versichern, näher an sich. »Sei ruhig, mein Herzenskind! Erfahren muß ich mehr von dem Frechen, aber so töricht bin ich nicht, daß ich ihm allein und in jene Gründe folgen sollte. Entgehen soll er mir darum dennoch nicht!« Sie aber fühlte sich dadurch keineswegs beruhigt und bat von neuem und nun ganz von Tränen erstickt. »O, – laß ihn, laß ihn! Hörtest du nicht, wie er dir drohte –?« Er hatte indem leicht den Arm um sie gelegt. »Fasse dich, liebes Herz, und ängstige dich nicht um mich. Das ist der Strauchdieb nicht wert. Und nun gib mir deinen Arm und stütze dich fest auf mich. Wie du zitterst, du Arme, du Liebe!« Sie ließ sich willig von ihm führen und fand so sehr bald und früher als man es von einem Mädchen erwarten durfte, ihre Kräfte wieder.

Als sie in die Nähe der Laube gelangten, aus der ihnen keine Stimmen mehr entgegenklangen, – es war inzwischen empfindlich kühl und sogar ein wenig nebelig geworden, – da blieb Blanka stehen und zog ihren Arm sanft aus dem seinen. »Nicht wahr,« sagte sie dabei und blickte mit einem leisen, weichen Lächeln zu ihm auf, »nun gehen wir wieder einzeln bis zum Haus? Ich bin schon wieder ganz kräftig, und man darf sich doch nicht aufhalten über uns!« Sein Blick traf voll in ihr Auge, so daß sie es senken mußte. »Wer würde sich über Schwester und Bruder aufzuhalten wagen?« fragte er, hierbei einen jähen Unmut überwindend. »Bitte, Alfred,« entschied sie freundlich, »es ist, glaub' ich, wirklich besser so! Ich habe letzthin ein paar sehr häßliche Blicke auf dich und mich gesehen.«

Das »Geburtstagskind«, da es von dem Geschehenen vernahm, fuhr auf wie ein zorniger Löwe. »So soll Gott mich verdammen! Dafür will ich Genugtuung haben! Die Hunde los! Alle Leute auf! Der Strolch soll's erfahren, daß man mit dem ›Junker von Menkendorf‹ nicht ungestraft zu spielen wagt!« Es geschah nach seinem Willen, und eine Viertelstunde später schon streifte man mit den Hunden durch die Reviere. Doch blieb die Streife ohne Erfolg. Der Nebel ward mit jedem Augenblick dichter und breitete über alles seine grauen Schleier hin.

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