Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Emilio Salgari >

Der algerische Panther

Emilio Salgari: Der algerische Panther - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorEmilio Salgari
titleDer algerische Panther
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Abenteuer
isbn3548210694
year1987
translatorM. von Siegroth
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080317
projectidd04d3203
Schließen

Navigation:

Ein homerischer Kampf

Die Korsaren hatten sich in eine Linie geformt und segelten auf die Galeere los, um sie einzukreisen.

Aber die Malteser jener Zeit waren ihrer Seemannskunst gewachsen. Etwa 500 Meter vor dem vordersten Schiff entfernt, umsegelte die »Sirene« die feindliche Linie und verfolgte die nach Süden eilende Galeere.

Leider büßte sie dabei einen Teil des früher gewonnenen Vorderteils ein. Die Feinde wendeten sich sofort. Aber noch konnten die Malteser ihnen ausweichen.

»Wenn sie uns nicht die Takelage zerschießen«, meinte Le Tenant, »könnten wir Zuleik erreichen, ehe die andern zu Hilfe kommen!«

»Es ist allerdings ein verzweifeltes Spiel«, sagte Sant' Elmo.

»Aber wir dürfen nicht zögern! Schwört mir, daß ihr, wenn ich falle, den Kampf fortsetzt und meine Braut befreit. Mein Vermögen steht euch dabei zur Verfügung!«

»Baron«, antwortete Le Tenant bewegt, »ich schwöre es euch aufs Kreuz! Nichts werde ich unversucht lassen, die Gräfin zu retten!«

»Dank, Kapitän! Nun kann ich ruhig dem Tode ins Auge schauen!«

Die Galeere war jetzt, gefolgt von den Feinden, kaum einen Kilometer hinter der Zuleiks.

»Feuer!« kommandierte der Baron. Und vierzehn Geschütze entsandten ihre Geschosse mit voller Wucht auf die Korsaren, ehe diese Zeit fanden, ihre Breitseiten der »Sirene« zuzuwenden. Der Erfolg war gewaltig.

Die voransegelnde Feluke verlor mit einem Schlage Masten und Segel. Die anderen hatten so viele Schüsse erhalten, daß sie einen Augenblick stillstanden.

Aber das Triumphgeschrei der »Sirene« verstummte bald, als die Kugeln der Seeräuber in die Reihen ihrer Besatzung schlugen. Ihre Schüsse hatten nicht weniger gut getroffen als die der Malteser. Ein Zehntel der Christen war tot oder verwundet.

Immerhin war es der »Sirene« gelungen, ohne ernsten Schaden am Takelwerk zu erleiden, sich zwischen die fliehende Galeere und ihre Begleiter zu legen.

»Wenn der Teufel nicht sein Spiel treibt«, rief Le Tenant, »erreichen wir Zuleik, ehe die anderen herankommen!«

Des Barons Galeere näherte sich immer mehr dem Schiffe Zuleiks.

Inzwischen feuerten die anderen Korsarenschiffe ohne Pause, aber mit wenig Erfolg. Auch auf Zuleiks Galeere sah man eifrige Vorbereitungen zum Kampfe treffen. Auf 400 Meter zielten seine zwei hinteren Kanonen auf die »Sirene«. Jedoch die Kugeln flogen durch die Segel, ohne Schaden anzurichten.

»Die Schützen in die Front!« kommandierte Le Tenant.

Fünfzig Mann eröffneten ein lebhaftes Feuer auf die Räuber, die ihrerseits das Vorderkastell des feindlichen Schiffes mit Kugeln beschütteten. Doch getrieben von einer frischen Brise, drang die »Sirene« auf den Gegner ein und durchbohrte mit ihrem Bugspriet sein großes Rutensegel.

Mit einem furchtbaren Ruck, der die Kämpfer zu Boden warf, stießen beide Schiffe zusammen. Die Malteser hatten den Korsaren mit ihrem Enterhaken festgelegt. Nun stürzten sie sich unter wildem Geschrei auf die Galeere, an ihrer Spitze der Baron und Le Tenant.

Wie Panther sprangen ihnen die Mauren entgegen. Aber die Malteser drängten sie zurück. »Vorwärts«, schrie der Ritter, »ehe die anderen uns erreichen!«

Die Wut verzehnfachte seine Kraft. Energisch bahnte er sich den Weg durch die Feinde zu dem am Hauptmast errichteten Verhau. Auf dem Fuße folgten ihm seine Getreuen. Die Mauren wehrten sich aber verzweifelt. Mit donnerndem Krach fielen Schwerter und Keulen auf Helme und Panzer. Überall fielen blutend die Getroffenen nieder.

Die Barrikade wurde mit äußerster Anstrengung verteidigt. Der Baron, der schon die Schüsse der nahenden Galeeren hörte, sammelte einige zwanzig Mann, um die Barrikade zu erstürmen.

Da trat ihm ein ganz in Eisen gehüllter Mann entschlossen entgegen.

»Zuleik!« schrie Sant' Elmo, »Schurke, endlich habe ich dich! Gib mir meine Braut wieder!«

»Hol' sie dir, aber erst versuche es, mich zu töten!« war die Antwort.

Kämpfende Paare trennten in diesem Augenblick die beiden Nebenbuhler.

Die Korsaren wichen zurück. Der Sieg der Malteser schien sicher und die Wegnahme des Schiffes nur noch die Frage von Minuten, als plötzlich ein furchtbarer Kugelhagel über das Verdeck jagte. Die Galeeren hatten, ohne Rücksicht darauf, wen sie trafen, eine Salve abgegeben.

Unbekümmert um den Wutschrei Sant' Elmos, befahl Le Tenant den schleunigen Rückzug der Seinigen. Dann stürzte der Vizekapitän auf den Baron zu, der noch immer seinen Gegner zu erreichen suchte.

»Kommt, oder alles ist verloren!« rief er ihm eindringlich zu.

Vergebens sträubte sich der Ritter. Die Zurückflutenden rissen ihn mit sich.

Die Mauren suchten nun von neuem, die »Sirene« zu erstürmen. Die Größe der Gefahr gab dem Baron wieder kaltes Blut. Mit wenigen Befehlen ließ er die Enterhaken loslösen und sammelte seine Leute.

Ein Windstoß machte das Schiff frei.

Aber während seine Kanonen wieder feuerten, kam ein Kugelregen der Feinde und richtete furchtbare Verwüstungen auf Deck an. Von allen Seiten sausten die Geschosse und zertrümmerten das Holzwerk. Der Lärm verschlang die Befehle des Kapitäns und der Offiziere.

Die auf dem Verdeck und in den Batterien befindlichen Soldaten fielen.

Das Schiff war nur noch ein Wrack, das sich wie durch ein Wunder auf dem Wasser hielt. Die Kanonen waren verstummt aus Mangel an Bedienungsmannschaft.

»Ergebt euch!« -- schrien die Mauren von allen Seiten.

Mit drohender Stimme antwortete der Baron: »Malteser sterben, aber ergeben sich nicht!«

In diesem Augenblick ertönte ein Jubelruf unter den Christen. »Segel, Segel! Wir bekommen Hilfe!«

Im Norden, von Sardinien her, zeigten sich weiße Punkte am Horizonte. Von dort her konnten keine feindlichen Schiffe kommen.

Bei diesem Anblick beseelte frischer Mut die Malteser. Sie erwiderten mit großer Kraft die feindlichen Angriffe, die jetzt zu erlahmen schienen.

Die Gegner hatten ebenfalls das Nahen der andern Segel bemerkt, die sie für Abgesandte des Vizekönigs von Sardinien hielten, der den Malteserrittern helfen wollte. Sie wurden unruhig und fürchteten, zwischen zwei Feuer zu kommen. Die Entfernung war aber noch zu groß, um mit Sicherheit die Herkunft bestimmen zu können.

Der Baron und Le Tenant nutzten ihr Zögern aus.

»Vorwärts, schießt!« -- riefen sie ihren Leuten zu.

»Alle Mann in die Batterien!«

Das Feuer der Christen wurde wieder lebhafter. Schüsse auf Schüsse krachten in die feindlichen Schiffe hinein. Der Kugelregen bestimmte endlich die Barbaresken, von der Beute abzulassen. Ihre Galeeren waren durch den langen Kampf stark mitgenommen. So hißten sie eilig die Segel und flüchteten, nach einer letzten Breitseite auf die wracke »Sirene«, nach Algier zu.

Das Malteserschiff blieb nun den Wellen überlassen, noch umraucht von der letzten Kanonade, und schmerzvoll empfand sein junger Kapitän die Unmöglichkeit, den Flüchtenden zu folgen.

 << Kapitel 6  Kapitel 8 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.