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Der algerische Panther

Emilio Salgari: Der algerische Panther - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
authorEmilio Salgari
titleDer algerische Panther
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Abenteuer
isbn3548210694
year1987
translatorM. von Siegroth
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080317
projectidd04d3203
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Im Harem des Bey

Trotz aller heldenmütigen Vorsätze konnte der Baron doch kaum seiner inneren Erregung Herr werden, als am nächsten Tage eine Sänfte unter Führung des Mirab erschien, die von zwei Negern der Kasbah begleitet war.

Der Renegat, der in früheren Jahren Diener einer hochgestellten maurischen Dame gewesen und mit deren Toilettengeheimnissen genau vertraut war, hatte noch die letzte Hand angelegt, um das Aussehen seines Gastes zu verfeinern, auf daß er würdig war, unter die elegantesten und reizvollsten Mädchen des Harems aufgenommen zu werden. Er schminkte ihm die Wangen rot und wand ihm einen selten schönen, seidenen Schal um den Kopf.

»Ihr werdet Aufsehen in der Burg erregen!«

»Aber die männliche Stimme!« Der Ritter hatte seine Bedenken darüber.

»Ihr dürft natürlich nicht sprechen!« warnte der Mirab. »Ich habe dem Obereunuchen erklärt, daß ihr stumm seid. Also verratet euch nicht!«

»Es wird kein Wort dem Gehege meiner Zähne entschlüpfen! Aber wird es mir möglich sein, Donna Ida heut' Abend zu sehen ?«

»Vielleicht gelingt es! Wenn ihr schon heut' in die Gärten des Harems kommt, ja! Doch Vorsicht, Baron! Gefahr droht überall in der Kasbah!«

»Ich fürchte nur für meine Braut, nicht für mich! Lange darf ich allerdings in dieser Verkleidung nicht bleiben! Darum wäre es gut, noch vor Sonnenaufgang mit der Gräfin zu fliehen!«

»Wir werden auf euer Signal warten! Meine Feluke ist segelfertig!« sagte der Normanne. Binnen kurzem werden auch meine Schiffsleute hier sein!«

»Aber jetzt müssen wir uns beeilen!« trieb der Mirab. »Wir dürfen den Eunuchen nicht lange warten lassen!«

Der Ritter bestieg im Hofe die kleine Sänfte, die ganz mit Goldfransen behängt und mit seidenen Vorhängen versehen war. Die Neger nahmen sie auf die Schultern, und fort ging's unter Vorantritt des Greises.

Die Zurückbleibenden sahen ihnen lange nach und tauschten ihre Bedenken aus.

»Es gehört kein geringer Mut zu dem Abenteuer!« sprach der Renegat. »Ich würde es nicht wagen, unter solchen Umständen meinen Fuß in die Burg zu setzen!«

»Man wird nichts merken«, meinte der andere. »Die Flucht muß so schnell wie möglich stattfinden!«

»Liegt der seidene Strick im Koffer?«

»Gewiß, und Waffen habe ich auch dazu getan...!«

Die Sänfte hielt nicht vor dem großen Haupttor der Burg, sondern vor einer kleinen, eisernen Nebenpforte, wo die neue Sklavin den neugierigen Blicken der Janitscharen nicht ausgesetzt war. Sie wurde mitten in einem Vorsaal niedergesetzt, dessen bunte Fensterscheiben das grelle Licht der afrikanischen Sonne dämpften.

Ein großer, älterer Mann mit hochmütigem Gesichtsausdruck, dessen dunkle, fast schwarze Hautfarbe von seinem weißseidenen Kaftan erheblich abstach, näherte sich den Ankömmlingen.

Der Mirab verneigte sich tief:

»Seid gegrüßt, Sidi Maharrem! Hier ist das Mädchen, das du erwartest!«

Der Obereununch -- obgleich von niederer Herkunft, so doch eine wichtige Persönlichkeit am muselmanischen Hof -- antwortete mit einer herablassenden Handbewegung.

Der Baron, der seine volle Ruhe wiedererlangt hatte, machte eine anmutige Verbeugung und entschleierte sich langsam.

»Das ist eine schöne Erwerbung für den Harem!« rief der Eunuche überrascht aus. »Ein reizendes Gesicht! Wo habt ihr diese seltene Blume gepflückt?«

»Ein Malteser Kapitän hat sie aus Marokko mitgebracht!« entgegnete der Alte.

»Wieviel kostet sie?«

»Tausend Zechinen!«

»Welche die Prinzessin Kodem bezahlt hat?«

»Natürlich, sie hat das Mädchen gekauft als Geschenk für die zweite Gattin des Bey!«

»Ah, sie ist das Doppelte wert!«

»Du wirst die doch protegieren!«

»Gewiß, in vierzehn Tagen ist die Sklavin eine Besleme! Und wer weiß, ob sie nicht gar Favoritin meines Herrn wird! Ein so schönes Mädchen macht Karriere bei uns! Nur schade, daß sie stumm ist!«

»Leider, von Geburt an!«

»Sie ist schlank und graziös, kann also eine Tamburintänzerin werden!«

Er machte dem Mirab ein Zeichen, daß die Audienz nun beendet wäre.

Hierauf öffnete er eine durch einen schweren Brokatvorhang versteckte Tür und winkte der Marokkanerin, wie den Negern, die ihren Mahagonikoffer trugen, ihm zu folgen. Der Baron verschleierte sich wieder. Er war froh, daß sein Eintritt in die Burg so glatt gegangen.

Sie schritten durch eine Reihe von Bogengängen, deren Wände mit goldglänzenden Stoffen behängt und deren Fußböden mit kostbaren, aloedurchtränkten Rabatteppichen belegt waren. Dann ging es über eine Freitreppe hinunter in die Haremsgärten.

Dort lagen, auf Teppichen hingestreckt, plaudernde und lachende Mädchen unter Palmen oder am Rande von Marmorbecken, wo weiße Schwäne schwammen. Sie hatten mandelförmige Augen und weiße Arme, waren von Schleiern umhüllt und trugen perlengeschmückte Kopfbedeckungen.

Negerinnen mit mächtigen, bronzefarbenen Gestalten reichten ihnen Süßigkeiten und Kaffee.

Aus den Gebüschen klangen Tiorbaspiel und das Schwirren von Tamburinen. Heitere Lieder wurden geträllert in allen Sprachen. Sicher waren auch viele christliche Sklavinnen darunter, Beute der Korsaren von den Küsten Europas.

»Laß jetzt deine Schüchternheit beiseite«, sagte der Obereunuche zum Baron, »und sei lustig wie die andern Mädchen! Morgen stelle ich dich deiner Herrin vor!«

Einige übermütige Beslemen hatten den neuen Ankömmling schon umringt und lachten über seine Verlegenheit. Sie zogen ihn an der Hand zu einem Tamarindenbaum, wo eine alte Negerin im Kreise von weißen und schwarzen Sklavinnen Märchen erzählte.

Man bot ihm Kaffee und Leckereien an und bestürmte ihn mit Fragen. Der Baron hütete sich wohl zu antworten. Er hätte es bei seiner mangelhaften Kenntnis des Arabischen auch kaum vermocht.

»Ach, sie ist stumm!« rief eines der hübschen Mädchen mitleidig aus.

»Dann lehren wir sie tanzen und Musik machen!« sagte eine andere.

Und eine dritte: »Die Ärmste! Sie soll unsere Freundin werden!«

Während der Ritter der Märchenerzählerin andächtig zu lauschen schien, beobachtete er aufmerksam alle Personen, die sich im Garten zeigten. Er suchte unter den Gruppen nach Donna Ida... Durfte er doch nicht nach ihr fragen!

Da sah er, wie sich der Eunuche untertänig einer jungen Frau näherte, deren perlengeschmücktes Haupt auf einem blauen Seidenkissen lag. Ihre reiche Kleidung und ihre Juwelen ließen sie als hochgestellte Dame erkennen. Sicher eine Gemahlin des Beys. Von den plaudernd um sie gescharten Mädchen glich eine seiner Braut. Er mußte an sich halten, um sich nicht durch einen Ausruf zu verraten.

Die Gruppe drüben löste sich auf.

Auch der Ritter zog sich langsam aus dem Kreise um die Negerin zurück. Er legte sich unter ein dichtes Gebüsch, wo er bequemer Umschau halten konnte. Ein inneres Gefühl sagte ihm, daß die Geliebte nicht fern sei.

Plötzlich durchfuhr ihn ein heftiger Schreck.

Er hatte am äußersten Ende einer schattigen Allee, die ziemlich verlassen lag, eine kleine, zierliche Gestalt entdeckt, die einen weißen, goldpunktierten Schleierschal über ihrem Gewand trug.

Ohne Rücksicht auf seine Umgebung war er aufgesprungen und auf die Allee zugeeilt.

Die Gestalt war bei seinem Erscheinen stehengeblieben.

»Ida«, rief er leise, mit erstickter Stimme.

Die junge Besleme konnte einen leichten Schrei nicht unterdrücken. So unwahrscheinlich es ihr auch schien, war ihr doch die Stimme bekannt vorgekommen.

»Ida«, wiederholte er, »Gott scheint uns zu beschützen!«

»Wer seid ihr...? Es ist nicht möglich! Träume ich denn?«

Er führte sie schnell entschlossen zu einem Bananengebüsch, dessen große Blätter sie vor den Blicken der andern verbargen.

Willenlos folgte sie.

»Schau mich an! Erkennst du mich nicht?«

»Carlo, du?« Zwischen Schluchzen und Lachen sprach sie es.

»Still, Liebchen, man könnte uns hören!«

Unter Tränen jauchzte sie: »Du lebst! Zuleik hat mir gesagt, du seist tot!«

»Alles ist zur Flucht bereit, Ida! So Gott will, werden wir noch diese Nacht die Burg verlassen und morgen schon fern von Algier sein!«

»Unmöglich! Du kennst die Kasbah nicht!«

»Die Minuten sind kostbar. Lange kann ich meine Rolle hier nicht durchführen! Wenn man mich als Mann entdeckt, bin ich verloren!«

»Dann sterbe ich mit dir!«

»Weißt du, wo der Westturm liegt«?«

»Ja, ich werde dich führen! Aber wie können wir denn in der Galerie dem wachthabenden Eunuchen entgehen?«

»Ich habe Waffen...«

»Wir müssen uns jetzt trennen, Carlo, damit es nicht auffällt!«

In diesem Augenblick bog eine Schar mit Musikinstrumenten in die Allee ein. Ida schloß sich ihnen an.

Man schien die Entfernung der neuen Sklavin nicht bemerkt zu haben. Während letztere sich wieder zu der Negerin setzte, vergnügten sich die Gefährtinnen der Gräfin am Teiche, um die Schwäne mit Körnern anzulocken.

Bald brachten die Eunuchen und Dienerinnen Körbe mit allerlei Speisen, die auf silbernen Platten zum Abendessen serviert wurden. Man stellte sie in die Mitte der Gruppen.

Einige der Frauen schmausten, auf Kissen gelehnt; andere lagen lang hingestreckt im Grase und ließen sich bei ihrer Mahlzeit von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne bescheinen.

Als Nachtisch wurden von Negerinnen Süßigkeiten, Eis, Kaffee und parfümierte Zigaretten gereicht.

Kadinen, Odalisken und Beslemen knabberten mit ihren Zähnen Mudjumpastillen und gewisse Süßigkeiten, die mit öligen und parfümierten Essenzen durchtränkt waren und leicht berauschten. Andere ließen sich auf vergoldeten Räuchergefäßen Wohlgerüche aus Aloe und Sandelholz bereiten.

Alle lachten, plauderten, scherzten und waren froh, der Langeweile für einige Zeit überhoben zu sein, welche weder der Luxus des Orients noch der Glanz der Fürstenhöfe bannen kann.

Die junge Gräfin befand sich jetzt mit andern Mädchen bei der ersten Kadine, der mächtigsten Frau des Harems. Um jeden Verdacht fernzuhalten, zeigte sie sich heiterer als sonst, obwohl sie innerlich aufs höchste erregt war. Dabei behielt sie ständig den Ritter im Auge. Nur mit größter Anstrengung verbarg sie ihre Angst, die sich verstärkte, je mehr die Schatten der Nacht auf die Gärten sanken.

Auch der Baron war unruhig. Er, der dem Tode so oft ins Auge geschaut, der sich oft genug ohne Zagen in den blutigsten Kampf gestürzt hatte, fühlte sein Herz erbeben vor der nächsten Stunde.

Er wartete ungeduldig auf den Augenblick, wo die Kadinen die Haremsgärten verlassen würden. Aber der Abend war herrlich, und die Frische unter den Palmen und Tamarindenbäumen lud zu längerem Verweilen ein.

Mit einem schnellen Entschluß näherte sich der Ritter der Geliebten und gab ihr einen Wink. Er wollte nicht länger warten, sondern die Flucht schon jetzt bewerkstelligen.

Während die Mädchen in den halbdunklen Alleen und Bosketten sich haschten, schritt er auf eine Fontäne zu, die gegen Westen lag. Also konnte der Turm nicht fern sein. Hier wollte er Umschau halten.

Donna Ida war, angeblich Blumen pflückend, in kurzer Entfernung gefolgt.

Sie gingen jetzt nebeneinander wie zwei Freundinnen.

»Der Augenblick ist da«, flüsterte er. »Niemand kümmert sich um uns! Kennst du das für mich bestimmte Zimmer? Ich muß den Strick, die Laterne und die Waffen holen!«

Ida führte ihn zitternd über eine kleine Treppe in die Haremsgemächer.

Sie durchschritten eine lange, von zwei bronzenen Lampen erleuchtete Galerie, die mit so dicken Teppichen belegt war, daß das Geräusch der Tritte nicht hörbar wurde.

Niemand war hier zu sehen, weder Eunuchen noch Sklavinnen. Das Zeichen zum Rückzug aus den Gärten war noch nicht gegeben worden.

Sie traten in einen großen Saal, dessen Wände Waffen von auserlesener Schönheit und Kostbarkeit bedeckten. Es hingen dort in künstlerischen Gruppen Büchsen, deren edelsteinverzierte Kolben Elfenbein und Perlmutterintarsien aufwiesen, Säbel, in deren Klingen Koranverse einziseliert waren u. a. m.

»Der Waffensaal des Bey!« erklärte die Gräfin.

Nachdem sie noch einige Galerien passiert hatten, traten sie in eine Rotunde mit kolossalen Statuen an den Wänden, die ringsum einen Bogengang stützten. Hier befanden sich mehrere teppichverhangene Türen mit Zahlen. Die Gräfin überlegte einen Augenblick, dann hob sie den einen Vorhang und zeigte dem Ritter das Zimmer, wo seine Truhe stand. Er entnahm ihr das Gewünschte.

Ein fernes Stimmengewirr, das immer deutlicher wurde, ließ ihn aufhorchen. Er lüftete ein wenig den Fenstervorhang und schaute hinaus auf die Gärten. Dort sah man inmitten der Pflanzen leuchtende Punkte, die sich nach und nach vereinten, während aus den dunklen Alleen noch Musik erklang.

»Sie kommen!« sagte die Gräfin angsterfüllt. »Jetzt werden uns die Eunuchen vermissen ...!«

Kein Augenblick war zu verlieren. Die Frauenstimmen kamen näher und näher.

Rasch eilten die Flüchtenden durch die Säle...

»Wir müssen erst durch die Umfriedung, die den Harem von der Kasbah trennt!« sagte Ida. »Dort ist stets eine Wache!«

Sie kamen in eine Galerie. Obgleich kein Licht brannte, unterschied der Baron doch am Ende derselben eine Gestalt, die an einem Fenster stand, offenbar um frische Luft zu schöpfen.

»Es ist der Eunuche, der die Eisentür zum Garten der Janitscharen bewacht!«

»Hat er den Schlüssel?«

»Sicher!«

Sant' Elmo schlich leise, im Schatten der Mauer, mit gezücktem Dolch an ihn heran.

Die Gräfin war stehengeblieben. Ihr Atem stockte. Sie hörte einen dumpfen Fall, wie von einem schweren Körper... Der Wächter stand nicht mehr am Fenster.

»Der Weg ist frei!« sagte der Ritter. »Ich habe den Schlüssel. Gott möge mir verzeihen!«

Und er zog seine Braut nach der Eisentür. Der Schlüssel paßte. Eine kleine enge Treppe führte hinunter ins Freie. Ein Luftzug und der Duft von Orangen und Rosen umflutete sie. Sie standen vor einer hohen, zinnengekrönten Mauer. Er war die Umfriedung, welche den Harem von der Burgfestung trennte.

Sie gingen an der Mauer entlang, bis sie eine zweite Eisentür entdeckten, zu welcher der Schlüssel ebenfalls paßte. Sie öffneten sie, wenn auch mit großer Anstrengung. Jetzt standen sie in dem kleinen Garten, der ihnen vorher den herrlichen Blütenduft zugeweht hatte.

Dort ragte der Turm mit seinen Zinnen in die Höhe, von dem es hieß, daß alle Nächte der Schatten der von den Janitscharen ermordeten Kadine umginge.

Die Flüchtlinge wagten das Glück kaum zu fassen, daß sie bisher nicht verfolgt wurden. Von Zeit zu Zeit lauschten sie, aber kein Geräusch wurde hörbar, weder vom Harem her noch von der andern, von der Garnison bewohnten Seite.

»Man wird unser Verschwinden noch nicht bemerkt haben!« meinte der Baron.

»Doch«, sagte Donna Ida. »Sicher sucht man im Parke nach uns! Der Obereununche läßt allabendlich die Odalisken und Beslemen an sich vorbeipassieren!«

Schon näherten sie sich der engen Treppe zur Bastion, als sie plötzlich den Tritt marschierender Soldaten vernahmen.

Beide versteckten sich in eine Baumgruppe, eng aneinandergepreßt. Sie wagten kaum zu atmen.

Fünf Bewaffnete prüften den Verschluß jeder Tür. Zum Glück hatte der Baron die Pforte gleich wieder geschlossen.

Sobald die nächtliche Runde sich entfernt hatte, setzten die Fliehenden ihren Weg fort.

Auch die Gefahr, von den Wachen der Nachbarstationen bemerkt zu werden, ging an ihnen vorüber. Ida warf den weißen, leuchtenden Schleier, den sie über ihrem Gewand trug, ab.

Sie hatten die Höhe der Bastion erreicht und verschwanden im Turm. Hier atmeten sie auf. Die größte Gefahr war vorüber.

Eine Wendeltreppe führte zur Plattform. Sant' Elmo schloß die Tür hinter sich und stemmte einen dort liegenden Balken dazwischen. So konnte wenigstens die voraussichtliche Verfolgung um etwas verzögert werden.

Er zündete die Laterne an, die vorsichtigerweise nur eine einzige Glasscheibe hatte, und stellte sie zwischen zwei Zinnen.

»Werden deine Freunde uns auch sicher bemerken?« fragte die Gräfin bebend.

»Gewiß! Sie halten die ganze Nacht über Ausschau.«

Auf dem etwa 500 Meter entfernten Hause des Renegaten zeigte sich ein heller Punkt. Erst rötlich, dann grün.

Der Baron befestigte nun den mit Knoten versehenen Seidenstrick an einer Zinne und warf das Ende desselben nach unten.

Donna Ida mußt seinen Nacken und Hals umklammern. Mit ihrem seidenen Gürtel band er ihr die Hände zusammen. Dann schwang er sich, mit seiner federleichten Last auf dem Rücken, über die Mauer und kletterte am Strick hinab.

»Schließe die Augen!« rief er ihr zu.

In diesem Augenblicke ertönte am Fuße des Turms, jenseits des Burggrabens, eine barsche Stimme:

»Wer da? Zu den Waffen, Janitscharen!«

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