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Der algerische Panther

Emilio Salgari: Der algerische Panther - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorEmilio Salgari
titleDer algerische Panther
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Abenteuer
isbn3548210694
year1987
translatorM. von Siegroth
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080317
projectidd04d3203
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Die Folter

Wurde Culkelubis Name genannt, so erblaßten Tausende der in den verschiedenen Bagnos schmachtenden Sklaven vor Angst und Schrecken.

Seine Grausamkeit, sein Haß gegen alle Christen, ohne Unterschied der Nationen, waren sprichwörtlich geworden.

In ihm verkörperte sich der mohammedanische Fanatismus bis zur äußersten Grenze, aber mehr aus Prinzip als aus Überzeugung. Er machte sich oft über seine eigene Religion lustig. Trotz Mohammeds Verbot betrank er sich täglich mit den besten Weinen, die er geraubt hatte.

Niedriger Herkunft, aber wagemutig und tapfer, der Typus eines Seeräubers, war er rasch bis zu den höchsten Stellungen emporgestiegen und hatte enorme Schätze aufgehäuft. Es gab kaum eine Küste, die er nicht geplündert, kaum eine Flotte die er nicht besiegt hätte. Er war die Geißel des Mittelmeers.

Zu jener Zeit stand er gerade auf dem Gipfel seiner Macht. Selbst der Bey von Algerien zitterte zuweilen vor ihm.

Die herrlichsten Paläste, die besten Schiffe waren sein. Die schönsten Sklavinnen, die stärksten Sklaven fielen ihm zu.

Und welche Grausamkeiten verübte er gegen die Unglücklichen, die in seiner Gewalt waren! Wieviele Tränen, wieviel Blut klebten an seinen Händen.

Weder Alter, noch Geschlecht, noch Schönheit fanden bei ihm Gnade. Er schlug seine Sklaven persönlich aus Vergnügen, bis sie halbtot am Boden lagen, oder er ließ die geraubten Christinnen an Säulen binden und peitschte sie in der Trunkenheit bis aufs Blut.

Die entsetzlichsten Martern erfand er für solche Gefangene, die Fluchtversuche machten. Er spießte sie an Haken an den Palastsäulen auf und ließ sie langsam zugrunde gehen, wenn er nicht gar befahl, sie zu Tode zu schlagen, in Mörsern zu zerstampfen oder in ungelöschtem Kalk umzubringen.

Am wildesten haßte er die Schmuggler, die immer wieder Gefangene befreiten. Wehe den kühne Abenteurern, wenn sie in seine Hand fielen! Er ließ ihnen die Kopfhaut abziehen und die Wunden mit siedendem Öl oder flüssigem Wachs begießen. An ihren Schreien erfreute er sich.

Kaum war der Baron vom Pferde gestiegen, als ihm brutal die Hände auf den Rücken gebunden wurden, so daß er nicht die geringste Bewegung machen konnte. Dann wurde er, zusammen mit Eisenkopf, durch eine Reihe langer Gänge geführt, wo überall Wachen standen. Und endlich in eine große, ganz in weißem Marmor schimmernde und von kleinen dorischen Säulen getragene Galerie. Vorhänge schützten den Bogenbau vor der Sonne, den Palmengruppen schmückten.

Auf einem niedrigen, rotseidenen Diwan hockte dort zwischen den Kissen ein Mann über die Fünfzig, mit grau gesprenkeltem Bart, mit einer Nase, krumm wie ein Papageienschnabel, mit Augen, die wie die eines Raubtiers unter der faltigen Stirn funkelten.

Seine Kleidung bestand aus weißer Seide mit breiten Goldborten und Smaragdknöpfen. In der Hand hielt er das lange Rohr einer perlenverzierten Nargileh-Pfeife, aus der er von Zeit zu Zeit mit gelangweilter Miene sog. Die Rauchwolken trugen den Duft von Rosenessenz.

Neben ihm standen, unbeweglich wie mächtige Bronzestatuen, zwei halbnackte Neger, gestützt auf ihre breiten Säbel, die Augen unablässig auf ihren Herrn gerichtet, seines Winkes gewärtig.

Der Baron, der allein, ohne Eisenkopf, in die Galerie geführt wurde, erschauerte bei dem Anblick des Galeerenkommandanten. Aber er trat doch mit erhobener Stirn und langsamen Schrittes vor den Diwan, indem er dem Gewaltigen, vor dem alle zitterten, mutig in die Augen sah.

Culkelubi hatte sich erhoben, um den Ankömmling besser zu sehen. Er schien guter Laune zu sein, denn er beschaute den Ritter ohne die zornigen Blicke, die man sonst an ihm gewohnt war.

Absichtlich langsam nahm er einige Züge aus der Tabakspfeife, zog aus einem am Gürtel hängenden Beutel einen Zettel hervor, den er mehrmals durchlas und bemerkte, ironisch lächelnd, in gutem Italienisch:

»Ein schöner Jüngling. Wer bist du?«

»Ein Levantiner« antwortete der Ritter.

»Christ?«

»Muselmann.«

»Zu welchem Zwecke kamst du nach Algier?«

»Um die in Deidjeli erworbene Ladung Schwämme zu verkaufen!«

»Wo ist deine Barke?«

»Ich habe sie nach Tanger geschickt, um Rabatteppiche einzukaufen!«

»Du bist also Seemann und Mohammedaner? Warum wurdest du verhaftet?«

»Ich weiß es nicht.«

»Du bist als Christ denunziert worden!«

»Wer das gesagt hat, ist ein Schurke!« antwortete der Ritter, der entschlossen war, die Lüge durchzuführen, um die Gräfin Santafiora nicht in Gefahr zu bringen. Erst vorgestern habe ich in der Moschee der tanzenden Derwische meine Andacht verrichtet!«

Culkelubi gab einem der Neger ein Zeichen.

Dieser brachte auf einem Ebenholztischchen ein in rotes Leder gebundenes Buch und schlug es vor dem Gefangenen auf.

»Lege deine Hand auf die Seite«, befahl Culkelubi, »und wiederhole meine Worte! Es ist der Koran, den du kennst!«

»Im Namen des alleinigen Gottes, denn es gibt keinen andern Gott neben ihm; im Namen Mohammeds, der sein einziger Prophet ist, denn es gibt keinen andern neben ihm, schwöre ich, ein wahrhaft Gläubiger zu sein und versichere es auf die Gefahr ewiger Verdammnis hin!«

Der Baron blieb stumm.

»Warum schwörst du nicht?« fragte der Generalkapitän, indem er Verwunderung heuchelte.

»Weil ich ein Edelmann bin!«

Culkelubi brach in ein satanisches Lachen aus.

»Aha, die Komödie ist zu Ende. Wärest du nicht Baron Sant' Elmo, so hätte ich dir jetzt bewiesen, wie gefährlich es ist, Culkelubi täuschen zu wollen!«

»Ihr kennt mich?« fragte der Ritter überrascht.

»Ich wußte, wer du warst, noch ehe du eintratest, aber ich wollte dich auf die Probe stellen. Du bist kein Schwammhändler, sondern ein Malteserritter und hast meinen Galeeren schon viel zu schaffen gemacht! Schade, daß du kein Muselmann bist! Was könntest du bei deiner Jugend und Tapferkeit noch in zehn Jahren leisten. Du wirst sie nur nicht erleben!«

»Wenn ihr wißt, wer ich bin, so laßt mich umbringen! Die Sant' Elmo sind Krieger!« -- »Das hat Zeit«, meinte der Kommandant, »wenn du wolltest, könntest du dein Leben und auch die Freiheit gewinnen!«

»Auf welche Weise?«

»Wenn du mir den Schmuggler nennst, der dich hergebracht hat und den Ort, wo er sich befindet!«

»Rechnet darauf nicht, ein Edelmann übt nicht Verrat! Lieber laß ich mich töten!«

»Du bist ein tüchtiger Mann, und ich bewundere dich. Hinter einer mädchenhaften Erscheinung ein Löwenherz! Den Schmuggler werde ich schon ausfindig machen. Aber gestehe mir, was suchst du hier in Algerien?«

»Ich wollte mich überzeugen, ob ein vor Monaten gefangener Freund noch lebt.«

»Sollte es sich nicht um eine Freundin handeln?« Der Generalkapitän lächelte boshaft.

Sant' Elmo erbebte. Nur mit äußerster Mühe bewahrte er seine Ruhe. Aber sein Erbleichen war Culkelubis scharfer Beobachtung nicht entgangen.

»Habe ich das Richtige getroffen?« Sein rohes Lachen durchdrang den Raum.

»Nein, es handelt sich um einen Mann!«

»Nenne nur den Namen, und in einigen Stunden werde ich dir Auskunft geben!«

»Ich kann ihn nicht nennen!«

»Leugne nicht weiter! Warum willst du mich täuschen! Es handelt sich um ein Christenmädchen, das du liebst!«

»Ihr kennt sie?« schrie der Ritter, außer sich vor Schrecken.

»Jetzt hast du dich verraten«, lachte Culkelubi teuflisch, »nur fehlt mir noch der Name!«

»Wozu braucht ihr ihn?«

»Mir ist er gleichgültig, aber ein anderer wünscht ihn zu wissen!«

»Wer?«

»Die maurische Prinzessin. Willst du mir sagen, wer die Christin ist und wo sie sich jetzt befindet?«

»Tötet mich! Ihr erfahrt es nicht von mir!«

»Nun, so rasch tötet man nicht!«

»Ich kenne eure Martern!«

»Vielleicht nicht alle! Aber meine Geduld ist jetzt zu Ende. Wüßte ich nicht, welch tapfern Helden ich vor mir habe, hätte ich mich nicht so lange mit dir aufgehalten!«

Mit einem Blick auf die Neger befahl er: »Ans Werk!« Diese hoben einen dem Diwan gegenüber befindlichen Vorhang, hinter dem sich eine viereckige Säule von grünem Marmor befand. Vorn waren verschiedene Metallringe an ihrer glatten Fläche befestigt. Und oben am Kopfende stand ein künstlerisch ziseliertes Kupfergefäß, das mit einer leicht gebogenen Röhre verbunden war.

Der Baron schaute dieses seltsame Torturgerät an, ohne zu verstehen, wozu es diente.

Die beiden Athleten bemächtigten sich jetzt des Gefangenen und banden ihn mit dem Rücken an die Säule, indem sie Arme und Beine mit den Eisenringen umschlossen, um die geringste Bewegung zu verhindern. Dann legten sie ihm einen Riemen um die Stirn, um den Kopf fester an die Säule zu schnüren, und schnitten in der Mitte des Schädels einige seiner langen blonden Locken ab, so daß ein Fleck unbedeckt blieb, nicht größer als eine Zechine.

»Wirst du nun sprechen?« fragte Culkelubi, der sich in seinen Diwan zurückgelehnt hatte.

»Nein!« entgegnete der Baron so bestimmt wie zuvor.

»Weißt du, daß steter Tropfen den Stein höhlt?«

»Ich verstehe nicht, was ihr meint!«

»Du wirst es gleich sehen!«

Nachdem er wieder einige Züge aus der Nargileh-Pfeife getan, gab der Gewaltige ein Zeichen.

Plötzlich fühlte der Baron einen dicken, eisig kalten Wassertropfen auf seinen Kopf fallen. Nun begriff er.

Ein Schrecken befiel ihn wie nie zuvor. Wollte man ihm mit den langsam fallenden Tropfen den Schädel durchbohren? Was für eine grauenhafte Marter hatte die höllische Intelligenz dieses Barbaren erfunden!

Voll Entsetzen starrte er den ruhig rauchenden Culkelubi an. Dieser schenkte ihm keine Beachtung mehr. Er sah zerstreut den Rauchwolken nach und leerte von Zeit zu Zeit einen Becher Wein. Schweigend, auf ihre Säbel gestützt, standen die Neger wieder zu beiden Seiten des Diwans.

Die Tropfen folgten sich langsam, ohne Unterbrechung. Immer auf denselben Punkt fielen sie. Der Baron konnte wegen des Riemens auf der Stirn nicht die leiseste Bewegung machen.

Anfangs war die Empfindung des Eiswassers, das vom Kopfe aus über den ganzen Körper rieselte, nicht so unangenehm, da in der sonnenbeschienenen Galerie große Hitze herrschte. Nach einer Viertelstunde aber fühlte er einen Schauder, wachsende Nervosität und Sausen in den Ohren.

Von Minute zu Minute schien der Tropfen schwerer. Der Kopf schmerzte ihm, die Gedanken verwirrten sich.

Wenn diese Marter noch lange andauert, werde ich wahnsinnig, dachte er. Idas Name aber erfährt Culkelubi nicht. Der Prinzessin Eifersucht würde sie umbringen.

Die Stille im Raume wurde nur von dem monotonen Fallen der Tropfen unterbrochen.

Wieder verging eine Viertelstunde. Die Kleider des Gemarterten trieften von Wasser. Er stand auf dem Teppich inmitten einer Pfütze. Der Schmerz wurde immer unerträglicher. Er fühlte wahre Keulenschläge auf dem Haupte. Die Schläfen schlugen fieberhaft, die Ohren sausten immer ärger; unaufhörliche Schauer überfielen ihn. -- Zuletzt schwindelte ihm --

Da entrang sich ein Seufzer seinen Lippen.

»Nun, willst du sprechen?« fragte Culkelubi. »Wie gefällt dir meine Erfindung? Ich glaube, die Inquisitoren in Spanien haben keine schönere gemacht. Willst du dein Herz erleichtern?«

»Nein.«

»Ich sage dir, du wirst die Marter nicht aushalten können!« »Töte mich!«

»Das kann ich nicht tun. Dein Leben gehört mir nicht!«

»So sei verflucht!«

Culkelubi zuckte mit den Achseln und fing wieder an zu rauchen.

»Ich kann warten, denn ich habe keine Eile.«

Er war seines Erfolges sicher.

Noch war keine Stunde verflossen, als der Baron ohnmächtig wurde. Er wäre zur Erde gesunken, hätten ihn nicht seine Fesseln gehalten.

Als er wieder erwachte, sprach er im Fieberwahn. Abgerissene Worte entflohen seinen Lippen. Er sprach von Galeeren, von Zuleik, Malte San Pietro...

Culkelubi hatte sich aufgerichtet und lauschte aufmerksam seinen Worten.

Plötzlich entfuhr dem Baron ein verzweifelter Schrei:

»Ida... Ida...!«

»Sollte dies der Name der Dame sein? Das wird aber Amina nicht genügen! Warten wir weiter!«

Der im Delirium Redende stammelte immer neue Worte, bis ihm der Name »Ida di Santafiora« entschlüpfte.

Diesmal fuhr Culkelubi auf. Der Name war ihm nicht unbekannt. Er erinnerte sich des kühnen Malteserritters, der vor Jahren gewagt hatte, die Stadt Algier zu bombardieren.

Ein Lächeln des Triumphs umspielte seine Lippen. »Das ist der Name der Christin! Jetzt weiß ich genug. Wir werden sie suchen lassen. Sie muß unter den Gefangenen der Insel San Pietro sein!«

»Ida!« schrie der Ritter, indem er verzweifelte Anstrengungen machte, sich aus den Eisenringen zu befreien. »Fliehe... fliehe... der Mirab ... der Normanne... Amina... fliehe!«

Dann fiel er wieder in Ohnmacht.

Auf ein Zeichen des Generalkapitäns banden ihn die Neger los. Er fiel wie eine hilflose Masse in ihre Arme.

»Was sollen wir mit ihm machen?« fragten sie ihren Herrn.

»Man könnte einen schönen Preis bei seinem Verkauf erzielen«, meinte dieser. »Wenn die Prinzessin meine Janitscharen massakriert und es Scherz nennt, so könnte ich mir einen ähnlichen Scherz mit ihr leisten...! Ist noch Platz im Bagno von Sidi Hassan?«

»Er ist voll, Herr.«

»Nun, für diese Christenhunde wird immer noch Raum sein! Schafft ihn vorläufig mit seinem Diener dorthin und laßt ihn wiederherstellen ...! Sagt dem Gefängnisvorsteher, daß diese beiden Männer mir gehören und er mir mit seinem Kopfe für sie bürgt, daß sie nicht fliehen!«

Der Generalkapitän war im Begriff, sich zurückzuziehen, als ein Offizier seiner Wache die Ankunft einer Dame meldete.

»Schickt sie zum Teufel, ich habe anderes zu tun!«

»Es ist die Prinzessin Ben Abad, Herr!«

»Die kommt gerade zurecht. Sie wird schön toben! Aber sie macht Spaß, wenn sie wütend ist. Laßt sie herein ...! Glücklicherweise ist alles erledigt, und wenn sie geht, wird der Christ schon fortgeschafft sein!«

Einen Augenblick später erschien Amina. Obwohl der Schleier nur die Augen freiließ, bemerkte Culkelubi doch, daß sie blaß war.

Ob sie bereut hat, ihn mir übergeben zu haben? dachte er.

»Nun, Culkelubi?« rief die Eintretende mit unsicherer Stimme. »Was habt ihr mit dem Baron gemacht?«

»Was ihr verlangtet«, entgegnete der Generalkapitän. »Wie sonderbar übrigens, ihr gebt mir den Auftrag, ihn zum Sprechen zu bringen, nachdem ihr ihn kurz vorher vor meinen Soldaten geschützt habt! Schön seid ihr, Amina, aber höchst launenhaft! Ihr mißbraucht eure hohe Stellung, wie meine Güte, und werdet euch bloßstellen vor dem Bey und den Gläubigen!«

»Pah, was liegt daran...! Aber: hat er gesprochen?«

»Wer könnte mir widerstehen... Die Christin ist entdeckt!«

»Die Gräfin Santafiora!«

Amina war starr vor Überraschung.

»Die Christin, die mein Bruder liebt?« entfuhr es ihren Lippen.

»Ah«, sagte der Generalkapitän spöttisch. »Eine Neuigkeit! Zuleik liebt eine Christin!«

»Es ist unmöglich dieselbe! Ihr habt euch getäuscht!«

»Nun, der Baron hat den Namen im Fieberwahnsinn wohl zwanzigmal wiederholt!«

»Was, ihr habt ihn gefoltert?« fuhr die Prinzessin auf.

»Nur ein paar Wassertropfen -- gut angewandt -- nicht mehr!«

»Die ihn irrsinnig gemacht haben! Ich kenne eure Teufelskünste und hätte euch nicht trauen sollen!«

»Wäre mir der Mann nicht von einer Ben-Abdad übergeben worden, lebte er nicht mehr. Ein Christ, der als Nichtsklave in Algier überrascht wird, stirbt wie ein toller Hund!«

»Wo ist der Baron?«

»Schon weit fort! Wo, sage ich nicht!«

»Ich will ihn sehen!« rief sie herrisch.

»Um ihn zu retten!«

»Was geht euch das an!«

»Nun, ihr vergeßt, daß ich nicht nur Muselmann, sondern auch oberster Richter bin! Die Gräfin Santafiora will ich euch überlassen, doch der Baron bleibt als mein Gefangener in meiner Gewalt!«

»Wie, ihr wagtet das?« schrie die Prinzessin wutenbrannt. »Sant' Elmo ist meines Bruders Gefangener!«

»Er ist mir als Christ denunziert und von euch ausgeliefert worden. Basta! Als Islam Verteidiger darf ich nicht anders handeln!«

»Ihr habt ihn getötet!«

»Ich schwöre auf den Koran, daß er noch lebt und in einigen Tagen wieder ganz wohl sein wird!«

»Und die Christin?«

»Ich kenne ihren Aufenthalt nicht, aber ich werde sie schon zu finden wissen. Was wollt ihr mit ihr anfangen?«

»Sie umbringen!«

»Ihr liebt den Baron? Wie kann eine maurische Prinzessin...«

»Ob ich ihn liebe oder hasse, weiß ich nicht, gebt mir nur den Gefangenen zurück!«

»Unmöglich, man würde mich beschuldigen, in meinen alten Tagen noch Beschützer der Ungläubigen zu werden. Er wird Sklave wie die andern. Das ist alles, was ich für euch tun kann!«

»Nehmt euch in acht, Culkelubi! Ihr wißt nicht, wessen ich fähig bin!«

»Wollt ihr mir weiter Janitscharen töten lassen? Tut es, und der Baron stirbt!«

»Gut, Amina bietet euch Trotz!«

Damit legte sie den Schleier wieder vors Gesicht und verließ mit schnellen Schritten den Saal.

»Die Nachkommen der Kalifen von Granada und Cordova entarten«, murmelte Culkelubi vor sich hin. »Halten wir die Augen offen! Diese Furie ist imstande...«

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