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Der algerische Panther

Emilio Salgari: Der algerische Panther - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorEmilio Salgari
titleDer algerische Panther
publisherVerlag Ullstein GmbH
seriesUllstein Abenteuer
isbn3548210694
year1987
translatorM. von Siegroth
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080317
projectidd04d3203
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Im Palaste der Ben Abad

Die Größe und der Reichtum dieses Palastes gaben einen Begriff von der Macht und dem Ansehen der Familie des ehemaligen Sklaven der Gräfin Santafiora.

Wie alle maurischen Häuser, war er viereckig, ohne Fenster von außen, überragt von Galerien aus weißem Stein mit Arkaden, Terrassen und Türmen, die vergoldete Kuppeln trugen.

Ein breites maurisches Tor öffnete sich in den innern Hof, der in grünem Mosaik gepflastert und mit reichen Rabatteppichen ausgelegt war.

In der Mitte plätscherte, umgeben von einer Schale, ein Springbrunnen. Ein buntes Segel schützte vor der Sonne.

Reich gekleidete Neger, weiße Sklaven, Wächter zeigten sich an den Türen. Von den Terrassen hörte man Tamburin- und Tiorbatöne.

Erstaunt blickte der Baron auf diese Pracht.

»Ihr seid in meinem Hause«, rief ihm der Maurenfürst zu.

Und beide stiegen vom Pferde.

Sant' Elmo trat in einen großen, vermittels der schmalen, mit Seidenvorhängen bedeckten Fenster nur schwach erhellten Saal.

An den Wänden hingen prächtige Stoffe. Leichte Möbel aus Ebenholz, mit Perlmutter verziert, große venezianische Spiegel in kunstvollen Rahmen, hohe Kandelaber und Divane, bedeckt mit Teppichen aus allen Ländern des Orients, erfüllten den Raum. In der Mitte sandte ein Triton einen Wasserstrahl in das Marmorbecken.

Zuleik schloß die Tür, trat vor den Baron und sagte: »Leben oder Tod liegt in eurer Hand! Wählt!«

»Ich erwarte Aufklärung darüber!« war die Antwort des Überraschten.

»Was habt ihr hier in dem allen Christen verschlossenen Lande zu suchen?«

»Ihr wißt es selbst am besten! Ich suche meine Braut, die ihr geraubt habt!«

»Ihr liebt also die Gräfin so sehr, daß ihr für sie Tausenden von Feinden zu trotzen wagt?«

»Sicherlich mehr als ihr!«

»Nein«, rief der Maure mit wildem Ausdruck, »Niemand kann das Mädchen mehr lieben als ich, der ich Ehre und Freiheit geopfert, allein um in ihrer Nähe zu atmen. Nur meine Leidenschaft fesselte mich an jene Insel...«

»Wo ihr sie verraten habt!«

»Haben mich die Christen nicht gleichfalls geraubt? Hättet ihr anders gehandelt, wenn ihr wußtet, daß euch die Angebetete verloren gehen sollte?«

»Und glaubtet ihr, daß euch die Gräfin die Hand zur Ehe gereicht hätte? Einem Ungläubigen?«

»Um sie zu erringen, würde ich sogar -- Renegat werden!«

Der Baron blickte den Fürsten staunend an. Eine solche Leidenschaft flößte ihm Achtung ein.

»Die Gräfin wird euch dennoch nie gehören!«

Er sagte es, als ob er sich von einem Alb befreien wollte.

Wie ein Blitz zuckte es aus den Augen des Mauren.

»Jetzt kann sie mir niemand mehr streitig machen...!

»Ich!«

»Ihr scheint zu vergessen, daß wir in Algier sind!« sagte Zuleik ironisch, als der Ritter auffuhr und seine Hand nach der Stelle griff, wo früher sein Schwert gehangen. »Nur ein Wort von mir, und ihr seid dem Henker verfallen!«

»Ihr wäret wirklich fähig, mich auszuliefern, nur weil ich meine gerechte Sache vertrete?«

»Wenn die Ben Abads auf Hindernisse stoßen«, fuhr Zuleik fort, »beseitigen sie dieselben! Es liegt an euch, euer Leben zu retten! Ihr seid zu Hause reich und angesehen, seid jung und tapfer, und die Zukunft liegt lachend vor euch. In eurem Lande fehlt es nicht an schönen Mädchen edler Abkunft. Warum wollt ihr den Tod suchen? Verzichtet, und noch heute nacht bringt eine Feluke euch nach Malta oder Sizilien! Ihre Besatzung haftet mir mit dem Kopf für euer Leben!«

Atemlos starrte der Baron den Gegner an.

»Auf Ida verzichten? Nimmermehr! Lieber den Tod!

Die Augen des Mauren glühten wie die eines Tigers, der sich zum Sprunge rüstet.

»Also hängt ihr morgen an einem Pfahl!«

Tiefes Schweigen herrschte im Saal. Man hörte nur das Plätschern der Fontäne.

Allmählich wurde das Gesicht des Fürsten ruhiger.

»Ihr wollt meinen Vorschlag nicht annehmen? Gut, ich schenke euch das Leben!«

»Was wäre das Leben für mich ohne die Geliebte! Wenn sie erfährt, daß ihr mich getötet habt, wird sie euch hassen, und ich bin gerächt! Ermordet mich!«

»Ihr zieht also den Tod vor...? Ich gebe euch noch drei Tage Zeit! Bedenkt, daß Christen hier aufs qualvollste verenden! Ich wollte euch retten, was im andern Falle kein Gläubiger getan hätte. Seid ihr starrköpfig, so erfülle sich euer Geschick!«

Zuleik öffnete die Tür und schlug dreimal auf eine Metallplatte.

Zwei Bewaffnete erschienen.

»Bringt diesen Mann in den Saal des blauen Brunnens ...! In drei Tagen, Baron, sehen wir uns wieder! Inzwischen bleibt meine Feluke segelfertig, bereit, euch nach Italien zurückzutragen!«

»Ich betrachte mein Dasein als abgeschlossen«, sagte der Ritter resigniert. »Andere werden die Gräfin befreien!«

Zuleik fuhr auf. Auf seinen Wink entfernten sich die Wachen wieder.

»Redet! Wen meint ihr damit?«

»Treue Freunde!«

»Rechnet ihr etwa auf euren Begleiter? Den haben die Kabylen in Händen!«

»Andere, Stärkere leben noch!«

»Renegaten? Schmuggler? Ich werde ihre Namen schon aus euch herausbringen!«

»Wir werden sehen!«

Jetzt waren die Wachen zum zweitenmal erschienen und hatten sich des Gefangenen bemächtigt.

Der Ritter ließ sich ohne Widerstand abführen.

Da sah er plötzlich am Brunnen die beiden ihm wohlbekannten Neger wieder, die er an ihrer Riesenstatur und ihrer Tracht erkannte.

Er mußte eine Marmortreppe nach einem obern Stockwerk hinaufsteigen. Dann ging es durch verschiedene dunkle Korridore in einen Saal, der sein Licht aus einer Öffnung an der Decke erhielt.

Auch hier hingen schöne Gewebe an den Wänden, und Teppiche bedeckten den Fußboden. Auf dem Divan lagen seidene Kissen. Ein kleiner Brunnen sprudelte inmitten eines Porzellanbeckens.

Die Wachen ließen Sant' Elmo allein.

Völlig erschöpft warf er sich auf einen Divan und verbarg den Kopf in beide Hände. Aller Mut hatte ihn verlassen.

Die Nacht war hereingebrochen, als er eine leise Stimme vernahm, die seine traurigen Gedanken plötzlich unterbrach. Er glaubte, italienische Laute zu hören.

»Armer Ritter!« sprach die Stimme.

Erstaunt fuhr er empor und schaute um sich.

Ein Mondstrahl von oben erleuchtete nur eine Ecke des Saals. Der übrige Raum war in Dunkel gehüllt.

Kein menschliches Wesen war zu entdecken.

Schon glaubte er, sich geirrt zu haben. Da erfüllte ein süßer Ambraduft den Saal, der ihm das von den Negern überbrachte Billet ins Gedächtnis zurückrief.

Sollte hier in Zuleiks Palast jene geheimnisvolle Dame wohnen, die ihre Diener geschickt hatte, um ihn zu beschützen ...?

Er trat zum Brunnen.

Da der Duft immer stärker, immer berauschender wurde, befiel ihn unwillkürlich die Furcht, daß der Maurenfürst den Befehl gegeben habe, ihn durch Ersticken zu töten. Neben Ambra roch es noch nach stärkeren Parfüms.

Eine unwiderstehliche Müdigkeit machte sich jetzt bei ihm bemerkbar.

Der Kopf wurde ihm schwerer und immer schwerer.

Er wankte zum Divan zurück.

Noch blieben seine Augen offen und starrten auf den Mondstrahl...

Da erschien, umflossen von diesem Licht, eine menschliche Gestalt in weißem Gewände...

Ein Weib, ganz eingehüllt in einen Schleier...

Er wollte sich erheben -- es gelang ihm nicht. Die Erscheinung näherte sich dem Divan, beugte sich über ihn und küßte ihn ...

Da schwanden ihm die Sinne.

Als er wieder zu sich kam, war die Vision verschwunden. Dunkelheit umgab ihn.

Nur das leise Rauschen des Wassers unterbrach das tiefe Schweigen der Nacht.

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