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Der Advokatenbauer

Dietrich Theden: Der Advokatenbauer - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
authorDietrich Theden
titleDer Advokatenbauer
publisherVerlag von Robert Lutz
printrunDritte Auflage
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150910
projectid2c05e53b
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Vierzehntes Kapitel

Durch einige Bauern, die der Verhandlung als Zuhörer beigewohnt hatten, kam die Kunde von der Freisprechung und der sofortigen Entlassung Oldekops in das heimatliche Dorf, ehe er selbst dessen Boden wieder betrat.

In der Schlüter'schen Wirtschaft sammelte sich um den Berichterstatter, der hauptsächlich das Wort führte bald ein dichter Kreis Neugieriger.

»Na, ich sage euch,« führte der Mann aus, »der hat ein Mundwerk! Der läßt sich nich verblüffen, der ist nich tod zu kriegen. Als der Staatsanwalt sprach, dachte jeder: o weh, Detlev Oldekop, dir geht's schlecht. Kein gutes Haar blieb an ihm. Der Mann ging ihm so scharf zu Leibe, daß er einem ordentlich leid thun und daß niemand mehr zweifeln konnte, der und kein anderer sei's gewesen. Jawoll. Prost Mahlzeit! Da hatte der Staatsanwalt die Rechnung ohne den gemacht, den Christian Kummerfeld ja mal spottweise, aber gar nich unrecht, den Advokatenbauer getauft. Ob er 'n guter Bauer werden oder immer erst Advokat bleiben wird, ist mir dabei egal. Also nach dem Staatsanwalt hielt der Verteidiger eine lange Rede, die sehr schön gewesen sein und andern wohl auch gefallen haben mag. Dann kam aber der Advokatenbauer selbst, und wie er den Mund aufthat – hei, da fing's an zu hageln. Das saß wieder, wie bei dem Staatsanwalt, und wenn auch der Präsident den Oldekop mitunter für zu fuchtig halten mochte und ihn zur Ordnung rief: Der ließ sich das Maul nich verbieten, und als er mit einem tüchtigen Hieb auf den Kommissar Grotthus – den, der bei ihm spioniert hat – aufhörte – ja, da ging der Wind wieder ganz anders, da sagte sich jeder: Der Advokatenbauer hat recht, dem werden sie nichts anhaben können. Und konnten sie auch nich! Schuldig des Mordes? ›Nein, mit mehr als sieben Stimmen.‹ Genau so sagte der erste von den Geschworenen, als sie im Sitzungssaal wieder auftauchten. Sie waren woll bloß eine Viertelstunde weg gewesen. Wegen des Betruges – na, die paar Wochen, und all verbüßt auch! die werden ihn nich viel scheren ...«

Am späteren Abend schlich Christian Tiedjohann um den Sod. Er kletterte über das Staket und die Hecke und klopfte an eines der kleinen, matt erleuchteten Fenster zu den Kammern der Knechte.

»Wer is da?«

»Mach mal auf, du. Ich bin's!«

»Kann jeder Toffel sagen! Welcher ich?«

»Christian – – von Kölling – –«

»Ach so.«

Das Fenster ging etwas schwer auf.

»Is all wieder verquollen ... Gun Abend, Christian.«

»Gun Abend auch. Bist du das, Jochen? Na, weißt du all was –?«

»Ja. Einer hat's vom Bahnhof mitgebracht. Er is freigesprochen.«

»So?«

»Ja. Und all wieder frei.«

»I was!«

»Du glaubtest doch nich – –«

»Ich glaubte gar nichts.«

»Hm. Hast du etwa einen besonderen Verdacht?«

»Kann sein.«

»Schieß los!«

»Ich werd' den Teufel thun.«

»Sag mal, Christian, du kamst früher viel herum in der Gegend von wegen dem Schlingenstellen oder Fischen: bist du etwa in der Nacht auch unterwegs gewesen?«

»So frägt man Dumme.«

»Hast du denn was gesehen?«

»Natürlich.«

»Was denn?«

»Den Mond.«

Christian verzog keine Miene.

»Quatschkopf!«

»Danke.«

»Wart noch. Hast du was gesehen?«

»Ich habe keine Zeit mehr. Und was geht mich die Großschnauze von Affkatenbauer an! Den gönn ich euch allein. Du, reine Finger hat der nich, das sag ich!«

»So? Woher weißt du das?«

»Ich? Ich weiß gar nichts. Gun Nacht, Jochen.«

»Laß das man nich den Bauern hören!«

»Nee.«

»Is verdammt kalt draußen und zieht – brr! Gun Nacht, Christian.«

Ob der Knecht nicht reinen Mund gehalten oder Tiedjohann auch nach anderer Seite unvorsichtig sich ausgesprochen hatte und von dieser dem Advokatenbauern gepetzt worden war, blieb unklar. Aber schon an einem der nächsten Tage erschien der zurückgekehrte Oldekop in Kölling und verlangte von der erschrockenen Frau im Kramladen heftig, den Sohn zu sprechen.

Christian saß im Schurzfell und hämmerte an einem Paar Stiefeln, als der Bauer plötzlich in der offenen Thür zwischen Wohnzimmer und Werkstatt auftauchte und ihn anschrie:

»Also das ist der Teufelsbraten! Junge, komm mal her zu mir –«

Christian hielt in weniger mutiger als unwillkürlicher Abwehr dem ausgestreckten Arm des Bauern den spitzen Pfriem entgegen, und Oldekop zuckte zurück.

»Sag mal, mein süßer Leistenschwengel,« höhnte der Eindringling, »dir juckt wohl das Leder, was? Hast du mich zu verdächtigen gesucht?«

»Nee.«

»Nicht? Was hast du denn gezischelt? Hüt' deine Zunge, sag ich dir, oder es setzt was! Noch ein Wort, du Kröt', und ich säume dir die Löffel und gerb' dir das Fell, daß du deinen Rücken für einen Regenbogen ansehen sollst!«

Der Bauer stampfte schnaubend wieder hinaus.

»Was hast du denn mit dem?« fragte die ängstliche Mutter den Sohn.

Christian überzeugte sich, daß der Wütende fort war.

»Mit dem?« entgegnete er dann erbost. »Nichts. Aber ich sollte man reden können ... Wenn der Protz schon mit einem Bein im Zuchthaus gesteckt hat, ich wollte, ich könnte ihn mit dem andern auch hinein bringen. Hab ich ihm was gethan? Nee. Und da kommt er und bläst sich auf wie'n Puter und schimpft mir nichts dir nichts auf mich ein? Wenn ich dir nur nich 'n Denkzettel geb, du Aff!«

»Laß den in Ruh!« mahnte die besorgte Frau.

»Ja ja; aber der soll nur wieder kommen!« renommierte Christian und hieb auf den Stiefel, den er noch immer hielt, ein, als wäre es der Schädel des Bauern.

Wenige Tage später traf Tiedjohann, als er einem entfernt wohnenden Kunden Schuhzeug bringen wollte, unterwegs auf einen städtisch gekleideten Herrn, der ihn freundschaftlich und vertraulich begrüßte.

»Na, was machen die Kohlköpfe?« fragte der Fremde gemütlich.

»Ach so. Sie sind's,« entgegnete Christian gedehnt.

Der Städter lachte.

»Sie haben schöne Faxen gemacht damals,« grollte Tiedjohann. »Wollen Sie etwa wieder nach dem Sod und Vieh handeln? Diesmal wissen Sie wohl den Weg allein.«

»Lieber Freund, nicht so grantig ... Ich komme ein Stück mit zurück. Also Sie haben damals erfahren, daß ich zur Polizei gehöre, und mir das krumm genommen?«

»Ich hab mit der Polizei nichts zu thun.«

»Nee, sollen Sie ja auch gar nicht. Ich will und wollte doch gar nichts von Ihnen! Oder meinen Sie, ich kam damals Ihretwegen?«

»Das nich.«

»Oder heute?«

Christian seufzte unbehaglich.

»Na heute – – so halb und halb,« gab der Kommissar zu und suchte dann seinen Begleiter beruhigend zu überreden.

»Sehen Sie, lieber Tiedjohann, die Polizei ist gemütlicher, als Sie denken. Meinen Sie, daß ich etwas von Ihnen will, was Ihnen schaden könnte? Nein, beileibe nicht! Ich gebe Ihnen mein Wort darauf. Genügt Ihnen das?«

»Na, ich weiß nich –«

»Seien Sie nicht thöricht. Ich versichere Ihnen, Sie haben von mir nichts zu fürchten. Das allerdings – ist der Polizei nicht unbekannt, daß Sie – noch etwas mehr auf dem Kerbholz hatten, als das Schlingenstellen damals. Wie ist das eigentlich abgelaufen, hm?«

»Zweihundert Mark hab ich hintragen müssen,« gestand Christian widerwillig.

»Na, das ging noch. Und damit ist die Geschichte ja auch abgethan und aus. Und das andere – das bißchen Fischen – nicht der Rede wert.«

Der Kommissar beobachtete den Eindruck seiner Anspielung.

»Woher wir das wissen, Tiedjohann?« fragte er jovial. »Ja, eigentlich soll die Polizei ja immer alles wissen. Unter uns gesagt: es hapert damit manchmal mehr, als uns lieb ist; und von den Barschen und Schleien oder was weiß ich, die Sie manchmal geketchert haben, hätten wir auch nichts erfahren, wenn es uns nicht so von ungefähr zugetragen worden wäre. Wie das so kommen kann. Damit Sie aber sehen, daß ich nicht hinterm Berge halte und nicht hergeschneit bin, um Ihnen Fallen zu stellen, will ich Ihnen – ganz offen – beichten. Das war so. Als der vom Sod freigesprochen war, standen ja alle Zeitungen voll davon, in voriger Woche – na, und wo man hinkam: wovon sprach man? Von dem Freigesprochenen, von dem Advokatenbauern vom Grünen Sod. Und was sprach man? Das Unmöglichste! Na, ich kann Ihnen sagen, ich hätte mir am liebsten die Ohren verstopfen mögen. Da hörte ich einmal aber auch von Ihnen, na, und weil ich Sie kannte und Sie mir gefällig gewesen waren – eine Freundlichkeit vergesse ich nicht, – so horchte ich ein bißchen hin. Und was erfuhr ich? Daß der vom Sod, der Unverschämte, Ihnen auf den Leib gerückt sein und Sie bedroht haben sollte ... So was! sagte ich mir, dem Tiedjohann? Ja, erklärte man mir, Sie sollten so etwas von nicht reinen Fingern behauptet und dafür vermutlich Ihre guten Gründe haben. Eben hatte das der vom Sod erfahren – schwapp war er bei Ihnen und wollte Sie mundtod machen. Sie können sich denken, daß mich das interessierte. Ihretwegen – und meinetwegen. Haben Sie gelesen, wie der Maulheld mich vor Gericht vorgenommen und heruntergeputzt hat? Ja? Na, das kann man sich doch nicht gefallen lassen! Also fragte ich weiter, wieso gerade Sie mehr sollten wissen können, als andere Leute. Der Tiedjohann, hieß es, hat sich nachts mitunter ein bißchen herumgetrieben, vielleicht auch in der Nacht – Sie wissen ja, in der der Bauer hingemacht wurde. Damit hat der Tiedjohann nichts zu thun, sagte ich den Schwätzern. Nee, hieß es, aber er hat vielleicht was gesehen, denn sonst hätte er den Mund gehalten. Hat er nicht gejagt, so hat er gefischt, behauptete einer sogar dreist. Nu sagen Sie mal, Tiedjohann, was an dem Klatsche Wahres ist! Haben Sie gejagt, so ist das ja hin; haben Sie gefischt – es wird Ihnen nichts darum geschehen. Im Gegenteil! Wenn Sie was Verdächtiges gesehen haben und uns auf die Spur bringen können – die Behörde wird auf die Entdeckung des Mörders einen Preis von tausend Mark ausschreiben – Tiedjohann, eine nette Summe, denk ich – und die können Sie einheimsen, wenn Sie wollen.«

Tiedjohann horchte doch auf.

»Tausend Mark?« fragte er.

»Jawohl, wird schon morgen in allen Zeitungen stehen. Sehen Sie mal her: ein Plakat – das soll am Bahnhof in Reickendorf, beim Ortsvorsteher, in den Wirtschaften und so weiter ausgehängt werden.«

Christian las interessiert.

»Und mir passiert wirklich nichts?« forschte er.

»Nicht das geringste!«

»Auch nich von wegen dem Fischen?«

»Auch nicht.«

»Ja, und wenn's ein anderer gewesen is als der vom Sod –?«

»Die Belohnung erhalten Sie auch dann.«

»Hm.«

»Na, ich will Sie fragen, das wird das beste sein. Also, Tiedjohann: Waren Sie zu Hause in der Mordnacht oder unterwegs?«

»Unterwegs schon –

»Beim Fischefangen?«

»Hm, na ja.«

»Wo?«

»Ja, da is so'n kleiner See –,« erklärte Tiedjohann zögernd. »Aber ich weiß doch nich – –«

»Sprechen Sie – betrachten Sie mich als Ihren Freund; ich verbürge mich, daß Sie straffrei bleiben.«

»Dann kann ich's ja sagen. Da is so 'n kleiner See, 'ne Stunde von hier, halbwegs nach Neumünster. Die Nacht war ganz hell. Ein Bauer von Tonndorf hat die Fischerei und hält sich auf dem See ein Boot. Das hatte ich losgemacht. So um halb fünf lag ich noch im Ried und wollte eben ausfahren, als ungefähr an der Mitte des Sees ein Mann erschien, zweihundert Schritte von mir – vielleicht nur hundertfünfzig. Ich glaubte zuerst, es sei der Bauer, der nach dem Boot komme, und versteckte mich. Dann hörte ich etwas plumpsen. Ich reckte mich aus dem Ried auf und sah den Mann am Ufer hantieren. Dann flog wieder etwas in den See hinaus – plumps – und noch zweimal – plumps. Was es war, konnte ich nich erkennen. Der Mann sah sich nach allen Seiten um. Ich duckte mich rasch nieder. Als ich wieder aufsah, stampfte er wie toll den Sand. Ich machte mir damals schon so meine Gedanken, er möchte etwas in den Sand hineingedrückt haben. Ich mein aber man so.«

»Wo blieb der Mann?«

»Er ging nach Tonndorf zu oder Neumünster. Er lief all mehr.«

»Haben Sie nicht nachgesehen, was es mit dem Stampfen für eine Bewandtnis hatte?«

»Nee. Mir war die Lust vergangen. Auch am Fischen. Ich traute dem Frieden nich mehr.«

»Sie begaben sich nach Hause?«

»Ja.«

»Kannten Sie den Mann?«

»Nee.«

»Der Eigentümer des Bootes war es nicht?«

»Der nich.«

»Na, und der jetzige Bauer vom Sod?«

»Das kann ich nich gewiß sagen. Gedacht hab' ich mir's aber wohl. Und ein paarmal is mir's auch rausgefahren. Daß der Kerl vom See der Mörder gewesen, überlegte ich gleich, als ich von dem Sodbauern und dem Mord hörte. Aber ich mußte doch den Mund halten, wenn ich mich nicht selbst reinlegen wollte. Ueber den Affkaten habe ich dann später so meine Gedanken gekriegt. Mitunter habe ich gezweifelt. Aber wenn ich immer wieder überlegte – – ich konnte nich loskommen davon. Und an dem See vorbei mußte er sogar, wenn er geradezu über die Felder ging. Und sich über die Felder schlängeln mußte er wieder auch, wenn er nich gesehen werden wollte. So klappte es ganz gut zusammen.«

»Das Gesicht konnten Sie nicht sehen?«

»Das nich.«

»Hatte der Mann die Figur des Advokatenbauern?«

»Die? – ja. Ebenso groß, und so breit auch.«

»Finden Sie die Stelle wieder?«

»Da is nich viel zu suchen.«

»Wollen Sie mich begleiten?«

»Muß ich jawoll. Kann ich die Stiefel erst hinbringen?«

»Ist es noch weit?«

»Nee. Zehn Minuten. Der Hof links vom Holz.«

»Gut. Beeilen Sie sich. Ich warte.«

Christian machte große Schritte.

»Sie! Tiedjohann!« rief der Kommissar noch hinter ihm her. »Nichts sagen! Keinem Menschen. Stumm sein wie das Grab. Der vom Sod darf keine Ahnung haben. Sonst kriegen wir ihn nicht. Das ist ein Fuchs.«

»Das is er. Ich bin stumm und taub.«

Der Kommissar promenierte auf dem Feldwege, bis sein Begleiter zurückkam.

Christian erwies sich als praktischer Mann.

»Is man gut,« sagte er, »daß Tauwetter is. Sonst wär es mit dem Graben Essig. Wir müssen aber noch mal nach der Kathe. Der Sand am See is lose; mehr als einen Spaten brauchen wir nich. Den muß ich aber holen. Ins Haus kommen Sie man lieber nich mit. Denn giebt's bloß unnützes Ausfragen. Und was meine Alte is, die will nich haben, daß ich gegen den vom Sod 'was unternehme, von wegen dem Skandal, den er bei uns gemacht hat, und weil sie Angst vor ihm hat.«

Der Beamte mußte unweit der Käthe noch einmal warten, dann schritten die Verbündeten rüstig aus nach dem See.

»Kennen Sie das Fräulein Wichbern, Tiedjohann?« fragte Grotthus unterwegs.

»Jawoll. Von so klein auf!« Er zeigte mit der Hand. »Ihr Vater war mein Lehrer. Wenn er mir nich mehr beigebracht hat, hat's wohl nich an ihm gelegen. So'n Schulmeister kriegen wir nich wieder. Das war einer!«

»Er war beliebt in der Gemeinde?«

»Ob!«

»Da wird es Sie doch gefreut haben, daß die Familie sich mit seiner Tochter ausgesöhnt hat, was?«

»Das schon! Aber sehen will sie die Junge immer noch nich.«

»Die Alte scheint ein bißchen – –« Der Kommissar tupfte sich gegen die Stirn. »Bei der Verhandlung in Kiel hat das hübsche blonde Fräulein sich vergebens bemüht, an sie heranzukommen. Ich glaube, die Alte flieht vor ihr und vor sich selbst. Sie will hart bleiben und fürchtet, daß sie es nicht kann. Aber dieser Groll ist so'n letztes Aufflackern. Ich glaube, der zergeht wie die Butter an der Sonne, wenn die beiden, die Alte und die Junge, sich mal wirklich in die Arme laufen. Der Bräutigam von dem Fräulein kann sich übrigens gratulieren. Er ist fix, was?«

»Natürlich.«

»Na, und das schöne Gut wird ihm auch nicht schlecht willkommen sein.«

»Ach, der hatte die Anna schon vorher gern.«

»Sie meinen, dem sei dies Depenau bloß so'ne kleine angenehme Zugabe?«

»Was denn sonst?«

»Hm. Na, mir kann's recht sein. Dem Mädel gönne ich das Beste. Und dem vom Sod auch. Bloß ein bißchen anders ...«

»Sie, wenn's der gewesen wäre, und wir kriegten den! Das würde mir noch über die tausend Mark gehen.«

»Beides zusammen ist noch besser, Tiedjohann. – Sind wir bald da?«

»Nee. Noch nich.«

Sie kletterten über ein breites Holzgitter in einem Feldknick. Grotthus streifte an einem der Querhölzer den Lehm ab, der sich von dem weichen Boden beschwerend an die Stiefel gesetzt hatte.

»Auf so'm Stadtweg geht sich's bester,« bemerkte Christian. »Jetzt noch über die Koppel, denn können wir den See schon sehen. Na, ich bin begierig ... Und wenn – und wenn – heijeh, das wär aber was!« – –

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