Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Walter Scott >

Der Abt

Walter Scott: Der Abt - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorWalter Scott
titleDer Abt
publisherHoffmann'sche Verlagsbuchhandlung
printrunZweite vermehrte Auflage
firstpub1841
year1851
translatorFriedrich Funck
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20160427
Schließen

Navigation:

Sechzehntes Kapitel.

Mann wirst du, o Jüngling zart!
Lipp' und Wang' umzieht der Bart;
Fester wird dein Schritt und Blick;
Heitrer Leichtsinn bleibt zurück.
Nachts oft selbst wird dir nicht Rast,
Speis' und Kurzweil nur in Hast.
Sprüng' und Späß, einst Hochgenuß,
Jetzo dir ersetzen muß
Thorheit ernsterer Gestalt,
Ohne Wahrheit, Sinn, Gehalt.

Das Leben. Ein Gedicht.

Lustig trabte Roland Graeme im Gefolge Herrn Halbert Glendinnings einher. Er war seiner drückendsten Besorgniß entledigt – der, mit Hohn und Vorwürfen bei seiner unmittelbaren Rückkehr nach Avenel empfangen zu werden.

»Eine Veränderung wird vorgehen, ehe sie mich wiedersehen,« dachte er. »Ich werde den Harnisch tragen statt des grünen Wamses, und die stählerne Sturmhaube statt des Federbaretts. Einige Verwegenheit wird dazu gehören, einen Witz zu reißen über den Reisigen wegen der Thorheiten des Edelknaben, und ich hoffe, ehe wir zurückkommen, soll ich Etwas gethan haben, was mehr der Rede werth ist, als einen Hund auf ein Reh zu hetzen, oder einen Felsen zu erklimmen, um eines Geiernestes willen.« –

Wunderbar war es ihm nur, wie seine Großmutter, trotz ihrer religiösen Vorurtheile, so bereitwillig ihre Erlaubniß zu seinem Wiedereintritt in den Dienst des Hauses Avenel gegeben hatte. Noch räthselhafter war ihm die Freude, mit welcher sie in der Abtei von ihm Abschied genommen. Wir müssen hier einige Augenblicke in unserer Erzählung zurückgehen.

»Der Himmel,« sprach die Dame, als sie im Kloster ihm den Abschiedskuß gab, »führt sein Werk hinaus durch die Hände derjenigen unter unseren Feinden, welche sich die Weitesten und Stärksten zu sein dünken. Du, mein Kind, sei bereit dem Ruf der Religion und des Vaterlandes zu folgen. Bedenke, jede irdische Verbindlichkeit, die du eingeht, ist im Vergleich zu den Banden, die dich an jene knüpfen, wie der lose Flachs im Verhältniß zu einem Kabeltau. – Du hast doch nicht das Gesicht und die Gestalt der Jungfrau Katharine Seyton vergessen?«

Roland wollte verneinend antworten, aber das Wort erstarb ihm auf der Zunge. Magdalene fuhr fort in ihren Ermahnungen:

»Du darfst sie nicht vergessen, mein Sohn, und hier empfängst du von mir ein Zeichen, welches du hoffentlich bald Gelegenheit finden wirst, ihr insgeheim zu überliefern.«

Damit legte sie in Rolands Hand ein ganz kleines Päckchen, dessen sorgfältige Bewahrung sie ihm dringend anempfahl mit dem Bemerken, daß er es keinen Menschen außer Katharine Seyton sehen lassen dürfe, das junge Mädchen, welches er den Tag zuvor gesehen habe, – ein Beisatz, der sehr überflüssig war. Und dann gab sie ihm ihren Segen und wünschte ihm den Beistand Gottes.

In diesem wie in ihrem ganzen sonstigen Thun lag etwas Geheimnißvolles. Allein Roland hatte weder das Alter noch die Gemüthsart dazu, sich den Kopf über Entzifferung ihrer Worte zu zerbrechen. Er sah auf der gegenwärtigen Reise nur Vergnügen und Neues vor sich. Er freute sich, auf dem Wege nach Edinburg zu sein, wo er den Charakter eines Mannes annehmen und den eines Knaben ablegen sollte. Er fühlte Entzücken bei dem Gedanken, daß er Gelegenheit finden würde, mit Katharine Seyton zusammenzutreffen, deren strahlendes Auge und lebhaftes Wesen einen so günstigen Eindruck auf ihn gemacht hatte. Als ein unerfahrener aber lebenskräftiger Jüngling, der zum ersten Mal in's thätige Leben eintrat, fühlte er sein Herz höher schlagen bei dem Gedanken, daß er jetzt all' den Glanz des Hofes und die kriegerischen Abenteuer sehen sollte, wovon die Leute im Gefolge Herrn Halberts so viel zu sagen wußten, zur Verwunderung und zur Erregung des Neides derer, welche, wie Roland, Hof und Lager nur von Hörensagen kannten, und sich beschränkt sahen auf die einsamen Kurzweilen und die fast mönchische Abgeschiedenheit Avenels mit seinem stillen See und mit seinen pfadlosen Bergen ringsum.

»Mein Name soll genannt werden,« sprach er für sich, »dafern ich Auszeichnung mit Gefahr meines Lebens erkaufen kann; und Katharine Seytons schalkhaftes Auge soll mit mehr Achtung auf dem ausgezeichneten Krieger ruhen, als auf dem unerfahrenen und in der Welt fremden Edelknaben, den sie verlacht hat.«

Und bei allen diesen herrlichen Hoffnungen und Aussichten besaß er Etwas, was seine freudige Aufregung vollständig machte: ein munteres Pferd, auf welchem er reiten konnte, während er die beiden verflossenen Tage hatte gehen müssen.

So heiter gestimmt ließ Roland bald seine Stimme und sein Lachen den Huftritt übertönen, und zog mehr als ein Mal die Aufmerksamkeit des Ritters auf sich, welcher mit Vergnügen bemerkte, daß er mit guter Laune die Späße erwiderte, welche Einzelne aus dem Gefolge über seine Entlassung und seinen Wiedereintritt in den Dienst von Avenel machten.

»Ich dachte, der Eichenzweig auf Eurer Mütze wäre erfroren, Meister Roland,« sagte einer der Reisigen. »Nur durch einen halbstündigen Frost gedrückt; Ihr seht, er grünt so schön wie nur je.«

»Er ist eine zu ernste Pflanze, um auf einem so heißen Boden zu gedeihen, wie Euer Köpfchen ist,« meinte der Andere, ein alter Stallmeister des Ritters.

»Er soll nicht nur gedeihen,« entgegnete Roland; »ich will ihn auch mit dem Lorbeer und der Myrte vereinigen, und sie so hoch zum Himmel emporheben, daß man ihnen ihren niedrigen Wuchs verzeihen wird.«

So sprechend stieß er seinem Pferde die Sporen in die Rippen, zog zugleich den Zügel an und nöthigte es so, eine hohe Caracole zu machen. Herr Halbert Glendinning betrachtete das Thun seines neuen Begleiters mit jenem schwermüthigen Wohlgefallen, mit welchem Leute, die lange den Gütern des Lebens nachgejagt und deren Eitelkeit erkannt haben, auf fröhliche, junge, aufstrebende Gemüther sehen, welchen das Dasein hoffnungsreich und vielversprechend entgegenlächelt.

Woodcock, der Falkner, hatte sich beim Abmarsch von Kennaquhair etwas verspätet, da er erst seinen Maskenanzug ablegen und sich in die Tracht seines Berufes hüllen mußte: eine grüne Jacke, auf der einen Seite die Falkentasche, auf der andern ein Waidmesser, einen linken Handschuh, der bis an den Ellenbogen reichte und eine Mütze mit einer Feder. So kam er im scharfen Trabe auf seinem kleinen Gallovayklepper nach und ließ sich sofort in ein Gespräch mit Roland ein:

»So, mein lieber Junge, seid Ihr wieder unter dem Schatten des Steineichenzweiges?«

»Und in der Lage, Euch guter Freund, Eure zehn silberne Groschen wiederzugeben,« antwortete Roland.

»Welche Ihr mir vor einer Stunde beinahe mit zehn Zoll Stahl bezahlt hättet,« fügte der Falkner hinzu. »Meiner Treu, es steht eben im Buche des Schicksals geschrieben, daß ich Euren Dolch schmecken soll.«

»Nein, guter Freund, sprecht davon nicht,« entgegnete Roland. »Lieber hätte ich mich selber spießen mögen als Euch. Aber wer konnte Euch auch in Eurer Vermummung erkennen?«

»Ja,« sagte der Falkner, stolz auf seine Schauspieler-, wie auf seine Dichtergabe; »ich denke, ich war ein so guter Eulenspiegel, wie nur je einer bei einer Fastnachtslust gespielt worden ist, und kein viel schlechterer Abt von Unsinn. Ich fordere dreist den bösen Feind heraus, mich zu entlarven, wenn ich meine Maske vorbehalten will. Was zum Teufel hat uns den Ritter in die Quere gebracht, ehe wir das Spiel ausgespielt hatten? Ihr würdet mich mein eignes neues Lied haben brüllen hören mit einer Stimme, welche bis Berwick gereicht hätte. Aber ich bitt' Euch, Meister Roland, seid nicht beim geringsten Anlaß so freigebig mit kaltem Eisen. Denn ohne die Fütterung meines ehrwürdigen Wamses würde ich die Kirche nicht anders verlassen haben, als um auf dem Kirchhof Platz zu nehmen.«

»Nein, schenkt mir diese Fehde,« erwiderte Roland; »wir finden keine Zeit, sie auszufechten, denn auf Befehl unseres Herrn muß ich nach Edinburg.«

»Ich weiß es,« sagte Woodcock, »und eben darum werden wir Zeit haben, diesen Riß unterwegs zu flicken, denn Herr Halbert hat mich zu Eurem Gefährten und Führer bestimmt.«

»So? Und was soll mit mir werden?« fragte Roland. »Das,« antwortete der Falkner, »ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. So viel aber weiß ich, daß ich, mag das Futter der Nestlinge gewaschen werden oder nicht und mag aus Stange und Käfig werden, was da will, daß ich mit Euch nach Edinburg zu gehen und Euch wohlbehalten dem Regenten zu Holyrood zu überliefern habe.«

»Wie? dem Regenten?« fragte Roland betroffen.

»Ja, ohne Scherz, dem Regenten,« antwortete Woodcock. »Verlaßt Euch darauf, wenn Ihr nicht in seinen Dienst kommt, werdet Ihr wenigstens in seiner Nähe zu bleiben haben, als Dienstmann unseres Ritters von Avenel.«

»Ich weiß nicht,« entgegnete der Jüngling, »welches Recht der Ritter von Avenel hat, meine Dienste einem Andern abzutreten, angenommen, daß ich ihm selber zu ihnen verpflichtet wäre.«

»Psch! Psch! Das ist eine Frage, welche ich Keinem rathen möchte, aufzuwerfen, bis zwischen ihm und seinem Lehnsherrn Berg oder See, oder, was noch besser ist, die Mark eines andern Königreichs liegt.«

»Herr Halbert Glendinning ist mein Lehnsherr nicht,« entgegnete Roland; »und er hat schlechterdings keine Befugniß« – –

»Ich bitte Euch, mein Sohn, haltet Eure Zunge im Zaum,« fiel Adam ein. »Meines gnädigen Herrn Mißfallen wird, wenn Ihr es veranlaßt, schwerer zu beseitigen sein, als das meiner gnädigen Frau. Die Berührung mit seinem kleinen Finger wäre härter, als ihr härtester Schlag. So wahr ich lebe, er ist ein Mann von Stahl, so rein und ohne Fehler, aber auch eben so hart und nicht zu erweichen. Ihr erinnert Euch doch des Cock von Capperlaw, den er über seinem Thor aufknüpfen ließ, um eines bloßen Irrthums willen, – wegen eines armseligen Jochs Ochsen, die er in Schottland genommen hatte, während er glaubte, sie in England zu nehmen? Ich hatte den Cock gern; die Kerrs hatten keinen ehrlichern Kerl in ihrem Stamm, und sie hatten doch Leute, die als Muster eines Grenzers dienen konnten, – Leute, die nie weniger als zwanzig Kühe auf ein Mal aufhoben und die sich für entehrt gehalten haben würden, wenn sie einen Trieb Schafe oder Etwas der Art genommen hätten, – Leute, die ihre Ritte immer mit Ehren zu machen wußten. – Aber sieh, S. Gestrengen macht Halt; wir sind an der Brücke. Reite zu, wir müssen seine letzten Weisungen empfangen.«

Es war so, wie Adam sagte. In dem Hohlweg, welcher nach der Brücke hinabführte, (sie stand noch immer unter der Obhut von Peter Brückenwart, der aber sehr gealtert war,) ließ Herr Halbert Glendinning sein Gefolge Halt machen und winkte dem Falkner und Rolanden vorzureiten an die Spitze des Zugs.

»Woodcock,« sagte er, »du weißt, zu wem du diesen jungen Menschen zu führen hast. Und du, junger Mensch, befolge mit Verstand und Sorgfalt die Weisungen, welche dir gegeben werden. Bezwinge dein eitles und empfindliches Wesen. Sei rechtschaffen, wahrhaftig und treu; es liegt in dir Etwas, was dich manche Stufe über deine jetzige Stellung emporheben kann. Und vorausgesetzt, daß dein Thun aufrichtig und ehrlich ist, soll dir nie der Schutz und Beistand Avenels fehlen.«

Mit diesen Worten ließ er sie vor der Brücke, deren mittlerer Thurm jetzt einen längeren Schatten auf den Fluß zu werfen begann, und wandte sich links ab, flußaufwärts, in der Richtung nach der Bergkette, in welcher das Schloß und der See von Avenel eingeschlossen lag. Mit dem Falkner und Roland blieb ein Knecht des Ritters zurück, der für ihre Pferde und ihr Gepäck Sorge tragen und sie selber bedienen sollte.

Als die Reiterschaar den Weg westwärts eingeschlagen hatten, riefen die drei Zurückgebliebenen, deren Weg gerade nordwärts über den Fluß ging, den Brückenwart an und verlangten freien Paß.

»Ich lasse die Brücke nicht herunter!« antwortete Peter im bissigen Ton eines übelgelaunten Alten. »Mag Papist kommen oder Protestant, das gilt mir gleich. Die Papisten drohten uns mit dem Fegfeuer und leerten uns die Taschen mit Ablaß, der Protestant droht uns mit dem Schwert und schmeichelt uns mit der Gewissensfreiheit. Aber nie kommt Einer von ihnen und sagt: ›Peter, hier ist dein Pfennig.‹ Ich bin das Wesen müde. Für keinen Menschen geht die Brücke herunter, der mich nicht baar bezahlt. Ihr sollt wissen, daß ich mich so wenig an Genf, wie an Rom kehre, so wenig an Predigten, wie an Ablaß. Silberpfennige sind die einzigen Pässe, von denen ich hören will.«

»Das ist ein echter alter Flegel,« sprach Woodcock zu seinem Begleiter. Darauf erhob er die Stimme und rief: »Hörst du, Hund von Brückenwart, Schuft! Meinst du, wir verweigerten den Peterspfennig an Rom, um ihn an dich auf der Brücke von Kennaquhair zu entrichten? Den Augenblick laß die Brücke herunter für die Leute von Avenel, oder bei der Hand meines Vaters, der manchen Zügel gehalten hat, denn er war ein tüchtiger Yorkshirer – bei der Hand meines Vaters, sag' ich, unser Ritter soll dich aus deinem Seerabennest da im Wasser herausblasen mit dem leichten Falkonet, welches wir morgen von Edinburgh holen.«

Der Brückenwart murmelte:

»Ein Donnerwetter über Falken und Falkonette, über Kartaunen und halbe Kartaunen und über alle die bellenden Hunde, die sie heutzutage gegen Stein und Kalk loslassen! Es war eine schöne Zeit, wie es noch nicht viel mehr gab, als Püffe aus freier Hand und etwa noch einen Pfeilregen, welcher einer ordentlichen steinernen Mauer so wenig that, wie ein Hagelschlag. Aber wir müssen uns ducken und fünf gerade sein lassen.«

Mit diesem kräftigen Sprichwort sich über die Verminderung seiner Wichtigkeit tröstend, ließ Peter Brückenwart die Brücke herunter, so daß sie hinüberreiten konnten. Beim Anblick seiner grauen Haare, unter welchen jedoch ein von Alter wie von Mißgeschick mürrisches Gesicht hervorschaute, fühlte Roland sich versucht, ihm ein Almosen zu geben. Aber Adam Woodcock hielt ihn davon ab.

»Laß ihn nur die Strafe für seine frühere Flegelhaftigkeit und Habgier leiden,« sprach er; »der Wolf, wenn er seine Zähne verloren hat, muß nicht besser behandelt werden, als wie ein schlechter Hund.«

Die Reisenden überließen es dem Brückenwart, über die veränderten Zeiten zu jammern, welche herrische Kriegsknechte und Diener der Mächtigen statt friedlicher Pilger über die Brücke führten und ihn zum Unterdrückten machten, während er früher den Erpresser gespielt hatte. –

Die Richtung nach Norden verfolgend, schlug Adam Woodcock, der mit der Gegend genau bekannt war, seinen Begleitern vor, eine bedeutende Krümmung damit abzuschneiden, daß sie den Weg durch das kleine Thal von Glendearg nahmen, welches so berühmt war als Schauplatz der, im ersten Theil der Handschrift des Benedictiners geschilderten, Abenteuer. Mit diesen Abenteuern und mit den tausenderlei Erläuterungen, Darstellungsweisen und Entstellungen derselben war Roland Graeme natürlich bekannt, denn auf Schloß Avenel, wie in anderen großen Häusern, sprachen die Leute von Nichts so oft und so gern, wie von den häuslichen Angelegenheiten des Herrn und der Frau. Während aber Roland mit Aufmerksamkeit diese Oertlichkeiten betrachtete, wo so übernatürliche Dinge vorgegangen sein sollten, war Adam Woodcock ganz in Bedauern versenkt über die Unterbrechung der Lustbarkeit des Tages und über das ungesungene Lied. Dann und wann machte er seinem gepreßten Herzen Luft durch Absingung einzelner Verse, wie zum Beispiel:

»Die Mönche von Fail tranken Bier, schmeckte wohl
    So gut wie nur eins in der Welt;
Die Melroser Mönch' kochten herrlichen Kohl,
    Der als Freitagsspeis' Jedem gefällt.
            Sanct Monancens Schwester
            Küßt Pater Sylvester.
            Hol der Teufel das Zeug!
    Singt: Juchhe! Heisasa!
    Unter dem Waldgezweig.«

»Bei meiner Hand, Freund Woodcock,« bemerkte ein junger Begleiter, »ich weiß zwar, Ihr seid ein verwegener Evangelischer, der sich weder vor Heiligen, noch vor dem Teufel fürchtet; indeß an Eurer Stelle möcht' ich doch keine solche Schelmenlieder hier im Thale von Glendearg singen. Ihr wißt ja, was hier vor unserer Zeit sich begeben hat.«

»Einen Quark auf wandernde Gespenster!« rief Adam Woodcock. »Ich kehre mich gerade so viel an sie, wie ein Adler an einen Flug wilder Gänse. Sie sind alle entflohen, seitdem auf Kanzeln ehrliche Männer stehen, und die Ohren des Volks die reine Lehre vernehmen. Sie kriegen auch Eins ab in meinem Liede, – wenn ich's nur hätte aussingen können.«

Und damit hob er wieder im vorigen Tone an:

»Vom Geisterquell, von der Nasenstell,
    Elf, Fee und Kobold eilen,
Und der Nix kommt noch aus dem sumpf'gen Loch,
    Und Braunchen soll nicht weilen.
            Zum Limboosee
            Eilt Elf und Fee, –
            Kaum laufen kann das Zeug.
    Singt: Juchhe! Heisasa!
    Unter dem Waldgezweig.«

»Ich glaube,« fügte er hinzu, »hätte Herrn Halberts Geduld gereicht, bis wir an diese Stelle gekommen wären, dann würd' er herzlich gelacht haben, und das ist ein Genuß, der ihm selten zu Theil wird.«

»Wenn Alles wahr ist, was von seinem früheren Leben erzählt wird, dann hat er weniger Befugniß, über Kobolde zu lachen, als irgend Jemand,« entgegnete Roland.

»Ja, wenn Alles wahr ist,« antwortete Adam. »Aber wer bürgt uns dafür? Das sind lauter Mährchen, welche die Mönche benutzten, uns einfältige Laien zu betölpeln. Sie wußten, Feen und Kobolde brachten Ave und Credo in Ansehen. Jetzt, wo wir die Anbetung von Holz- und Steinbildern aufgegeben haben, dünkt mich, ist es nicht an der Zeit, uns vor Blasen im Wasser oder vor Schatten in der Luft zu fürchten.«

»Indeß,« warf Roland ein, »die Katholischen sagen, sie beten nicht Holz und Stein an, sondern sie verehren beides nur als Sinnbilder der Heiligen, nicht aber als an sich heilige Dinge.«

»Psch! Psch!« antwortete der Falkner. »Einen Pfifferling für ihr Geschwätz! Damals pfiffen sie ein anderes Lied, als ihre getauften Götzenbilder noch Spießstecken und Bänderschuhe Abzeichen der Pilger. von allen vier Winden herbeiführten, und den alten Weibern ihr Korn und ihre Lichtstümpfchen, ihre Butter und ihren Speck, ihre Wolle und ihren Käse abluchsten, und kein rother Heller der Verzehntung entging.«

Noth hatte den jungen Roland längst schon gelehrt, seinen Glauben als ein Geheimniß zu betrachten und Nichts zur Vertheidigung desselben zu sagen, wenn er angegriffen war, weil er sonst den Verdacht auf sich geladen hätte, zu der unbeliebten und verworfenen Kirche zu gehören. Er ließ also den guten Adam ungestört triumphieren und wollte es abwarten, ob die sonst so geschäftigen Kobolde nicht Rache nehmen würden für seine groben Späße, noch ehe die Gesellschaft aus der Schlucht hinaus wäre. Doch Nichts der Art geschah. Ruhig verbrachten sie die Nacht in einer Hütte des Thales von Glendearg, und am folgenden Morgen setzten sie ihren Weg nach Edinburg fort.

 << Kapitel 18  Kapitel 20 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.