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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 8
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Michael Lindener

Katzipori
1558

Ein edle Geschieht, einem Edelmann widerfahren von einer Obrigkeit

Neben einer fürstlichen Stadt im Land zu Meißen wohnet ein Edelmann, der war eines guten Auskommens und ziemlich reich, doch ganz karg, daß es ein Schande war. Wenn er in die Stadt reisete, so ging er in Stiefeln hinein; und wenn er schier nahe hinzu kam, gürtet er Sporen an, als sollt man gedenken, er wäre hineingeritten, wie er denn wohl zu reiten gehabt.

Das verschmäheten die vom Adel und machten eine Practica mit einem Pächter in derselbigen Stadt, daß er ihn sollt fordern lassen und sagen, wie daß in der Gassen, da er pfleget hinein- und hinauszugehen, ein Kind zertreten war worden, welches er mit seinem Gaul getan sollt haben.

Der Edelmann vernimmt die Rede und entschuldiget sich. Endlich, wie der Richter auch ein guter Raudy-Maudy war, und von wegen der guten Gesellen, die ihm solches befohlen hatten,mit Fragen anhielt, fuhr der Edelmann heraus, er hätt kein Kind gesehen, geschweige denn zertreten; und zu allem Wahrzeichen sei er gangen und nit geritten. Sei auch in keinem Jahr auf kein Roß gekommen; darum bedürft es nit viel Klementzens.

Der Richter fängt an zu lachen und saget: »Mein lieber Junker, habt Ihr doch noch Stiefel und Sporen an, wie könnt Ihr es denn sagen»«

»Ja«, spricht der Edelmann, »was ich gesagt hab, das ist wahr, und kann es mit Leuten dartun, die mit mir gegangen sein. Und daß ich Stiefel und Sporen trage, das tu ich von wegen meines Adels, den ich dadurch erhalte.«

Dessen mocht der Richter wohl lachen.

(90)

Ein geschwinder Bescheid eines Hausknechts, einem Edelmann gegeben

Ein Edelmann, der kam in ein Reichsstadt und zog zu einem stattlichen Wirt ein, zeiget an, wie er der und der wäre, in summa: ein großer Hans vom Adel und gut vom Adel, doch blutarm dabei und kein Heller im Säckel. Der hieß sich voll auftragen, lud Gast und hielt sich wohl mit dem Prangen, wie denn die Leut darauf ausgelernet haben und sonst nichts können.

Wie er aber einmal wiederum zu Gast eingeladen und in die Herberg toll und voll heimkam, macht er. sich ganz mausig, als war er allein allda, vermeinet auch, unser Herrgott hieß Hermann. Wie ihn aber ein Knecht des Hauses zu Bett weiset, ließ er ein Grolzer über den andern gehn, farzet auch dazu wie ein grobe Kuh.

Da sprach der Hausknecht: »Das lautet und hat eine Stimme und ging schier zusammen; wenn es nur ein Sekunde niedriger stünde, so möcht es mir gefallen.«

Der Edelmann, mit Verlaub ein Junker, der seinen Adel im Speien und Parzen sehen ließ und nichts anders könnt denn Schlemmen und Dämmen, Fressen und Saufen, wie jetzund die heiligen Taten des Adels sein, hebt an zu crysimieren: »Was schnarchst du viel e Du weißt nicht, wer ich bin. Es ist ein ander Ding, ein Edelmann und ein Baurendremmel, die weder reiten noch reden können.«

Der Knecht, der auch voller Mücken war, saget: »Junker, ich glaub's wohl, daß Ihr geschlafen habt, bis Essenszeit gewesen ist.«

Der Junker läßt ein großen Grolzer herausgehn, ziemlich ungefähr neun Ellen lang.

Der Knecht spricht: »Säuberlich, Junker, Ihr mögt stolpern.«

Fängt der Edelmann an: »Ich dürft dir wohl ins Angesicht speien.«

Antwortet der Hausknecht: »Nein, Junker, wenn Ihr mir so lohnen wollt, so bleib ich nit. Aber wenn Ihr ja speien wollt, so speiet mir in den Arsch und lecket mir danach die Schüssel, so werde ich wieder sauber und rein.« Ging also davon.

(91)

Ein billige Antwort, von einem Baderknecht einem Oberrichter gegeben

In einer fürstlichen Stadt war ein Oberrichter, der war ein rechter Bluthund und Schindfessel; übernahm die Leut wider Gott, Ehr und Recht ohn alle Gnad und Barmherzigkeit, schrieb Lügen ein und beschuldiget die Leut mit der Unwahrheit, daß sich ein jedermann seines unbilligen Übernehmens beschwert und beklaget.

Es kam aber ein Baderknecht vor ihn, der ward hart beklaget, daß er bei nächtlicher Weil mit seinem Geschrei erschrecket habe, daß sich ein reiche Jungfrau darüber bekleckert hätt, das heißt auf deutsch ,beschissen'. Das hält der Bluthund dem armen Baderknecht vor und begehrt von ihm. drei Taler.

Der Baderknecht sagt: »Lieber Oberrichter, ich habe so gar grausam nit geschrien, sondern lieblich gesungen, wie man denn bei Nacht pfleget, als eine Eule, und glaube auch nicht, daß sie sich meines Gesangs halben beschissen habe, wenn sie nit zuvor vier Wochen aneinander die dünne Scheißen gehabt hätte, wie man es ihr denn ansiehet an der Farb, und ganz gelb ist wie ein wächsener Götze.«

Der Richter will die drei Taler (da stinkt ihm das Maul nach) nur haben.

Darauf der Baderknecht antwortet: »Es ist ein Schinder, der den Kühen und toten Rossen die Haut abziehet, nicht so arg als dieser, der den Leuten das Blut aus der Haut und das Mark aus den Beinen sauget.«

Das mußt der Oberrichter von einem Baderknecht hören, der teutsch mit ihm redete vor aller Welt. Das zeigt hernach der Oberrichter dem Bürgermeister an.

Der Bürgermeister wußte wohl, wieviel es geschlagen hatt, und sagte zum Oberrichter: »Lieber Herr, unser Herrgott hat seltsame Leut auf Erden, Ihr müßt Euch ihrer gewöhnen und Geduld haben.«

(92)

Ein abgeriebene Mück, von einem Bauren seiner Braut gerissen

Zu Schruditz war ein Bauer, der hatt ein einfältiges, frommes Weib, die plaget er sehr und hielt sie übel, buhlet auch fast bei ihrem Leben und kam oft voll und toll bei Nacht heim und jaget das Weib hinaus. Gott aber erhöret sie und nahm sie zu seinen Gnaden.

Begab sich aber, daß der Bauer wiederum heiratet und eines andern Bauren Tochter nahm. Und wie die Hochzeit geschehen, daß Braut und Bräutigam zu Bett gingen und die Braut schon im Bett lag, schrie der Bräutigam seiner Knechte einem, mit Namen Matz: »Matz, hörest du nit? Mätzlein!«

Der Knecht antwortet und spricht: »Was wollt Ihr, Herr?«

Sagt der Bauer: »Bring mir eilends und bald ein Schlegel herauf!«

Der Knecht erschrickt und vermeint, der Bräutigam wolle die Braut zu Tod schlagen, und fraget den Bauren, was er mit dem Schlegel tun wolle.

Saget der Bauer: »Ich will ihn der Braut hineinschlagen.« Denn der Bauer war voller Possen und Kurzweil.

Die Braut vernimmt solchen Ernst und hebet an: »Mein Bräutigam, Ihr bedürft keines Schlegels oder Axt, Beil, Barten: Meines Vaters Knecht Jäckel ist jetzund ganze sieben Jahr bei mir gelegen, hat nie nichts dergleichen gebraucht, hat ihn allezeit mit der Arschkerben hineingestoßen. Ihr dürftet solche große Mühe nit haben, seid ohne Sorge!«

So ward der Bauer bezahlet.

(93)

Ein unerhörter Betrug, von einem jungen Mägdelein einem Mönche getan

Ein junges Mägdelein beichtet einstmals einem Barfüßermönch, welche die allerheiligsten sein wollen, und befindet sich doch nit also in der Tat, wie denn ein Nollbruder des Ordens sich übet und an Tag gab, der ein Bäuerin um ein paar Eier und Käs strohpurzelte. Einem solchen heiligen Vater bekennete das gute Dirnlein seine Sünde.

Wie aber der gottlose Mönch anhielt und wollt alle Heimlichkeit wissen, sie auch fragete, ob ihr dergleichen nit träumte, denn dieselbigen nichtsdestominder Sünde wären, die man ihm auch offenbaren müßte und in keinem Wege vorenthalten, sprach sie: »Ja, lieber Herr, es hat mir wohl etwas vorlängst geträumt, aber ich schäme mich, solches zu sagen.«

Der Mönch hielt an und wollt es wissen, denn er gab vor, er könnte ihr sonst keine Absolution sprechen.

Fing das Mägdlein an: »Mein lieber Herr, es hat mir geträumt, wie daß einer bei mir gelegen sei und hab ihn mir, mit Verlaub vor Euer Heiligkeit, hineingetan.«

Der Mönch antwortete: »Mein Tochter, das ist eben so viel, als hättest du es mit der Tat vollbracht. Du mußt auch darum büßen, als wäre es rechtschaffen geschehen.«

Das Mägdlein erschrickt und bittet den Mönch, daß er das Beste tun wolle, denn er gab vor, sie müßte gen Rom oder sonst zu einem Pönitenzer, und saget, sie wolle ihn wohl lohnen, ließ ihn auch zween Gulden sehen.

Dem Mönch stank das Maul nach den Goldgulden, und er sprach: »Es ist wahr, mein Tochter, wir haben soviel Gewalt als der Papst oder ein Pönitenzer, derhalben Sankt Franziskus ebensowohl fünf Wunden hatt als Christus. Aber mein Tochter, wir dürfen kein Geld anrühren. Auf daß du aber nit so ferne und weit ziehen dürftest, denn es jetzund unsicher auf der Straßen ist, so stecke sie mir allhie in das Löchlein.« Denn der Mönch ein zerrissene Kappen anhatt und im linken Ärmel ein Löchlein.

Der Mönch sah übel, und das Mägdlein tat, als steckte sie ihm die zween Goldgulden in den Ärmel, und behielt sie nichtsdestoweniger. Der Mönch absolviert sie geschwind wie der Wind. Das Mägdlein wird froh und wutscht davon.

Wie nun das Mägdlein hinauskommt, suchet der Mönch die Goldgulden in dem Löchlein, findet sie aber nit und merket den Betrug, ruft das Mägdlein eilends wieder zurück und sagt: »Sie seind nit drinnen, mein Tochter.«

Antwortet das Mägdlein: »Ja, mein Herr, er ist mir auch nit drinnen gewest, sondern hat mir allein also geträumt.« Ging also das gute Töchterlein absolviert davon.

(94)

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