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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 45
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Odilo Schreger

Nützlicher Zeit-Vertreiber
1753

Ein Bauer schmähete seine Landesfürstin

Ein vornehmer Fürst verirrte sich auf der Jagd in dem Wald. Ein Bauer zeigte ihm, den er für einen gemeinen Reiter ansah, den Weg hinaus. Als sie nun aus dem Wald kamen, fragte der Fürst den Bauren: »Vater, wer ist dein Landsfürst?«

Dieser sagte: »Der Fürst von NB.«

Da verstund der Fürst, daß dieser Bauer sein Untertan wäre, fragte also weiter: »Mein, was hältst du wohl von deinem Fürsten?«

»Unser Fürst«, versetzte der Bauer, »wäre schon recht, aber seine Frau, die böse Hure, ist kein Schuß Pulver wert. Sie drucket uns, wo immer sie kann.«

Der Fürst lächelte, und sobald er nach Haus kam, erzählte er dieses seiner Gemahlin.

Die Fürstin entrüstete sich sehr darüber und wollte nichts als den Tod dieses Calumnianten wissen.

Der Fürst stellte ihr aus Gespaß diesen Bauren vor und fragte ihn in Gegenwart der Fürstin, ob er nicht wüßte, was er vor etlich Tagen zu einem Reiter von der Fürstin gesagt hatte.

Der Bauer antwortete: »Was wußt ich, daß der Schelm, dem ich's sagte, mich verraten sollte.«

Die Fürstin fing an, herzlich zu lachen, und sagte: »Ich meines Orts bin zufrieden. Der Bauer soll Gnad haben, der Fürst kann seinen Schelmen gleichwohl im Sack schieben.«

(271)

Die lustige Zeit

Einer von Adel fragte einen Bauren, um welche Zeit die Bauren am lustigsten wären.

Der Bauer sagte: »Im Winter, dann da haben wir nicht viel zu arbeiten.« Der Bauer fragte auch den Edelmann, wann denn sie am fröhlichsten wären.

»Wir von Adel«, versetzte er, »seind im Frühling am lustigsten, absonderlich im Mai.«

»Ei, ei«, schrie der Bauer auf, »so macht ihr's grad wie mein Esel; denn eben um diese Zeit schreiet er immer vor Freuden: ‚Iha, iha!‘«

(272)

Die Dieb seind Soldaten worden

Ein Obrister unter den Soldaten sah in einem Wirtshaus zum Fenster hinaus und konnte eben auf den Berg sehen, wo der Galgen stund, welcher zu selbiger Zeit ganz leer war. Fragte also den Wirt, warum sie keinen auf henken ließen.

Der Wirt antwortete: » Herr, wir haben keine Diebe mehr; dann unsere Diebe seind alle Soldaten worden.«

(273)

Es kommt nichts Bessers nach

Ein alte Frau betete täglich für ihren Stadtrichter, daß er doch lang leben möchte. Der Richter, als er's erfahren, ließ sie zu der Mahlzeit laden.

Wie sie nun miteinander zur Tafel saßen, da sagte die Alte: »Mein Herr Stadtrichter, wie hab ich dieses um Euch verdienet?«

Dieser antwortete: »Ihr verdient es noch täglich an mir. Nun wollte ich gern wissen, was ich Euch Guts getan, daß Ihr täglich für mich betet?«

Worauf sie antwortete: »Dieses, mein Herr, ist die Ursach: Ich hab Euren Großvater als einen Richter gekennet, das war ein Mann, der nicht viel nutz war. Ich hab Euren Vater gekennt, der noch viel schlimmer war. Ich kenne auch Euch, mein Herr, daß Ihr der ärgste Schelm auf der Erden seid. Darum bete ich für Euch, daß Ihr möget lang leben, denn ich fürchte, es möchte noch ein ärgerer Schelm nach Euch kommen.«

Dieses gute Weib wollte sagen, es komme selten etwas Besseres nach.

(274)

Wer schmiert, der führt

Ein Metzger und ein Kürschner führten lang miteinander Prozeß. Dem Metzger ratete sein Doktor, daß wenn er einen guten Bescheid haben wollte, so sollte er dem Richter einen guten feisten Ochsen verehren. Der andere Advokat aber ratete dem Kürschner, er solle der Frau Richterin ein schönes Zobelfutter zu einem Wintermantel verehren.

Als nun des Metzgers Advokat vermerkte, daß der Bescheid wider ihn ausfallen wollte, schrie er: »Ochs, brüll! Ochs, brüll!«

Der Richter aber sagte darauf: »Er kann nicht, es ist sein Hals mit Pelz verstopft.« Gewann also der Kürschner das Recht.

(275)

Ein Müller zahlt einen Advokaten trefflich aus

Es war einstens eine Gesellschaft beieinander, unter welcher auch ein Advokat und ein Müller waren. Der Advokat war lustig und stichelte immer den Müller. Unter anderm erzählte er von den Müllern dieses: »Einsmals kam. ein Müller zu der Himmelsporten und begehrte durchaus in den Himmel hinein, aber Sankt Peter wollte ihn nicht hineinlassen, weil die Müller insgemein Dieb wären.«

»Man sagt zwar insgemein«, sagte darauf der ausgestochene Müller, »daß die Müller Dieb sein sollten; es gibt aber auch fromme Müller, wie denn derselbe auch ein frommer Müller gewesen, der zu der Himmelsporten kommen ist. Und als ihn Petrus nicht hineinließ, fing er mit Peter einen Prozeß an. Dahero begehrte er, man sollte ihm einen Advokaten aus dem Himmel kommen lassen, der ihm seine gute Sachen verfechte.

Als aber Petrus alle Winkel in dem Himmel durchsehen und keinen Advokaten gefunden, sagte er zu dem Müller: ,Ich kann dir nicht helfen, dann es ist kein einziger Advokat im Himmel.'«

Hierauf mußte alles herzlich lachen, daß der Müller den Advokaten so künstlich ausgezahlet.

(276)

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