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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 40
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Johann Paul Waltmann

Wohlstudierter Pickelhering
1720

Die wirtschaftliche FrauÜberschrift vom Herausgeber

Zwei arme Leute, welche kein Geld hatten, auch wenig Kredit bei den Leuten, waren dennoch dem Trunk sehr ergeben und gingen oftmals miteinander zum Bier.

Es geschah auf eine Zeit, daß der Mann nicht anheim war, und die Frau wußte nicht, wie sie Bier bekommen sollte, fand also einen Rat und ging hin und verkaufte ihr Hemd für sechs Stüber und ging hernach hin und holte eine große Kanne Bier für das Geld, setzte die so lang in das Bett, bis ihr Mann zu Haus kam.

Wie sie nun im Bette lagen, kam den Mann ein heftiger Durst an, und er sagte zu der Frauen:»Ach Frau, ich habe einen solchen mächtigen Durst, ich verschmachte schier.«

Da kriegte die Frau die Kanne mit Bier hervor und sagte: »Mann, es gilt auch einmal.«

Er nahm die Kanne und tat einen guten Zug daraus, fragte hernach die Frau, wo sie das Bier bekommen.

Die Frau sagte: »Ich hab mein Hemd für sechs Stübers verkauft, dafür habe ich Bier geholet.«

Der Mann begann sich darüber zu freuen, preisete seine Frau und sagte: »Ach Frau, Ihr seid eine feine Haushälterin! Wie klüglich wisset Ihr ein Ding anzustellen!«

Vermeinten, es wäre besser, der Arsch leide Frost als der Hals Durst.

(259)

Die sieben SinneÜberschrift vom Herausgeber

Zu einem Priester kam ein Bauer, der wollte beichten, sagend, wie er sich gegen Gott und seinen Nächsten so schwerlich an seinen sieben Sinnen versündiget hätte.

»Wie«, sprach der Priester, »hast du sieben Sinne r Du irrest dich sehr, mein guter Freund: Sowohl die christliche Kirche als die Natur-Kündiger finden nicht mehr dann fünf Sinne.«

Da sagte der Bauer: »Herr, ich irre mich nicht, dann Ihr sollt wissen, daß ich ein Untervogt in diesem Dorf bin und zween Sinne mehr haben muß als ein gemeiner Bauer.«

Darüber der Priester ihn fragte, welches dann die übrigen zween Sinne wären, die er mehr hätte als ein gemeiner Bauer.

Da antwortete er, es wäre der Schlaf und der Müßiggang, denn er schliefe, wenn andere Bauren wachten, und wenn sie arbeiteten, so ginge er müßig.

(260)

Das Jüngste GerichtÜberschrift vom Herausgeber

Ein Bauersmann sah einsten das Jüngste Gericht in der Kirchen abgemalet. Hierzu kamen zween große Herren, die fragten, ob er wüßte, was das wäre.

»Ja, das Jüngste Gericht.«

Wie es ihm gefiele?

Daß er sehe, daß mehr große Herren als seinesgleichen Bauren zur Höllen fahren.

(261)

Ein PferdetauschÜberschrift vom Herausgeber

Auf eine andere Zeit kam ein Priester auf einem guten Pferd zu zweien Reitern, welche miteinander zum Unfrieden kamen, und der eine schoß dem andern sein Pferd zu Boden und rannte darüber davon.

Der andere aber bearbeitete sich, seinem Pferd wieder aufzuhelfen, band seine Pistolen ab. Der Priester sah ihm zu und hatte ein Mitleiden mit ihm.

Der Reiter bat ihn, er sollte ihm wieder helfen sein Pferd aufheben. Der gute Herr stieg ab und wollte auch sein Bestes tun.

Als aber der Reiter sah, daß alles umsonst wäre, nahm er seine Pistolen an den Arm, kehrte sich zu dem Priester und sprach: »Herr, ich bin ein Reiter, und ich soll reiten. Ihr aber seid ein Priester, und nach dem Text des Evangelii sollt Ihr gehen in alle Welt, zu predigen das heilige Evangelium.« Schwang sich damit auf des Priesters Pferd und rannte also davon. – Doch sagte er, daß er dem Priester sein Pferd nicht genommen, sondern nur mit ihm getauschet hätte, dann er demselbigen das seine, so mehr als des Priesters gekostet, hinterlassen.

(262)

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