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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 37
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Verfasser unbekannt

Curieuser Zeitvertreib
1693

Medicus und GeistlichkeitÜberschrift vom Herausgeber

Es war ein junger Medicus, welcher seine Patienten mit Fleiß lang aufhielt und hernach so fein sanft in die andere Welt sendete. Es begab sich, daß ihm einsmals in den Hundstagen sehr viel Leute starben und er dahero den Geistlichen ein ziemliches Geld zuschanzte, welches ihn dann verdroß, weil er, wie er sagte, diesen faulen Leuten feind war.

Und da sie einstens viel Leichen miteinander einzuscharren gingen, sprach er mit etwas entrüsteten Worten zu ihnen: »Die Herren haben eine gute Lese.«

»Ja, mein Herr«, gaben jene zur Antwort, »dem Himmel und Euch sei dafür gedankt.«

(238)

Der Esel und die SchülerÜberschrift vom Herausgeber

Als einsmals ein Bauer auf einem Esel vor der Schul vorbeiritt, eben zu der Zeit, da die Schüler aus der Klasse gingen, fing der Esel an zu schreien.

Da dies die Schüler hörten, sprachen sie zu ihm: »Du grober Flegel, kannst du das Tier nicht besser abrichten und ihn ein wenig Höflichkeit lehren? Leidest du, daß es einen solchen Lärmen machet, wenn es bei solcher Gesellschaft ist?«

»Ihr Herren«, antwortete ein alter Bürger, da er sah, daß der Bauer nichts zu sagen wußte, »der Esel ist so froh, so viel seiner Gesellen anzutreffen, daß er vor Freuden singt.«

(239)

In Auerbachs KellerÜberschrift vom Herausgeber

Zu Leipzig kam ein Bauer in Auerbachs Hof und sah sich gewaltig um, doch getrauete er sich nicht, in ein Gewölbe zu gehen. Deswegen rufte ihm ein Kaufdiener zu: »Kommt herein, Vater! Was wollt Ihr haben?«

Der Bauer ging hinein und fragte: »Was habt Ihr denn?« »Seht Ihr's nicht ?« antwortete der Kaufdiener: »Eselsköpfe.«

»Je mein«, sagte der Bauer, »Ihr müßt haben guten Abgang gehabt, sehe ich doch keinen mehr als Euren.«

(240)

Disput über SchädelÜberschrift vom Herausgeber

Ein Edelmann ritt mit seinem Diener bei einem Kirchhofe vorbei, allwo sie eine ziemliche Menge Hirn-Schädel liegen sahen.

Der Edelmann fragte den Diener, ob er auch den Unterschied wüßte zwischen den Köpfen der Edelleute und der Bürger oder Bauren.

Der Diener sagte, das könnte kein Mensch wissen, denn im Tode würden wir alle gleich.

»Nein«, sprach der Edelmann, »ich will dir's sagen: Die weißen Köpfe sind die Edelleute, die andern schwarzen und häßlichen aber die Unedlen.«

Nicht lange hernach kamen sie bei einem Galgen vorbei, da allerhand weiße Totenknochen lagen.

Da sprach der Knecht: »Mein Herr, sagt mir doch, sind diese auch alle Edelleute gewesen?«

(241)

Der schlafende KnechtÜberschrift vom Herausgeber

Da einsmals ein Herr zu Mittag auf seinem Meierhof spazierenging, fand er einen seiner Knechte schlafend unter einer Eichen liegen. Zu dem sprach er ganz zornig: »Du bist nicht wert, daß dich die Sonne anscheint.«

»Herr«, sprach der Knecht, »darum habe ich mich auch in den Schatten gelegt.«

(242)

Nicht zuständigÜberschrift vom Herausgeber

Ein Kavalier spazierte mit seiner Liebsten ins Tollhaus, darin die Wahnwitzigen und Narren verschlossen werden. Ehe er aber noch recht hineinkam, begegnete ihm eine Närrin, die fragte er, ob sie diese Dame, die er bei der Hand führte, wohl kennte.

»Nein«, sagte sie, »denn ich komme nicht aus dem Hurenhaus, sondern aus dem Tollhaus.«

(243)

Eine wahrhaftige EhebeichteÜberschrift vom Herausgeber

Paulwitz hatte ein ungetreues Weib, die ihm unstreitig Hörner aufsetzte. Allein sie wußte es so künstlich zu machen, daß der Mann auch nicht das geringste davon erfahren konnte. Endlich besann er sich auf diesen Possen, er wolle eine Kutte anziehen und sein eigen Weib Beichte hören, weil er wußte, daß sie sich dazu bereitet.

Als sie nun beichtete, bekannte sie, sie hätte einmal mit einem Edelknaben, mit einem Hofmanne und mit einem Mönche gebuhlet.

Der Mann ergrimmte über diese Beichte, gab sich zu erkennen und bedrohete Lucinam deswegen zur Strafe zu ziehen.

Sie erschrak zwar ein wenig, doch besann sie sich bald und sagte: »Lieber Mann, ich wußte wohl, daß Ihr es wäret: Darum habe ich mich vexieret. Und ist denn nicht alles wahr? Habe ich Euch nicht, als Ihr noch ein Edelknabe wäret, einmal geküsset? Und seid Ihr nicht der Hofmann und nun auch der Mönch, bei dem ich noch diese Nacht geschlafen?«

(244)

Prügel mit MaßenÜberschrift vom Herausgeber

Es redete einsmals ein Hutmacher einen Schneider in seiner Nachbarschaft an: »Gevatter, ich höre, daß Ihr Euer Weib seit Martini her sehr oft geprügelt habt.«

»Es ist wahr«, antwortete der Schneider, »ich gebe ihr je zuweilen Stöße. Allein ich will dadurch mein Fleisch nur bändig machen, denn Mann und Weib sind ja eins.«

»Aber hört, Nachbar«, sprach der Huter, »ich weiß wohl, daß man bisweilen die Weiber schlagen muß, aber man muß sie nicht gar zu Boden schlagen.«

»Bei meiner Treu, Gevatter«, versetzte der Schneider, »ich schlage meine Frau nur mit Maß, denn ich nehme allemal die Ellen dazu.«

(245)

Die Hilfe des BriefstellersÜberschrift vom Herausgeber

Es wollte einsmals ein junger Mensch, der nichts studieret hatte, seiner Liebsten einen Brief schreiben. Und weil er selbst keinen machen konnte, kaufte er sich ein Briefbuch. Und nachdem er lange Zeit in solchem Buche gelesen hatte, fand er einen Liebesbrief. Den schrieb er ab und schickte ihr denselben mit angehängtem Postscripto: »Sie antworte mir doch ehestens.«

Weil sie aber eben dieses Buch hatte und diesen Brief zusamt der Antwort darinnen fand, schrieb sie ihrem Aufwärter bloß mit diesen Worten zurück:

»Ich habe Seinen Brief wohl erhalten, mein Herr. Er kehre nur das Blatt um, da wird Er die Antwort finden.«

(246)

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