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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 36
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Verfasser unbekannt

Der kurzweilige Arlequin
1691

Die unglückliche Untersuchung

Ein Beichtvater kriegte eine Frau in den Beichtstuhl, die der Zauberei wegen verdächtig war, und fragte, ob sie nicht könne diese oder jene Krankheit vertreiben.

Sie antwortete: »Ach nein.«

Der Confessionarius forschte weiter: »Nun, könnet Ihr's etwa nicht mit Kräutern oder Salben, so werdet Ihr's etwa mit Wörtern verrichten können oder mit Kreuzen und Handstreichen.«

Sie leugnete aber alles, und je mehr er fragte, je fremder und unwissender sie sich stellte. Endlich sagte er, sie würde ja was davon wissen. Sie sollte doch nur einmal es für die Langeweile versuchen und sich so stellen, als wenn sie es sonsten machte. Sie sollte etwa die Hände so etliche oder dreimal kreuzweise auflegen und mit dem Maule so etwas heimlich reden: ‚Hülfe es denn nicht, so schadet es auch nicht viel‘. – Aber dieses Versuchen war alles umsonst, denn die Frau war unrecht angegeben und beschuldigt worden.

Nichtsdestoweniger, als sie nachgehends von ihren Nachbarn gefragt worden, ob sie nicht ein geschwindes Mittel hätte wider das Fieber und andere Krankheiten, hat sie es bejaht und begehret, sie sollten die Kranken herzubringen, sie wollte ihnen alsobald helfen, welches auch etliche Mal wohl angegangen, und hat sie ihrer viel von allerhand Krankheiten befreit, aber allzeit des Priesters Mienen nachgemacht, die Hände dreimal kreuzweise aufgeleget und dazu gemurmelt: »Hilft es nicht, so schadet es nicht.« Bis endlich die Sache aufgebracht und sie als eine Hexe gerichtlich eingezogen worden.

Sie hat sich aber bald auf den Beichtvater berufen, den man vorgefordert und gar auf die Folter gespannt. Allein er hat seine Unschuld dargetan, daß er, die Frau nur auszuforschen, dieses alles vorgebracht, nicht aber als Mittel, die Krankheit zu vertreiben. Auf diese Erkenntnis sind beide wieder loskommen.

(236)

Der bezahlte Apotheker

In einer gewissen Provinz, so nicht weit von derjenigen gelegen, in welcher der Streit unter den meisten Fürsten der Christenheit glücklich geendet worden, begab sich dieser artige Possen:

Ein Apotheker sah einen jungen Bauerskerl, der ziemlich einfältig schien, mit einem Häslein zu Markt gehen, solchen zu verkaufen, und sagte zu denen, die bei ihm waren: »Ihr Herren, ich muß diesem Bauren eins anmachen und sehen, wie ich das Häslein bekomme. Ich will Euch sagen, wie: Ich will ihn bereden, es sei eine Katze, und will mich hernach auf Euch berufen.«

Der Fund schien gut zu sein, und der Apotheker sagte zum Bauren: »Vater, wo tragt Ihr die Katze hin?«

»Wie?« antwortet der Bauertölpel. »Sehet Ihr dieses Häslein für eine Katze an?«

»Du albern Tropf«, sagte der andere, »willst du mich bereden, daß diese Katz ein Has sei? Wen meinst du wohl, daß du vor dir hast; Ich will mit dir wetten um so viel, als der beste Has wert ist, daß dieses eine Katze sei, und wir wollen jene Herren, die dorten beim großen Kreuz stehen, zu Richtern annehmen.«

Der Bauer zog seine fünf Sinne zu Rate, traute seinen Augen und ging die Wettung auf gemeldetes Beding ein. Er war aber ziemlich bestürzt, als diese Richter sagten, daß er verloren hätte. Sie bildeten ihm ein, es sei eine Katze, schickten ihn mit leeren Händen nach Haus und verzehrten den Hasen, da sie dann der dummen Einfalt des Bauren genug lachten und spotteten.

Wie der Bauer nach Haus kam, fragte ihn seine Frau, wie teuer er den Hasen verkauft und wo das Geld wäre, so er dafür bekommen.

Aber sie bekam Ohrfeigen zur Antwort, daß sie ihn dargesetzt und ihm eine Katze anstatt eines Hasen gegeben.

Der Streit ward endlich so hart, daß die Nachbarn zuliefen und genug zu tun hatten, sie voneinander zu bringen. Und mußte der Tölpel unrecht haben, welcher bekannte, daß ihn der Apotheker betrogen hätte, und erzählte, wie es hergangen.

Die Frau, so ziemlich verschlagen war, sagte, man müßte dem Apotheker auch eins anmachen, und bedachte sich auf einen andern Possen. Sie füllte ein kleines Fäßlein fast ganz voll Menschenkot und tat oben ungefähr eine Handbreit Honig darauf, welches ihr Mann zu dem Apotheker trug und fragte, ob er Honig kaufen wolle. Er wolle ihm denselben um einen billigen Preis lassen.

Sie wurden des Kaufs eins, und der Bauer ging mit seinem Geld fröhlich nach Haus, weil ihm sein Possen, so wohl angangen.

Als derselbe offenbar worden, wurde der Apotheker von seinen Mitbürgern ausgelacht, welche seiner spotteten und fragten, ob die Katze den Hasen gefressen und Honig geschissen hätte.

(237)

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