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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 34
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Mauritius Nattenhusanus

Homo Simplex et rectus
1701

Ein Weib vermeint, es soll alles nach ihrem Kopf gehen

Ich hoffe heut bei denen Weibern ein Ehr einzulegen, wie jener Prediger NB., welcher an dem heutigen heiligen Osterfest von Fried und Einigkeit geprediget. Unter anderen Ständen hat er auch von der Lieb und Einigkeit des heiligen Ehestandes gemeldet, diese Liebe aber und Einigkeit zwischen denen Eheleuten zu erhalten, müsse auch der Mann zuzeiten dem Weib etwas nachgeben, sie auch was gelten und nach ihrem Kopf hinaus gehen lassen (wie ich es auch rate). Diese Predigt gefiel den Weibern über die Maßen wohl, und regalierten diesen Prediger mit den schönsten Ostereiern.

Ein gewisses Weib aber, die mißbrauchte diese Höflichkeit und Diskretion dieses Predigers und wollte die Hosen gar haben, hudelte und kahlmäusete ihren Mann entsetzlich. Wenn der Simpel etwas sagte, rupfte sie ihm geschwind die Predigt herfür: »Hast* s nicht gehört, was der Prediger gesagt hat! Ei, nach meinem Kopf muß es hinausgehen. Der Prediger taugt für uns Weiber! Die anderen seind nur lauter Kahlmäuser; wenn sie nichts studieren, so beschnarchen sie die armen Weiber. Gelt, der Prediger kann's euch Männern recht sagen. Es bleibt dabei, nach meinem Kopf muß es gehen!«

Dieses Predigen und Pochen seines Weibs wurde dem guten Mann schier zu lang.

Einsmals, als es schon Zeit zum Essen war, das Weib aber nicht die Speisen wollte auftragen, sprach der Mann: »Weib, richt an, es ist Zeit!«

»Ist noch nicht Zeit«, sprach sie, »weiß schon, wann's Zeit ist, ich richt nach meinem Kopf an.« Als sie endlich zu dem Essen kamen, war die Suppen versalzen, das Fleisch nur halb gesotten, das Kraut verbrannt.

»Weib«, sprach der Mann, »was ist das für ein Kocherei: Die Suppen ist versalzen, das Fleisch nicht halb gesotten, das Kraut verbrannt.«

»Willst du nicht fressen, laß stehen!« sagt das Weib. »Ich koch's nach meinem Kopf, nach meinem Kopf muß es gehen.«

»Nun«, spricht der Mann, »so muß dann diese Kocherei als nach deinem Kopf gehen?«

»Ja«, sprach sie.

»Nun, so sei's«, nimmt darauf die Suppen, wirft sie ihr an den Kopf: »Es gehe dann die Suppen nach deinem Kopf, es gehe dann das Fleisch und Kraut nach deinem Kopf!«

Hier hat der Mann und das Weib den Prediger nicht recht verstanden; ich rede von keinen solchen Weibern, sondern von frommen...

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