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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 32
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Abraham a Santa Clara

Predigten
1707

Mit gleicher MünzÜberschrift vom Herausgeber

Die Welt bezahlt zuweilen auch mit gleicher Münz, und. ist solche Straf poena talionis genannt worden. Es wird erzählt von einem Bauren, welcher in der Stadt beim Wein sich also wohl befunden, daß er im Wirtshaus unter dem offnen Fenster ganz sanft eingeschlafen. Indem ist aber jäh ein Getümmel entstanden, von welchem der berauschte Bauer erwacht; und weilen der Kopf von gar zu schwerem Gewicht, ist er vom hohen Fenster hinabgefallen und hat gleich dazumalen einen vorübergehenden Menschen zu Tod geschlagen.

Wie solches der Freundschaft dieses Tropfes zu Ohren kommen, hat sie alsobald den unbehutsamen Bauren in starken Verhaft genommen und die Sach so weit durch einen Advokaten getrieben, daß er auch, dieser verübten Tat halber, sollte vom Leben zum Tod verurteilt werden.

Wie solches der Bauer von dem Gericht vernommen, hat er um Erlaubnis zu reden gebeten, sie auch unschwer erhalten. »Ihr Herren«, sprach er, »ich bin erbietig, auch zu sterben, weil ich dieses Menschen Tod ein Ursach bin gewesen, und begehr auch mit gleicher Münz gestraft zu werden: Wohlan denn, so tue sich dieser Advokat auch rauschig antrinken, schlaf unter dem hohen Fenster wie ich und falle gleichmäßig vom Fenster herab auf mich!«

Solches Anerbieten wollte dem Actori gar nit gefallen, ließ also den ungefähr erschlagnen Menschen ungerochen und nahm von dem gesamten Gericht nit ohne Gelächter den Abtritt.

(229)

Von einem EselÜberschrift vom Herausgeber

In einer vornehmen Stadt trieb einsmals ein Bauer einen wohlbeladenen Esel bei einem hochfürstlichen Hof vorbei. Weilen er aber das langohrige Tier mit so heftigen Streichen und Schlägen geplagt, also hat ein Kavalier von der Ritterstuben oder dem Hofsaal hinuntergeschrien und gegen den Bauren mit harten Worten verfahren, daß er so tyrannisch mit dem armen Tier umgehe.

Worauf der schlaue Bauer geantwortet: »Gnädiger Herr, verzeihet mir's, ich habe nit gewußt, daß mein Esel einen Befreundeten zu Hof habe, der sich seiner so eifrig werde annehmen.«

(230)

Ein Schulmeister soll schönes Wetter machen

Ein Schulmeister und zugleich Meßner (anderwärts nennet man's Küster) wollte sein Stück Brot vermehren oder verbessern, hielt demnach bei einem reichen Dorf an um ein solchen Dienst. Damit er aber desto leichter dazu gelangen möchte, gab er vor, daß er könne schönes oder Regenwetter machen, wie man's von ihm verlange.

Die Bauren waren in der Sach gar wohl zufrieden und schafften ihren Schulmeister ab und täten diesen annehmen. Wie aber nun eine geraume Zeit verflossen und dieser kein anderes Wetter gemacht, also kommen die Bauren zu ihm und beklagen sich, daß er seinem Versprechen nicht nachkomme.

Der gute Meßner entschuldigt sich höflich, daß sie sich derenthalben nie haben angemeldet und ihn derenthalben hätten angesprochen, sondern sie sollten sich untereinander vergleichen und ihm nur sagen, wie sie es haben wollten.

Die Bauren endlich erscheinen sämtlich; sie konnten aber derentwegen sich gar nicht vereinigen: Denn einer wollte wegen seines dürren Landes oder Erdreichs einen Regen, der andere aber, weil sein Acker in einem mossigenmoorigen Grund liegt, verlangte schönes Wetter. Dieser so, der andere anders wollte das Wetter haben.

Der Meßner sagte endlich: »Weil ihr euch nicht könnt vergleichen, so kann ich euch auch kein anderes Wetter machen.«

(231)

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