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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 31
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Ewigwährender Kalender
1670

Der beritten Bauer

Springinsfeld wurde einsmals vom Simplicissimo gar übel bekleidet angetroffen; derowegen nahm er ihn alter Kundschaft halber mit sich auf schien Hof, ihm alles Gute zu erweisen.

Unterwegs begegnet ihnen ein wohlberittener Bauer, der sagt zum Springinsfeld: »O Landsmann, du bedürftest wohl wieder einen guten Krieg, damit du wieder ein wenig zurecht kämest.« (Denn die Bauren können's nicht lassen, sich zu freuen und der Soldaten zu spotten, wenn es ihnen übel gehet.)

Aber Simplicissimus antwortet dem Bauren: »Mein Freund, wenn er nur ein kleines Krieglein hätte, so wäre es genug, dir wieder auf die Fuß zu helfen.«

(221)

Vergebliche Promessen

Ein reformierter Hauptmann, der selbst wenig übrig, gleichwohl aber, nicht weiß ich, aus was für einer Neigung, Simplicissimum gern um sich hatte, sagte einsmals zu ihm: »Wenn ich einmal ein großer Herr werde, so will ich dich zu meinem geheimen Rat machen.«

»Und ich«, antwortet Simplicissimus, »wenn ich Römischer Kaiser werde, so sollt Ihr meiner Trabanten Hauptmann sein.«

(222)

Das Pfaffenbissel

Er nahm einsmals im Lager vor Magdeburg einem Offizier, als er in seinem Kalbskleid vorm Tisch aufwartet und sich zugleich für einen kurzweiligen Rat gebrauchen ließ, ein gutes Stück vom Teller und sagte: »Das ist ein delikat Pfaffenbissel!«Und mit solchen Worten verschlang er's.

Der Offizier sagte: »Ja, das war's. Es ist aber schad, daß es in einen Narren kommen soll.«

»Das gedachte ich auch«, antwortet Simplicissimus, »denn eben darum nahm ich's, damit's dem Herrn nicht zuteil würde.«

(223)

Schafsdärm

Bei einer Soldatenhochzeit ward Simplicissimus zu Philippsburg zum Tanzen angemutet. – Er aber als einer, der sein Tage dem Tanzen nichts nachgefragt, sagte, es sei genug, daß er dem Kalbfell folgen müßte. Sollt er ererstam Ende auch den Schafsdärmen nachhüpfen?

(224)

Ungleich Paar

Ein alter Greis und eine junge Dirn gingen miteinander zur Kirchen, sich kopulieren zu lassen. Da sagte einer: »Simplicissimus, mein, was gedenket dies junge Blut?«

Er antwortet: »Sie gedenkt, sich bei bösen Nächten gute Tag zu schaffen und endlich um ein alten KeßlerKesselflicker ein neuen zu kaufen.«

Darauf sagte jener: »Der Hochzeiter ist aber so reich nicht.«

»So gedenkt sie«, sagt Simplicissimus, »ihn mit Hörnern zu ziern.«

»Was gedacht aber der Alte?« fragte jener wieder.

Simplicissimus antwortet: »An nichts wenigers als an solche Krönung.«

(225)

Leibsüberfluß

Simplicissimus und sein KnanVater wurden von einem jungen Bauerskerl, der ihm wegen seines Weibs verwandt war, erbeten, den Augenschein im Kinzger Tal von der Beschaffenheit einer reichen Tochter, die ermeld'ter Kerl zu heiraten gedacht war, einzunehmen.

Weil nun Simplicissimus und sein Knan solche Heirat für seinen Vetter für erwünscht hielten, brachte er soviel als das Jawort davon und lobte zu seiner Wiederkunft dem Vetter Hegel das Mensch über alle schwangre Bauren hinaus, verschwieg aber daneben, daß sie beides, einen Kropf und einen Buckel, hatte; ja er schwur noch dazu, daß sie ohn einige Leibsmängel sei.

Als nun der Hochzeiter beides, den Kropf und den Buckel, selbst sah, verwies er Simplicissimo, daß er ihm die Unwahrheit vorgebracht, indem er gesagt hätte, sie wäre ohne einige Leibsmängel, da er doch jetzt ein anders sehe.

»Du unverständiger Knopf«, antwortet Simplicissimus, »dies seind keine Leibsmängel, sondern Leibsüberfluß.«

(226)

Die drei besten Ding

Bei einer lustigen Gesellschaft wurde gefragt, was die besten Ding auf Erden wären; und als die Reihe an Simplicissimus kam, seine Meinung auch zu öffnen, sagte er: »Essen, trinken und schlafen; denn wenn uns deren eins entzogen würde, so war's um uns geschehen.«

Ihm hielt ein sogenannter Geistlicher Widerpart und wollte behaupten, das liebe Gebet sei besser und nötiger, als wodurch sich die Seel zu Gott erhebe und ihrem Ursprung nähere.

Dem antwortet Simplicissimus: »Ihr widersprecht mir zwar mit Worten, aber mit den Werken bezeuget Ihr, daß ich recht habe, sintemal Ihr mehr und lieber meine drei Stück übet als Beten, Fasten und Wachen.«

(227)

Ein Papierer

Simplicissimus hatte einen Wagen voll Lumpen samt dem Papierhändler von Bruchsal anderwärtshin zu convoiren. Derselbe vexierte ihn wegen seiner zerrissenen Kleider.

Ihm antwortet Simplicissimus: »Herr, wenn die Lumpen nicht das Ihrig täten, so hättet Ihr vielleicht auch keinen so köstlichen Mantel um.«

(228)

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