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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 27
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Verfasser unbekannt

Fasciculus Facetarium novissimarum
1670

Wie ein Wirt einen anderen prellteÜberschrift vom Herausgeber

Ein Wirt von Herborn reiste in seinen Geschäften über Land und kam unterwegs nach Friedberg, in der Wetterau gelegen, allwo er über Nacht blieb. Und begab sich daselbst in ein Wirtshaus, in welchem eben viel vornehme Gast eingekehret waren.

Als es nun Zeit war, daß man mit den Tellern klappern und den Pappenheimer schlagen oder essen wollte und allerhand Speisen aufgetragen wurden, fragte der Wirt diesen Herborner, ob er mit den anwesenden Herren zu Nacht essen wollte.

Da sprach er: »Mein Beutel vermag solches nicht zu bezahlen. Ich begehr nur ein Stücklein Fleisch und ein Hälbchen Wein, im übrigen bin ich schon zufrieden.«

Der Wirt aber nötigte ihn und sprach, er sollte nur mit am Tisch sitzen und essen, es würde nit viel machen, er wollte es bei ihm nit so genau suchen.

Der Herborner ließ sich erbieten, setzte sich mit zu Tisch, ließ sich's wohl schmecken, und nach geendeter Mahlzeit begab er sich zur Ruhe.

Als er nun des andern Tags mit dem frühesten wieder fort wollte, begehrte er vom Wirt, daß ihm die Zech gemacht würde.

Der Wirt nahm die Kreiden und rechnete ihm drei Kopfstück.

»Ei, behüte Gott, Herr Wirt«, sprach der Herborner, »ich hab's ja Euch gestern abends gesagt, daß ich kein Geld hätte. Warum habt Ihr mich also hart genötiget? Ich habe keineswegs wollen zu Tisch sitzen, sondern hab nur ein Stücklein Fleisch begehrt, ich kann so viel nicht zahlen.«

Der Wirt sagte: »Einmal, Ihr müßt mich bezahlen oder den Rock zurücklassen.«

Der Herborner sprach: »Herr Wirt, Ihr wisset vielleicht nicht, wer ich bin.«

Da fragte der Wirt: »Wer seid Ihr denn?«

Gab er zur Antwort: »Ich bin der Schinder von Herborn.«

Dessen erschrak der Wirt und sagte, er sollte nur schweigen und sich fortmachen, die Zech sollte ihm geschenkt sein, damit die vornehmen Herren, so mit ihm gespeiset, solches nicht höreten, denn er dadurch auf einen großen Stumpf laufen möchte.

Dessen war der Herborner wohl zufrieden und reiste ungezählt wiederum fort. – Allhier ist ein Schinder zu dem andern kommen.

(196)

Von einer reisenden PfandleiheÜberschrift vom Herausgeber

Ein Handwerksgesell reisete mit einem Juden von Heidelberg bis nach Frankfurt, bat den Juden, er möchte ihm doch einen Taler löhnen, denn er auf der Reise sich ganz ausgezehret hätte, er wollte ihm dafür den Mantel zum Unterpfand geben.

Der Jud gab ihm einen Taler und nahm den Mantel.

Als sie nun nach Frankfurt an das Tor kamen, gab jener dem Juden seinen Taler wieder und bedankte sich, daß er seinen Mantel, welcher ihm auf der Reise sehr beschwerlich gewesen, so weit hätte tragen wollen.

(197)

Schinder und RichterÜberschrift vom Herausgeber

Ein Schinder kam einsmals zu einem Juristen und sprach zu ihm: »Glück zu! Gott ehre das Handwerk!«

Hierüber ward der Doktor sehr zornig.

»Ja«, sprach der Schinder, »wir seind billig eines Handwerks, wiewohl wir eines Grads leichter und nicht so große Schinder seind als ihr Juristen, ob ihr gleich den Namen nit haben wollt. Denn wir schinden tote Tier, ihr aber lebendige Menschen.«

(198)

Die arme Frau und der eitle MüllerÜberschrift vom Herausgeber

Ein arme Frau kam vor eine Mühl und bat den Müller um Gottes willen um ein paar Hand voll Mehl, und als derselbe ihr solches versagte, hielt sie noch heftiger an, liebkoste ihn und strich ihm ein Federlein durch seinen Judasbart mit diesen Worten: Er wäre ja so ein lieber Mann als wie unser liebe Frau, er sollte ihr doch etwas geben.

Den Müller kitzelte dieses bis auf die kleinen Zehen hinab, er ging in die Mühle und gab ihr ein paar Handvoll, hätte aber auch gern wissen mögen, worin er denn unser lieben Frauen gleich wäre, fragte derohalben die Frau, die schon aus der Mühl auf dem Weg war, warum.

Die dann dieses mit ihm ausdingte, daß, wenn es ihn nicht verdrösse, sie es ihm sagen wollte. Weil er nun zufrieden war, sagte sie: »Gleich wie unser liebe Frau vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt eine Jungfrau geblieben, also ist ein Müller vor der Mühl, in der Mühl und nach oder hinter der Mühl ein Dieb – doch die redlichen davon ausgenommen.«

(199)

Da laßt sich Rat schaffenÜberschrift vom Herausgeber

Ein groß begüterter, aber zu der nächtlichen Arbeit ohnvermögender Edelmann spielte einstmals zur Abendzeit mit seiner Liebsten Karten.

Als nun die Frau fragte, was das Spiel gelten sollte, sprach der Junker: »Jegliches ein Dukaten.«

»Nun«, sagte die Frau, »mit Geld ist mir nichts gedient. Ich spiele um kein Geld, sondern wenn ich das Spiel gewinne, so sollt Ihr mich diese Nacht dreimal dafür liebhaben.«

Der Edelmann schüttelte den Kopf und sagte, er dürfte es auf solche Art nicht wagen.

Der Knecht stund hinter der Frauen, davon sie nichts wußte, und sagte zum Junker: »Mein Herr, wagt es nur getrost! Wenn Ihr's nur einmal tut, die andern zwei Gänge will ich schon für Ihn abnehmen.«

Hierüber ward die Frau ganz schamrot, damit der Junker diesmal der Hörner nicht gewahr wurde.

(200)

Der WiderrufÜberschrift vom Herausgeber

Auf einem Dorf, Niederscheld genannt, nicht weit von Dillenburg, war ein Müller, ein verzweifelter Bub. Als er auf eine Zeit ein Weib hatte ein Hur gescholten, ward er deswegen vor der Obrigkeit verklaget, vorgefordert und examiniert. Dieweil er aber wußte, daß Zeugen vorhanden, hat er es bekannt, doch gesagt, er hab es in Trunkenheit getan, wisse nichts Böses von ihr. Da nun die Frau gegenwärtig war und er den Widerruf tun sollt, sprach er also: »Daß ich hab gesagt, Ihr seid ein Hur, das ist wahr, daß Ihr aber ein ehrliche Frau seid, das muß ich sagen.«

(201)

Von der Süßigkeit der Liebe

Ein junger Gesell heiratet ein schönes Mädchen, deren Mutter allbereits mit Tod abgangen war. Als sie nun die erste Nacht mit ihrem Liebsten das Brautbett beschritten und den Krieg, welchen solche Verliebten anzufangen pflegen, vielmals versuchte und die Süßigkeit der Liebe mit Vergnügen empfunde, sprach sie zu ihrem Liebsten mit folgenden Seufzern: »Ach mein Schatz, ich glaube sicherlich, wenn es mein Vater meiner seligen Mutter so wohl gemacht als Ihr mir jetzo getan, sie würde hoffentlich so bald noch nicht gestorben sein.«

»O Närrin, schweig, damit es deine Schwestern nicht inne werden, sonsten möchten sie allzufrüh männern und diese Lust gleichfalls wie du erfahren wollen!«

(202)

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