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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 25
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Peter de Memel

Lustige Gesellschaft
1656-1700

Eine schmeichelhafte AntwortÜberschrift vom Herausgeber

Der Junker von Strip Stril kam zu Hamburg. Nach dem Essen ward diskutiert, ob es besser wäre, zornig oder lächerlich auszusehen.

Der erwähnte Junker sprach zu seinem Jungen: »Hans, wie sehe ich aus?«

Antwort: »Junker, als ein Löw.«

Junker: »Hast du Schelm dein Lebtag wohl ein Löwen gesehen?«

»Ja, Junker, weren det keene Löwen, dee uns hüüte bejegneten?«

Junker: »Du dummer Teufel, das waren Schafe.«

Hans: »Ja, Junker, so sehe Je ok ut.«

(181)

Auf der KanzelÜberschrift vom Herausgeber

Ein Priester Nikolaus war des Freitags zur Kindtaufen, das Bier hatte ihm wohl geschmecket, er ging des Sonnabends wieder hin.

Des Sonntags frühe kam der Küster, fragte, ob er läuten sollte.

Der Pastor: »Ritt dick de Düüwel, wat willst du lüen? Is et hüüte Sonndag?«

Küster: »Ja.«

Pastor: »Det glööwe ick nich, segge, dat de Schulte herkummt!«

Der kommt.

Pastor: »Is es hüüte Sonndag?«

Schulze: »Ja, Herre.«

Pastor: »Et is nich mäglich.«

Schulze: »Ja, Herre, den Friedag und gestern weren wi ja to Kinddoope.«

Pastor: »Det is wahr. Nu, Köster, lud weg, willt sehen, wo wi to kamen.«

Der Küster fing an zu läuten und zu singen, ein Gesang nach dem andern, bis auf den Glauben. Da hielt er stille, lief zum Pastorn und sprach: »Herre, Je mütt opstahn! Nu fang ick den Gloowen an.«

Pastor: »Ja ja, nu käme ick ok, fang man an!«

Der Küster fing den Glauben an und sang zwei Vers weg, hielt mit dem dritten ein, lief noch eins zum Pastor, sagte: »Herre, nu fang ick den letzten Vers an.«

Pastor: »Ja, nu käme ick ok.« Sprang aus dem Bette, zog die Pantoffeln an, hing den großen Schafpelz um, nahm die Hosen und das Evangelienbuch drunter und lief also nach der Kanzel; meinte, wenn das Vaterunser gebetet würde, da die Männer das Gesicht in die Hüte, das Frauenvolk aber gegen die Erde haben, wollte er die Hosen anziehen.

Er machte den Eingang und sagte: »Hierauf laßt uns ein Vaterunser beten.«

Nun hatte die Kanzel ganz oben noch ein klein Türchen, welches man nur in die Klinke tun konnte, war aber dieses Mal nicht in der Klinke, sondern nur angetan. Wie man nun das Vaterunser betete, wollte der Pastor die Hosen anziehen, lehnete sich an die Wand und stach den einen Fuß hinein, wollte sich nun wenden und den andern Fuß auch hineinstechen, kam aber im Umwenden mit dem Rücken an die Tür, so diesmal ihm unwissend nicht zugemacht war, und fiel mit den halben Hosen auf den Kopf die Treppen herunter.

(182)

Was das für zwei gewesenÜberschrift vom Herausgeber

Herr Alexander hatte das Evangelium von den zween Jüngern, die nach Emmaus gangen waren, welches Evangelium auf den Ostermontag fällt.

Nun trug sich's zu, daß, indem eine Frau in die Kirchen gehen wollte, zwei Fleischhauer kamen und die Frau fragten, ob sie Kälber zu verkaufen hätte. – Da dann die Frau eben ein Kalb zu verkaufen hatte, ging sie derowegen mit zu Hause und verkaufte ihnen ihr Kalb. Meinte hernach, es wäre noch Zeit zur Kirchen, und ging dahin.

Nun fragte und erklärte Herr Alexander den Text oder das Evangelium selber, in dem er nun bei den Worten »Was waren denn das für zwei, die mit nach Emmaus gangen waren?« ein wenig still hielt.

Da kam eben diese Frau in die Kirchtür, meinte, Herr Alexander fragte, was das für zwei gewesen, da sie mit heimgangen wäre. Sagte sie bald: »Herre, det weren zwei Fleischhauer, dee köfften mi een Kalw af.«

Herr Alexander aber verstund unrecht und sagte: »Et waß di de Düüwel up dienen Kopp! Es waren die zween Jünger Christi!«

(183)

Der Schüler aus dem ParadiesÜberschrift vom Herausgeber

Einer Bauersfrauen war ihr erster Mann gestorben. Sie hatte zum andern Mal wieder gefreiet, derselbe ander Mann war im Felde beim Pfluge.

Unterdessen kam ein Pädagogus oder Schüler, bat um ein Bissen Brot.

Die Frau fragte, wo er herkäme.

Er sagte: »Von Paris.«

Sie meinte: »Paradiese«

»Ja.«

»Wat maket mien erste Manne Kenne Je em?«

»Jawohl, er ist noch wohlauf, aber er hat nichts zu verzehren und ist übel bekleidet.«

»O kämet in, Je gode Fründ! Kenne Je mienen Mann?« Sie gab diesem Essen und Trinken und Zehrgeld und Kleider, für ihren Mann aber viel Geld, und ließ ihn gehen.

Der ander Mann kam zu Hause. Die Frau lief ihm mit Freuden entgegen, sagte: »Mann, ick hebbe Post gehabt von mienen ersten Mann.«

»Du hest dick den Düüwel!«

»Ja, Mann, hier was een Gades-Kind, dee kam ut 'n Paradies, dee kenne em wohl, dee säde, he hädde nichtes to vertähren. Ick hebbe em wat medeschicket.«

»Du hest dick den Düüwel schicket! Wo ging de Kerl hen?«

»Da nah den Holte.«

Der Mann nahm ein Pferd und ritt ihm nach. Der Schüler sah, daß ihm einer mit dem Pferd nacheilete, warf den Bündel übern Zaun und setzte sich von ferne nieder.

Der Mann kam geritten, fragte diesen, ob nicht einer mit einem Pack dahin gangen wäre.

Dieser sagte »ja«, er wäre allererst da übern Zaun gestiegen, würde nicht weit sein.

Nun konnte der Mann mit dem Pferde nicht übern Zaun kommen, bat derowegen diesen, daß er ihm das Pferd ein wenig halten möchte.

Das geschah. Wie nun der Mann über den Zaun gestiegen war und ins Holz ging, unter solchem suchte der Schüler seinen Beutel wieder, setzte sich aufs Pferd und ritt also nach dem Paradies zu.

Der Mann kam wieder, war sein Pferd auch losgeworden.

Die Frau sprach: »Wo hefft Je Juu Perd latens«

»Ei, ick sach, det de Gades-Mann mit dem Pack nich fortkamen kunnte. Darum gaff ick em det Perd mit.« – Er durfte nicht sagen, daß er auch betrogen wäre.

(184)

Der Pfaff auf dem EselÜberschrift vom Herausgeber

Ein Pfaff wurde einsmals berufen, zu einem Kranken ins nächste Dorf oder Flecken zu kommen. Nachdem er sich nun auf den Weg machte und unterwegs über ein Wasser mußte, kam er dahin und sah, daß der Steg, darüber man gehen mußte, abgeworfen war, wurde aber in selbiger Gegend eines Müllers ansichtig, welcher einen Esel bei sich hatte. Denselben bat er, daß er ihm doch seinen Esel leihen möchte, damit er durchs Wasser reiten könnte.

Der Müller gab ihm zur Antwort, seinem Esel wäre nicht gar wohl zu trauen, er wollte ihm solchen sonst gerne leihen.

Der Pfaff hielt inständig an, daß er ihm damit willfahren wollte, welches der Müller geschehen ließ.

Nachdem nun der Pfaff aufsaß und durch das Wasser hindurch kam, fing der Esel an, nach seiner Gewohnheit in vollem Currier zu laufen, denn die Mühle nicht weit davon war.

Als nun der Pfaff so spornstreichs durch das Dorf, dahin er kommen sollte, ritt, denn er den Esel nicht aufhalten konnte, riefen ihm die Leute zu: »Herrchen, hierher, hierher! Wo wollt ihr 'naus?«

»Oh«, sagte der Pfaff, »das weiß Gott und der Esel.«

(185)

Die große WurstÜberschrift vom Herausgeber

Eine Bauersfrau lag krank, und niemand konnte ihr sagen, was sie für eine Schwachheit hätte. Ihr Mann, der Bauer, sagte, sie sollt ihr Wasser fangen, er wolle solches zum Doktor tragen und vernehmen, was eigentlich ihre Beschwerung sei.

Als er nun zum Doktor kam, saß er eben über der Mahlzeit. Der Doktor ließ ihn vor sich kommen. Der Bauer sagte: »Guten Tag, Herr Doktor, ich komme von Eche und bring meiner Frauen ihre Seche.«

»Es ist gut«, sprach der Doktor, »geht sitzen, ich soll Euch bald abfertigen.« – Über eine Weile fragt ihn der Doktor: »Wie steht's denn mit Eurem Weibe? Hat sie auch heut, ehe Ihr weggangen, ein Stuhlgang gehabt?«

»Auweh, ja«, sagte der Bauer, »daran fehlet's ihr nicht. Denn kurz zuvor, ehe ich wegging, schiß sie einen Dreck, der gern so groß und dick war als des Herrn Doktors Wurst, so in der Schüssel lieget.« »Die esset«, sagt der Doktor und gab ihm die Wurst.

(186)

Eine merkwürdige StrafeÜberschrift vom Herausgeber

Ein ehrbarer Mann heiratete ein schönes junges Weib, welches er dermaßen liebte, daß er vielmals in Gesellschaften sich herausließ und sagte, er wollte ehender das Leben lassen als gestatten, daß sie ein anderer in Unehren berühren sollte.

Als er nun einsmals mit ihr über Feld ging oder reiste und durch einen Wald mußte, begegnete ihnen ein Reiter, welcher ihn hart anfiel und sagte, er sollte sein Pferd und Mantel halten, er müßte bei seiner Frauen schlafen.

Der gute Mann mußte solches aus Zwang verwilligen.

Als nun der Reiter seine Leichtfertigkeit vollbracht und wieder aufsein Pferd saß und davonritt, fragte das Weib ihren Mann, wie er doch habe können zusehen, was der Reiter mit ihr verübet, und ihr nicht sei zu Hilf kommen.

Da sprach er: »Schweig still, mein liebes Weib, ich hab ihm schon auch einen Possen gerissen. Ich habe ihm heimlich das Futter in seinem Mantel alles zerschnitten. Er wird den Schaden schon finden, wenn er nach Haus kommt.«

Ist wohl bezahlt.

(187)

Das ersehnte PfeifenÜberschrift vom Herausgeber

Ein gelehrter Mann war jedesmal gar emsig über seinen Büchern. Der hatte ein schönes, rasches, junges Weibchen, welches unterweilen gerne wäre geliebt gewesen; gab dannenhero ihrem Herrn hierzu unterschiedliche Mal Anlaß, indem sie öfters kam und ihn auf allerhand Arten liebkosete, den Bart kraute und seine Haar strich.

Der Herr aber, welcher schon ziemlich bei Jahren, wollte solches gar nicht verstehen, sondern sprach zu ihr: »Junge Frau, mein, lasset mich doch jetzo ungehindert! Wenn ich Euer werde vonnöten haben, will ich schon pfeifen.«

Als es aber dem guten Weibchen allzulang wurde, ehe ihr Herr pfiff, kam sie vielmals gelaufen und sagte: »Herr, was wäre Euch lieb? Gelt, Ihr habt, gepfiffen?.«

Der Mann war hierüber ganz unwillig und sagte: »Ihr irrt Euch. Ich habe an kein Pfeifen gedacht, geschweige, daß ich sollte gepfiffen haben.«

Als aber ihr Herr mit dem Pfeifen gar zu lang innehielt, kam sie einsmals und sagte: »Herr, wenn Ihr nicht pfeifen wollt, so hat der Schneider unten in der Küchen schon das Maul gespitzt und will pfeifen.«

(188)

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