Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 23
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
Schließen

Navigation:

Georg Philipp Harsdörffer

Artis apophthegmaticae continuatio
1656

Manier

Eine Jungfrau fragte einen Märleinträger, was er Neues habe.

Er sagte: »Nichts anderes, als daß man den Jungfrauen, welche kleine Mäuler haben, jeder zween Männer geben will.«

»Ist das möglich?« sagte die Jungfrau und zog den Mund ein, ferner fragend: »Was wird man aber denen tun, die große Mäuler haben?«

»Man wird ihnen«, sprach der Befragte, »drei Männer geben.«

Da sperrte sie den Mund mit einem großen Gelächter auf.

(172)

Stärke und List

Unlängsten ist der lange Bauer zu Calw gestorben, welcher ein solche Stärke gehabt, daß er allein einen Eimer Weins auf einen Wagen heben konnte. Hat auch manchem parlierenden Reiter seine Faust zu versuchen geben.

Im Jahre 33 hat ihn ein schwedischer Reiter bei Calw in der Staig angetroffen und mit Gewalt Geld von ihm haben wollen. Weil er sich aber anfänglich entschuldiget, daß er keines bei sich hab, und doch endlich bekannt, er hätt etwas Geld bei sich versteckt, mußte er alle seine Kleider ausziehen und schämete sich, solches auf offener Straßen zu tun. Da bat er ihn, er sollt nur mit ihm ein wenig in den Wald hineinreiten.

So ließ sich der Reiter bereden, folgte ihm und vermeinte, ein gute Beut bei ihm zu erhaschen. Der Bauer suchte in den Kleidern, zeucht endlich sein Säckel hervor und reicht ihn dem Reiter dar. Alsbald aber der Reiter danach greift, so erwischt ihn der Bauer bei dem Arm, reißt ihn vom Pferd herunter, und nachdem er ihn allerorten, wo er es seines Erachtens bedurft, genug abgeschmiert, läßt er ihn endlich liegen, sitzt aufs Reiters Pferd und reitet damit auf die Heimat zu.

Eben dieser Bauer war in seiner Jugend ein eifriger Liebhaber der Bauren-Mägdlein, wie er denn so guten Kredit bei ihnen gehabt, daß er sieben nacheinander die Gürtel zu eng gemacht. Weilen aber die Sache anfing, lautbar zu werden, und er samt solchen sieben Hetzen nach Stuttgart vors Ehegericht beschieden wurde, hat er sein Reis' mit ihnen sämtlich auf eine Zeit angestellt, unterwegs eine nach der andern auf eine Seiten geführt und ihr unvermerkt zugesprochen, sie sollte vor dem Ehegericht nichts wider ihn klagen und ihn in kein Unglück bringen, so wollt er sie nach diesem Handel alsbald ehelichen und zur Kirchen führen.

Mit diesem war ein jede wohl zufrieden, und begehrte oder klagte vor dem Ehegericht keine wider ihn. Weil er aber auf solche Manier vor dem Ehegericht für frei und ledig gesprochen worden, so hat er hernach einer so viel als der andern gehalten.

(173)

Gegenlist

Ein Bauer fragte einen Goldschmied, was er ihm für ein Stück Goldes einer Hand groß geben wollte. Der Goldschmied vermeinte, daß er dergleichen habe, ließ ihm zu essen und zu trinken vorsetzen und gab ihm viel guter Worte.

Endlich sagte der Bauer auf Befragen, er wollte ihm ein solches Stück Goldes verkaufen, wann er etwan eines finden werde.

Der Goldschmied sah sich betrogen und fragte, was ein Fuder Rüben koste.

Der Bauer sagt, das Hundert gelte vier Groschen.

»Wohl«, versetzte er, »so bringt mir eins!«

Der Bauer verstand ,ein Fuder', und als er solches gebracht, nahm der Goldschmied hundert, so viel er zu bringen begehrt, und scherzte also den Bauren mit solcher Gegenlist.

(174)

Gleiches mit gleichem

Ein Goldschmied hatte einen Gesellen und suchte Ursach, ihm. Urlaub zu geben, weil er wenig zu arbeiten hatte und doch solches nicht gerne sagen wollte. Es fügte sich nun, daß eine fremde Katz durch das Haus lief, und der Meister sagte, daß es ein Künnlein oder Kaninchen gewesen.

Der Gesell sagte, daß es eine Katz gewesen.

Der Meister sprach: »Du mußt mir gestehen, daß ich recht habe, oder mußt mir diese Stund aus dem Hause.«

Der Gesell antwortete: »Es kann sein, daß ich die Katz für ein Kaninchen angesehen habe.«

Als nachgehender Zeit die Arbeit nötig worden, sah der Gesell einen Bauren einen Esel durch die Gassen treiben und sprach: »Schauet doch das schöne Maultier!«

Der Meister sagte, daß es eine Eselin und kein Maultier.

Der Gesell wollte sich rächen und versetzte: »Meister, Ihr müßt mir gestehen, daß es ein Maultier, oder ich gehe diese Stunde aus der Arbeit.«

Der Meister sagte endlich: »Es kann sein, daß es ein Maultier ist«, weil er des Gesellens vonnöten hatte.

(175)

 << Kapitel 22  Kapitel 24 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.