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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 22
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Johann Talitz von Lichtensee

Kurzweiliger Reisegespan
1645

Wie zwei Soldaten mit einem Priester um Geld betenÜberschrift vom Herausgeber

Stehlen halten etliche für ein Kunst, wie bei den Zigeunern zu sehen. Man stiehlt auch unter vielen Praetexten und Schein. Man gibt ihm. auch viel andere Namen und Titel. Zwar bei den kleinen Dieben heißt es gemeinlich stehlen, wie dieselbigen auch gemeinlicher gehenkt werden denn die großen, sonderlich wenn sie es am besten können. Aber bei den großen heißet es das Messer brauchen, trucken, klemmen, unter den Arm nehmen wie der Normanier den Apfel, eins über ein Äug geben, kniepen, scheren und dergleichen. Eine andere Manier aber ist das jetzige alamodische edelmännische und soldatische Stehlen, das denn auch seine sonderbaren Ehrennamen hat als holen, beuten, tauschen, abspannen, sich muntieren oder berittenmachen, absetzen, mitteilen und dergleichen, wie folgende Historien melden:

Als ein Priester während dieser Reichsunruhe ein ansehnlich Geld empfangen, welches zween Soldaten ausgekundschaftet und ihm auf dem Weg, da sie wußten, daß der Priester fürzureisen hatte, aufgewartet. Als nun das gute Herrlein zu ihnen kam, sprachen sie denselbigen um eine Reiterzehrung an.

Der gehub sich sehr arm, daß er ohne Geld und ihnen nichts zu geben hätte.

Darüber sprach der eine Soldat: »Ei, wie seind dann drei arme Teufel zusammen kommen, da keiner was hat. Aber mein Rat wäre, daß wir hie in weitem Feld niederknien sollten, Gott den Herrn zu bitten, daß er uns doch etwas bescheren wolle. Und dieweil wir Soldaten arme Sünder und unser Herrgott uns vielleicht schwerlich erhören möchte, wird er doch ungezweifelt diesen frommen Priester erhören.«

Der Rat gefiel dem andern Soldaten auch, derowegen knieten sie nieder, nahmen den Priester zwischen sich in die Mitten und beteten alle drei ein Weil miteinander. Nachmain sprach der ein Soldat zu dem andern: »Bruder, ist dir noch nichts zukommen?«

Er sucht in seinen Hosen und sprach: »Nein.« Da wandte er sich zu dem Priester und sprach: »Herr, ist Euch was zukommen?«

Als der Herr ein Weil gesucht, sprach er auch: »Nein.« Darauf sagt der Soldat: »Nun wohlan, so wollen wir noch einmal beten, denn manchesmal wird an einer Tür geklopft und ihm nit alsobald zum erstenmal aufgetan. Darum, lieber Herr, betet fein tapfer! Es wird das meiste Teil an Euch gelegen sein, und ich weiß, Gott wird uns durch Euch erhören.«

Auf solches huben sie wieder an zu beten, und da sie ein Weil also gebetet, fragt der Soldat seinen Bruder wie auch den geistlichen Herrn, ob ihnen was zukommen sei. Und nachdem sie gesucht, sprachen sie: »Nein.« Darauf der Soldat sagt: »Es ist unmöglich, daß uns Gott nicht was bescheret habe, ihr wollt mir sonst die Sachen verleugnen. Laßt mich selbsten in euern Säcken suchen, denn ich eigentlich getraue, unser Herrgott habe dieses frommen Priesters Gebet erhöret.« Darauf ersuchet er seinen Mitgesellen, fand nichts, hernach den Priester, bei welchem er das Geld fand. Derowegen mit Unwillen, wie er dergleichen täte, zu demselben sprach: »Wie, mein lieber Herr, wolltet Ihr uns dasjenige, so uns Gott miteinander zugeschicket, verschwiegen haben? Wahrlich, es wäre nicht ein Wunder, wenn wir Euch schon kein Teil davon gäben. Aber weil wir erkennen, daß durch Euer Gebet uns dies Glück zugestanden, so wollen wir doch getreulich mit Euch teilen.« Damit macht der Soldat aus dem Geld drei Teile, gab einen dem Priester, seinem Mitbruder den andern, er aber nahm den dritten und sagte zu dem Priester: »Ziehet hin mit Gott, lieber Herr! Jetzt habt Ihr Geld, hat mein Bruder Geld und hab ich Geld, und da wir zusammen kamen, hatte keiner nichts.«

Also hatten sie redlich mit ihm geteilt.

(159)

Ein Bauer wollte die Soldaten aus dem Haus beten

Es sind auch die Soldaten gottesfürchtig, denn sie beten schier täglich das welsche Paternoster mit den großen Korallen.

Unlängsten lagen etliche Soldaten in Württemberg, die waren einem Hausvater sehr beschwerlich, und der gute Mann betet zu Gott Tag und Nacht, er wolle ihm doch die schwere Bürd und die verruchten Soldaten von dem Hals und aus dem Haus nehmen. Als aber sein Gebet nichts half und er besorgt, er würde auf diese Form nicht erhöret, betet er ein andern Weg, also sprechend: »Ach mein Herrgott und Schöpfer, dieweil du mein Gebet zweifelsohne meiner Sünden halben nit erhören willst, so bitte ich dich, du wollest doch der Soldaten alltägliches und stündliches Gebet oder Fluchen erhören!« Damit verhoffte er entledigt zu werden.

Wieso? Der Soldaten täglich Gebet war anders nicht dann »Hol mich der Teufel! Verblind, verlahm ich, sterb ich des jähen Todes! Komm ich nicht lebendig da hinweg! Schlag mich der Hagel, der Donner!« usw. Hiermit nicht zu bezweifeln, wenn unser Herrgott der Soldaten Wunsch und Gebet erhöret, der Bauer oder Hausvater wäre ihrer abkommen.

(160)

Ein Richter wird von silbernen Kürassieren überwunden

Ein Richter oder Bürgermeister hatte einen wichtigen Ausspruch zwischen zweien wohlhablichen Kaufleuten zu tun. Der eine kam zu ihm und bat, er sollte den nachgehenden Tag das Urteil zu seinem FavorVorteil fällen. Darum wollte er ihm eine ansehnliche Verehrung tun.

Der Richter aber wollt ihm nichts versprechen.

Da sprach der Kaufmann: »Herr Richter, so Ihr das Urteil für und nicht wider mich fället, will ich Euch alsobald hundert Reichstaler in specie liefern.«

Da aber der Richter noch nicht eingewilliget, sondern zwischen Ja und Nein stund, nahm der Kaufmann die hundert Reichstaler und schüttet sie dem Richter auf den Tisch. Und sie waren alle eines Schlags, nämlich auf einer Seiten ein Adler und auf der anderen ein gewappneter Mann.

Da nun der Richter solche ein Weil ansah, sprach er: »Quis potest resistere tot armatis? Wer kann so viel gewappneten Männern widerstehen;« Hiermit ergab er sich, denn er ward mit diesen Gewappneten überwunden und fället das Urteil nach des Kaufmanns Willen.

Ist kein Wunder, wenn hundert Gewaffnete wider einen Unbewehrten.

Wo man mit silbernen Kugeln schießt, da ist ein Festung bald gewonnen.

Wenn man groß Fisch will fangen, so muß die Angel stark sein und ein rechte Größe haben. Man muß auch acht haben, was sie gern essen. Davon muß man ihnen ein Aas machen.

(161)

Ein Bauer kam des Bürgermeisters Befehl lächerlich nach

Im Schwabenland in einer Stadt hat ein voller Bauer ein wildes Getümmel auf der Gassen gemacht, und der Bürgermeister ließ ihm durch den Schergen anzeigen, er sollte die Gassen räumen.

Der Bauer nahm sein Pferd, so er im Wirtshaus hatte, setzt sich darauf und ritt in allen Gassen herum, hielt ein Stecken in Händen und mahnet damit männiglichen ab den Gassen, vermeldend, daß solches des Bürgermeisters Befehl wäre.

Als nun niemand wußte, was solches zu bedeuten hatte, und es dem Bürgermeister zu Ohren kam, fordert er den Bauren, filzt ihn aus und wollt wissen, was er gemacht hätte.

Der Bauer sagt, wie ihm sein, des Herrn Bürgermeisters, Weisheit Selbsten befohlen, die Gassen zu räumen, das hätt er besten Fleißes verrichtet.

Der Bürgermeister ward zornig und sagt ihm, er soll sich aus dem Staub machen, oder er will ihn lassen einsperren.

Damit nun der Bauer sich aus dem Staub machte, lief er hin, sprang in ein Brunnen und fing darin ein solch Geschrei an, daß männiglich hinzulief und des Narren lachte.

Da solches der Bürgermeister vernahm, ließ er ihn fragen, was er doch damit meinte.

Da antwortet er, dieweil ihm der Bürgermeister befohlen, er sollt sich aus dem Staub machen, hätt er gedacht, nirgends minder in dem Staub zu sein als eben im Wasser.

Auf solches ward ihm geboten, er soll sich nicht mehr sehen lassen.

Da ging er hin, ließ sich in ein groß Faß einschließen, sich ein paar Schlegel in die Hand geben, das Faß auf einen Wagen legen und in der Stadt herumführen. Darin hatt er ein solch Getümmel, daß männiglich zu eng in den Häusern ward.

Abermals ließ ihn der Bürgermeister herfordern und fragt ihn, was er damit meinte.

Da antwortet er, man hätte ihm befohlen, er sollt sich nicht sehen lassen. Das hätte er getan, und er meinet, ihn hätte niemand gesehen, alldieweil er in dem Faß gewesen.

Da sprach der Bürgermeister ganz zornig zu ihm, er sollte nunmehr sein Schalkheit unterwegen lassen und nicht wieder in die Stadt kommen, sonsten wollte er ihn seinem Verdienen nach abstrafen.

Der Bauer setzt sich abermals aufsein Pferd, ritt in der Stadt herum und sang und johlte nach seinem Gefallen.

Auf solches ließ ihn der Bürgermeister fangen und vor sich bringen. Zu dem sprach er: »Du schalkhafter Mann, was hab ich dir letztlich befohlene Weißt du es nicht mehr?«

Er aber sagt: »Herr, ich weiß es gar wohl: Ihr habt mir befohlen, ich soll nicht wieder in die Stadt kommen. So bin ich ja gehorsam gewesen: Ich bin nicht wieder in die Stadt kommen, denn ich war zuvor hier.«

Aber der Bürgermeister kehret sich nicht mehr an sein Verantwortung, ließ ihn drei Tage und Nächte einsperren, ihm nichts geben denn Wasser und Brot, ihn nachmalen zu der Stadt hinausführen, da er dann den Weg nach Haus gar bald fand.

Gottes Barmherzigkeit und der Bauren Schalkheit ist unerforschlich.

(162)

Ein Bauer weist der Obrigkeit den rechten Weg

Man sagt von einem Bauren, daß, da derselbige einmal in seinen Weinreben gearbeitet, seien etliche vornehme Herren und Häupter seiner Obrigkeit bei ihm vorbeigeritten und hätten, als sie ihn gegrüßet, beinebend gefragt, ob sie auf dem rechten Weg an diesen oder jenen Ort wären.

Da habe er gesagt: »Nein.«

Darüber habe der vornehmste dieser Gesellschaft gesagt: »Wie sollen wir denn der Sach tun? Müssen wir wiederum hinter uns reiten?«

»Nein«, sprach der Bauer, »reitet nicht hinter Euch, Ihr Herren, denn solches war gefährlich. Aber wendet die Pferd um und reitet wiederum vor Euch bis an diesen oder jenen Weg.«

Der Herr spüret heraus, daß der Bauer ein rechter Spötter war, fraget ihn deshalben weiter, sprechend: »Wieviel Wein hast du das verschieden Jahr gemacht?«

Er antwortet: »Mein groß Faß voll.«

»Wieviel«, sprach der Herr, »gehet in das groß Faß?«

Er antwortete: »So viel, bis es voll ist.«

Der Herr ward unwillig und sprach: »Gesell, Gesell, wenn du in unsere Stadt kämest, wir dürften dir -wohl den Wein verehren.«

Er aber sagte: »Nein, nein, lieber Herr, es ist nicht vonnöten, mir den Wein zu verehren, weil mein groß Faß voll ist.«

Damit schieden sie voneinander.

Fromme Obrigkeit ziehet verschlagene Untertanen.

(163)

Kapuziner dürfen kein Geld tragen

Ein possierlicher Edelmann ging mit zweien Kapuzinern über Feld, und es war den Tag zuvor ein groß Gewässer gewesen, welches etliche Brücken und Stege hinweg genommen. Und als sie zu einem Bach kamen, da auch weder Brück noch Steg vorhanden, also daß man durchwaten mußte, war der Edelmann unwillig, da er mit schönen seidenen Kleidern und Strümpfen angetan war. Aber einer unter diesen Brüdern bot sich an, ihn durchzutragen. Das nahm der Junker an und setzt sich auf den Bruder.

Als sie nun mitten in den Bach kommen, fragt der Bruder den Junker, ob er auch Geld bei sich hätte.

Der antwortet: »Ja freilich.«

»O wehe«, sprach der Bruder, »ich darf kein Geld tragen, denn es ist wider mein Regel.« Damit warf er den Junker mitten in den Bach. Der zappelt aber fein hinaus.

Gott gesegne ihm das Bad.

(164)

Ein Diener vergilt seinem Herrn den Geiz

Ein Herr war so karg oder klug, daß er seinen Dienern den Wein gar stark wässerte. Und wenn er ihnen noch dazu die Zahn hätte ausreißen können, damit sie desto minder äßen, hätte er es nicht gespart.

Eines Tages, als einer seiner Diener sehr tröstlich aß und ihm seine Mühle unter der Nasen ganz geschwind ging, sprach er zu demselbigen: »Landsmann, wann wird dein Mühle auch einmal stillstehen?«

Der antwortet: »Herr, diese Mühle wird so bald nit stillstehen, denn Ihr laßt ihr kein Mangel an Wasser.«

Der Herr mocht es wohl merken.

Wer einem geizigen Herrn dienet, der hat davon größer Beschwernis denn vom Zahnwehe. Guter Lohn, getreuer Diener: Gute Präsents machen andächtig Priester.

(165)

Ein Gast soll den Geschmack bezahlen

An einem Abend spät kam ein Reisender in ein Wirtshaus, welches so voller Gast war, daß er nicht zu dem Tisch konnte, deswegen auch nichts zu essen übrig fand, mußte er selbige Nacht ungegessen bleiben.

Da es nun Tag worden war, nahm er Urlaub von dem Wirt und wollt damit fortgezogen sein. Aber der Wirt hielt ihn auf und sprach zu ihm: »Wie, wolltest du hinziehen und mir nichts geben?«

Der Gast saget zu ihm: »Was soll ich dir geben, so ich doch von dem Deinigen nichts gessen hab?«

»Holla, holla«, sprach der Wirt, »hast du deinen Hunger nicht gestillet von dem überflüssigen Geschmack so vieler Speisen?«

»Ja, wahrlich, du hast recht«, sagt der Gast, zog hiermit einen Dukaten aus dem Säckel – denn er stellet sich, als ob er keine Münze hätte – und warf ihn auf den Tisch, den Wirt fragend, ob der Dukaten gut war.

Der Wirt sprach, ihn gedünkte, er hätte ein guten Ton.

Da nahm der Gast sein Dukaten wieder und sagt dem Wirt: »So nimm denn hin den Ton dieses guten Dukaten um den vielfaltigen Geschmack deiner guten Speisen!« Und zog damit davon.

Wohl bezahlt.

(166)

Wirtin und Gast wollten der Zech nicht warten

Ein Gartknecht oder Landstreicher setzt sich dorten in die Zech, und als die Wirtin von einem jeden das Geld aufnahm, kam sie auch zu dem Gartknecht.

Da sprach er zu ihr: »Frau Wirtin, wie wollt Ihr der Sach tun? Ich hab kein Geld, Ihr müsset mir warten, so will ich Euch bezahlen.«

Sie sprach, sie könnte nicht warten, müßte das Geld haben und wollte bezahlt sein.

Der Gartknecht stund auf und fragte die Wirtin, ob sie auf ihn doch gar nicht warten wollte.

»Nein, gar nicht«, sagt sie.

»Wohlan«, sprach er, »wenn Ihr denn gar nicht warten wollet, so will ich auch nicht warten.« Damit sprang er die Stiegen hinab und macht sich davon.

Wie lang er gelaufen, mag ich nicht wissen, aber das weiß ich, daß die Wirtin lang gewartet, ob sie schon gesagt, sie wolle gar nicht warten.

Ist sie nicht tot, so wartet sie noch.

(167)

Des Goldschmieds jung macht schier zween taub

Ein Goldschmied zu N. hatte Anno 1618 einen Lehrjungen mit Namen Vestel (sonst Sylvester), ein Ausbund eines Schalks. Zu diesem kommt auf ein Zeit ein grober bayerischer Bauer mit etlichen Loten Bruchsilbers, der sprach zu ihm mit sehr lauter und starker Stimme: »Mein Jung, wo ist der Herr?«

Der Jung verwundert sich des Schreiens und sagt: »Was begehrest du des Herrn?«

Der antwortet: »Ich wollt ihm dies Silber zu kaufen geben.«

Da sprach der Jung: »Ei, mein lieber Bauer, ich sorg, du könnest nicht mit dem Herrn reden, denn er hört sehr übel, und du müßtest sehr laut schreien.«

»Ei, laß mir ihn hergehen«, sagt der Bauer, »ich will das Maul schon auftun.«

Da ging der schalkhaftige Jung hinauf und sagt dem Herrn, wie daß ein Bauer vor dem Laden sei, so etliche Lot Silber zu verkaufen hätte, jedoch so hörte derselbige gar übel, müßte deswegen der Herr laut mit ihm reden.

Der Herr glaubt dem Jungen, geht hinab, will dem Bauren das Silber abkaufen, hebt ganz laut an zu schreien. Der Bauer aber noch viel mehr, also daß die Nachbarn allenthalben zu Läden und Fenstern ausschauten, teils auch herzuliefen, denn sie vermeinten nicht anders, denn diese zween haderten miteinander.

Da solches der Goldschmied sah, ward er zornig und sprach zum Bauren: »Ei, wie schreist du so greulich, du Narr? Meinst, daß ich so übel höre als du?«

»Wie?«sagt der Bauer. »Ich höre nicht übel; wohl hat mich Euer Jung berichtet, daß Ihr nicht wohl höret.«

Da sah der Goldschmied den Jungen an, welcher sich des Lachens nicht enthalten mocht, und sprach: »Ei, seht doch, wie der Stuckschelm in die Faust lacht!« Nahm damit ein Riemen von der Wand und wollt den Jungen ansalben, aber derselbige macht sich aus dem Staub.

Weit von dannen ist Schutz frei.

(168)

Ein Edelmann trank ein Klistier wegen Kopfweh

Ein junger Edelmann aus Deutschland erkrankte in Frankreich, hatte große Schmerzen in dem Kopf.

Die Ärzte hießen ihm ein Klistier zurichten, und als der Apotheker sein Arbeit verrichten und ihn klistieren wollte, ward er sehr zornig und sprach: »Ich muß bei dem Rasperment sehen, daß die Welschen rechte Narren seind. Sie wollen mir den Arsch kurieren, und mir ist wehe im Kopf.« Nahm damit das Klistier und soff es in einem Trunk aus.

O Narr.

(169)

Huren machen Pferde stolpern

Ein teutscher Edelmann reist in ein vornehme Reichsstadt, und als er auf die Brücke kam, stolpert sein Pferd und fällt halb auf die Erden.

Daselbsten stund ein jung frech Weib, die lachet und spottet des Edelmanns.

Er aber sprach zu ihr: »Verwundert Euch nicht! Mein Pferd tut nicht anders, wenn es ein Huren siehet.«

Zu dem sagt das Weib lachend: »Mein lieber Junker, wenn Ihr nicht wollet den Hals zerbrechen, so reitet mit diesem Pferd nicht in die Stadt, denn daselbsten alle Gassen voll Huren sind. Ich rate Euch deswegen, daß Ihr heimreitet und ein solch übel geartet Pferd verkaufet, wenn Ihr je Euer Leben fristen wollet.«

Wenn alle Pferde vor Huren stolperten, wäre besser zu Fuß gehen als reiten.

(170)

Ein Weib wollt vor Kümmernis beim Toten liegen

Nun kommen wir wieder auf die Weiber: Ein Handwerksmann starb, und sein Frau gehub sich sehr übel um ihn, sonderlich aber, da man den Mann aus dem Haus trug und ihn begraben wollt, sprach sie: »Daß Gott erbarm, daß Gott erbarm! Ach leget mich zu ihm, ach leget mich zu ihm!«

Aber ihr Meinung war nicht, daß man sie zu ihrem verstorbenen Mann legen sollt, sondern zu dem Knecht, mit welchem sie gleich acht Tag danach Hochzeit hielt.

Weiber nehmen oft ein Drescher für ein Tröster.

(171)

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