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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 19
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Michael Kaspar Lundorf

Wiesbadisch Wiesenbrünnlein
1610/11

Von einem Bauren, der Doktor Drachen von einem Pfarrherrn einen Hasen bringen sollte und den Namen vergessen hatte

An einem unbekannten Ort im Hessenland wohnte ein Pfarrherr, der da mit Doktor Drachen in guter Kundschaft stund und zwischen der Zeit nach Gelegenheit den Doktor mit Käs, Butter und dergleichen verehren tat.

Auf ein Zeit aber verschickte der Pfarrherr erstgemeld'tem Doctori durch einen Bauren desselbigen Orts einen schönen Hasen. Dem Bauren war, wiewohl er den Namen fast bis in die Stadt im Maul geführet, der Name unterdessen ins Gäßlein gefallen, fragt derowegen, wer ihm :fürkam, ob er ihm nicht sagen könnte, wo doch Doktor Lindwurm wohnen täte.

Jedermann konnte ihm von Doktor Lindwurm nichts sagen, bis endlichen da fraget ihn einer, ob er denn kein Schreiben von dem Pfarrherrn an Doktor Lindwurm hätte, so sollte er ihn die Überschrift lesen lassen.

Der Bauer antwortet: »Ja«, zeucht das Schreiben raus und übergibt's ihm.

Der ander lachend sagt: »Ja, Doktor Drach heißt er. Hättest noch wohl weiters laufen müssen, bis du Doktor Lindwurm angetroffen hättest.«

Der Bauer sagt hinwiederum: »Gib her, gib her! Es gilt gleich Doktor Drach oder Doktor Lindwurm, sind bei meinem Eid beides zwei böse Tier.«

Ward also mit großem Lachen zurechtgewiesen, und kam der Has an den rechten Erben.

(150)

Von einem, welchem seine Frau ertrunken

Anno Christi 1595, als das Wasser beider, des Mains und Rheins, allenthalben sehr überhand nahm, also daß hiervon alle Bach, Teich und Gräben mit Wasser erfüllet und dannenhero, wegen großer Meng und Überfluß des Wassers, an Menschen, Vieh, Äcker und Wiesen großer Schaden gespüret wurde, hatte hierzwischen auch einer seine Frau verloren, konnte derohalben anderst bei sich nicht gedenken, als daß das ungestüme Wasser dieselbige ohnversehens weggerissen und ersticket hätte.

Darum er auch verursachet ward, dieselbige nach abfließendem Wasser allenthalben zu suchen. Als er aber mit emsigem Suchen nichts ausgerichtet, so gehet er das Wasser hinaufwärts, suchet so fleißig, als er immer konnte.

Indem er aber auch daselbsten nichts ausgerichtet und ihn einer, so ihm ungefähr begegnete, vermahnet, daß er hinabwärts des Wassers die Frau suchen sollte, antwortet er: »Ja, wohl hinabwärts? Sie hat bei ihrem Leben allzeit mit mir wider den Strom gehandelt, so ist auch billig, daß ich sie das Wasser hinauf- und nit hinabwärts suche.«

(151)

Von einem Soldaten, so niemals auf einem Federbett geschlafen hatte

Ein alter Soldat war von Jugend auf in Kriegen auferzogen und war niemals so glückselig gewesen, daß er auf ein gutes Federbett hätte kommen mögen. Sondern weil er ja zum Pfennig geboren, konnte er auch zu keinem Taler kommen, und weil er im Stroh unterm freien Himmel gehecket worden, konnte oder mochte ihm auch noch zur Zeit kein Bett gebühren. Endlichen, als er einsmals nach Vollendung des Kriegs in ein schlechtes Bauren-Wirtshaus eingezogen und über Nacht daselbsten herbergen wollte, trägt ihm nach dem Essen der Wirt ein frisches Stroh und gülden Bett in die Stuben. Zu allem Glück aber, wie den Soldaten bedeuchte, findet er unter denselbigen Säufedern auch eine einzige Gänsfeder, ist froh, will einmal nunmehr versuchen, wie er auf Federn oder aber im Stroh besser ruhen könnte, legt die gefundene Feder auf eine Bank unter sein Haupt.

Als er aber fast ein Stund oder etliche geruhet und der Kopf ihm wegen der harten Bank, die er so freundlich gedrücket, um und um gangen, wirft er mit großem Fluchen und Schwören die gefundene Feder hinweg, sagend: »Liegt einer so übel auf einer Feder, daß einem der Kopf dormelt, was sollt erst geschehen, wenn einer erst auf einem ganzen Bett voll läge? Es sollte wohl einer auf einem solchen Haufen gar rasend und voll Teufel werden.«

(152)

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