Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 18
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
Schließen

Navigation:

Otho Melander

Joco-seria
1605

Von einem Studenten, der Martinsabend hielt

Zu Leipzig war ein Student, der gern Martin hätt halten mögen, hatt aber weder Heller noch Pfennig. Es wohnte aber ein Bäcker ihm gegenüber, dem stiehlt er ein Gans, rupfet sie und schickt sie in desselben Bäckers Haus zum Braten. Die Federn verkauft er derselben Bäckerin für zwei Groschen, dafür läßt er sich gleich drei Maß torgauisch Bier holen. Wie die Gans gebraten ist, holt er sie selber ab. Weil aber noch viel Leute im Haus sein, welche auch gebraten Gans im Backofen haben, und etwas Gedränge ist, geht der Student mit seiner Gans davon, fragt nicht, was er soll davon fürs Braten geben, weil man auch kein Achtung auf ihn gab. Weil er aber nun die Gans und das Bier, aber doch kein Brot hat, geht er vor des Bäckers Haus, weil es schon Nacht und finster, daß ihn niemand kennet, klopfet an und begehret für einen Groschen Semmeln. Da sie ihm der Bäcker zum Fenster hinauslanget und die Hand aufhielt, meinend, der Student werde ihm das Geld geben, aber der Student läuft davon, gehet heim und hält seinen Martinsabend. Da nit allein die Gans des Bäckers gewest, sondern er sie auch umsonst gebraten, das Geld zu Bier gegeben wie denn gleichergestalt die Semmeln.

(146)

Von einem Studenten und seiner Buhlerin

Zu Marburg in Hessen war auf ein Zeit ein Student, welcher mit eines Schuhmachers Weib buhlet, die auch damals seine Wäscherin war.

Einsmals gehet der Schuhmacher über Feld auf einen Markt. Da solches das Weib vernimmt, hitzet sie eine Badstuben, welche sie im Hause gehabt, und bittet denselben Studenten, daß er mit ihr badet. Auf dem Weg aber begegnet dem Schuhmacher einer, welcher ihm saget, daß der Markt acht Tage aufgeschoben wäre, mußte deswegen mit seinen Schuhen wieder anheim ziehen, kommt, wie der Student noch bei seiner Frauen im Bad sitzet.

Das Weib aber, wie sie höret ihren Mann rufen, gibt sie Antwort und bittet ihn, er soll zu ihr in das Bad kommen und mit ihr baden. Dem Studenten aber wird bang in der Badstuben, er befürchtet, so der Mann hineinkomme, werde er's ihm übel gesegnen. Wie der Mann aber die Tür aufmachet und hineingucket, hat das Weib ein Kübel voll kalt Wasser, gießt's dem Mann ins Gesicht, daß er nicht sehen könnt, wer bei ihr in der Badstuben war, und spricht: »Du Narr, hast du dein Leben lang gesehen, daß man in Kleidern in die Badstuben gehet? Ziehe dich aus und komm alsdann herein!«

Der gute Schuhmacher nimmt solches von dem Weib für Scherz auf, weiß nicht anders, gehet hin und ziehet sich aus. In der Zeit hilft das Weib dem Studenten davon, dem die Zeit sehr lang in der Badstuben gewesen, da der Schuhmacher hat hineinkommen sollen.

Über etliche Tage begegnet derselbe Student des Schuhmachers Weib auf der Gassen, gibt ihr zu verstehen, wie sie ihm so häßliche Possen in der Badstuben gemacht habe, weil sie ihren Mann habe hineingerufen.

Das Weib verlacht den Studenten und spricht, er soll sich schämen, daß er seinen Eltern so viel Geld verstudieret hätte und nicht so viel gelernet, daß er einen also unvermerkten Betrug anstellen könnte, gleich wie sie ihrem Mann .damals getan.

Der Student nimmt solches in acht, denkt sie wieder mit gleicher Münze zu bezahlen, damit sie sehen sollt, daß er seinen Eltern das Geld nicht umsonst verstudierte. Er bat einmal etliche Studenten auf seine Stuben des Morgens zum Branntwein, schicket dem Schuhmacher auch einen Boten (doch daß sein Weib nichts darum wußte), welcher dann ein guter Zechbruder war. Die Studenten haben ihm auch ziemlich zugetrunken. Der obgemeldete Student schicket des Schuhmachers Weib als seiner Wäscherin auch einen Boten, sie sollt eilends kommen und etwas zu waschen holen.

Das Weib kommt, der Student führt sie in sein Kammer, legt sie in sein Bett und spricht, sie soll liegen bleiben, er wolle bald wiederkommen und sich zu ihr legen. Gehet hiermit in die Stuben, trinkt dem Schuhmacher noch eins zu und spricht wider ihn, so er ihm verheiße, daß er schweige, wolle er ihm etwas melden und anzeigen.

Der Schuhmacher verspricht sich und sagt hiermit zu, er will reinen Mund halten und niemand nichts davon sagen.

Der Student sagt, er habe eine Hur in seiner Kammer, derselben soll er ein Maß an den Füßen nehmen und ihr ein Paar Schuhe machen.

Der Student führet also den Schuhmacher in sein Kammer, gehet aber doch vorher, hebt das Bett etwas auf und wirft's ihr auf das Angesicht, spricht: »Hur, streck den Fuß heraus und laß dir die Schuh anmessen!«

Das Weib muß den Fuß herausstrecken und von ihrem eigenen Mann sich die Schuh lassen anmessen. Nach solchem führet der Student den Schuhmacher wieder in die Stuben, läßt ihm noch eins oder etliche Mal zutrinken, das Weib aber schickt er wieder zu Haus.

Bald hernach geht der Schuhmacher auch heim, findet sein Weib über einem grünen Mus schabend, die auch schon daran geschabt hatte, wie er war hinausgangen, zu ihr sprechend: »Wahrlich, Frau, der Student N. hat ein Hur bei sich gehabt, der hab ich ein Maß genommen, soll ihr ein Paar Schuh machen, die hat eben so gleiche Füße und deine Leisten wie du. Und hätt ich dich nicht noch über dem Krautschaben gefunden, so hätt ich tausend Eide geschworen, du wärst es gewest.« Hätt es leicht mögen erraten haben. Weil er's aber nicht gewußt, so hat's ihm auch nicht geschadet.

(147)

Von einem betenden EdelmannÜberschrift vom Herausgeber

Ein frommer Edelmann pflegte allweg vor und nach dem Essen mit seinem Weib und Kindern zu beten.

Der Knecht lachte.

Da nun das Weib solches zu unterschiedlichen Malen wahrgenommen hatte, zeigte sie's ihrem Junker an. Derselbe gab gleichfalls unter dem Gebet acht auf seines Knechts Gebärden und sah ihn auch lachen, fragt ihn deswegen ernstlich, warum er gelacht hätte.

Der Knecht sagt: »Was soll ich nicht lachen, daß Ihr betet gleich wie die Bürger, da Euch doch solches nicht nötig ist, denn die Bauren müssen Euch alles zuführen.«

(148)

Von einem Grafen

Ein Superintendent hielt bei seinem Grafen an, daß er ihm gestatten wolle, in seiner Herrschaft den Bann wieder einzuführen, welches ihm dann der Graf willig zuließ.

Was geschieht aber? Der Graf lebt bisweilen nach seinem eigenen Gefallen, deswegen schalt ihn der Pfarrer und sprach: »Gnädiger Herr, so Ihr Euch nit werdet bessern, so wird's anders nit sein, ich muß Euch in Bann tun.«

Der Graf erzürnt sich heftig und sprach: »Den Teufel magst du exkommunizieren und in Bann tun, mich nit. Ich hab dir gestattet, die Bauren zu bannen, desgleichen auch die Bürger. Aber wahrlich, du sollst mich lassen nach meine Weis leben!«

(149)

 << Kapitel 17  Kapitel 19 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.