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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 12
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Martin Montanus

Ander Teil der Gartengesellschaft
1560

Schellenhenker zu Mühlhausen sucht ein Roß und reitet darauf

Ein Dorf liegt bei Weißenburg, heißt Mühlhausen. In demselben Dorf wohnet ein Stuter oder Hirt, welcher die Rosse hütet. Ich weiß nicht, was dem guten Tölpel in Sinn kam oder weshalb er irr ging; das weiß ich wohl, daß er sich einbildet, wie er ein Roß verloren hätt, hinging und eben das Roß nahm, das er meinet verloren zu haben, sich darauf setzt und von einem Ort an das ander ritt, sein Roß zu suchen. Letztlich also auf dem Roß vor sein Haus kam und seiner Frauen klagt, wie er ein Roß verloren hätt und hätt es den ganzen Tag gesucht, könnt es nirgends finden und fürchte, er müsse es bezahlen.

»O weh, lieber Mann«, sagt sein Frau, »was ist es für ein Roß?«

»Ei, es ist des und des Bauren.«

»Ei, du Narr«, sprach die Frau, »was suchest du das Roß? Du reitest doch darauf.«

Als solches der Hirt hört, ab von dem Roß sprang, es besah und wohlgemut war, daß er es wieder funden hätt.

Hernach ein Sprichwort ward: Du bist eben Schellenhenker von Mühlhausen, suchst das Roß und reitest darauf.

(101)

Ein Bauer sagt zu seiner Frauen, Fett, Schmalz und Brot wären sein Tod

Ein Bauer hätt ein Weib, die ihm auch nicht nach dem besten zu essen geben wollt, sondern es viel eher und lieber guten Gesellen gab als ihrem Mann. Und auf ein Zeit war der Mann im Holz gewesen und gar spät fastsehr hungrig heim kam. Die Bäuerin, die ohnedas nicht gern viel kochet, ihrem Mann ein Schmalz und Brot machet und es ihm zu essen gab.

124

Dem Bauren schmeckt das Schmalz und Brot so wohl, daß er es ganz auffraß. Hernach sprach er zu seiner Frauen: »O liebe Frau, gib mir nicht so viel Fett, Schmalz und Brot! Denn sie sind mein Tod.«

»Ach Gott«, dacht die Bäuerin, »wenn du nur tot wärest! So könnt ich doch fröhlich mit dem Pfaffen Buhlschaft pflegen.« Anfing und ihrem Mann die allerbesten Schmalz und Brot gab, die man finden möcht; davon der Bauer so feist ward als ein Mastsau.

Als aber die Bäuerin sah, daß er allein feist davon ward, wollt sie ihm keins mehr geben, sondern nach einem anderen Weg lugt, wie sie des Pfaffen halben ihrem Willen ein Genügen tun möchte.

(102)

Ein Rebknecht beschläft seines Meisters Weib

Ein Rebmann arbeitet auf ein Zeit mit seinem Knecht in den Reben. Und als es um Mittag war, sagt er zu seinem Knecht: »Knecht, geh heim und heiß dir Eier in Schmalz schlagen und iß, danach komm wieder heraus! So will ich dieweil draußen warten.«

Der Knecht ging heim zu der Frauen und sprach: »Frau, der Meister hat gesagt, ich soll bei Euch liegen.«

»Ei«, sprach das ungesalzen Fraulein, »du wirst's etwa wähnen.« Demnächst hinaus in die Reben zum Mann lief und sprach: »Mann, soll ich's tun?«

»Ei du Närrin«, sprach der Mann, »hast's noch nit getan? Geh eilends heim und tu es!« (Er meinet aber, sie sollt ihm Eier in Schmalz geben).

Die Frau nicht weiter fraget, demnächst heim lief und zum Knecht saget: »Jetzt glaub ich dir's erst, denn der Meister hat mich's selbst geheißen.«

Der Knecht das Fraulein nahm, auf den Tisch leget, daselbst ihr ein gutes Fell herabhacket, danach sie laufen ließ.

Da nun der Meister heim kam, da fing der Knecht an und beklagt sich, die Frau hätte ihm die Eier nit genug gebacken.

Da das der Meister hört, ward er erzürnt und sprach zu der Frauen, sie sollte gedenken und die Eier ein andermal besser backen.

Dessen der Knecht und die Frau wohl zufrieden waren und danach oftmals solche Eier buken und miteinander aßen.

(103)

Von einem Pfaffen, einem Meier, seinem Weib und einem fahrenden Schüler

Ein Meierhof war nit weit von einer Stadt gelegen. Derselbig Meier hatte ein jung, gerad, stolz Weib, welche den Pflug zu Bett auch gar wohl führen könnt.

Nun war in derselbigen Stadt, bei dem Meierhof gelegen, ein junger, frecher Pfaff, Pfarrherr zu Sankt Brixen; derselbig machte Kundschaft zu dem Meier. Er hat sich wohl gedacht, wenn er des Mannes Huld und Freundschaft hätte, so wollte er der Frauen Huld und Freundschaft auch bald bekommen und sie zu seinem Willen bringen, wie denn auch geschah.

Nun hatte der Meier diesen Brauch: Wenn er in die Stadt kam, so soff er sich den Boden voller Weins, kam auch nit heim, es wäre denn finster Nacht, wie man denn derselbigen Bauren noch viel find't. – Wenn dann der Pfaff den Meier in der Stadt ersah, verfügt er sich schnell auf den Meierhof, besang der Meierin die Kapellen und gab ihr eins, sie hätt zwei dafür genommen.

Einsmals begab es sich, als der Meier abermals in die Stadt gefahren und der Pfaff ihn gesehen hatt, vermeinte er, er würde abermals seiner alten Gewohnheit nach vor Nacht nicht heim kommen. Da machte er sich auf und dem Meierhof zu, überzog die Meierin geschwind ein-, zwei-, dreimal aufeinander, denn er hungrig und begierig war. Danach saßen sie zusammen, zechten und waren leichtsinnig, vermeinten nit, daß der Meier so bald zu Haus kommen sollt.

Als sie aber also beieinander sitzen, kommt ein armer Schüler, singt vor der Tür und begehrt etwas um Gottes willen.

Die Meierin sagt zu dem Pfaffen: »Ich will ihn hereinlassen, so zecht er auch mit; es möchte auch noch etwan ein frommer Priester aus ihm werden.«

Der Pfaffe sagt: »Ach, Liebe, laß ihn draußen und gib ihm etwas vor die Tür! Er möchte sonst gedenken, was wir zwei also einig miteinander zu tun hätten.«

Die Frau sprach: »Was wollt er gedenken? Er ist ein junger, einfältiger Knab. Ich will ihn hereinlassen.« Also gesprochen und getan ein Ding war.

Als sie aber im besten Zechen waren, kommt der Meier zum Hof herein, find't die Haustür verschlossen, klopft an und begehrt hinein. Wer war in größeren Ängsten als der Pfaff und die Frau. Sie hat aber gar behend ein List erdacht, wie ihr dann hören werdet. Auf denselbigen Morgen hatte die Frau ein BauchWäsche ausgewaschen und die Bauchbütten zu ihrem Glück in die Stuben nit weit von der Türen gestellt. Darunter sie den Pfaffen verbergen tat, ging schnell hinaus, tat dem Mann die Tür auf, empfing ihn freundlich und sagt: »Hätte ich gewußt, daß du so bald kommen wärest, ich wollt dein mit dem Essen gewartet und länger verzogen haben. Aber du findest dennoch noch dein Teil.« Mit dem beide in die Stuben gingen.

Da er in die Stuben kam, fand er den Schüler am Tisch sitzen, fragt, wie er herein kommen oder was sein Geschäft wäre.

Er antwortet und sprach, er wäre ein fahrender Schüler und käme aus Frau Venus' Berg, wäre vor den Hof kommen, das Almosen zu heischen, da hätte ihn die Frau hereingelassen, das Morgenmahl mit ihr zu essen.

Der Meier fragt ihn weiter, wie es in Frau Venus' Berg stünde, ob der Tannhäuser noch lebte und ob er auch etwas mit der schwarzen Kunst könnte.

Der Schüler sagt, ja, er könnte sehr wohl damit, und so er ihm etwas schenkte, so wollte er den Teufel beschwören, welcher kurz an verschiedenen Tagen auf den Hof kommen und ihm ohn sein Wissen viel Leids zugefügt; und zu besorgen war, wo er nit beschworen würd, noch weiteres tun würde.

Der Pfaff saß unter der Bütten und war in tausend Lasten, besorget, wo er ihn verrate, würde er vom Meier totgeschlagen.

Als nun der Meier solches gehört, sagt er: »Wohlan, ist ihm dann, wie du gesagt hast, so beschwör den Teufel, daß er nit wieder hereinkomm, hinaus! So will ich dir zehn Gulden schenken.«

Der Schüler sagt weiter, er müßte zu solchem Beschwören Gold und Silber in der Hand haben.

Da das der Meier hört, gab er ihm ein Goldgulden und ein Taler in die Hand.

Als er nun das Geld in der Hand hatt, nahm er ein Kreid, machte viel seltsame Kreuz und Charakter auf den Tisch, an die Erd, an die Wand, an die Stubentür und auf die Butt, darunter der Pfaff saß, fragte den Pfaffen hiermit in Latein, was er ihm schenken wollt; so wollte er ihm davonhelfen.

Der Pfaff fing unter der Bütten an zu reden mit einer grausamen Stimm, verhieß ihm auch zehn Gulden zu geben, sagte ihm hiermit, daß er in der Stadt daheimen und Pfarrherr zu Sankt Brixen wäre.

Als aber der Meier den Pfaffen unter der Bütten reden hört, vermeinte er nit anders, denn es wäre der lebendig Teufel, machte viel Kreuz für sich, bat den Schüler, Sorg zu haben, damit niemand an dem Leben geschädigt würd.

Der Schüler sprach, er sollte ohn Sorg sein, er wüßte wohl mit der Sachen umzugehn.

Auf solches sagte der Schüler weiter zum Pfaffen, jetzt wollte er hinausgehn und die Haustür weit aufsperren, danach wieder hinein in die Stuben gehn, die Bütten allgemächlich der Stubentür zurücken und alsdann ihn mit der Bütten zur Stubentür hinausstoßen und die Tür zutun; da sollte er sich davonpacken.

Der Pfaff gab aber mit grausamer Stimm Antwort und sprach, er sollte der Sach also nachkommen.

Auf solches ging der Schüler hinaus, tat die Haustür auf, ging wieder in die Stuben, machte abermals wie zuvor viel seltsames Gaukelwerk, rückte hiermit die Bütten der Türen zu, stieß sie samt dem Pfaffen hinaus, schlug die Tür zu und sagt: »Fahr aus, du böser Geist, und laß dich forthin zu dem Meier nit mehr hinfinden! Anders wird es dein übel gewartet werden.«

Hiermit lief der Pfaff für tausend Teufel der Stadt zu.

Als aber der Meier den Pfaffen ein wenig erblickt, sagt er: »Pfui dich, du schändlicher Teufel, wie siehst du dem Pfarrherrn zu Sankt Brixen so gleich! Und wenn ich ihn heut am Morgen nit in der Stadt gesehen, hätt ich gänzlich vermeint, du wärest's. Aber Gott sei Lob, daß der schändlich Teufel hinweg ist!« Gab hiermit dem fahrenden Schüler sein verheißen Geld und ließ ihn davonziehen.

Ob aber der Teufel danach wieder auf den Hof kommen, weiß ich nit; denn ich bin nit so lang da blieben.

(104)

Geld begehrt eines Bauren Sohn von seinem Vater

Ein Bauer hatt ein Sohn studieren. Derselbig ihm auch ein wüst Loch in den Säckel macht und die roten Pfennig tapfer ausblies und doch nichts studiert, da es der Vater nicht verstund. Und auf ein Zeit kam der Sohn wieder heim und wollt mehr Geld holen. Den guten Mann schier die große Vergeudung seines Sohns verdrießen ward und war auch seinem Säckel schier zuviel gewesen.

Und eines Tages lud er Mist. Da stund der Sohn vor der Türen und sah ihm zu. Da sagt der Vater: »Sohn, was heißt ein Gabelauf Latein

Antwortet der Sohn: »Gäbelinum.«

»Was heißt Mist?«

Antwort: »Mistelinum.«

»Was heißt ein Wagen?«

»Wagelinum.«

»Ei«, sagt der Vater, »so nimm in tausend Teufel Namen das Gäbelinum und wirf das Mistelinum auf das Wagelinum!« Dem Sohn die Mistgabel in die Hand gab und sprach: »Das sei forthin dein Schreibfeder, und laß Studieren Studieren sein!«

(105)

Ein Vogt fährt aus einer Stadt auf einem Wagen und muß in der Kotlachen absitzen

Nahe bei einer Stadt in einem Flecken saß ein Vogt, der auf ein Zeit von einem Rat in die Stadt gefordert ward. Ich weiß nicht, was der gut Gesell gegessen oder getan halt; das weiß ich wohl, daß man ihn des Amts entsetzt und ein andern Vogt an seiner Statt verordnet. Dessen der gut Herr Vogt traurig ward und also in einem großen Unmut zur Stadt hinaus heimwärts ging.

Als er nun ein Weglein gangen, fuhr ein Bauer aus seinem Dorf, der ohn Zweifel nichts darum wußte, daß sein Vogt abgesetzt war, hernach und schrie den Vogt an: »Herr Vogt, sitzet auf den Wagen und fahret mit mir heim!«

»Ei, liebes Bäuerlein«, sagt der gewesen Vogt, »ich will fein allgemach heimziehen. Fahr du nur hin! Ich mag nicht fahren.«

»Ei, mein Herr Vogt«, sagt der Bauer, »sitzet auf den Wagen! Was wollt Ihr lang gehn und müd werden? Fahrt mit mir fein allgemach heim!«

Nun, der Vogt ließ sich nicht lang bitten, setzt sich auf den Wagen und fuhr dahin.

Und als sie eine Weile gefahren waren, fing der Vogt an und sagt: »Bäuerlein, weißt du nichts Neues?«

»Nein, wahrlich, Herr Vogt«, sagt der Bauer, »ich weiß nichts Neues, ich hab nicht gefraget. Wißt Ihr nichts Neues; Ihr Vogt wisset allwegen etwas Besonderes.«

»Ja wahrlich, Bäuerlein«, sagt der Vogt, »ich weiß wohl etwas Neues: Ich bin nicht mehr Vogt. Heutigentags hat mich ein Rat abgesetzt.«

Nun war der Bauer eben in ein große Lachen mit dem Wagen kommen, da der Vogt solche Wort gered't hatt. Und da er hört, daß er nicht mehr Vogt war, sprach er: »Wie, bist du nicht mehr Vogte«

»Nein, wahrlich«, sprach er, »ich bin nicht mehr Vogt.« »Bist du denn nicht mehr Vogt, so mußt du auch nicht mehr fahren.« Also mußt der gut Vogt in der Lachen absitzen, Gott geb, er sehe sauer oder süß dazu.

(106)

Einer gibt dem Schultheißen fünf Schilling und schlägt ihn an den Hals, daß er zu Boden fallt

Ein seltsamer, wunderbarlicher Abenteurer war auf ein Zeit, der ein NeidHaß zum Schultheißen in seinem Flecken trug, doch denselbigen gegen ihn nicht dürft ausziehenaustragen, denn er weitere und größer Straf besorgen mußt.

Nun auf ein Zeit es sich begab, daß sie beieinander in einer Zech saßen und fröhlich und guter Ding waren. Und nun der gut Gesell einen guten Trunk überkommen, stund er auf, hinaus ging und sich (mit Gunst zu melden) des Wassers entblößt. Nun lag aber dem Kerl die Schmach noch im Sinn, so er ihm vielleicht bewiesen hatt, derhalben hinein ging, vor dem Schultheißen stund und fraget: »Herr Schultheiß, was ist der Frevel, wenn einer dem andern an den Hals schlägt;«

Der Schultheiß, der da nicht meint oder hoffet, daß der Gesell um Arges wider ihn fraget, antwortet und sprach: »Es ist fünf Schilling der Frevel.«

Der seltsam Kunde den Säckel bald aufzog, fünf Schilling heraus zählt, den Schultheißen damit an den Hals schlägt, daß er über den Stuhl abfiel, und ihm fünf Schilling darlegt und sprach: »Sieh hin, da hast fünf Schilling!«

Ach Gott, was wollt der gut Schultheiß tun? Die fünf Schilling hinnahm, wohl gedacht, wenn er ihn schon verklagt, daß er verlieren würd und dazu den Spott zum Schaden haben müßt, hinzog und forthin nicht mehr saget, was der Frevel wäre.

(107)

Ein Gast sagt zum Wirt, er sollt ihm das Fleisch aufschneiden

Auf ein Zeit kam ein Gast in eines Wirts Haus, ohn alle WahlZweifel ein abgefeimtes Kind. Dem bracht oder stellt die Wirtin Fleisch vor, daran der meiste Teil Bein war.

Als solches der Gast sah, steckt er beide Hand in den Busen, zugleich, als ob er lahm wäre, ruft den Wirt und sprach: »Herr Wirt, kommt her und schneidet mir mein Fleisch auf. Denn ich in den Händen nicht so stark bin, noch das vermag aufzuschneiden.«

Der Wirt dem Gast gern willfahren und das Fleisch vorschneiden wollt, da war es lauter Bein. Und er sagt: »Lieber Gast, darum hast du das Fleisch nicht können zerschneiden.« Ihm ein ander und besser Stück Fleisch bracht und danach die Zech schenket und ließ ihn hinziehen.

(108)

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