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Den Spott zum Schaden

: Den Spott zum Schaden - Kapitel 10
Quellenangabe
typefarce
authorverschiedene
titleDen Spott zum Schaden
editorSiegfried Arnim Neumann
publisherVEB Hirnstorff Verlag Rostock
senderhille@abc.de
created20071118
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Valentin Schumann

Nachtbüchlein
1559

Von einem Bauren und dreien Pfaffen, auch einem Landsknecht

In dem Bayernland, da liegt ein großes Dorf nicht weit von Straubingen. Darin da saß ein Bauer, der hatte ein schöne Frauen. Nun waren aber drei Pfaffen, die hätten alle drei die Bäuerin gern im Hintern geleckt und gingen ihr nach Tag und Nacht, daß sie kein Ruh halt vor ihnen, und sie wollt Hoch ihrer kein Gnad haben. Zuletzt sagt sie es ihrem Manne.

Der sprach: »Nun wohlan, so tu ein Ding und bescheide sie alle drei, einen immer ein Stund später denn den anderen! So will ich unser großes Weinfaß aufrecht stellen, da gehen etwa bei fünfundzwanzig Ohm darein, und will das voller Wasser gießen. Und wenn der eine kommet, so gib ihm gute Wort! Alsdann so will ich anklopfen; so sprich: ,Ach Herr, es kommet mein Mann. Steiget flugs in das Faß, so will ich ihm auftun.' Und so er will hineinsteigen, so hilf ihm, daß er hineinfalle! Alsdann so will ich kommen und ihn gar darin ertränken.«

Die Frau sprach: »Ach, sollen wir also drei Mord vollbringen? Ich will mich sonst vor ihnen hüten.«

»Hörst du nicht«, sprach der Mann, »was ich dir sag?« Die Frau mußt also dem Gebot ihres Mannes folgen, wollt sie nicht, daß ihr Mann gedacht, sie buhlet mit ihnen, zieletbestellte also einen nach dem anderen.

Sie waren froh, und es kam der erste. Als er kam, waren sie fröhlich, und der Pfaff wollte immer auf den Ofen steigen. Als aber den Bauren nun deucht Zeit zu sein, klopfet der Bauer an, und alsbald erschrak der Pfaff.

Da sprach die Frau: »O mein Herr, es kommet mein Mann.« Er sprach: »Mein liebe Frau, wo soll ich hin?« Sie sprach: »Mein Herr, steiget in das Faß, bis er wieder aus dem Haus kommt.« Der gute Pfaff meinet, er wollte flugs hineinsteigen. Da half ihm das Weib, daß er mit dem Kopf zum ersten hineinfiel, und ertrank der gut Pfaff.

Also ging es auch mit dem andern und dritten.

Nun, als die drei Pfaffen waren ertranken, wußt der Bauer nit, wie er sie sollt mit Ehren aus dem Haus bringen. Es trug sich zu, daß ein guter Bruder durchs Dorf auf der GartBettelfahrt zog, der kam auch vor des Bauren Haus, bat um ein Ritterzehrung.

Sprach der Bauer: »Mein lieber Bruder, ich hätt ein Bitt an dich. Wenn du mir wolltest folgen, ich wollt dir zehn Gulden schenken.«

Der Landsknecht sprach: »Was ist es?«

Da fing der Bauer an und sprach: »Es ist ein Pfaff in mein Haus kommen, hat mir mein Weib wollen notzwingen. So bin ich dazu kommen und hab ihn gleich in das Faß geworfen, darin ist er ertrunken.« Zog damit den einen aus dem Faß. »Wenn du ihn nun wolltest in das Wasser tragen, das die Mühl treibet.«

Der Landsknecht sprach: »Ja, das will ich tun.« Nahm also den Pfaffen auf den Rücken und lief mit ihm zum Wasser zu, warf ihn hinein, daß das Wasser über ihm zusammenschlug, und sprach: »Wohl einher in aller Teufel Namen! Willst du buhlen und weißt den Reimen nicht!« Ging also wieder dem Bauren zu, wollt sein Lohn fordern.

Dieweil so hatte der Bauer den andern auch aus dem Faß getan; und als der Landsknecht kam, sprach der Bauer: »Hast du ihn hineingeworfen?«

Er sprach: »Ja.«

Da sprach der Bauer: »Er ist aber wieder da.«

Da sprach der Landsknecht: »Ei, er ist des Teufels.«

»Sieh zu, ob er nicht hinter der Tür stehet.«

Und als ihn der Landsknecht sah, sprach er: »Ei nun so schänd dich Gott! Ich weiß, daß ich dich hab hineingeworfen.« Nahm damit den andern auch und trug ihn dahin und warf ihn wohl in das Wasser, sprach hiermit: »Da liegest du schelmischer Pfaff. Du sollst nimmer herauskommen.« Ging damit wieder zu des Bauren Haus.

Da lief ihm der Bauer entgegen und sprach: »Wie tust du doch? Es stehet der Pfaff wieder hinter der Tür.«

Der Landsknecht sprach: »Hat uns der Teufel mit dem Pfaffen beschissen? Nun so will ich ihn hinaustragen und will nit davon, bis ich den Lauren nimmer sehe.« Nahm hiermit den dritten Pfaffen, trug ihn hinaus und warf ihn in das Wasser, nahm ein Stangen und stieß ihn wohl hinunter, sprach: »Nun glaub ich nicht, daß du werdest wieder herauskommen; es muß dich nur der Teufel herausfuhren.«

Als er im Heimgehen war, da kam von ungefähr ein Pfaff geritten, der wollt gen Straubing hinein. Als ihn der Landsknecht sah, meint er, es wäre der Pfaff, den er hatte in das Wasser sollen werfen, fing an zu fluchen und zu schwören: »Du verzweifelter Schelm und Bösewicht, ja vonnöten hat's dich – die Franzosen! – allezeit eher in des Bauren Haus geführet denn mich, weil du zu reiten hast.« Nahm ihn hiermit und riß ihn von seinem Pferd und mit ihm zum Wasser.

Der gut Pfaff schrie, er sollt gemach tun; aber es half nichts, und mußt auch ertrinken mitsamt den dreien.

Der Landsknecht saß auf das Roß, ritt des Bauren Haus zu. Der gab ihm die zehn Gulden, und ritt der gut Landsknecht davon.

Nun siehe, wie das Glück so seltsam ist! Die Pfaffen müssen sterben, und der Landsknecht bekam zu reiten und Geld dazu. Derhalben so soll keiner keinem Weibe vertrauen, sonderlich wo er mit ihr buhlen will und sie ein Eheweib ist; denn sie sein in ihren Sinnen wankelbar. Obschon die Bäuerin kein Buhlerin ist gewesen, hat sie doch dazu geholfen, daß die armen Pfaffen seind umkommen. Gott erbarm's, wem es leid ist. Aber dem Landsknecht geriet ein Beut. Darum soll keiner verzagen; wer weiß, wo das Glück liegt! Obschon Sorg und Angst dabei war, erfreuet ihn doch zuletzt das Roß samt dem Geld. Dabei bleibe es.

(96)

Ein Fabel von einem Edelmann, der seiner Tochter wollt kein Mann geben, er mähet denn weiter, als sie könnt brunzen, auf einen Tag

Auf ein Zeit ein Edelmann saß nicht weit von Kowerck, der hatt ein außermaßen schöne Tochter; die hatt sehr viel HeiratBewerber, aber sie wollt keinen haben, er könnt denn weiter auf ein Tag mähen oder grasen, wie man's dann nennet, denn sie brunzen könnte. Denn sie hatt ein so enge, daß sie schier ein ganze Meil brunzet, wenn es weiter war. Wie man denn jetzt zu unsern Zeiten auch viel solcher Jungfrauen findet, die so enge haben, daß einer meinet, man könnt kaum ein Saubürsten hineinbringen; wenn man's bei dem Licht besieht, sein wohl zween oder drei Kindskopf herausgefallen. Das red ich nicht von den frommen Jungfrauen, sondern von solchen, die so sein.

Nun aber unterstund sich mancher Edle, auch Unedle, die Jungfrau zu bekommen. Wenn dann einer einen Tag hatt gemähet, so kam die Tochter mitsamt dem Vater zur Nacht, wenn's Feierabend war, und brunzt weit über das hinaus, das einer hatt den langen Weg gemäht. Darum so könnt sie keinen bekommen.

Nun war aber ein seltsamer Abenteurer, der unterstund sich auch, die Jungfrau zu bekommen, ging auch zu dem Edelmann, sagt, er wollt auch um sein Tochter mähen. Da weist er ihn auf eine Wiesen auf Bamberg zu.

Nun tat der gut Gesell ein Ding und nahm mit sich ein gute Flaschen mit Wein und ein gut Braten, auch ein Schüssel voll Küchlein samt einem großen Weck, fing an und mähet einen viereckigen Platz, setzt in ein jegliche Ecken ein Richtzeichen, den Weck, die Flaschen, den Braten und die Küchlein, zog sich danach mutternackend aus.

Nun kam die Jungfrau um den Mittag auf die Wiesen zu spazieren, sah den Mäher nackend und sein Zipfel an dem Bauch; der begann ihm zu wachsen, als die Jungfrau vor seinen Augen herumging. Das ward sie sehr verwundern; sie sprach: »Ei, mein lieber Mann, was habt Ihr da für ein Dinglein? Was ist es nur für ein Tier?«

Der Mäher sprach: »Jungfrau, es ist ein Zeiger.«

»Ei«, sprach sie, »das ist ein seltsamer Zeiger. Ich habe nie kein solchen Zeiger gesehen. Lieber Mäher, was zeiget er?«

Der Mäher wandte sich zu dem einen Winkel, sprach: »Dort zeiget er, daß ein Flaschen voll Wein stehe.«

Die Jungfrau lief flugs und fand es, wie er ihr gesagt, sprach: »Das ist ein feiner Zeiger.«

Indem so wendet er sich zu einem anderen Winkel.

Sprach die Jungfrau: »Lieber Mäher, was zeiget er jetzt?«

Antwortet er: »Dort in jenem Winkel, zeiget er, stehet ein Schüssel voll Küchlein.«

Sie lief abermals und fand es. Dessen lachet sie, und er wandte sich zum dritten und vierten gleich wie zuvor.

»Ei behüt mich Gott«, sprach sie, »wie ist das so ein feiner Zeiger!« Und sprach zu dem Mäher: »Mein lieber Mäher, was ißt aber der Zeiger? Ich sehe wohl, daß er ein Maul hat.«

Flugs antwortet der Mäher: »Jungfrau, er ißt nichts denn Zucker von Eurem Bauch!«

Da lief sie heim und holet ein Handvoll Zucker, sprach: »Lieber Mäher, da gebt ihm zu essen! Es ist wohl so ein feiner Zeiger.«

Er nahm den Zucker und leget sie in das Gras und streuet ihr den Zucker auf den Bauch, leget sich oben darauf, ließ sein Zeiger auf dem Bauch umkrabbeln; die Jungfrau meint, er esse also. Nun indem kam der gute Zeiger baß hinab und fand, darein er dann kroch.

Da sprach die Jungfrau: »Ei, was suchet er da drinnen?«

Antwortet der Mäher: »Jungfrau, es ist ihm ein Körnlein darein gefallen; dem sucht er so nach.«

»Oh«, sprach die Jungfrau, »laßt ihn nur weidlich essen! Es hat mein Vater ein ganzen Karren voll Zucker; ich will ihm den allen zu essen geben.«

Da nun der gut Gesell oder Zeiger hatte sein Zuckerkorn ertappet, kroch er wieder heraus. Der Mäher leget sich wieder an, als wollt er mähen, und die Jungfrau ging heim.

Als es nun Nacht ward, kam der Vater mitsamt der Tochter, sah, was sein Mäher gemähet hatte, deucht ihn nit viel zu sein, sprach: »Nun, Tochter, kannst du darüberbrunzen, so fange an!« Die gut Tochter meint, sie wollt darüberbrunzen, übersah es und brunzet auf die Schuh.

Da ward der Mäher lachen und sprach: »Junker, hab ich die Tochter gewonnen?«

Dessen ward der Edelmann zornig, doch gab er ihm die Tochter. Also ward aus einem Bauren ein Edelmann.

Aber jetzt, so der Adel abstirbet, so wollen die Schneider und Metzger miteinander um den Adel streiten; wiewohl die Metzger haben die Hunde und Rosse zuvor, welche die Schneider erst müssen machen.

(97)

Ein Geschicht von einem Edelmann und einem Maler zu Augsburg

Vor etlichen Jahren ein reicher Herr oder Edelmann gen Augsburg kam zu einem Maler. Der hatt sich lassen ein hölzernes Täfelein machen bei einem Schreiner, das bracht er ihm, dem Maler, und sprach: »Mein lieber Meister, ich wollt, daß Ihr mir hättet auf dieses Täfelein gemalet ein schönes Bettstättlein.«

Der Maler sprach: »Ja, Herr.«

Und als das gemachet war, auf den andern Tag kam der Herr wieder und sah das Bettstättlein. Das gefiel ihm wohl, und er sprach: »Meister, jetzt malet mir ein schönes Bett darein und darauf ein schönes Fräulein!«

Der Maler machet es auch.

Als er, der Herr, des andern Tages auch kam und fand, wie er das hatte bestellt, als er das sah, da gefiel es ihm von Herzen wohl, und sprach, er sollt es ihm auf das allerschönest machen – er wollt's ihm wohl zahlen – nach seinem. Willen und sollt ihm unten auf das Bettstättlein ein fein zinnen Brunzkächelein malen und alles nur auf das allerschönest.

Solches der Maler tat und machet das aufs allerfleißigst, daß es hätt kein übel Auge sollen ansehen.

Und auf dem fünften Tage, als es war trocken und fertig, da kam der gut Herr wieder und fand alles, wie er das hatt angefrümtangegeben, das Bettstättlein mit schönen seidenen Betten und darauf ein außermaßen schönes nacktes Fräulein, das war doch mit Farben gar schön und lieblich erhabenherausgehoben, und unten auf dem Bettstättlein ein feines Brunzkächelein.

Als er das hatt nach dem fleißigsten besehen, sprach der Maler: »Herr, gefällt es Euch?«

»Ja«, sprach der Herr, »jetzt so tut ein Ding und malet mir's über und über mit einem feinen grünen Vorhang!«

»Ei Potz Marter, Herr«, sprach der Maler, »das wird sich nicht schicken. Kaufet ein grün seiden Tüchlein und hänget es darüber; so könnt Ihr es hinwegtun, wann Ihr wollt.«

Der Herr sprach: »Meister, hört Ihr nit, was ich Euch sag? Macht mir's also! Ich will Euch Eure Arbeit wohl bezahlen. Wenn nur ich weiß, was dahinter ist, es darf sonst niemand wissen.«

Und mußt ihm der Maler also ein grünen Vorhang über das Bett und schöne Fräulein malen, weil er dabeistund. Das tat der Maler und ließ ihn's zahlen, gab dem Narren oder Herrn das Täfelein, Gott geb, wo er hinkam.

Und dachte der Maler, wie man pfleget zu sagen: »Wenn mir einer Geld gab, so wollt ich ihm Stein in den Arsch werfen, und wenn er mir wieder Geld gab, so wollt ich sie ihm auch wieder herausklauben.« Denn Geld macht allen Kauf schlecht, und wird das Sprichwort auch allhie erfüllt: »Einem jeden Narren gefällt sein Kolben wohl.« Also war diesem Edelmann auch. Wenn er hätt das Täfelein zum ersten lassen grün färben, war ebenso viel gewesen als danach. Darum ist es ein seltsames Ding, wo ein Überfluß an Geld ist. Hätt der Edelmann so wenig Geld gehabt als ich oder sonst mancher arme Teufel, er hätt dem Maler lang nicht fünf oder sechs Gulden für ein grünes Brettlein zu machen geben, hätt es wohl mit vier oder fünf Batzen ausgerichtet. Aber der Maler mußte seinen Teil auch bei seinem Gut haben, und es trägt sich oft bei mancherlei Handwerken zu, daß einem ein Arbeit über hundert Meil kommet, da er sein Leben lang nicht hätte hingedacht, und muß desselben Gelds auch haben oder verdienen.

(98)

Von einem guten Studenten, der nicht viel Geld hatte, wie daß es ihm zu Nürnberg ging

Es zog auf ein Zeit ein guter Gesell seiner Schulen nach, welcher war von Bregenz. Als er war weit umher zogen, kam er auch gen Nürnberg, hatt weder Heller noch Pfennig und zog also auf Gottes Rat bei dem Weißen Turm ein in ein Wirtshaus, das man heißt »Zum Blauen Schlüssel«, bat die Wirtin um die Herberg.

Die sprach: »Ja, wenn du Geld hast, so bist du mir ein lieber Gast.« Und tat die Wirtin da ein Red, wie man saget: »Geld, du bist mir lieb.« Gleichwohl nicht unbillig; denn welcher wollt ein Wirt sein, wenn ihm ein jeder Gast wollt kein Geld geben!

Der gut Schüler sprach zur Wirtin: »Ja, Gelds genug«, und hatt kein Heller im Beutel. Nun hatt der gut Schüler ein Bündel; das gab er der Wirtin, sie sollt es ihm aufheben. Das tat sie.

Als es nun Abend ward und daß man zur Nacht wollt essen, so gibt man in den Wirtshäusern einem jeden, was er haben will, das PfannbrettGedeck einem allein oder zweien miteinander. Da fraget die Wirtin den guten Studenten, ob er auch wollt etwas essen.

Der Student hatt kein Geld, doch hieß er sie ihm ein Maß Bier bringen, auch ein Suppen und Fleisch. Das tat die Wirtin, bracht ihm auch zwo bratene Wurst. Der Student aß, und schmecket ihm sehr wohl, hieß sie ihm noch zwo Wurst bringen. Die aß er auch, ließ sich noch zwo bringen und noch ein Maß Bier. Das trieb er so lang, bis daß er genug hatt, zechet also hinein auf Gottes Rat und auf eines anderen Beutel.

Als er sich wollt legen, hieß er sie ihm die Zech machen; da hatt er in das Bier vertrunken und in die Wurst verfressen achtzig Pfennig.

Der Student sprach: »Morgen will ich Euch bezahlen.«

Die Wirtin war zufrieden. Er ging schlafen und schlief die Nacht wohl, ließ die kleinen Waldvögelein sorgen.

Als das Tag ward, stund der gut Gesell auf, sah, woher er das Geld bekam, das er hatt verfressen die vorige Nacht, ging zu etlichen Herren, auch Predikanten, und bracht zuwegen, daß er der Wirtin bezahlet ihre achtzig Pfennig, und blieben ihm wohl fünfunddreißig Pfennig über.

Der gute Gesell setzt sich nieder und verfraß zur Nacht die fünfunddreißig Pfennig und blieb der Wirtin noch zweiundvierzig Pfennig schuldig, ging an dem Morgen wieder auf die TermineiBettelei.

Das trieb er bis auf den vierten Tag. Da hatte er schier ausgeterminiert und sprach zu der Wirtin: »Wirtin, gebt mir mein Bündel!« Die Wirtin tat es. Er, der Student, tat das Bündel auf und nahm ein altes Büchlein daraus, sprach: »Wirtin, ich muß auf die Schul gehn. Hebt mir das Büchlein auf! Ich will fein kommen und Euch bezahlen.«

Die Wirtin nahm das Büchlein, war wohl zufrieden, vertrauet ihm alles Gute zu. Aber der Lecker beschiß sie, blieb also noch wohl acht Wochen zu Nürnberg, soll das Büchlein noch holen. Auch ich bin ein Weil derzeit zu Augsburg bei ihm gewesen. Er hat oft zu mir gesagt, er wollt, daß der Wirt das Geld hatt, er wollt es gern geben.

(99)

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