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De Reis' nah Bellingen

Fritz Reuter: De Reis' nah Bellingen - Kapitel 9
Quellenangabe
authorFritz Reuter
titleDe Reis' nah Bellingen
typenarrative
sendertorsten_schertel@talknet.de
created19990827
firstpub1858
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Kapittel 8.

Wo irst de Köster schöne Reden höllt.
Un nahsten ganz ut de Blansirung föllt.

"Ja," säd’ de Köster, – "was ich sagen woll, –
Das Reisen is en groß Plesir;
Vor Allen, wenn der Beutel voll.
Un ich – as ich noch jünger wir –
Hett ich ‘ne große Niglichkeit,
Un reis’t herümnmer weit un breit
Un wo ich man bün hingekommen,
Da würd ich fründlich aufgenommen,
Von wegen meiner Stolzigkeit,
Un weil ‘s mich nobel lassen thät,
Un ich en proppern Rock anhätt.
Gewöhnlich fuhr ich auf die Post,
Un schmiß mir hellschen in die Bost,
Un hätt mir ‘n Schnurrbort wassen laten,
Als wär’ ich unter die Soldaten,
Un machte mir verfluchten wichtig."
"Dat stimmt," seggt Witt, "un is ok richtig."
"Ja, dat möt Ein den Köster laten,"
Seggt Nahwer Swart tau Nahwer Witten
"Mit sine Stolzigkeit ded’ hei sick hell’schen dick."
Un bautz! Slog Fritzen hei in ‘t Gnick:
"Verdammte Jung, willst Du mal grader sitten!"
"Ja," seggt de Köster, "immer stolz,
Un grade, as en Ärmelholz!
Un mit ‘t butwennig Wesen nich allein,
Ihr müßt auch drist un munter sein
Un mit ‘ner Kuntenanz auftreden,
Un wenn sie höflich Euch anreden,
Denn müßt auch obleschirt Ihr sein,
Vor Allen bei das Militör.
Ihr seid zum Beispiel grad in’t Danzen,
Un ‘t kommt en Unt’roffziere her,
Der fängt nu an, Euch anzuranzen:
Verdammter Kerl von Syphilist,
Ich will mit die Mämsell mal danzen.
Na, slimm! Doch helpt dät nich! Dann müßt
Ihr fründlich sägen: Woll, Herr Kapperal!
Zu dienen, Herr! Ja, danzen Sie man mal;
Un so, daß Jedermann das hürt;
Ruft Ihr denn lud: Markür! Markür!
Oh, bring’ mich mal zwei bittere Lakür!
Un wenn er die Mamsell zurück Euch führt,
Denn sprecht Ihr dreist: Sehr obleschirt!
Dies hätt mir köstlich amusirt;
Un hätt mir die Erlaubniß nommen
Un ließ vor Sie en Bittern kommen
Denn sollt Ihr sehn, er trinkt ihn richtig aus. –
Na, aber nu ein anderes Verhältniß:
Zum Beispiel man: Ihr güngt in ‘s Koffeehaus
Na, oder in ein anderes Behältniß,
Un ‘s käm’ da Ein, was man so ‘n Bürger is,
Un sagt: Belieben Sie zu dienen,
Geehrt’ster Herr, ich bitte Ihnen
Sie sind allhier bekannt gewiß...
Denn reckt Ihr Euch bloß hoch in Enn’,
Steckt in die Hosen beide Hänn’,
Un stellt Euch vor ihn hin ganz dicht,
Un kuckt ihn grad in dem Gesicht,
Un sprecht dann bloß mit Nongschali:
Wo so? – Wo ans? – Wo meinen Sie?
Un sagt:..." – "Prr, öh ha! Jehann!"
Rep Witt, "Oh, holt en beting an!"
"Wat is ‘e los?" fröggt Swart. "Wat sall hei hollen?"
"Min Tobacksbüdel is mi ‘runne follen
Ick hadd’ em eben noch vör ‘n Ogenblick."
"Ih, Vadder, wat is dit för ‘n Stück?
Wat ‘s dat för ‘n nuss’liches Gewes’!
Du sittst ok just as in ‘n Daes’;
Wo sael’n wi so nah Strelitz kamen?
So holl Din Saken doch tausamen,
Un sitt nich ümmer in Gedanken.
Un Jungs! Ji gaht den Weg entlanken
Un säukt un lopt en beten tau."
De Jungs de gahn; dat Fuhrwark höllt in Rauh,
Un as de Köster wedder will beginnen
Un Rath ehr gewen för dat Militör,
Dunn kümmt ‘ne Kutsch anjagt von hinnen,
Vir schöne, stolze Brune vör,
Un sus’t von achter ehr vörbi;
Un Swarten sine beiden Fahlen
Gahn tau Gesellschaft mit Heidi.
"Wo? Dit möt jo der Deuwel halen!"
Röppt Swart: "Hurüsch, Hurüschen!"
"Hurüsch, Hurüschen!" röppt Jehann,
Un ok oll Nahwer Witt fängt an,
‘Hurüsch, Hurüschen!’ Mit tau krischen
Je, ja! Je, ja! Tau Höcht den Start,
As wir de Biss’worm achter ehr,
Klabasterten de Fahlen af,
Un Swart un Witt un Witt un Swart,
De rönnen acht’r ‘e Fahlen her;
Un ok Jehann, de makt sick up den Draf
Un smitt de Lin den Köster hen,
Un ‘t ward en Lopen un Gerönn,
Als ob ein Jeder achter brenn.
Un blot de Köster sitt in Rauh
Un süht vergnäugt dat Rönnen tau. –
Doch sall de Freud’ tau lang’ nich duren. –
De beiden Stauten fangen mit de Uhren
So an tau spelen, un so ükerwenn’schen
Sick antaustell’n un an tau brenschen;
Dat ward so ‘n snurriges Gewraegel,
Den Köster ward so blümerant,
Un endlich föllt de en oll Taegel
Em unverseihens ut de Hand:
"Prr! Öh! Süh de oll Lischen!"
Nu fängt hei ok an tau ‘Hurüschen!’
De Stauten fang’n an uttauslagen,
Un durt nich lang’, is hei in ‘n vullen Jagen
Un flüggt herümmer up de Kipen;
Hei möt sick an den Ledderbom begripen,
Wenn hei dor baben fast will sitten.
Hei sus’t vörbi an Nahwer Witten,
Un ok an Swarten geiht ‘t vörbi
De röppt em tau: "Wo? Vadder, plagt hei Di?"
Doch Suhren stahn de Hor tau Höh,
Hei bitt so fast de Tähns tausamen,
Hei antwurt’t nich. "Prr! Öh! Prr! Öh!"
Is Allens, wat herute kamen.
Un ‘t is wahrhaftig gor kein Wunner,
Noch höllt hei de Blansirung baben
Doch – bautz! – En Ruck! – Dor liggt hei ‘runner!
Dor liggt hei köpplings in en Graben!

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