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De Reis' nah Bellingen

Fritz Reuter: De Reis' nah Bellingen - Kapitel 8
Quellenangabe
authorFritz Reuter
titleDe Reis' nah Bellingen
typenarrative
sendertorsten_schertel@talknet.de
created19990827
firstpub1858
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Kapittel 7.

Wo Nahwer Witt sin Geld verget,
Un wo dat Corl’n von achter let

Na, de Gesellschaft führt in einen Hurr
Ut ‘t Dörp herut. Doch wo de Weg sick swenken will,
Dor röppt oll Witt: "Jehanning, Purr!
Oh, holt doch mal en Ogenblicking still;
Ick glöw, ick heww min Geld vergeten."
"Ih, Vadder, dat wir doch ein dummes Stück.
Corl, lop un rönn doch in den Ogenblick,
Un möst Di spauden ok en beten."
"Ja, Corl, min Saehn, kumm, mak Di up de Fäut,
Ick will Di segg’n, wo ‘t liggen deiht:
Süh, wenn Du in de Stuw’ herinner kamen deihst,
Denn steiht doch linksch, so as Du weitst,
Dat Schapp bi ‘t Finster in de Eck –
Dat Schapp, dat kümmert Di en Dreck –
Du wenn’st Di denn tau rechter Hand,
Dor steiht de Kuffert an de Wand, –
Den Kuffert lettst Du ruhig stahn,
Denn dor is ok kein Geld nich d’rinnen, –
Du möst grad’tau nah’n Aben gahn.
Wenn Du up desen ‘ruppe kickst,
Denn wardst Du ok kein Geld nich finnen,
Un wenn Du unner em Di bückst,
Süh, denn, denn finnst Du wedder nicks.
Doch unner ‘n Aben an de linke Sid,
En beten rechtsch, doch grad’ nich all tau wid,
Wo Murrjahn ümmer liggen deiht,
Un wo de Stävelknecht süs steiht,
Nich tau sihr hinn’n, en beten mihr nah vören,
Dor möst den einen Stein upböhren,
Un wenn Du upböhrt hest den Stein,
Denn wardst en Slaetel liggen seihn,
Denn’ giwwst Du Muttern, denn de weit,
Wo mine Geldkatt liggen deiht. –
Süh so, min Saehn, weitst nu Bescheid?"
"Ja woll," seggt Corl un makt sick up de Salen,
Üm Vadern fix dat Geld tau halen;
Doch as hei is en Enn’lang furt,
Dunn röppt de Oll: "min Saehn, oh noch en Wurt!
Süllst Du den Slaetel nich gliks finn’n,
Denn brukst Du Di nich lang’ besinn’n.
Denn kannst Du Muttern dat man segg’n,
De weit, wo ick em hen ded’ legg’n."
Corl nimmt nu vörn de Slipp tausamen,
Un wis’t de gelen ‘ohne Namen’,
Un bunting, as ‘ne Stigelitsch,
Flüggt hei taurügge nah Mutter Wittsch,
"Na, Vadder Witt," seggt Köster Suhr,
"De Corl, dat is en fixen Jung’n,
Was hätt der Jung’ vor ‘ne Natur,
Wo is er in das Dorf ‘rin sprung’n!
Was hätt der Jung’ vor ein Verhältniß,
Wenn Ihr ihn so von achter seiht!
Der find’t ganz sicher das Behältniß,
Wo dieser Schlüssel liggen deiht
Der find’t sich, hab’ ich immer seggt,
Vullstännig durch die Welt zurecht.
Wo läßt den Jungen das manierlich!
Un Hochbütsch, spricht er ganz natürlich."
"Ja," seggt oll Swart, "ja, dat is wohr.
Un min oll Jung sitt ümmer as so ‘n Bor,
Grad’, as so ‘n ollen stiwen Buck.
Dor sitt hei nu un seggt nich ‘Muck’
Un kickt un kickt, as Schulten sin Mariken, –
Du Schapskopp, Du! Wat hest tau kiken?
Wenn ick Di säd’ ok dusendmal Bescheid;
Wo ‘t hengahn ded’ nah Belligen,
Un hadd ‘ck Di mit de Näs’ hendreih’t,
Du, dumme Klas, fünnst doch nich hen."
"Dat hätt auch seine Schwierigkeiten,"
Seggt Köster Suhr, "das könnt er auch nich weiten.
Von hier nach Ollen-Strelitz, ja, das geht,
Das weiß er woll, wo ‘s liggen thät.
Ja, abersten von da; da geht ‘s erst an,
Das find’t so leicht nich Jedernann.
Das Einzigste, was ich Euch sagen kann,
Wenn Ihr den Weg werd’t wissen wollen
Das ist, daß Ihr Euch rechtsch müßt hollen.
Denn fahrt Ihr linksch, dann kann Euch das passiren,
Daß Ihr thut hen na Rußland führen."
"Wo? Dat wir doch en dummen Streich!"
"Ja! Oder auch nach Oesterreich,
Un auch nach Polen könnt Ihr kommen,
Un maeglich selbst nah Hinnepommern."
"Je, Köster, weitst Du ‘t ok gewiß?"
"Was das for eine Frage is
Mir könnt Ihr stellen, wo Ihr wöllt,
Bi düster Nacht in ‘n dicksten Holt,
Denn will ich, was ich hätt, verwerr’n,
Daß ich mir finn durch jedes Land,
Wenn ich ‘ne Landkart hab zur Hand;
Ich muß ja d’raus die Kinner lern’n."
"Ja, Vadder Swart," seggt Witt, "mi dücht,
Dat dit de Köster farig kriggt.
Doch, segg mal, Köster, möt wi ok tau Schep’,
Un aewer ‘n grotes Water führen?"
"Ih, mit Din Water!" seggt oll Swart,
De mittewil verdreitlich ward,
"So lat Di endlich mal bedüden!
Den ganzen Dag hest gistern dorvon draehnt
Un ümmer von dat Water klaehnt.
Wo is denn dor en grotes Water?
Dat hett de daemliche Castrater
Di in den Kopp herinne red’t.
Wat weit de vel von ‘n grotes Water!"
"Ja," seggt de Köster, "möglich wesen ded ‘t,
Wenn ‘s in Amerika thät liggen;
Doch Ihr fahrt immer über Brüggen."
Na, hir kamm denn Corl Witt heran,
So ut de Pust, as Einer warden kann.
"Na, Corl," säd’ Witt, "hest Du de Katt?
Un säd’ Di Mutter süs noch wat?"
"Ih, ne, sei säd’ nicks von Bedüden."
"Na, ded’st von mine Ollsch nicks hüren?"
Fröggt Nahwer Swart. "Hest de nich seihn?"
"Na, hürt mal, Nahwer Swart, ick mein!
Bi Jug, dor was dat rein tau dull;
De ganze Del, de stunn dor vull:
Oll Bursch un Snursch un Holtsch un Boltsch
Un Haaksch un Knaaksch un Pasternaksch
Un Plätersch, Klaetersch, Plänertsch, Draehnertsch,
De draehnten, klaehnten, klatschten, snackten
Un blafften as de Kedenrekel,
Un säden all: Ji wir ‘t en ollen Ekel
Dat Ji up so ‘ne Infäll kamen
Un mi un Fritzen mit Jug namen."
"Ih, dorvon paßt mi gar kein Wurt,
Un nicks nich is nah minen Sinn.
Un nu, Jehann, man wedder furt!"
Un wedder gung de Fohrt von dannen
Un in de wide Welt herin,
Herinner in de negsten Dannen.

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