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De Reis' nah Bellingen

Fritz Reuter: De Reis' nah Bellingen - Kapitel 5
Quellenangabe
authorFritz Reuter
titleDe Reis' nah Bellingen
typenarrative
sendertorsten_schertel@talknet.de
created19990827
firstpub1858
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Kapittel 4.

Wat in den Paß Castrater Snabel schriwwt
Un wo vel Moden, dat dat giwwt

Den annern Morgen maken Swart un Witt –
Ok Fritz un Corl, de möten mit –
Tau rechter Tid sick up de Salen,
Üm sick von ‘t Amt en Paß tau halen, –
En Paß in ‘s Ausland’ nennt en dit
För denn’ sei sößteihn Gröschen tahlen.
Unn dunn güng ‘t glik nah Hus mit ehren Paß,
Wil Nahwer Swart de Meinung was,
Dat ehre Reis’ hadd’ grote Il,
Un sei nich länger künnen täuwen.
"Denn süs," säd’ hei, "künmmt Mutter wedder mang!"
Un Fritz un Corl, de deden mitdewil
Sick up ‘t Zigarrenroken äuwen,
Un makten gruglichen Gestank. –
Kum dat oll Swart bi Muttern was,
Dunn säd’ hei’ "Süh, dor is de Paß,
Un ick stah heil un deil dorin.
Du säd’st, sei würd’n mi keinen gewen,
För so ‘n Ort würd’ kein Paß nich schrewen."
"Dat mag ok ‘n schön oll Ding woll sin!"
"Na, Fritz, min Saehn, kumm hir mal her
Un les uns doch den Paß mal vör.
Dat Irst, wat baben steiht, dat lat man wesen,
Dat von min Utsicht möst Du lesen."
Fritz les’s nu: "Groß: fünf Fuß und einen Zoll."
"Ja, dat deiht stimmen," säd’ de Oll,
"Sihr grot bün ick just nich, indeß
Kann klaftern ick en Faut’ner sös."
"Statur: sehr c-o-r, cor, p-u, pu, corpu, l-e-n-t, lent, corpulent."
"Ih, ne! Min Saehn, so is dat nich,
‘Corpulent’ das is kein Wurt jo nich,
Dat sall woll heiten ‘sihr cumplett’,
Wil dat ‘t en beten breit mi lett,
So recht vullstännig, as en ‘t nennt."
"Ne, Vader, hir steiht ‘corpulent’."
"Na ‘t schadt em nich, dat mag woll hochdütsch wesen,
Wil ‘t de Castrater schrewen hett,
Doch plattdütsch heit dat: sihr cumplett.
Dat kennt denn nu nich so ‘n Castrater.
Un nu dauh Du man wider lesen."
"Und graue Augen, rothe Haare hat er...."
"Dat strid’ ick nich. Ja, dat is wohr;
Ganz richtig is ‘t nich mit min Hor,
Doch ganz voßroth, dat sünd sei nich,
Sei sünd so ‘n beten gellerich."
"Ih! Vader, dat süht jedes Kind
Dat Ji en richt’gen Voßkopp sünd."
"Wo? Ick glöw gor! Wat nimmst Du Di in ‘n Sinn
Kik leiwer in den Paß herin!"
"Der Mund sehr groß, die Nase klein..."
"Ih, dor möt ‘ck doch in ‘t Speigel seihn.
Ick heww stets glöwt, ick hadd ‘ne staatsche Näs’,
Un dat sei hadd’ en netten Schick.
Na, wat s’ nich in de Läng’, dat hett sei in de Dick.
Jung, lat dat Lachen sin un les’!"
"Besondere Kennzeichen: Sein Gesicht
Ist voll von Sommersprossen und ist dicht
Mit Blatternarben übersä’t,
Sieht aus, als wär ‘s zusammengenäh’t:
Es hat ‘ne bläuliche Couleur,
Un beide Augen stehn verquer."
"Wo? dat steiht dor? Steiht in den Paß?"
"Ja woll, hir steiht ‘t: Ji kikt verdwas."
"Un ick seg’ blag ut von Kalür?"
"Ja, Vader, ja! So steiht dat hir."
"Seg’ ut, as wir ‘ck tausamen neiht?"
"Ja, Vader, kikt! Kikt hir! Hir steiht ‘t."
"Wo? Dat is jo doch miserabel,
Dat hadd’ ick doch meindag nich dacht,
Dat mi de Herr Castrater Snabel
So wat würd’ in den Paß ‘rin schriwen
As wir ick as Ruklas getacht.
Ick hadd’ mi dat fast vörgenamen,
Nu aewer lat ick dat hübsch bliwen, –
So drad’ ick wedder t’rügg wir kamen
Denn hadd’ ick em soglik besöcht
Un hadd’ en fettes Kalw em bröcht,
Denn wat hei süs dor ‘rinne sett’t,
Von Näs’ un Mul un von min Grött,
Dor bün ick innerstahn mit Allen,
Un dat von ‘corpulent’, dat kunn mi sihr gefallen."
"Na," säd’ de Ollsch, "heww ick ‘t nich seggt? –
Nu, Fritz, min Saehn, nu sett Di dal
Un schriw den Paß mi as noch mal,
Un wenn Du mit dat Schriwen t’recht,
Denn giww mi mal de Afschrift her,
Denn will ick s’ mi verglasen laten
Un in ‘n gullen Rahm mi faten
Un s’ mi denn hängen aew’r ‘e Dör;
Dormit dat ick doch ümmer weit,
Wenn Vader mal up Reisen geiht,
Wo hei getacht, un wo ‘t ein lett,
Denn heww ick doch sin Purterett!"
Nu würd’ de Oll denn aewerst arg;
De Hor, de stegen em tau Barg,
Un mit de Ogen kreg hei ‘t Scheiten:
"Wo? Du willst mi hir noch wat weiten?
Un willst noch up min Utsicht spitzen?
Süh, nu is ‘t ut! Nu is dat rein vörbi!
Nu aewerst, Mutter, segg ick Di,
Süh, morgen früh sitt ick mit Fritzen
Un mit den Nahwer un Corl Witten
Tau ‘t Reisen p’rat up minen Wagen,
Un Du kannst denn allein hir sitten,
Un kannst Di wat mit Füsten slagen
Un kannst hir sitten Müggen gripen.
Un nu geihst hen un packst uns in,
Wat tau de Reis’ deiht nödig sin,
Un steckst uns gaud wat in de Kipen."
Un somit gung hei ‘rute ut de Dör
Un sprok bi Nahwer Witten vör.
As hei dor ‘rinne kamm, wat kreg hei dor tau seihn!
Em was, as ded’ de Ap em lusen:
"Wo Dunner! Ne! Nu seih mal Ein!
Jung, segg! Wat makst Du dor för Flusen?
Ne! So wat lewt nich up de Welt!"
Corl Witt hadd’ up den Disch sick stellt
Un stunn un kek in ‘t Speigelglas
Mit sine groten blagen Külpen;
Hei höll sin Bein bald grad’ un bald verdwas
Un kek bald hinn’n un kek bald vör
Nah sine nigen, gelen Stülpen
Un nah de gele, leddern Büx,
Wo em dat beinwarts laten ded’.
In sine Hor hadd’ Talg hei smert,
Un mit de schönste Stäwelwichs
Hadd hei den Bort sick ingetheert,
De Arm in beide Siden stemmt,
Un mang de Tähn’ ‘ne Ros’ geklemmt;
So stunn hei dor in vullen Staat
Un wull doch seihn, wo em dat let.
Na, Allens was so, as dat möt:
So was hei tau de Reis’ parat,
Was mit sin Utsicht sihr taufreden;
So kunn hei tau Berlin uptreden.
As Nahwer Swart dor noch so steiht
Un sick des Dod’s verwunnern deiht,
Dunn kümmt de Köster ringetreden,
Un ok uns’ Vadder Witt kümmt mit.
"Ne! Kinner, Lüd’! Ne! Kamt un seiht,
Wo hett de Jung sick ‘ruter munstert!
Ne! Kinner, Lüd’! Wo lett em dit!"
"Je, Vadder," seggt oll Witt un schmunstert,
"Je, Vadder, segg, lett em ‘t nich nett?
Hett de sick nich mal ‘ruter mutert?
Ne! As so ‘n Grafen just em lett ‘t,
Wenn hei den witten Haut upsett’t,
Denn’ hei sick von den Snider schutert."
"Ja," seggt de Köster, "ja, das muß ich eingestehn,
Er hätt sich schön cultivisirt
Und sich recht nobel ‘raus gekonstruirt,
Un kann all Dag’ auf Reisen gehn.
Seht von die Mod’, da red’ ich man,
Un ‘s is man, daß ich davon sag’,
So zum Exempel nur: die Mod’ wär’ blag,
Un Einer zög’ was Gräunes an,
Stimmt das mit die Verhältniss’ dann?
Nich wohr? Das stimmt man herzlich slecht?"
"Ja," seggt oll Swart, "dor hest Du Recht."
"Ja," seggt oll Witt, "dat is gewiß."
"Nich wohr! – Ich sag’ man, was so is,
Ich sag’ nich, daß mich das geföhl.
Zum Beispiel man: de Mod wär’ gel,
Un nu wullt Corl sich rode Hosen kaufen,
In rode Stülpen ‘rümmer laufen,
Wo? Wär’ denn das woll angenehm?
Nich wohr? – Ich sag’ man, was so is."
"Ja," seggt oll Swart, "ja, dat ‘s andem."
"Ja," seggt oll Witt, "dat is gewiß."
"Un Mod’ is Mod’, un wenn’s kein Mod’ nich is,
Denn kann das all mein Dag’ nich gellen,
Man müggt auch up den Kopp sich stellen.
Drei Moden giebt ‘s man eigentlich,
Wonach man sich thut richten müssen –
Das and’re. sünd kein Moden nich –
Die blag’, die gel’ un denn die rod’."
"Na, Köster, segg mal up ‘t Gewissen,"
Seggt Witt, "is Corl woll in de Mod’? –
Corl! Hür, min Saehn, kumm hir mal her,
Un stell Di mal den Köster vör. –
Nu, Köster, antwurt up min Frag’."
"Das Halsdauk roth, der Rock is blag,
Die Hosen gel: das stimmt, stimmt in die Daht,
Un hat den richtigen Versat.
Gevatter Witt, ich wüßt nicks wider,
Das Einzigst wär’ noch Vatermürder."
"Ja," seggt oll Swart, "süh, dorin hett hei Recht,
Ja, Nahwer Witt, dat heww ick ümmer seggt,
Dat lett wonah mit so ‘n witten Kragen,
Un Fritz sall ok so ‘n Dinger dragen."

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