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De Reis' nah Bellingen

Fritz Reuter: De Reis' nah Bellingen - Kapitel 23
Quellenangabe
authorFritz Reuter
titleDe Reis' nah Bellingen
typenarrative
sendertorsten_schertel@talknet.de
created19990827
firstpub1858
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Kapittel 22.

Woans dat tau Berlin utsüht,
Un wo oll Witt sin nige Hos’ antüht

"Na, un Franzosen hest Du nich tau seihen kregen?"
"Naug! Corl, naug! Doch ganz in allen Gäuden,
De in ‘t Quartier bi uns so legen,
In ‘n Bösen? – Je, ick würd’ mi häuden!
Denn so ‘n Franzos’, süh, dat is so ‘n Cretur,
De hett ‘ne einzigste Natur:
In ‘n Gäuden! – Keinen betern Minschen,
As so ‘n Franzosen kannst Di wünschen;
Denn seggt hei: "Serwethör" un "Schewuhprih",
Doch wenn hei anfang’n deiht: "Lähsmetrankih",
Denn, Corl, süh denn! Denn rad’ ick Di,
Denn gah bileiw’ em ut den Weg’,
Süs giwwt ‘t am Enn’ noch düchtig Släg’,
Un eklich künn hei Di betahlen."
"Wat heit denn dat?" – "Ih, dat heit ungefihr:
Swinegel Du, wat deihst Du hir?
Willst Du glik gahn? Di sall der Deuwel halen!
Wat hest Du Ekel ‘hir tau dauhn?"
"Na, hört ‘e mal," seggt de Posaun,
"Wenn Ihr wollt gern Franzosen sehn,
Denn kann das zu Berlin geschehn,
Da giebt es Leute, allerhand,
Aus Oesterreich und Engelland,
Aus Frankreich, Spanjen, aus Amerika,
Und auch aus Portugall der König ist jetzt da."
"Ut Potulak! Nu seih mal Ein!
De hett sick tau Berlin henleggt!
Wat doch der Deuwel för Schauh verdröggt!
Den Kirl, denn müggt ick woll mal seihn,"
Seggt Swart. "Jung, mark Di dat! –
Berlin is woll ‘ne grote Stadt?"
"Ja, ‘s steckt sehr viele Menschheit d’rein."
"Na, kann Ein sick dor All’ns beseihn?
Kann Ein dor fri herümmer gahn?"
"Ja wolL! Und ganz umsonst: die Eisenbahn,
Den neuen Telejraph, dat Brandenburger Dor,
Den ollen Fritz un Blücherten,
Dat neu’ Museum auch, doch dit nur, wenn
Ihr habt en reines Vorhemd vor,
Und wenn Ihr nobel seid in Zeug.
Vor Allen aber rath’ ich Euch,
Dat Ihr zu Krolls un in ‘t Theater geht,
Und Euch den Krempel da beseht.
Da aber kommt Ihr frei nich ‘rin."
"Ih dormit kem wi woll tau Schick,
Dor ward de Hals ok woll noch borgen sin,
Doch mit uns’ oll Kledasch’, dat is so ‘n Stück.
Corl kann sick wisen, wo hei will,
Ok min oll Jung, de kann villicht passiren,
Ick sülwst, ick bruk mi ok nich tau schaniren,
Doch, Vadder, Du, Du swig man still!
Säd’ ick Di nich, Du sullst de Sanftmanschestern nemen?
Un Du nimmst be oll Büxen mit, de all intwei,
Mit grote Flicken up de Knei?
Wi möten uns vör Di jo schämen!
So kannst Du Di jo gor nich unnerstahn,
Un in de Mus’geschicht herin tau gahn."
"Je," seggt oll Witt, "dat sünd so ‘n Saken!
Ick wull mi girn jo nobel maken
Wat sall ick aewer denn för Hosen schafsen an?
De langen ward’n tau Huse mi gor nicks nutz,
un kort heww ick in ‘t Schapp en halwes Dutz."
"Ih," seggt de Vigelin, "ich glaub’, da kann
Ich helfen Euch aus aller Eurer Noth,
Ich hab’ en Paar auf allerneu’ste Mod,
Von Gummilastikum, die sein vorzüglich,
Un dabei sein sie sehr vergnüglich,
Sie sind bald kurz, bald lang, so wie man will.
Ich will sie Euch mal zeigen: Halt’t mal still! –
Nu paßt mal auf un seht mal bloß:
Nu ist ‘s entschieden doch ‘ne kurze Hos’,
Nu knöppt man hier die Stege d’ran,
Un zieht sie über ‘m Stiebel an,
Dann zieht sie sich, dann reckt sie sich,
Un ist ‘ne lange Hos’, man weiß nicht wie."
"Na, so wat," seggt oll Swart, "verstah ick nich.
Dat is jo grad’ as Hexeri."
"Oh, Vadder!" röppt Corl Witt, "köp mi...."
"Jung!" seggt de Oll, "Du wardst woll unvergnügsam,
Un günnst mi nich, dat ‘ck ok tau ein Stück Tüge kam?
De Hosen ok för Di? Dat süll mi fehlen!
Du hest de nigen schönen Gelen,
Un denn ded’ ‘ck Di den nigen Kledrock schenken,
Ne! Du hest naug! Du wardst mi boch tau riw’!
Ne! – Din oll Vadder möt nu ok d’ran denken
Dat hei wat Gaud’s kriggt up den Liw’."
Bi ‘n negsten Kraug, dor würd’ denn ‘ranner führt,
Un hir de Hosen anprobirt.
De seten denn as angegaten;
Un flux würd ok de Handel slaten.
Oll Swart güng ümmer ‘rüm üm Witten:
"Ne, wo den Kirl de Hosen sitten!
Ne, dauh mi den Gefallen blos:
Nu mak mal wedder’ ‘ne korte Hos’."
"Je, meinst Du, dat ick dat nich kann?"
Un Witt, de knöpt de Sprungreim los.
"Süh so!" – "Nu mak doch mal ‘ne lang’ dorut."
Un Witt, de knöpt de Sprungreim an:
"Ih, den Gefallen kann ‘ck Di dauhn."
"Ne, Kinner, Lüd’! Wo süht dit ut!"
Un ‘t Wunnern is nu gor kein End.
"Ja, Bruder Schwarz," seggt de Posaun,
"‘S ist, wie mit meinem Instrument,
Bald kurz, bald lang." – "So kannst Du ‘t wagen,"
Seggt Swart, "so kannst Di wisen allentwegen.
Bi desen Handel büst Du nich bedragen,
So ‘n Hosen müggt ick sülwst woll drägen." –
Wi möten sei nu reisen laten,
Un uns denn doch einmal ümseihn,
Wat während deß tau Hus gescheihn.

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