Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Julius Wolff >

Das Wildfangrecht

Julius Wolff: Das Wildfangrecht - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
booktitleSämtliche Werke Band VII
authorJulius Wolff
year1912
publisherPaul List Verlag
addressLeipzig
titleDas Wildfangrecht
pages1-280
created20021022
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1907
Schließen

Navigation:

Neuntes Kapitel.

Jakobine war tief niedergeschlagen von dem schmählichen Mißerfolg ihres Stelldicheins, wobei das Gegenteil von dem geschehen war, was sie ersehnt und erhofft hatte, statt eines unwiderruflichen Verlöbnisses ein vollständiger, unheilbarer Bruch mit Franz, der ihr in der unverhohlensten Weise den Laufpaß gegeben hatte.

Hammichel, ihrem heimlichen Helfer bei dem Eroberungsversuche, konnte sie nicht zürnen, denn der hatte getan, was sie von ihm begehrt hatte. Sein Mittel hatte ja auch einen bedenklich hohen Wärmegrad der beiderseitigen Zärtlichkeiten erzeugt, aber zu noch einem Schritt weiter hatte die Stärke der Mischung nicht gelangt und war nicht wirksam genug gewesen, um der liebelechzenden Verführerin einen alles erreichenden Sieg über den sich kaum noch Sträubenden zu verschaffen. Einen zweiten, kräftigeren Trunk konnte sie ihm aber nicht beibringen, denn niemals würde Franz wieder einen von ihr kredenzten Becher an die Lippen setzen.

Trotz des qualvollen Gefühls verschmähter Liebe bemühte sich Jakobine standhaft, den Ihrigen zu verbergen, wie ihr zumute war, und zeigte sich in ihrer Gegenwart unbekümmert und heiter. Aber ihr Bruder Wilm, der ja, ohne von dem Liebestrank etwas zu wissen, Franz zu ihr entboten hatte, beobachtete sie scharf, und ihm schwante, daß da noch nicht alles in Ordnung war. Nachmittags stellte er sie und fragte nach dem Ergebnis der Zusammenkunft. Jakobine wurde dunkelrot vor Zorn und Scham, schlug sich die Hände vors Gesicht und rief, mit dem Fuß aufstampfend: »Frage nicht! frage nicht!«

»Ach so! so steht die Sache,« sprach Wilm mit einem vielsagenden Lächeln, das Jakobine nicht sah. »Na, nur ruhig Blut, Schwesterlein! macht jetzt nur bald Hochzeit, dann wird schon alles gut werden.« Damit ging er lachend davon.

Wenn der wüßte, sagte sich die gekränkte Unschuld, wie weit sie gestern abend von der Gefahr entfernt gewesen war, zu sehr geliebt zu werden! Aber mochte Wilm doch denken, was er wollte; daß Franz sie mit ihrem heißen Liebeswerben schroff zurückgewiesen hatte, würde sie nie einem Menschen eingestehen.

Nur rächen wollte sie sich, an beiden sich rächen, an Franz und an Trudi. Das war jetzt ihr einziger Gedanke; damit schlich sie umher, im Hause, im Garten, auf einsamen Pfaden und brütete darüber in der Geißblattlaube.

Als sie nun wieder einmal so vergrämt und verärgert auf derselben Bank saß, wo sie neulich mit Franz gesessen hatte, vernahm sie plötzlich unweit der Laube ein leises Räuspern, das wie ein Zeichen, wie ein Ruf und Wink klang, der doch nur ihr gelten konnte. Wer war dort? sollte er es sein, sich anders besonnen haben und ihrer dort harren, um sie in seine liebenden Arme zu schließen und alles wieder gut zu machen? Ihr klopfte das Herz, atemlos lauschte sie. Das Geräusch klang noch einmal und diesmal lauter. Nun zweifelte sie nicht mehr, sprang auf und flog zu der Buchenhecke hin, von wo es kam und wo draußen im Freien ein Weg entlangführte. Als sie aber, das Gesträuch im Garten auseinanderbiegend, herantrat, grinste ihr zu ihrer bitteren Enttäuschung Hammichels Spitzbubengesicht neugierig über den Zaun entgegen.

»Nun, mein Goldschätzchen, hab ich die andern zehn rheinischen Gulden verdient?« zwitscherte der Alte. »Oder muß ich noch einmal zu der Apotheke nach Speyer gehen?«

»Nein, ich mag keinen Liebestrank mehr von dir,« fauchte Jakobine. »Der ihn getrunken hat, ist im bösen von mir geschieden.«

Hammichel sprach: »Dann bist du nach dem Trunke gewiß nicht liebevoll, nicht hingebend genug gegen ihn gewesen.«

»Meinst du? nun, das weiß ich besser,« erwiderte sie schnippisch.

»So probier' s noch einmal! ich kann noch viel stärkere Tränke brauen,« sagte Hammichel. »Kannst dann auch einen Schluck davon nehmen, damit du ein bißchen in Feuer kommst und dich nicht zierst und spröde tust.«

Jakobine krauste die Stirn, antwortete jedoch nicht.

»Wenn du aber nichts von Liebestränken hältst, können wir's ja auch auf andere Weise versuchen, dir deinen Liebsten wieder zugetan zu machen, mit der sogenannten kabbalistischen Sympathie oder –«

»Ich will nichts mehr von ihm wissen,« schnitt sie kratzbürstig dem Aufdringlichen das Wort ab, blieb aber doch stehen, um seine neuen Vorschläge zu hören.

Nichts mehr von ihm wissen wollte sie? Das paßte dem alten, geriebenen Erpresser nicht, der sich gern noch weiter für seine Kuppelei bezahlen lassen wollte. Er blickte sich achtsam nach allen Seiten um, ehe er wieder anfing: »Jakobinchen, – ich wollt es dir eigentlich noch nicht sagen, weil es noch nicht die rechte Zeit dazu ist, aber du jammerst mich, und ich bin von weicher Gemütsart, kann's nicht mit ansehen, wie du dich in Sehnsucht verzehrst, also höre mal zu! Ich habe einen guten Freund in sehr reputierlicher Stellung beim pfalzgräflichen Kammerschreiberamt in Kaiserslautern; der weiß ein unfehlbares Mittel, dir die Fremde, die Trudi – denn das ist ja doch der Haken, an dem das Herz deines Abtrünnigen gegenwärtig hängt – aus dem Wege zu räumen.«

»Was? einen Mord? nein, nein! einen Mord will ich nicht auf meine Seele laden,« rief Jakobine entsetzt.

»Mord! wer spricht denn von Mord? aus dem Wege räumen heißt doch nicht gleich morden,« beruhigte sie Hammichel. »Der Würzburgischen soll an ihrem Leibe kein Schade geschehen, sie soll nur dem Franz so verleidet werden, daß er sich ganz von ihr abkehrt und gar nicht mehr an sie denkt, verstehst du. Aber der Mann, der das ins Werk richten kann, will gespickt und gesalbt sein, wenn er helfen soll, und billig tut er' s nicht.«

»Was will er denn machen?« fragte Jakobine immer aufmerksamer werdend.

»Was er machen will? Ja, Jakobinchen, wenn ich wüßte, daß du schweigen könntest –, kannst du das? willst du mir das hoch und heilig versprechen?«

»Jaja! versteht sich! nur weiter!« drängte sie ungeduldig.

»Nun dann paß auf! Die Sache hängt nämlich mit der Stellung, mit dem Amte meines Freundes zusammen, da hat er Gelegenheit –«

In diesem Augenblicke kläffte draußen am Zaune ein Hund, und Hammichel brach jäh ab. Patz war es, der mit Schneckenkaschper des Weges daherkam, den im Gebüsch halb versteckten Alten erspürt hatte und ihn, von dem er schon manchen Fußtritt erhalten hatte, heftig anbellte. Jakobine zog sich schnell zurück, während ihr Kaspar noch grüßend zunickte. Er hatte sie also mit Hammichel zusammen am Zaune gesehen, was sie sehr verdroß, weil sie wußte, ein wie häufiger Gast er bei Bürgermeisters auf dem Abtshofe war, wo er gewiß alles anbrachte, was er sah und hörte. Vom Garten aus erhorchte sie noch, daß der Alte zornig auf den Jungen einschalt, was er sich hier herumzutreiben habe.

Kaspar trollte sich mit seinem Schnauzerl von dannen, und als er leise vor sich hinpfeifend den Wingerten zuschlenderte, stieg dem über seine Jahre geweckten Jungen die Frage auf: Was hat denn Großvater mit der Steineckerdirn zu schaffen, daß sie sich heimlich am Zaun treffen und wie gescheuchte Spatzen auseinanderfuhren, als sie meiner ansichtig wurden? Das war doch sehr auffällig, dahinter mußte was Besonderes stecken. Um in Bequemlichkeit und Ruhe darüber nachzusinnen, warf er sich auf einen Grasrain in das frisch gemähte Heu und schaute zu den dunklen Wolken empor, die sich über die Haardt her, Regen verheißend, zusammenzogen. Patz legte sich neben ihn und äugte seinen Schützer und Gönner unverwandt an, als ob auch er in seiner ehrlichen Hundeseele über die seltsame Begegnung seine eigenen mißtrauischen Gedanken hätte. Der Junge streichelte seinem Liebling das zottige Fell, der dafür dankbar das Schwänzchen pendeln ließ. Das Rätsel lösen konnte jedoch keiner von beiden.

Unterdessen hatte Hammichel die dem Abgange seines Enkels entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. Er war über die durch diesen verursachte Störung seines Paktierens mit Jakobine sehr ärgerlich und bewegte die dünnen Lippen in lebhaftem, übellaunigem Selbstgespräch. Auf einmal aber blieb er wie gebannt stehen, als wäre er in seinen Betrachtungen vor etwas innerlich erschrocken. »Hammichel, alter Esel!« murmelte er, »da hat dich dein Bankert mit seinem verdammten Köter vor einer großen Dummheit bewahrt. Warst wahrhaftig drauf und dran, dem heißblütigen Frauenzimmer dein kostbares Geheimnis vom Wildfangrecht auszuschwatzen, das dir noch ein schönes Stück Geld einbringen kann, wenn du's so lange einkapselst, bis dir der Bürgermeister in seiner Angst vor dem Hörigwerden seiner Niftel von selber nachläuft und dir für dein Schweigen mehr bietet als dir das eifersüchtige Mamsellchen für's Reden zahlen kann. Also Maul halten und abwarten! – Wenn sie dir aber nun nächstens mit Fragen auf den Hals kommt, was das mit dem Kaiserslauterer auf sich hat? was dann?« spann er im langsamen Dahintrotteln weiter. – »Ah bah! läßt dich nicht vor ihr blicken, und wenn sie dich von ungefähr einmal erwischt, lügst du ihr die Jacke voll. Der Freund wollte nicht mit der Sprache heraus, machte große Schwierigkeiten, forderte eine Unsumme für sein Eingreifen. Und dann, nach Kaiserslautern ist's ein weiter Weg, – den du natürlich nicht unternimmst, ihr aber gehörig ankreidest – mit dem Hin und Her vergeht viel Zeit, und kommt Zeit, kommt Rat.«

Auch Jakobine verwünschte den Schneckenkaschper, daß er ihr Gespräch mit Hammichel unterbrochen hatte, gerade als ihr der gute Alte den sicheren Beistand seines Freundes erläutern wollte. Die Würzburgische sollte dem Franz dermaßen verleidet werden, daß er sich gänzlich von ihr abkehrte, hatte Hammichel gesagt, und nun brannte sie vor Neugier, zu erfahren, wie der in Kaiserslautern das fertig bringen wollte. Beim Lohn dafür wollte sie wahrlich nicht feilschen und knausern, und wenn sie's ihrer Mutter aus der Wirtschaftskasse stehlen müßte! Die hatte ja genug und zählte nicht nach; nur nicht zaghaft, wenn's um Lieb und Leben ging! Aber wie sollte sie Hammichels sobald wieder habhaft werden? wieder zu ihm zu schleichen schien ihr gewagt und konnte, wenn es bemerkt wurde, Verdacht erregen, denn der Alte stand in zu schlechtem Geruch. Und wenn der überall herumschnüffelnde Junge sie noch einmal mit jenem allein erwischte und das bei Armbrusters oder Gersbachers erzählte, so lief sie Gefahr, daß man ihrer Verschwörung gegen Trudi auf die Spur kam. Sie mußte es also dem Zufall überlassen, daß ihr Hammichel einmal unverhofft begegnete, falls er sie nicht in ihrem elterlichen Hause aufsuchte, wo er ja des Weines wegen zuweilen vorsprach und dann wohl Gelegenheit zu einer unbelauschten Fortsetzung der ihr höchst wertvollen Mitteilung fand.

Nun wurde sie wieder guten Mutes und nahm sich auch vor, ihren Bruder Wilm durch ein nicht mißzuverstehendes Wort aus seinem vorwitzigen Irrtum zu reißen, daß er sie nicht immer so spottlustig anguckte, als wenn er Wunder was von ihr wüßte. –

Ein sehr schweres Herz trug, wo er ging und stand, Franz mit sich herum. Er kannte den harten, unbeugsamen Sinn seines Vaters, gegen den mit gütlichem Zureden und vernünftigen Vorstellungen selten etwas auszurichten war, am wenigsten nach einem so heftigen Auftritte, wie es neulich Jakobinens wegen zwischen ihnen gegeben hatte. Seitdem lebten sie beide maulend und muffig nebeneinander her und gingen sich so viel wie möglich aus dem Wege. Das Seinige zu tun, um wieder ein besseres Verhältnis zwischen ihnen anzubahnen, fiel Franz nicht ein oder gewann er in seinem angestammten pfälzischen Bauerntrotz nicht über sich. Er glaubte, daß seine Mutter ein gutes Wort zum Frieden beim Vater einlegen würde und gewiß schon eingelegt hatte, aber daß dies in den Wind gesprochen war, schloß er aus dem ganzen Wesen und Gehaben des in seiner Unzugänglichkeit beharrenden Familienhauptes. Da sagte er sich wohl, daß, wenn die Vermittlung der Mutter nichts fruchtete, sein eigenes Einlenken und Entgegenkommen erst recht keine Wirkung haben würde und war nun ratlos, was er in seiner überaus schwierigen Lage tun sollte. Nur das stand in seiner Seele so unausrottbar fest wie die starken Wurzeln einer Eiche im Waldboden, daß er nie und nimmer von Trudi lassen wollte, und schon war ihm der Gedanke gekommen, mit ihr auf und davon zu gehen und sich anderswo eine Heimstatt zu gründen, nur so groß, daß darauf eine Wiege stehen könnte, mit einem Kinde und ein Stuhl zum Sitzen für die, so das Kind wiegte. Aber er konnte dem lieben Mädchen nicht zumuten, heimlich mit ihm zu fliehen und ohne den Segen der Eltern und Verwandten ohne Hab und Gut, bei hartem Mühen und knappem Tagelohn sich kümmerlich durchs Leben zu schlagen.

Seit länger als einer Woche hatte er Trudi nicht gesprochen und dies auch gar nicht versucht. Denn seines Stelldicheins wegen mit Jakobinen schämte er sich vor ihr, weil er die ihn listig Umgarnende in der Laube geküßt hatte, wenn es auch nur in einem auf schändliche Weise ihm beigebrachten Rausche geschehen war. Darum wagte er nicht, ihr mit seinem schlechten Gewissen unter die Augen zu treten. Aber ebenso groß oder wohl noch größer als seine Reue war seine Sehnsucht nach der Geliebten. Ihm deuchte, ein Wort, ein Handdruck, ein Blick von ihr würde ihn von dem entsühnen, dessen er sich selbst wie einer gegen sie begangenen Treulosigkeit beschuldigte. Was aber mochte sie von ihm denken, daß er sich auf dem Abtshofe gar nicht sehen ließ? mußte sie nicht an seiner Liebe zweifeln, ihn für unstät und wetterwendisch halten? Diese Bangnis überstieg alle anderen Sorgen, die ihn bedrückten.

Aber Trudi erklärte sich sein Fernbleiben mit der verständigen Einsicht, daß ihm die große Wirtschaft seines Vaters alle Hände voll zu tun geben und alle seine Zeit in Anspruch nehmen müsse, so daß er abends, todmüde von der Arbeit, nicht mehr zum Plaudern und Scherzen aufgelegt und fähig sei.

Statt seiner trachtete ein anderer danach, ihre Wege zu kreuzen, einer, dessen Begegnung ihr stets unangenehm war, – Junker Ulrich von Remchingen. Schon ein paarmal und so auch jüngst wieder hatte er sie in Gesellschaft Ammeries draußen vor dem Tore getroffen und eine Unterhaltung mit ihr angeknüpft, die er in der ihm sehr unerwünschten Gegenwart der Bürgermeistertochter in einem leidlich anständigen Tone führte. Was aber seine Worte nicht ausdrückten, das verrieten desto deutlicher seine Augen, die des schönen Mädchens blühende Gestalt mit so dreisten, lüsternen Blicken verschlangen, daß Trudi, äußerst peinlich davon berührt, das Gespräch möglichst schnell abbrach und sich, was nicht leicht war, des Junkers anschließende Begleitung unter einem mehr oder weniger durchsichtigen Vorwande alsbald entledigte. Wenn sie dann über seine Zudringlichkeit, vor deren bedrohlichen Weitergehen ihr schauderte, empört war und ihre Angst davor nicht verhehlte, beruhigte sie Ammerie und suchte sie dadurch aufzuheitern, daß sie den kecken Galan hinter seinem Rücken mit anzüglichen und witzigen Bemerkungen gründlich verspottete. Dann aber brachte sie die Rede auf Franz, und das war das beste Mittel, Trudis gute Laune flugs wieder herzustellen. Bald strich sie Franzens Vorzüge und Tugenden über die Maßen stark heraus, was der gern Zuhörenden wie liebliche Musik klang, bald griff sie ihn an irgendeiner Seite seines Wesens scharf an, und dann erfolgte, was sie eben damit bezweckt hatte, ein sehr entschiedener Widerspruch von Trudi und eine überströmend warme Verteidigung des Getadelten. Das dauerte so lange, bis Ammerie endlich in ein schallendes Gelächter ausbrach, Trudi nun die Absicht der Hinterlistigen erkannte und über die unbedachte Offenbarung ihrer Gefühle für Franz, die jedoch ohnehin kein Geheimnis für Ammerie waren, errötend in das triumphierende Lachen der Freundin einstimmte.

Als die zwei Mädchen dann mit von Frohsinn strahlenden Gesichtern von ihrem Ausgange nach Hause kamen und der Bürgermeister sie verwundert fragte, was sie denn in solche Lustigkeit versetzt hätte, antwortete die Schelmin Ammerie: »O wir haben uns tüchtig um einen gezankt, in den wir beide bis über die Ohren verliebt sind. Weißt du das nicht, Väterle?«

Ja, Christoph Armbruster wußte, was in einem der Mädchenherzen unter seinem Dache lebte und webte, und war der festen Überzeugung, daß nur der zähe Wille Florian Gersbachers seinen Sohn noch von der Werbung um Trudis Hand zurückhielt.

Wie er nun seine Nichte so heiter und vergnügt sah, erfüllt von der beseligenden Hoffnung auf ein baldiges Liebesglück, erfaßte ihn ein tiefes Weh, weil er, er allein, auch wußte, daß diese mit allen Segeln fahrende Hoffnung hilflos scheitern würde. Zwar Gersbachers schrullenhafte Verstocktheit, seinen Sohn mit der fahrigen Jakobine verkoppeln zu wollen, glaubte er in einer günstigen Stunde unter vier Augen, vielleicht bei einem guten Tropfen, besiegen zu können. Wenn aber der hochmütige Großbauer erst einmal Witterung vom Wildfangrechte bekam, so war an seine Zustimmung zu einem Ehebunde der beiden sich Liebenden gar nicht zu denken.

Diese trostlose Gewißheit war die schwere, bittere Sorge, mit der Christoph Armbruster Trudis wegen in verzweifeltem Kampfe lag. Doch er hielt sie in seiner Brust verschlossen und verschwieg sie selbst seinem treuen Ehegespons. Es war genug, daß einer daran zu würgen und darunter zu leiden hatte; die anderen, die Seinigen wollte er so lange wie möglich damit verschonen. Aber wie lange konnte er das noch? Jetzt war schon Hochsommer, der Kreuz-Erhöhungstag also nicht mehr fern, und damit war die Frist verstrichen, nach deren Ablauf Trudi ihrem Schicksal verfiel, das von ihr abzuwenden der Bürgermeister in mancher schlaflosen Nacht auf Mittel und Wege sann.

 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.