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Das Wildfangrecht

Julius Wolff: Das Wildfangrecht - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
booktitleSämtliche Werke Band VII
authorJulius Wolff
year1912
publisherPaul List Verlag
addressLeipzig
titleDas Wildfangrecht
pages1-280
created20021022
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1907
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Achtzehntes Kapitel.

Schon am nächsten Abend konnte Schneckenkaschper auf dem Abtshofe melden, daß der Fremde im Gasthause zur goldenen Traube wohnte, in das er auch soeben seinen Großvater hätte hineingehen sehen.

»Natürlich wieder Hammichel, der sich dem Abgesandten sofort als Bundesgenosse zur Verfügung stellt,« sprach der Bürgermeister.

Die beiden Mädchen waren nicht zugegen, wohl aber Madlen, die nun sagte: »Wie mögen sich diese zwei Menschen nur so schnell zusammengefunden haben?«

»Sie werden wohl eine ebenso feine Nase haben wie Schneckenkaschper sein Patz und haben's sich gegenseitig angerochen, weß Geistes Kinder sie beide sind,« höhnte Christoph.

Kasper aber wurde für seine wichtige Entdeckung von Madlen mit einem Abendbrot belohnt. –

Die Verbindung Ebendorffers mit Hammichel hatte der Zufall eingeleitet. Der Alte hatte den ihm Unbekannten auf der Straße getroffen, wo dieser, ein schlanker, kräftig gebauter Mensch von einigen dreißig Jahren, umherspähend sich die Häuser und Höfe betrachtete, als suche er jemand. Da hatte Hammichel in der Hoffnung auf einen klingenden Habedank sich ihm mit der Anrede genähert: »Ihr seid hier fremd, Herr; kann ich Euch vielleicht mit einer Auskunft von Nutzen sein?«

»Das nehm' ich gern an,« erwiderte der also Begrüßte, dem das verschmitzte Gesicht des sich ihm Anbietenden Vertrauen zu seiner Brauchbarkeit einflößte. »Ich suche eine gewisse Trudi Hegewald aus dem Würzburgischen.«

»Die schöne Trudi sucht Ihr?« sprach Hammichel erstaunt. »Ja, die wohnt hier, und ich kenne sie genau. Aber,« fuhr er fort, als er sah, wie willkommen dem Fremden diese Nachricht zu sein schien, »was wollt Ihr denn von der, wenn ich fragen darf? das möcht' ich wissen, eh' ich Euch zu ihr führe.«

»Was ich von ihr will, könnt Ihr und ganz Wachenheim wissen, denn es liegt kein Grund vor, ein Hehl daraus zu machen,« gab Ebendorffer sehr von oben herab zur Antwort. »Ich hab ein wohlverbrieftes Recht auf sie, kraft dessen sie mir unweigerlich ausgeliefert werden muß. Sie ist aus ihrem Dienst auf dem Klosterhof zu Bronnbach entflohen, und ich bin als Verwalter des Hofes beauftragt und bevollmächtigt, sie dahin zurückzuholen.«

»Was Ihr sagt!« grinste der rasch Überlegende, erfreut über die für ihn aussichtsreiche Eröffnung. »Nur, so leicht und ohne weiteres wird sich das nicht bewerkstelligen lassen; freiwillig wird sie schwerlich mit Euch gehen und ob man sie dazu zwingen wird, ist auch noch die Frage. Aber ich könnt' Euch in der Sache viel helfen, wenn Ihr verschwiegen sein wollt und wenn Ihr –«

»Verstehe schon,« lächelte der andere und blinzelte dem gefälligen Vermittler gönnerhaft zu. »Es soll Euer Schade nicht sein. Wie heißt Ihr, guter Freund?«

»Hammichel, Hammichel von Gimmeldingen, Euch zu dienen.«

»Hammichel von Gimmeldingen, – ein hübscher Name, ein einschmeichelnder Name!«

»Nicht wahr?« schmunzelte der Alte, »und hier zehn Meilen weit in der Runde überall mit Ehren genannt.«

»Ei, ei! da kann man sich wohl auf Euch verlassen, Hammichel von Gimmeldingen?«

»In allen Stücken, bei Tag und bei Nacht, Herr –«

»Vinzenz Ebendorffer.«

Tief duckte Hammichel seinen krummen Rücken und sprach: »Aber die Trudi ist doch schon ein ganzes Jahr hier. Warum seid Ihr denn nicht schon früher gekommen, sie zu holen?«

»Weil ich ihren Aufenthaltsort nicht kannte,« erwiderte Ebendorffer. »Erst kürzlich hat ihr Stiefvater, mit dem ich befreundet bin, ein von ihrer verstorbenen Mutter hinterlassenes Papier aufgefunden, aus dem hervorging, daß sie in der Rheinpfalz Verwandte haben mußte. Da hab ich mich aufgemacht und hierzulande in Städten und Dörfern nach ihr geforscht, aber niemand wußte etwas von einer Trudi Hegewald. Ihr seid der erste, der mir Bescheid geben konnte.«

»Das hat sich gut getroffen,« sagte Hammichel. »Die Verwandten des Mädchens sind der hiesige Bürgermeister Christoph Armbruster und seine Familie, die der Flüchtigen Obdach gewährt haben. Aber ich schlage vor, Herr Ebendorffer, daß wir das Nähere in geschlossenen vier Wänden bereden; hier auf der Gasse könnte das auffallen, es gibt hier schlechte, übeldenkende Menschen.«

»So kommt in den Gasthof zur goldenen Traube,« sprach der Meier. »Da bin ich abgestiegen und hab' auch mein Pferd dort eingestellt.«

»Hergeritten seid Ihr?«

»Jawohl, auf einem geschwinden und starken Gaul, ausdauernd in jeder Gangart.«

»Darum auch die Sporen. Wann soll ich kommen, Herr Ebendorffer?«

»Gegen Abend will ich Euch erwarten, lieber Hammichel, und im Gasthof werd' ich Euch einen Extraschoppen Pfälzer vorsetzen, der Euch munden soll.«

»Und den ich selbst zurecht gemacht habe,« sagte sich der geheime Kellermeister des Traubenwirtes, nachdem er sich von seinem neuen Geschäftsfreunde getrennt hatte. »Ein gefunden Fressen, dieser sporenklirrende Mädchenfänger! Würzburger Gulden gelten ebensoviel wie rheinische, wenn sie einem wie gebratene Tauben ins Maul fliegen. Nun muß mir doch auch Jakobine wieder blechen, daß ich dabei mitwirke, die ihr Unbequeme von hier fortzuschaffen. Zwei Eisen im Feuer! das dreht sich ja recht günstig für dich, alter Hammichel, und Seiner hochnäsigen Wohlweisheit dem Herrn Bürgermeister schickst du jetzt einen auf den Hals, der eine bessere Vollmacht hat als der dämische Hühnerfaut mit dem wieder aufgebrühten Wildfangrecht.«

Als es Abend geworden war, folgte Hammichel der Einladung des Meiers, wie es Kaspar gesehen und flugs auf dem Abtshofe gemeldet hatte. –

Das Gasthaus zur goldenen Traube wurde von Einheimischen fast gar nicht besucht, sondern mehr als Herberge für Durchreisende und als Ausspann für Fuhrleute und Reiter benutzt. Die beiden einander Würdigen, der Bronnbacher und der Gimmeldinger, saßen dort unbeobachtet und unbelauscht beim Wein und besprachen leise, wie sich Trudis Beschlagnahme am sichersten und schnellsten erreichen ließe. Um Schnelligkeit war es aber Hammichel durchaus nicht dabei zu tun, denn er wünschte mehr solche verstohlenen Zusammenkünfte mit dem Meier, deren jede einen in barer Münze ausgerechneten Wert für ihn hatte. Darum hob er mit erheuchelter Sorglichkeit für den vorwärts Drängenden die Schwierigkeiten des Unternehmens nachdrücklich hervor und suchte sie möglichst aufzubauschen. Er weihte ihn, soviel es ihm ersprießlich deuchte, in die Wachenheimer Verhältnisse umständlich ein, unterrichtete ihn von der unnachgiebigen Hartnäckigkeit und dem vielvermögenden Einflusse des Bürgermeisters und erfand noch mehr dem Plan entgegenstehende Hindernisse, deren Überwindung mit der äußersten Vorsicht betrieben werden müßte.

Die vielen Wenn und Aber seines schlauen Zuträgers entmutigten den Meier jedoch nicht, was Hammichel auch keineswegs beabsichtigte. Er bestärkte ihn vielmehr geflissentlich in seinem Vorsatze, morgen zu Armbruster zu gehen und die pflichtschuldige Auslieferung der aus der Klosterfron Entsprungenen kurz und bündig zu fordern.

Der Erzschelm wußte genau, daß dies ein völlig verlorener Schritt sein würde. Aber er wollte Zeit gewinnen, die Sache in die Länge ziehen, den schon halb Umgarnten nach dem Mißlingen der einen noch zu anderen Maßnahmen anstiften und ihm dabei mit Rat und Tat zur Seite stehen, – natürlich nicht für nichts und wieder nichts.

Um des Bronnbachers brennendes Verlangen nach Trudi, dessen wahren Beweggrund er bald entdeckt hatte, noch zu schüren, versäumte er nicht, ihm ihre anmutige Erscheinung recht sinnfällig herauszustreichen und ihre verführerischen Reize zu schildern, womit sie den Burschen hier die Köpfe verdrehte, daß alle nach ihrem Besitz trachteten und schmachteten. Das war Öl ins Feuer gegossen, und in der Weinlaune versprach Ebendorffer dem abgefeimten Schacherer goldene Berge für seine Hilfe, wenn sie den gewünschten Erfolg hätte. Heute schon drückte er ihm zum Dank für seine Bemühung ein ziemlich gewichtiges Geldstück in die Hand, das Hammichel unbesehen, aber in richtiger Abschätzung seines Silbergehaltes zufrieden einsteckte. Das war doch ein Anfang, der weitere gute Besoldung erhoffen ließ, und dienstwillig empfahl sich der Seßhafte zu später Stunde seinem freigebigen Beköstiger mit dem Versprechen, am nächsten Abend wiederzukommen, um zu hören, welchen Verlauf der Antrittsbesuch auf dem Abtshofe genommen hatte.

Langsam wandelte er durch die nächtlich stillen Gassen seiner Behausung zu und spann allerhand Fäden, an denen er den Irregeführten zappeln und so lange hin- und herziehen wollte, bis er sein Schäflein im Trockenen, d. h. sowohl von Ebendorffer wie von Jakobinen nicht gering veranschlagte Sporteln und Gebühren für seine Maulwurfsarbeit eingesackt hatte.

Am Himmel stand der Mond, der dem alten Fuchse schon auf manchem Schleichwege geleuchtet hatte und ihm jetzt ein Gesicht schnitt, über dessen Ausdruck der bedächtig zu ihm Aufblickende in Zweifel war. Wollte der verschwiegene Mitwisser so vieler Heimlichkeiten ihn zu den vorhabenden Schritten anreizen oder ihn davor warnen? Ihm war, als hauchte der Nachtwind von oben her den beherzigenswerten Wink ins Ohr: hüte dich, Hammichel, daß du nicht die eigene Haut zu Markte trägst und selbst in die Grube fällst, die du einem andern graben willst! Aber da flog, weit rechts vom Monde, eine Sternschnuppe. »Huihui!« lachte er, »das war mir ein Fingerzeig, ein Vorbild. Einer, der sich in den Schwächen der Menschen auskennt wie auf den verschlungenen Pfaden des Westricher Waldes, der läßt sich so wenig fangen, wie das Kometlein, das da durchs Weltall flitzt.« Und im Vertrauen auf seine Geschicklichkeit in der Behandlung von gefährlichen und verbotenen Dingen trottete er heimwärts und kroch, behaglich schnurrend wie ein alter Kater, in sein armseliges Bett. –

Am andern Morgen stand Vinzenz Ebendorffer dem Bürgermeister in dessen Amtsstube gegenüber. Christoph Armbruster hielt ein Pergamentblatt in der Hand, das in sauberer Mönchsschrift die Sendung Ebendorffers, auf Trudi zu fahnden, klerikalamtlich bestätigte und mit dem klösterlichen Siegel versehen war. Er hatte das Skriptum gelesen und reichte es nun dem Meier zurück, indem er kühl und gelassen sagte: »An Eurer Beglaubigung ist weiter nichts auszusetzen, als daß Euch zur Vollstreckung dieses Haftbefehls zweierlei mangelt, erstens das Recht und zweitens die Macht.«

»Die Macht wird zur Vollstreckung bereit sein, sobald ihre Anwendung nötig wird, und das Recht dazu werdet Ihr mir wohl nicht bestreiten, Herr Bürgermeister,« sprach Ebendorffer hochfahrenden Tones.

»Mit aller Entschiedenheit tu ich das,« ließ ihn Christoph hart an, von dem allzu sichern und selbstbewußten Auftreten des jüngeren Mannes unangenehm berührt. »Wer gibt denn Euch oder Eurem Abte das Recht, meine Anverwandte aus meinem Hause, in dem sie ihre zweite Heimat gefunden hat, hinwegzunehmen?«

»Ihre Eltern waren Altarleute des Klosters, ihm also untertan und zu Frondienst auf dem Meierhofe, dessen Verwalter ich bin, verpflichtet. Und wie es ihre Eltern waren und ihr Stiefvater heute noch ist, so ist es auf Lebenszeit auch ihre Tochter,« behauptete Ebendorffer dreist.

»Die Verpflichtung zum Frondienst ist an den Besitz des klösterlichen Lehngutes zu Gamburg gebunden,« entgegnete Christoph. »Trudi Hegewald hat aber auf diesen Besitz verzichtet und erhebt keinen Anspruch mehr darauf. Damit ist sie unabhängig vom Kloster und aller Lasten ledig.«

»Dies Pergament beweist Euch das Gegenteil,« gab Ebendorffer trotzig zur Antwort. »Ich bin der Vertreter und Bevollmächtigte des nachjagenden Herrn, der das unantastbare Recht hat, eine aus seinem Gebiet Entflohene zur Rückkehr in ihre angeborene Untertänigkeit zu zwingen, und dazu bin ich hergekommen. Hinter mir steht der hochwürdige Abt von Bronnbach und hinter dem Abte Seine Gnaden der Bischof von Würzburg.«

»Mir hat kein Abt und kein Bischof etwas vorzuschreiben,« erklärte der Bürgermeister stolz und hochaufgerichtet mit zornig gefurchter Stirn. »Und auf die großen Worte, die Ihr im Munde führt, sag' ich Euch: ich glaube nicht, daß der Abt hinter Euch steht, sondern glaube, daß Ihr Euch hinter den Abt, von dem Ihr diese Vollmacht erschlichen habt, falsch und feige verkriecht, weil Ihr Trudi in Eure eigene Gewalt zwingen wollt. Man kennt Eure ruchlosen Absichten auf das Mädchen.«

Der Rothaarige geriet in sichtliche Verlegenheit, denn er fühlte sich von der schweren Anklage, die ihm der Bürgermeister ins Gesicht schleuderte, getroffen. Doch er faßte sich schnell und erwiderte grob: »Der Eurigen wird sie jedenfalls entzogen werden.«

»Versucht's einmal!« warf Christoph spöttisch hin.

»Ihr unterschätzt die Kräfte, über die wir zur Durchführung unseres Willens verfügen,« hielt ihm Ebendorffer hochmütig entgegen, »und wenn Ihr Euch dem verbrieften Rechte nicht –«

»Ah, jetzt kommt Ihr wohl mit der Macht, die Ihr gegen mich gebrauchen wollt?« unterbrach Christoph den Unklugen und maß ihn mit einem verächtlichen Blicke. »Nun, auf deren Entfaltung bin ich in der Tat neugierig, aber bedenkt es wohl, Mann! wir haben hier in einem festen Turme stille Kämmerlein mit schwedischen Gardinen, und draußen vor dem Tore ragt ein hoher Galgen in die blaue Luft.«

»Könnt Ihr etwa mehr als die Nürnberger, die keinen hängen, sie hätten ihn denn?« höhnte Ebendorffer. »Vergeßt nicht, daß ich als Abgesandter eines kirchlichen Würdenträgers in einer unangreifbaren Stellung bin.«

Bei dieser unverschämten Frechheit stieg dem Bürgermeister das Blut zu Kopfe, und empört rief er aus: »Pocht nicht zu laut auf Eure eingebildete Unverletzbarkeit! wir würden kurzen Prozeß mit Euch machen. Die Trudi liefere ich nicht aus, das laßt Euch hiermit ein für allemal gesagt sein. Und nun hab' ich keine Lust mehr, mit Euch noch länger zu verhandeln; packt Euch! dort ist die Tür.«

Der so schroff Hinausgewiesene machte sich ohne Gruß und mit einem grimmen Fluch auf den Lippen davon und Christoph Armbruster hatte nun einen Feind mehr in Wachenheim.

Er war überzeugt, daß dieser erste leicht abgeschlagene Angriff auf Trudis Freiheit nur der Anfang gewesen war von einem vielleicht hartnäckigen Kampfe, der ernster zu nehmen war als die Auflehnung gegen das Wildfangrecht. Der Meier, der sicher alles aufbieten würde, Trudi zu seiner Leibeigenen in des Wortes schändlichster Bedeutung zu machen, schien ein leidenschaftlicher, zügelloser Mensch zu sein, und Christoph mußte dessen nächste, nicht vorauszusehenden Schritte abwarten, eh' er Maßregeln zu ihrer Abwehr treffen konnte. Sollte er den Schultheißen um Rat fragen, was hier zu tun sei? Davon versprach er sich wenig. Gottfried Bofinger hatte das Recht des nachjagenden Herrn als unanfechtbar anerkannt, konnte also nicht dagegen einschreiten. Oder sollte er, um Macht wider Macht ins Feld zu führen, den Reichsfreiherrn um seinen Schutz angehen? Ja, wenn Dietrich von Remchingen dazu geneigt und auch dazu befugt wäre! An dem guten Willen des alten Freundes zweifelte er nicht, aber er wußte, daß Dieter in allen Dingen unparteiisch und gewissenhaft war und sich bei seinen Amtshandlungen nicht durch Gefühlsregungen bestimmen ließ.

Während er diese und noch andere Entschlüsse sorgenvoll bei sich erwog, erschienen nach und nach seine sämtlichen auf dem Abtshofe hausenden Familienglieder bei ihm, um zu erfahren, was der Bronnbacher von ihm gewollt und welche Zumutungen er in bezug auf Trudi an ihn gestellt hätte.

Anfangs wich er ihren sich überstürzenden Fragen aus und gab ihnen nur widerstrebend und andeutungsweise Auskunft. Als aber zuletzt auch Trudi und Ammerie mit angsterfüllten Gesichtern bei ihm eintraten, brachte er es nicht mehr über sich, den Seinigen die Wahrheit vorzuenthalten und erstattete ihnen fast wortgetreuen Bericht.

Der Eindruck, den dieser auf sie machte, war ein sehr verschiedener. Peter geriet über die Frechheit des Meiers in Wut und wollte nicht mehr ohne hagebüchenen Stock ausgehen, um den Friedensstörer bei Gelegenheit mores lehren zu können. Elsbeth war voll Mitleid mit Trudi und bangte sich um ihren Mann, daß er sich in einen Streit mit dem bewaffneten Fremden einlassen wollte Ammerie aber stimmte ihrem Bruder lebhaft zu, daß Knüppel aus dem Sack die richtigste und verständlichste Antwort auf Ebendorffers unverschämte Forderung wäre. Trudi saß abseits, in stiller Verzweiflung über das neuerdings auf sie heranstürmende Schicksal, das ihr grauenvoller war als das, die Hörige des Reichsfreiherrn zu werden. Nur in der eiligen Flucht mit Franz sah sie noch eine Möglichkeit zur Rettung. Die einzige, die außer dem Bürgermeister ihre Besonnenheit bewahrte, war Madlen.

Sie wußte, daß Christoph dem frevelhaften Begehren des Meiers einen unbeugsamen Widerstand entgegensetzen würde und hegte wie in allen Lebenslagen so auch in dieser ein unerschütterliches Vertrauen zu ihm. Sie hatte bis jetzt geschwiegen, ging aber nun zu Trudi, nahm, sich neben sie setzend, deren Rechte in ihre beiden Hände und sprach ruhig und mild: »Fürchte dich nicht, mein liebes Kind! das kann Gott nicht wollen, daß du in die Gewalt dieses niederträchtigen Menschen fällst. Onkel Chrischtoph ist Bürgermeister dieser Stadt und steht mit seiner Kraft und seinem eisernen Willen nicht einsam und allein. Er hat Freunde um sich, die ihm helfen werden, dich zu beschützen und in Not und Gefahr zu verteidigen. Du wirst von uns nicht verraten und verkauft werden. Das sage ich dir, deine jetzige Mutter, die du in guten und bösen Stunden stets an deiner Seite haben wirst. Chrischtoph, was sagst du?«

Christoph kam zu Trudi heran und sprach: »Solange ich lebe, Trudi, sollst du niemals gegen deinen Wunsch und Willen von meinem Hofe gehen.«

Sie sah mit einem innig dankbaren Blick zu ihm auf, war aber keines Wortes fähig.

»Nun wieder an die Arbeit, Kinder!« gebot Madlen mit hausmütterlicher Würde und Entschiedenheit. »Und wenn du mich brauchst, Chrischtoph, so rufe deine Frau!«

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