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Das Verrätertor

Edgar Wallace: Das Verrätertor - Kapitel 11
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDas Verrätertor
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun9. Auflage
isbn3-442-00045-9
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid65702eb2
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10

Er kehrte nach Greenwich zurück und fand dort seinen Wagen. Anstatt nach Cobham zu fahren, eilte er in eine Telefonzelle und wählte die Nummer des Mousetrap-Klubs. Mr. Trayne war anscheinend im Haus, denn nach auffällig kurzer Zeit war er am Apparat.

»Ich habe einen Freund von Ihnen getroffen«, sagte Graham vorsichtig. »Erinnern Sie sich an die Frau, die wir sahen, als wir aus dem Fenster schauten?«

»Mrs. O.?« war die schnelle Antwort. Als Graham dies bestätigte, fragte er: »Wo war sie?«

»In Canning Town. Ich glaube, sie war mir auf der Spur.«

Erst nach einiger Zeit sprach Trayne wieder.

»Kommen Sie nach dem Westen. Warten Sie in der Wardour Street auf mich. Ihr Wagen ist doch geschlossen, nicht wahr? Gut! Ich werde in zwanzig Minuten dort sein.«

Graham setzte seinen Weg fort. An einer einsamen Stelle der Wardour Street überholte er Trayne und fuhr so langsam, daß dieser aufspringen konnte.

»Regent's Park – Außenring«, gab Trayne an und sprach nicht, ehe sie in dieser einsamen Gegend ankamen.

»Nun erzählen Sie mir.«

»Es ist nicht viel zu sagen.« Graham lachte rauh. »Ich sah sie erst, als ich auf den Autobus wartete, aber ich bin überzeugt, daß sie mich schon den ganzen Abend beobachtet hat.«

Wieder ein langes, nachdenkliches Schweigen.

»Ich bin neugierig, was sie weiß«, murmelte Trayne. »In dem Gasthaus haben Sie sie nicht gesehen?«

Graham schüttelte den Kopf.

»Ich hätte sie sofort erkannt«, sagte er. »Nein, ich glaube, sie hat mich erst gesehen, wie ich den Kapitän verließ – ich möchte darauf schwören, daß niemand in der Straße war, als ich mit Eli Boß dort ging.«

»Hm!« Trayne war nicht davon überzeugt. »Diese dicke Frau ist wundervoll«, sagte er mit zögernder Bewunderung. »Ich möchte beinahe wetten, daß sie Sie von dem Augenblick an unter Aufsicht hatte, als Sie Cobham verließen. Was halten Sie von Eli?« fragte er plötzlich.

»Dem Kapitän? Er ist kein besonders angenehmer Zeitgenosse.«

»Nur seine Nützlichkeit ist hier wichtig«, sagte Trayne. »Er würde, wenn es sein müßte, seinen eigenen Sohn verschachern. Er hat schon für mich gearbeitet, aber nicht in dieser Weise. Vor einem muß ich Sie warnen: er darf nicht wissen, was Sie nach Indien bringen, oder der Artikel wird niemals dort landen. Solange er glaubt, es sei Kokain, ist keine Gefahr vorhanden.«

»Hat er Aussicht, es zu erfahren?«

»Nein, wenn nicht das Schiff im Kanal angehalten wird. Er gibt an, daß er eine Ladung Radiomaterial führt, aber ich glaube, das ist nur Vorspiegelung, um die Nachforschungen des Handelsamtes zu befriedigen – er war vorher von einer englischen Firma gechartert. Wenn Sie Ihre Koffer hinschicken, wird es gut sein, daß Sie ein paar Pistolen und ein paar hundert Patronen einpacken – Sie können sie vielleicht brauchen.«

»Weiß der Kapitän, daß Sie Ihre Hand im Spiel haben?« fragte Graham neugierig. Zu seinem größten Erstaunen erhielt er von dem anderen ein entschiedenes Nein zur Antwort.

»Er denkt, daß er es einem meiner Freunde zu Gefallen tut. Eli Boß tut alles nur aus Gefallen. Es ist seine Anschauung, daß er anderen Leuten immer nur eine Gnade erweist. Er ist ein roher, leidenschaftlicher Mensch, aber die Leidenschaft, die ihn beherrscht, wird Sie nicht besonders stören.«

»Was ist es denn?«

»Frauen«, war die lakonische Erwiderung. »Er war deswegen schon dreimal vor dem Richter, und beinahe hätte er einmal eine lange Freiheitsstrafe wegen eines Mädchens in Turo bekommen. Sie werden es kaum für möglich halten, aber Eli bildet sich ein, daß er ein schöner Mann ist. Das grenzt beinahe an Verrücktheit. Seine beiden Söhne sind so schlecht und unvernünftig, daß sie den alten Teufel noch in seiner Eitelkeit bestärken. Geld ist sein Gott. Das einzige, was er noch darüberstellt, ist irgend etwas Weibliches. Glücklicherweise wird diese Frage auf Ihrer ganzen Reise nicht auftauchen, denn es ist ausdrücklich in seinem Vertrag mit mir oder vielmehr mit meinem mysteriösen Freund festgesetzt, daß eine Frau auf diese Reise nicht über das Fallreep darf. Der Preis, der ihm dafür bezahlt wird, ist so hoch, daß er sich bestimmt an seine Vereinbarung hält.«

Von Mrs. Ollorby sagte er nichts mehr. Kurz darauf setzte ihn Graham in Grower Street ab und kehrte nach Hause zurück. Es war schon sehr spät, als er heimkam, aber der Gärtner wartete noch auf ihn und begrüßte ihn auf der Treppe.

»Haben Sie einen Anruf, etwa um elf Uhr, erwartet?«

»Ich?« fragte Hallowell erstaunt. »Nein, warum?«

»Erwarten Sie eine Nachricht von Ihrer Frau?«

»Nein, es ist sehr unwahrscheinlich, daß sie mich anruft. Ich vermute, daß sie nicht einmal die Telefonnummer kennt.«

»Aber jemand kennt die Nummer sehr genau«, sagte der Gärtner. »Sie wurden ungefähr um elf Uhr angerufen, und zwar von einer Dame. Sie nannte Ihren vollen Namen und fragte, wann Sie vermutlich wieder zurück sein würden.«

»Was haben Sie geantwortet?«

»Ich sagte ihr, daß ich nicht wüßte, worüber sie spräche. Sie wollte mir nicht sagen, wer sie war, aber sie diktierte mir eine Mitteilung für Sie.« Graham folgte ihm in das Arbeitszimmer. Auf dem Löschpapier lag ein Notizblatt, auf dem in unregelmäßiger kindlicher Handschrift die Nachricht stand:

»Kein Geldschrank ist so sicher wie Raum 79 B Ward.«

Graham Hallowell wurde weiß bis in die Lippen. Denn 79 war die Nummer seiner Zelle, und B Ward war die Bezeichnung für den Gefängnisblock in Dartmoor, in dem er gesessen hatte.

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