Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Tieck >

Das Ungeheuer und der verzauberte Wald

Ludwig Tieck: Das Ungeheuer und der verzauberte Wald - Kapitel 5
Quellenangabe
typedrama
booktitleSchriften, Elfter Band
authorLudwig Tieck
year1829
firstpub1798
publisherG. Reimer
addressBerlin
titleDas Ungeheuer und der verzauberte Wald
pages124
created20130607
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Dritter Akt.

(Der bezauberte Wald.)

Eine angenehme süße Musik ertönt, in der Ferne ein Fluß, auf dem Schwäne einen bekränzten Nachen herbeiziehen, in welchem die Fee Allina sitzt, eine Zither in der Hand.

Unsichtbar Chor.
Die Morgenröthe durch den Wald
Mit süßen funkelnden Strahlen glüht:
In unserm düstern Aufenthalt
Ach! keine Freude, kein Trost erblüht.

Allina.
Auf Wogen,
Gezogen
Von Klängen,
Gesängen,
Durch Strahlen gelenkt, –
Die Wellen,
Die hellen
Gewölke, von Morgenröthe getränkt:
Die Töne,
Die Schwäne,
Die säuselnden Lüfte,
Die blumigen Düfte,
Sich alles zum Gruße entgegen mir drängt.
Ohn Sorgen
Nur weiter,
Wie heiter
Der Morgen!
Fließ Bächlein,
Fahr Schifflein
Ohn Sorgen
Nur weiter,
Begegnet doch alles wie's Schicksal verhängt.

Der Nachen fährt fort.

Unsichtbar Chor.
        Die Morgenröthe durch den Wald
        Mit süßen funkelnden Strahlen glüht;
        In unserm düstern Aufenthalt
        Ach! keine Freude, kein Trost erblüht


(Der Garten.)

Oriana, Climene.

Climene. Sprich Unglückselige, oder ich werde wahnsinnig vor Verdruß und Aerger.

Oriana. Laß der Zeit ihren Gang, heut ist ein wichtiger Tag, heut und morgen, an welchen Tagen sich vieles entscheiden muß.

Climene. So sprichst Du jeden Tag, und immer wieder geschieht es nicht, und immer wieder machst Du mir Hoffnung, die dann von neuem betrogen wird.

Oriana. Es geht nicht so wie Du es meinst, Du mußt der Zeit Zeit lassen, dem Zauber und Beschwörungen Raum, reif zu werden.

Climene. Was steht uns denn noch im Wege?

Oriana. Die Sterne, die bösen Stunden sind uns hinderlich.

Climene. Der erstgeborne Sohn des Königs ist aus dem Wege geräumt, nun muß auch der zweite fallen!

Oriana. Er soll.

Climene. Ich traue deinen Versicherungen nicht mehr.

Oriana. Elfino, mein mächtiger Feind, ist mir entgegen, seine Sterne regieren jetzt und halten die Kräfte des gewaltigen Olallin eingekerkert.

Climene. Deine Kunst erscheint mir jetzt aberwitzig, ich will mir selber Hülfe schaffen; was sollen mir alle Deine Geister? –

        Ich will mir selbst vertraun,
        Um keine fremde Hülfe flehn,
        Durch eigne Kraft, was soll geschehn,
        In meinem Sinn erbaun.
        Mich sollen im Grimme
        Gesetze nicht schrecken,
        Es soll meine Stimme
        Die Gräuel erwecken:
        Man kann mich nicht lieben,
        So zittre man mir,
        Als Schutz ist geblieben
        Zu rächen, zu strafen, die wilde Begier. ab.

Oriana.
        Sie rast, sie weiß nicht was sie thut,
        Doch alles auf der Götter Willen ruht. ab.

Sebastiano, Trappola treten auf.

Sebastiano. Da sind wir wieder sicher am Hofe.

Trappola. Sicher? Das ich nicht sagen könnte! Wir wissen kein Wort vom Orakel, wir können das Land nicht retten, wir haben alles überhört, den Götter-Spruch in Wein versoffen – o es ist ein schändliches Ding um den Trunk, dem sich ein Diener des Staats, vollends wenn er nach einem Orakel geschickt wird, niemals nicht ergeben sollte; – wenn sie uns also nun festnehmen, und ins Gefängniß werfen und hinrichten? –

Sebastiano. Sei unbesorgt, mein getreuer Trappola, die Leute da draußen wußten selber nicht was sie sagen sollten; so gescheidt wie sie werden wir auch immer sein können. Sieh, mich dünkt, sie haben uns eine gute Lehre gegeben! Du wirst bemerkt haben, daß sie das Orakel zusammenwürfelten –

Trappola. Ich habe nichts bemerkt, weil ich, wie gesagt, so niederträchtig gewesen war, mich damals dem Trunke zu ergeben: o der Trunk ist ein abscheuliches Laster!

Sebastiano. Ja doch mein Sohn! doch das bei Seit' gesetzt wollte ich Dir nur sagen, welche Bemerkung mir in Rücksicht der weissagenden Felsen eingefallen ist –

Trappola. Und daß der Trunk dem Verstande so nachtheilig ist –

Sebastiano. Gieb Dich nur zur Ruhe. Sie würfelten und legten das Orakel zusammen und so geschieht es eigentlich mit aller Weisheit und Klugheit in der Welt. Will was gescheidtes draus werden, so geschieht es, wenn nicht, so läßt es sich durch Verstand nicht zwingen. –

Trappola. Das ist gewissermaßen wahr.

Sebastiano. Nicht gewissermaßen, sondern völlig, und darum laß mich nur für eine Antwort sorgen.

Prinz Aldrovan kömmt.

Aldrovan. Seid Ihr schon wieder zurückgekommen, mein lieber Sebastiano?

Sebastiano. Ja, mein Prinz.

Trappola. Wir haben viel zum Besten des Vaterlandes gelitten.

Aldrovan. Aber warum geht ihr nicht schnell an den versammelten Hof? Alle warten auf Euch, alle sind auf die Antwort des Orakels begierig.

Sebastiano. So wollen wir denn nur schnell uns hin begeben. Sie gehn ab.


(Großer Saal im Pallast.)

Der versammelte Hof, der König, Climene, Samieli, Gefolge.

König. Sie kommen nicht, und kommen nicht, wir warten und warten und sie kommen nicht und kommen nicht.

Samieli. Und mein König, wir werden noch lange warten müssen, denn wenn es gar keine Weissagungsfelsen giebt –

König. O schweige endlich mit Deiner verfluchten Aufklärung still! Du machst mich am meisten verdrießlich.

Samieli. Mein König, wenn die Aufklärung erst unterdrückt wird –

König. O du Himmel! – so halt doch nur das Maul.

Samieli. Ich schweige.

Aldrovan, Sebastiano und Trappola treten auf.

Aldrovan. Mein Vater, die Abgesandten sind zurückgekommen!

König. Ja? – Wahrhaftig da sind sie – umarmt Sebastiano. o mein Freund, wird denn das Land nun glücklich werden? – umarmt Trappola. – Ach der Teufel! da hab' ich in der Hitze vor Entzücken den Bedienten embrassiret. Doch immerhin will ich das dran setzen und mich darüber wegsetzen, wenn ich nur meine Unterthanen glücklich machen kann. – Je nun, ein Bedienter ist auch ein Mensch, wir können nicht alle Könige sein. Nicht wahr, meine Freunde? Nun, und was machen denn die Weissagungsfelsen guts?

Sebastiano. Mein gnädigster König, wir haben unbeschreibliche Lebensgefahren zu überstehen gehabt, Gewitter haben uns fast todt geschlagen, dann die einsamen schwarzen Felsen, ein Wirrwarr von Kobolden und Geistern, nichts zu essen und zu trinken bei uns, kein Obdach, als unter freiem Himmel, nun noch das Weissagen, Donner und Blitz, die Propheten – nein es läßt sich das Entsetzliche gar nicht mit Worten aussprechen. Nachher noch verirrt und so dann endlich, nach vielen Leiden, in das werthgeschätzte Vaterland zurückgekommen.

König. Es ist erschrecklich! Mir schaudert, wenn ich es nur anhören muß; nein, ich bitte Dich Minister, verschone mich mit einer umständlichen Erzählung. Sagt lieber gleich das ganze Orakel heraus.

Sebastiano. Ach mein König!

König. Nun?

Sebastiano. Der Schmerz, das tiefe Leiden! ich kann unmöglich!

König. Warum denn nicht?

Sebastiano. Die Verzweiflung verschließt meine Lippen.

König. Wie so denn?

Sebastiano. Es ist zu schrecklich.

König. Nun Trappola, so sprich Du!

Trappola weint. Ach! ach! ach!

König. Was ist denn Leute? ich will doch nimmermehr hoffen?

Sebastiano und Trappola. Ach! ach! ach! laut schluchzend.

König. Ich werde doch nimmermehr für mein Vaterland wie ein gewisser Codrus sterben sollen? So redet ins Henkers Namen, mir wird grün und gelb vor den Augen!

Trappola. Ach ich weiß vom Orakel nichts, denn ich war um die Zeit, da es gegeben wurde, nicht mehr bei mir selber.

König. So geht mirs jetzt; wenns auf mich gemünzt ist, so straf ich das Orakel und alle Felsen in der Welt Lügen.

Sebastiano. Ich will sprechen. – Nein, mein König, nein, so ein großes Opfer, als Eure unschätzbare Person, fordert das Wohl des Staates nicht.

König. Was heult Ihr denn also? redet frei heraus, und fern sei es von uns, daß wir dem Vaterlande irgend ein Opfer abschlagen, wenn es auch noch so groß sein sollte.

Sebastiano. Ihr seid also auf alles gefaßt mein König?

König. Auf alles, machts nur kurz.

Sebastiano. So muß ich denn also sagen – aber vergebt mir dabei die Thränen, die ich als ein getreuer Unterthan vergieße, daß, – o wo soll ich Kraft hernehmen –

König. Wenn ich ungeduldig werde, wird es Euch noch schlimm ergehn.

Sebastiano. Daß, um mich kürzlich auszudrücken, der Prinz Aldrovan das Ungeheuer bekämpfen soll, dann wird das Land glücklich.

Alle. O wir Unglückliche! O grausames Schicksal, furchtbares Orakel!

König. Nun wenn ich gar daran glauben müßte! Seid also still, und ergebt Euch in den Willen des Himmels, wenn es doch nicht zu ändern ist. Aber was sagst Du dazu, mein Sohn?

Aldrovan. Ich sinne eben darüber, wie ich diesen Ausspruch gewünscht habe, und wie wunderbar es sich fügt, daß ihn das Orakel nun wirklich ertheilt!

Ha! ruft mich nicht das Vaterland,
Wie sollen Zweifel mich erschüttern!
Ich werde niemals vor Gefahren zittern,
Werd' ich in diesem Namen abgesandt.
Aus den Wolken winkt ein Glanz
Lorbeer streckt sich mir entgegen,
Ja ich geh' ihm kühn entgegen,
Denn mich lockt des Ruhmes Kranz.

Climene. Ach mein Sohn! – Willst Du entfliehn?
Soll der Thron hier ganz verwaisen?

Aldrovan. Nur dem Glück entgegen ziehn.

Climene. Und Du willst mein Herz zerreißen?

Aldrovan. Lebet wohl! mein Schwert, mein Schild,
Sollen meine Schirmer sein.
Der Geliebten Angedenken,
Ach! ihr süßes, himmlisch süßes Bild
Dies wird meine Schritte lenken. ab.

Chor. Ha! er trotzet den Gefahren!
Schicksal führ' ihn uns zurück! alle ab.


(Zimmer.)

Camilla, Rondino.

Camilla.
        O glückliche Stunde!
        Bald fliehen die Leiden,
        Dann kehren die Freuden
        Mit Liebe verbunden
        Hier zu uns zurück!

Rondino.
        Dann tanzen und singen
        Wir alle mit Freuden,
        Camilla uns beiden
        Gesänge erklingen
        Zur Hochzeit, zum Glück!

Trappola tritt bewaffnet auf.

Trappola. Was giebts hier? Ihr singt, Ihr heidnischen Freigeister und so eben soll nun das große Werk entschieden werden?

Rondino. Wie so?

Trappola. Wie so? Welche dumme Frage! O daß man nicht auf mehr Verstand in dieser Alltagswelt trifft. Wie so? der Prinz und das Ungeheuer werden nun gleich über das Wohl des Vaterlandes eine kleine Rücksprache nehmen.

Rondino. Der Prinz?

Trappola. Wer anders als der Prinz? Haben wir beide denn nicht, ich und der Minister Sebastiano, das furchtbare Orakel aus der Mitte von tausend Felsen herausbeißen müssen? Für wen seht Ihr uns denn an? Können wir das uns aus den Fingern saugen?

Camilla. Sei nur nicht böse, lieber Trappola.

Trappola. Ich bin nicht böse, ich kann nicht böse sein, dazu habe ich die Welt zu viel gesehn, dazu habe ich zu viel Geschäfte, denn jetzt gleich werde ich den Prinz nach dem gräßlichen Gebirge begleiten müssen.

Camilla. Was willst Du denn dort machen?

Trappola. Muß ich nicht allenthalben dabei sein? Wo kann es jetzt ein wichtiges Staatsgeschäft geben, in dem Trappola nicht ebenfalls verwickelt wäre? Was meint Ihr? Die guten Köpfe kommen jetzt im Königreiche empor; ich bin im Stande unter den Augen der Regierung über dies verfluchte Ungeheuer und den verzauberten bestialischen Wald ein eignes Journal zu schreiben.

Camilla. Was ist das ein Journal?

Trappola. Was ist das? welcher vernünftige Mensch frägt doch so, wenn von einem politischen Journal die Rede ist? Wenn das einer wüßte, würd' es kein Mensch schreiben.

Camilla. Du bist heut übel aufgeräumt.

Trappola. Das thut nichts, wenn nur das Reich gut aufgeräumt wird. Dich Rondino erinnere ich an meine Ausforderung, komm mit mir ins Gebirge, da will ich Dich vor dem Angesicht des Ungeheuers umbringen.

Rondino Du hast ja nichts als das Ungeheuer im Kopfe.

Trappola. Ich will noch weiter gehn, ich will selbst zum Ungeheuer werden.

        Taub und hart für alle Bitten,
Unerweichlich jedem Flehn,
Wirst Du heut den Kampf gestritten
Mit gebrochnem Auge sehn:
Ja ich will Dich also hassen,
Daß kein Grab Dir wird im Staub,
In der Wüste dort verlassen
Wirst dem Ungeheu'r zum Raub. geht ab.

Rondino und Camilla.
        O glückliche Stunden!
        Bald fliehen die Leiden,
        Dann kehren die Freuden
        Mit Liebe verbunden
        Hier zu uns zurück. gehn ab.


(Wald.)

Prinz Aldrovan, Samieli, Sebastiano.

Aldrovan. Wie reizend ist dieser Tag meine Freunde! O möchte er eben so schön beschließen! Seht, wie freundlich die Sonne durch diese Zweige scheint, wie alle Vögel jauchzen, und mir mit ihren süßen Stimmen Siegeslieder singen; ja eine glückliche Ahndung sagt mir, daß ich das Vaterland retten werde.

Samieli. Auf Ahndungen darf man niemals trauen, denn es ist Thorheit und Aberglauben sich auf dergleichen zu verlassen – heimlich. Sebastiano, Ihr erinnert Euch noch meiner Ausforderung!

Sebastiano. Ja, was wollt Ihr damit?

Samieli. Unter den Augen Eures Ungeheuers sollt Ihr umkommen oder die Wahrheit bekennen, daß dergleichen Phantome nicht existiren.

Sebastiano. Gut, wir werden sehn.

Trappola kömmt.

Aldrovan. Ich dachte, Freund, Du würdest uns gar nicht nachkommen?

Trappola. Mein Prinz, ich werde niemals einen so glorreichen Tag versäumen, wenn es Mord und Todschlag, Orakel und Ungeheuer giebt, da bin ich immer schnell bei der Hand!

Aldrovan. Geht meine Freunde, ich werde Euch sogleich folgen, aber erst muß ich noch meinen entzückten Gedanken nachhängen und die Reize der Natur ein wenig genießen.

Sebastiano leise. Er hat nämlich kein Herz!

Trappola rleise. Desto besser für das Ungeheuer! Sie gehn ab.

Aldrovan.
        O ihr süßen Liebesschmerzen
        Eilt ihr meinen Schritten nach?
        Ach! in meinem trunknen Herzen
        Werden alle Bilder wach.
        In den Zweigen singt die Wonne,
        Sie erklingt im Liedesschall,
        Ihre Bildung strahlt die Sonne
        Durch die Schatten überall.
        Wohin soll ich mich erretten,
        Vor der süßesten Gewalt?
        Ja ich ziehe meine Ketten
        Mit mir durch den grünen Wald.

(Der kleine Greis erscheint.)

Greis.
        Du ziehest zum Streite,
        Zum Kampfe dahin,
        Es glänzet noch heute
        Dir Sieg und Gewinn;
        Doch daß Du besiegest,
        Und niemals erliegest,
        Dem Unholde feig,
        Damit vor den Feen
        Im Kampf magst bestehen,
        So nimm diesen Zweig.

Aldrovan. Wie, du wunderbare Erscheinung? was soll ich mit diesem Geschenke beginnen?

Greis. Wenn Du Dich ermattet und Deine letzten Kräfte schwinden fühlst, so wirf diesen Zweig auf das Angesicht des Ungeheuers, und Du wirst gerettet sein.

Aldrovan. Ich danke Dir.

Greis. Spare Deinen Dank, bis wir uns wieder sehn. geht ab.

Aldrovan. Ein Zauber drängt den andern; ein Wunderwerk folgt auf das andre. ab.

Rondino tritt bewaffnet auf.
        Den zärtlichen Küssen
        Zum Kampfe entrissen
        Das Glück mir erscheint!
        Ich darf nicht mehr weilen,
        Ich muß ihn ereilen;
        Wo find' ich den Feind? geht ab.


(Das Gebirge.)

Das Ungeheuer kömmt aus dem Walde.

Ungeheuer. Wohin treibt mich meine Angst? was soll mit mir beginnen? wie schreckliche Stimmen tönt es um mein Ohr und ich erzittre. – Wohin soll ich entfliehen? denn wie in die Welt hinein zu flüchten, geißelt mich mein böser Genius.

        Ist die Zeit der Strafe da,
        Soll ich durch die Felder streifen,
        Durch die Felsenklüfte schweifen?
        Die Erlösung ist sie nah?
        Neu und fremd ist mir der Schein,
        Den die Sonne nieder spiegelt;
        Meine Wünsche wie beflügelt
        Brechen in die Traumwelt ein.
        Ach da flimmt die alte Zeit
        Von dem längst entschwundnen Glücke
        In die Einsamkeit zurücke;
        Alles sich vor mir erneut,
        Greif ich aber mit der Hand,
        Kann ich nimmer etwas halten,
        Es zerflattern die Gestalten
        In der Träume dunkles Land. geht in die Höhle.

Trappola tritt auf.

Trappola. Ich weiß nun nicht, ob ich mich mehr vor dem Ungeheuer oder dem mordsüchtigen Rondino fürchte. – Ist die Liebe oder Camilla wohl werth, sein Leben dafür zu wagen? – Es wird heut ein heißer, grausam blutiger Tag werden.

Rondino kömmt.

Rondino zieht den Degen. Nun mein Freund –

Trappola. Halt! nicht so eilig! immer und bei jeglicher Gelegenheit muß die Vernunft zu Rathe gezogen werden.

Rondino. Was giebts noch zu bedenken?

Trappola. O gar mancherlei: erstens, ist hier kein Ort, Händel anzufangen, Du mußt wissen, daß hier das furchtbare Ungeheuer wohnt; wenn wir hier unsere Schlägerei unternehmen, könnt' es sich gar darein mengen, auf eine Art, daß es uns beide auffräße

Rondino. Nun und was wäre da weiter?

Trappola. O Du gottlose freigeisterische Seele! Nein, komm, wir wollen einen hübschen friedlichen Platz suchen und uns dann nach Herzenslust ums Leben bringen. beide ab.

Samieli und Sebastiano treten auf.

Sebastiano. Aber wo bleibt in aller Welt der Prinz? – Ich glaube, es fehlt ihm an Herz, darum bleibt er lieber in den Annehmlichkeiten der Natur vertieft, als daß er sich nach dem Ungeheuer herbemühen sollte.

Samieli. Davon ist jetzt gar die Rede nicht, ob der Prinz Muth hat oder nicht; ob Ihr ein Feigherziger seid, das ist es, worauf es ankömmt! er zieht den Degen. Sogleich zieh.!

Sebastiano. Aber mein Bester, ein kranker Mann, dem der Tod den Garaus machen wird, warum wollen Sie den vor der Zeit ins Grab legen?

Samieli. Zieht gleich Bösewicht! Wo ist nun Euer Ungeheuer! all' Eure Romanenstreiche? Seht das Gebirge an, das Ihr so verläumdet habt, ist eine Spur von Ungeheuer da? zieht oder ich strecke Euch so auf den Boden!

Sebastiano. Nun, wenn es denn nicht anders ist. sie gehn fechtend ab.

Aldrovan kommt mit entblößtem Schwert.
Jetzt zeige Dich!
O Ungethüm, jetzt zeige Dich!
Dich fordert laut ein Jüngling, der geschworen,
Im Kampf Dich zu erlegen,
Oder besiegt zu Deinen Füßen zu sterben!

Er steigt das Gebirg hinauf.

            Wo weilst Du Scheusal?
            Ich rufe Dich, Gräßlicher!
            Der Kampf ist bereit.

Das Ungeheuer kömmt aus seiner Höhle.

        Wessen Stimme ertönt so kühn
        Durch die Bergesklüfte hin,
        Daß meine Wohnung wiederhallt?

Aldrovan. Ich bin es, der Dich ruft zum Streit!

Ungeheuer. Du, Schwacher, wagst mich zu bekriegen?

Aldrovan. Zu sterben oder über Dich zu siegen.

Ungeheuer. Wohlan, Du sollst die Kraft der Riesen
Auf Deinem Schädel fühlen, Deinen Frevel büßen.

Sie kämpfen.

Aldrovan.
        Wohlan, es sei versucht!

Ungeheuer.
        Mich beherrscht die wilde Gluth!

Aldrovan.
        Sei Du Ungethüm verflucht!
        Du erliegest meinem Muth.

Ungeheuer.
        Dich zerschmettert meine Wuth!

sie gehn kämpfend ab.

Trappola fliehend, Rondino folgend.

Rondino.
        Willst Du Camillen übergeben?

Trappola.
        Niemals, niemals, eh' mein Leben!

Rondino.
        Nun so sei zum Kampf bereit!

Trappola.
        Komm! Dein wartet heft'ger Streit! entläuft.

Rondino.
        O er kämpfet sehr gescheidt. ihm nach.

Sebastiano fliehend vor Samieli.

Sebastiano.
        Ach es wird mir immer wüster –
        Gnade, Gnade! Herr Minister!

Samieli.
        Willst Du Dich ergeben?

Sebastiano.
        Ich will mich gern ergeben,
        Nur schonen Sie mein Leben –

Samieli. Leg das Schwert nieder – so – Nun kniee daneben auf den Boden nieder, – so – Nun bekenne mir und beschwöre es, daß es kein Ungeheuer, Propheten und verzauberte Wälder giebt und Dein Leben ist Dir geschenkt!

Sebastiano.
        Ja ich mache hier bekannt,
        Und beschwör's mit einem Eid,
        Ungeheuer sind nur Tand,
        Denn vorüber ist die Zeit – –

Aldrovan zurückweichend, ihm folgt das Ungeheuer.

Samieli lautschreiend. Ach! ach! ach! entflieht.

Sebastiano. Was giebts denn? – er sieht das Ungeheuer. o weh! o weh! von einer andern Seite schnell ab.

Aldrovan.
        Meine Kräfte, sie erlahmen,
        Ich bin schwächer als ein Kind.

Ungeheuer.
        Ja sie alle, die noch kamen,
        Sie erlagen mir geschwind. gehn fechtend ab.

Trappola und Rondino treten fechtend auf.

Trappola.
        Nun Gnade Gevatter,
        Ich ergebe mich Dir.

Rondino.
        Ich sollte Dich, Natter,
        Erwürgen nur hier.

Trappola.
        Es wäre ja Schade,
        Nein Gnade, ach! Gnade!

Rondino.
        Ich schenk' Dir das Leben,
        Camilla ist mein!

Trappola.
        Ich will sie Dir geben,
        Mich tröstet der Wein.

Rondino.
        Sieh, kömmt da nicht eben
        Der Kobold herein!

Trappola.
        So laß uns nur streben,
        Entfernet zu sein! laufen ab.

Das Ungeheuer zurückfliehend heftig von Aldrovan verfolgt.

Aldrovan.
            Wo ist dein Muth?
            Ha! neue Gluth
            Erwacht in mir!

Ungeheuer.
            O Quaal und Pein!
            Er muß es sein!
            Erkenn' ihn hier!

Aldrovan.
        Jetzt stelle Dich zur Wehr!

Ungeheuer.
        Er kennet mich nicht mehr!

Aldrovan.
        Ich ziele nach dem Herzen,
        Vertheidig' Frevler Dich!

Ungeheuer.
        O! Schmerzen, wilde Schmerzen
        Zerreißen mich!
            heftiger Kampf.
        Mein Bruder Aldrovan!

Aldrovan.
        Was nennst Du meinen Namen?

Ungeheuer.
        Die Kräfte in mir erlahmen,
        Ich kaum mich regen kann.

Aldrovan.
        O wildes Verderben!
        Jetzt mußt Du ersterben!

Ungeheuer.
Mein Bruder Aldrovan – das Gefecht wird heftiger.

Aldrovan.
        Deinen Bitten bin ich taub!

Ungeheuer.
        O Schicksal! Verhängniß! o schrecklicher Fluch!

Aldrovan.
        Bald bist Du des Todes Raub!

Ungeheuer.
        Ja die Zaubrer es mir heißen,
        Mich zum Kampf entgegen zu reißen!

Aldrovan.
            Du wüthest vergebens,
            Das Ende des Lebens
            Ist, Gräßlicher, nah.

Ungeheuer.
        So fallen wir beide
        Der Hölle zur Freude,
        Die fröhlicher Schauspiel niemals noch sah.

Beide.
        Die gräßliche Wuth
        Opfert dem Tode Dein Blut.

Aldrovan.
        Er widersteht der menschlichen Gewalt –

Ungeheuer.
        Jetzt will ich ihn verderben,
        Auf seinem Leichnam sterben.

Aldrovan.
        Drum fühle nun der Zauberei Gewalt!

Er wirft ihm den Zweig entgegen, das Ungeheuer fällt. Eine liebliche Musik. Das Ungeheuer verwandelt sich in einen Menschen.

Aldrovan.
            Welche Schöne
            Der flüsternden Töne?

Volanti.
        Von welchem neuen Leben
        Fühl ich mich sanft umgeben?

Aldrovan.
        Täuscht mich der Sonne Licht?
        Seh ich den Bruder nicht?

Volanti.
        O süße, süße Augenfreude!
        Nach dem schmerzlichsten Leide!
        Dich wieder zu sehn,
        Dich wieder zu fassen!
        O kannst Du mich hassen?
        Willst Du mein Bruder sein?

Aldrovan.
        Nicht Worte kann ich finden, –
        Soll ich dem Licht vertraun?
        Als Bruder Dich zu schaun,
        Um den wir so lange geklagt –

Volanti.
        Die Sonne erscheint! es tagt,
        Die Bande zerspringen,
        Die Felsen erklingen
        Von Jubelgesang:
        O fröhliche Lieder!
        Ich habe Dich wieder,
        Dir Schicksal sei Dank!

Beide.
            O! glückliche Stund'!
            O selig Begrüßen!
            O brüderlich Küssen!
            O herrlichster Bund!

Der Vorhang fällt.

 


 

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.