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Gutenberg > William Shakespeare >

Das Trauerspiel vom Macbeth.

William Shakespeare: Das Trauerspiel vom Macbeth. - Kapitel 33
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20152-2
titleDas Trauerspiel vom Macbeth.
pages3-121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1765
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Fünfte Scene.

Verwandelt sich in das Schloß Dunsinan.

Macbeth, Seyton und Soldaten, mit Trummeln und Fahnen, treten auf.

Macbeth. Hänget unsre Fahnen über die Mauren heraus, man schreyt immer: Sie kommen. Aber die Festigkeit unsers Schlosses spottet einer Belagerung. Laßt sie da ligen, bis Hunger und Fieber sie aufreiben. Wären sie nicht von denen unterstüzt, die auf unsrer Seite seyn sollten, wir wären ihnen zuversichtlich, Bart gegen Bart, entgegen gegangen, und hätten sie wieder heimgeprügelt – – Was für ein Lerm ist das?

(Man hört ein Geschrey von Weibsleuten.)

Seyton. Es sind die Weibsleute, welche schreyen, Gnädigster Herr.

Macbeth. Ich habe die Furcht ganz verlernt; es war eine Zeit, da mich der Schrey einer Nachteule schauern gemacht hätte – – Aber das ist nun anders; ich habe mit Schrekgespenstern zunachtessen gelernt: Das Entsezlichste ist mit meinen blutigen Gedanken so vertraulich worden, daß ich nicht mehr erschreken kan. Was bedeutete das Geschrey?

Seyton. Die Königin ist todt!

Macbeth. Sie hätte ein andermal sterben sollen; es würde wol einmal die Zeit dazu gekommen seyn. Morgen, und Morgen, und Morgen kriecht in seinem Pygmäen-Schritt von einem Tag zum andern; alle unsre Gestern haben buntschekigte Narren, die auf dem Wege des Todes vor ihnen her gaukeln. Aus, aus, kleine Kerze! Leben ist nur ein wandelnder Schatten, ein armer Schauspieler, der seine Stunde lang auf dem Schauplaze sich spreißt, und ein grosses Wesen macht, und dann nicht mehr bemerkt wird. Es ist ein Mährchen, das ein Dummkopf erzählt, voll Schall und Bombast, aber ohne Sinn.

Ein Bote tritt auf.

Du kommst, deine Zunge zu brauchen; mach' es kurz.

Bote. Gnädigster Herr, ich sollte sagen, was ich gesehen hab, und weiß nicht wie ich es sagen soll.

Macbeth. Gut, sag es, Sir.

Bote. Wie ich auf dem Hügel auf meinem Posten stand, schaut' ich gegen Birnam und da dauchte mich, der Wald bewege sich gegen mich her.

Macbeth schlägt ihn.
Du lügenhafter Schurke!

Bote. Laßt mich euern Grimm erfahren, wenn es nicht so ist; binnen dieser drey Meilen könnt ihr ihn selbst kommen sehen; wie ich sage, einen Wald, der sich herbewegt.

Macbeth. Wenn du gelogen hast, sollst du lebendig an den nächsten Baum aufgehangen werden, bis du vor Hunger zusammenschrumpfest: Sagst du die Wahrheit, so bekümmr' ich mich nichts darum, wenn du es mir so machst – – Aber, wie, wenn ein Doppelsinn in den Worten dieses Teufels läge, der seinen Lügen die Gestalt der Wahrheit zu geben pflegt? – – Fürchte dich nicht, bis der Birnam-Wald nach Dunsinan kommt – – und nun kommt ein Wald gegen Dunsinan. Die Waffen an, die Waffen an, und hinaus! Wenn es so ist, wie er sagt, so ist entfliehen und hier bleiben gleich sicher – – Ich fange an, dieser Sonne überdrüßig zu werden – – Schlagt die Sturmgloke – – Stürmt, ihr Winde, und zerschmettert in allgemeinem Schiffbruch die ganze Natur – – Hinweg! wenn wir sterben müssen, so wollen wir doch mit den Waffen in den Händen sterben.

(Sie gehen ab.)

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