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Gutenberg > William Shakespeare >

Das Trauerspiel vom Macbeth.

William Shakespeare: Das Trauerspiel vom Macbeth. - Kapitel 7
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20152-2
titleDas Trauerspiel vom Macbeth.
pages3-121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1765
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Sechste Scene.

Verwandelt sich in den Palast.

Trompeten. Der König, Malcolm, Donalbain, Lenox und Gefolge treten auf.

König. Ist das Urtheil an Cawdor schon vollzogen? Oder sind unsre Commissarien noch nicht zurükgekommen?

Malcolm. Gnädigster Herr, sie sind noch nicht zurük. Aber ich habe mit einem gesprochen, der ihn sterben sah; der mir sagte, daß er seine Verräthereyen sehr aufrichtig bekannt, Eure Hoheit um Vergebung gebeten, und eine tiefe Reue bliken gelassen. Das schönste in seinem Leben war die Art wie er's verließ: Er starb wie einer der auf seinen Tod studiert hat, um das kostbarste was er besaß so gleichgültig wegzuwerfen, als ob es die schlechteste Kleinigkeit wäre.

König. Sein Beyspiel überführt mich, daß es keine Kunst giebt, die innere Gestalt des Gemüths in einem Gesicht zu lesen: Er war ein Mann, auf den ich mein ganzes Vertrauen baute.

Macbeth, Banquo, Rosse und Angus zu den Vorigen.

O verdienstvoller Vetter! Die Sünde meiner Undankbarkeit lag nur eben schwer auf mir. Du bist so weit voraus, daß der schnelleste Flügel der Belohnung zu langsam ist, dich einzuholen. Ich wünschte, du hättest weniger verdient, damit es mir möglich wäre dich nach Würden zu belohnen. Nun bleibt mir nichts übrig als zu bekennen, daß ich dir mehr schuldig bin als alles, was ich habe, bezahlen kan.

Macbeth. Die Dienste, die ich geleistet, sind nicht grösser als meine Pflicht und belohnen sich selbst. Eurer Hoheit kommt es zu, unsre Dienste zu erhalten; sie sind Kinder und Diener des Throns und des Staats, die, wenn sie alles gethan, nur ihre Schuldigkeit gethan haben, da sie durch Lehenspflicht euerm Leben und eurer Crone verpflichtet sind.

König. Sey willkommen: Ich habe angefangen, dich zu pflanzen, und ich will mir angelegen seyn lassen, dein Wachsthum zu befördern. Edler Banquo, du hast nicht weniger verdient, und es soll erkannt werden; laß mich dich umarmen, und an mein Herz dich halten!

Banquo. Wenn ich da wachse, so ist der Herbst euer.

König. Meine Freude ist so groß, daß sie mir Thränen erpreßt. Söhne, Vettern, Thans, und ihr, deren Pläze mir die nächsten sind, wisset, daß wir unsern ältesten Sohn Malcolm zu unserm Thronfolger bestimmt haben, und ihn von nun an zum Prinzen von Cumberland ernennen: Dieser einzige Vorzug soll ihn aus den Verdienstvollen Männern kennbar machen, die mit glänzenden Zeichen des Adels geschmükt, wie Sterne unsern Thron umschimmern werden – – Izt nach Inverneß; und fahret fort, uns euch verbunden zu machen.

Macbeth. Das übrige ist eine Arbeit, die nicht für Eu. Hoheit gemacht ist; ich will selbst der Wirth seyn, und mein Weib mit der Nachricht von eurer Ankunft erfreuen; und so nehm' ich demüthig meinen Abschied.

König. Mein würdiger Cawdor!

Macbeth (im Weggehen vor sich.)
Prinz von Cumberland! – – Das ist eine Stuffe, auf der ich fallen, oder die ich überspringen muß, denn sie ligt mir im Wege. Sterne, verhüllt euer Feuer! Laßt selbst die Nacht nicht sehen, was für schwarze Gedanken sich tief aus meiner Brust empor arbeiten – –

(Er geht ab.)

König. In der That, würdiger Banquo; er ist ein Held, und ich kann mich nicht ersättigen, ihn zu loben. Wir wollen ihm folgen, da seine Sorgfalt vorangegangen ist uns zu empfangen; er ist ein unvergleichlicher Mann.

(Sie gehen ab.)

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