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Gutenberg > William Shakespeare >

Das Trauerspiel vom Macbeth.

William Shakespeare: Das Trauerspiel vom Macbeth. - Kapitel 31
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20152-2
titleDas Trauerspiel vom Macbeth.
pages3-121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1765
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Dritte Scene.

Das Schloß zu Dunsinan.

Macbeth, ein Arzt, und Bediente.

Macbeth. Bringt mir keine Zeitungen mehr, laßt sie alle fliehen: Bis der Birnam-Wald sich nach Dunsinan bewegt, kennt Macbeth keine Furcht. Was ist der Knabe Malcolm? Ward er nicht von einem Weibe gebohren? Geister, die den ganzen Zusammenhang der sterblichen Begegnisse kennen, haben so ausgesprochen: Fürchte nichts, Macbeth; keiner, der von einem Weibe gebohren ward, soll jemals Gewalt über dich haben – – So flieht dann, flieht ihr abtrünnigen Thanes, und mischt euch unter diese Englische Zärtlinge. Der Geist, der mich beherrscht, das Herz das mich befeurt, kan nie von Zweifeln wanken, nie von Furcht erschüttert werden.

Ein Bedienter tritt auf.

Daß dich der Teufel schwarz räuchre, du milchsuppichter Bengel! Wie kommst du zu diesem gansmäßigen Aussehn?

Bedienter. Zehen Tausend – –

Macbeth. Gänse, Schurke?

Bedienter. Soldaten, Gnädigster Herr – –

Macbeth. Geh, streich dein Gesicht vorher roth an, du weißlebrichter Bube! Was für Soldaten, Lumpenhund? Daß du verdammt wärest! Deine Wangen von weissem Tuch steken mir noch die andern mit Feigheit an. Was für Soldaten, Molken-Gesicht?

Bedienter. Die Englische Macht, mit eurer Erlaubniß.

Macbeth. Thu mir dein Gesicht aus den Augen – – Seyton! – – Ich werde krank wenn ich's ansehe – – Seyton, sag ich. – – Ich habe lange genug gelebt: mein Leben ist nach und nach ins Welken herabgesunken, in gelbes Laub, und das was das hohe Alter begleiten sollte, Ehre, Zuneigung, Gehorsam, Freunde, an das darf ich nur nicht gedenken: alles was ich dagegen zu erwarten habe, sind Flüche, nicht laut, aber desto tieffer, leere Complimente, Athem, den das arme Herz gern versagen wollte, wenn es dürfte. Seyton! – –

Seyton tritt auf.

Seyton. Was ist euer gnädigster Befehl?

Macbeth. Giebt's keine neue Zeitungen?

Seyton. Es hat sich alles bestättiget, Gnädigster Herr, was berichtet worden ist.

Macbeth. Ich will fechten, bis mir das Fleisch von den Knochen abgehakt ist; gieb mir meine Waffen.

Seyton. Es ist noch nicht nöthig.

Macbeth. Ich will sie anlegen. Schikt mehr Reuter aus, stöbert die ganze Landschaft auf, laß die Schurken aufhängen, die von Furcht reden. Gieb mir meine Rüstung. Was macht eure Patientin, Doctor?

Arzt. Gnädigster Herr, ihre Krankheit besteht hauptsächlich in schwermüthigen Einbildungen, die sie in ihrer Ruhe stören.

Macbeth. So heile sie davon. Kanst du die Schmerzen eines kranken Gemüths nicht stillen, einen eingewurzelten Kummer aus dem Gedächtniß ziehen, die eingegrabnen Unruhen des Hirns ausglätten, und den überladenen Busen von diesem gefährlichen Unrath reinigen, der das Herz beklemmt?

Arzt. Hierinn muß der Kranke selbst das Beste thun.

Macbeth. Wirf deine Arzneyen den Hunden vor, ich will keine – – Komm, leg mir meine Rüstung an; gieb mir meinen Stab. Seyton, schike du – – Doctor, die Thanes fallen von mir ab – – Kommt, Sir, macht hurtig – – Doctor, wenn du das Wasser meines Lands besehen, seine Krankheit ausfündig machen, es ausreinigen und zu seiner vorigen Gesundheit wieder herstellen könntest, dann wollt ich dir zujauchzen, bis die weite Welt von allgemeinem Wiederhall erschallte – – Zieh mich ab, sag' ich – – was für Rhebarber, Senesblätter, oder was für Purgazen könnten wol diese Engländer abtreiben? Hörst du nichts von ihnen?

Arzt. Ja, mein gnädigster Herr; eure königliche Zurüstungen machen, daß wir etwas davon hören.

Macbeth. Bring mir's in mein Zimmer – – Mir kan der Tod nicht bange machen, bis der Birnam-Wald nach Dunsinan kommt.

(Er geht ab.)

Arzt. Wär' ich nur einmal mit ganzer Haut von Dunsinan, mich sollte sobald kein Gewinst wieder dahin ziehen.

(Geht ab.)

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