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Gutenberg > William Shakespeare >

Das Trauerspiel vom Macbeth.

William Shakespeare: Das Trauerspiel vom Macbeth. - Kapitel 24
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20152-2
titleDas Trauerspiel vom Macbeth.
pages3-121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1765
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Vierter Aufzug.

Erste Scene.

Eine finstre Höle; in deren Mitte ein grosser Kessel über einem Feuer steht.

Donner und Blize. Die drey Hexen treten auf, und ermuntern sich zu ihrem Vorhaben; alsdann gehen sie unter einem seltsamen Zauber-Spruch rund um den Kessel herum, und werfen die mancherley Ingredienzien zu ihrer Bezauberung, (z. ex. Frosch-Zehen, Otter-Zungen, Eidexen-Beine, Fledermaus-Haar, Wolfs-Zahn, Schierlings-Wurzeln, Ziegen-Galle, die Leber von einem Juden, die Nase von einem Türken, und die Lippe von einem Tartar u.s.w.) in den Kessel; nachdem alles genug gekocht hat, wird das Decoctum mit eines Säuglings Blut abgekühlt, und das Zauberwerk ist fertig. Hierauf erscheint Hecate mit drey andern Hexen, giebt ihren Beyfall zu dem was gemacht worden, und befiehlt ihnen, einen Tanz und Gesang um den Kessel anzufangen; dieses geschieht mit Musik, und hierauf erscheint in der

Zweyten Scene

Macbeth.

Macbeth. Wie geht's, ihr geheimnißreichen, schwarzen, mitternächtlichen Unholden? Was macht ihr da?

Alle. Ein Werk ohne Namen.

Macbeth. Ich beschwöre euch bey dem, den ihr verehrt, antwortet mir, durch was für Mittel ihr auch dazu gelangen möget; müßtet ihr gleich die Winde entfesseln, und sie gegen Kirchen kämpfen lassen; müßten gleich die schäumenden Wellen im allgemeinen Sturm die ganze Schiffahrt verschlingen, Schlösser über die Häupter ihrer Hüter einstürzen, und Paläste und Pyramiden ihren Gipfel bis zu ihrem Grund niederbeugen; ja müßte die ganze Natur darüber zusammenfallen. Antwortet mir auf das, was ich euch frage.

1. Hexe. Rede!

2. Hexe. Frage!

3. Hexe. Wir wollen antworten.

1. Hexe. Sag, ob du die Antwort lieber aus unserm Mund, oder von unsern Meistern hören willt?

Macbeth. Ruft sie, ich will sie sehen.

1. Hexe. Nehmt Blut von einer Sau, die ihre neun Ferkel gefressen hat, und Fett, das vom Galgen eines Mörders getrieft, und werft es in die Flamme.

Alle. Komm, wer du auch seyst, und zeige dich und deine Schuldigkeit.

(Donner und Bliz.)

Eine Erscheinung von einem bewafneten Haupt steigt aus dem Boden empor.

Macbeth. Sage mir, du unbekannte Macht – –

1. Hexe. Er weiß schon deine Gedanken; höre was er sagt, aber du rede nichts.

Erscheinung. Macbeth! Macbeth! Macbeth! Hüte dich vor Macduff ! Hüte dich vor dem Than von Fife! – – Entlaßt mich – – Genug!

(Die Erscheinung steigt wieder herab.)

Macbeth. Wer du auch seyn magst, ich danke dir für deine Warnung. Du hast meiner ungewissen Furcht eine Richtung gegeben. Aber nur noch ein Wort – –

1. Hexe. Er läßt sich nicht befehlen; hier ist ein andrer mächtigerer, als der erste.

(Donner.)

Eine Erscheinung von einem blutigen Kinde steigt empor.

Erscheinung. Macbeth, Macbeth! Macbeth!

Macbeth. Hätt' ich drey Ohren, ich wollte dir aufhorchen.

Erscheinung. Sey blutig, kühn und entschlossen; verlache was ein Mensch gegen dich vermag: denn von niemand, der von einem Weibe geboren ward, soll Macbeth jemals Harm empfangen.

(Die Erscheinung steigt herab.)

Macbeth. So lebe, Macduff! Was hab' ich nöthig, dich zu fürchten? Und doch will ich die Sicherheit doppelt sicher machen, und ein Pfand vom Schiksal nehmen; du sollt nicht leben, damit ich der bleichsüchtigen Furcht sagen könne, sie lüge, und mitten im Donnerwetter schlafe.

(Donner.)

Eine Erscheinung von einem gekrönten Kinde, mit einem Baum in der Hand, steigt empor.

Was ist diß, das gleich dem Abkömling eines Königs emporsteigt, und um seine kindliche Stirne den Cirkel der Majestät trägt?

Alle. Horch, aber rede nicht!

Erscheinung. Sey muthig wie ein Löwe, stolz und unbekümmert, wer murre, wer sich auflehne, wer sich gegen dich verschwöre. Macbeth soll niemals bezwungen werden, bis der grosse Birnam-Wald auf Dunsinans Hügel gegen ihn angezogen kommen wird.

(Steigt herab.)

Macbeth. Das wird niemals geschehen. Wer kan den Bäumen von Birnam befehlen, daß sie ihre tiefen Wurzeln entfesseln? Angenehmes Orakel! Gut! Wenn die Empörung ihr Haupt nicht erheben soll, bis der Wald von Birnam von seinem Plaz aufsteht, so wird unser Macbeth die Dauer der Natur ausleben – – und doch pocht mein Herz noch, ein einziges Ding zu wissen; sagt mir, (wenn eure Wissenschaft so weit reicht) wird Banquos Nachkommenschaft jemals in diesem Reiche herrschen?

Alle. Verlange nicht mehr zu wissen.

(Der Kessel sinkt in den Grund.)

Macbeth. Ich will befriedigt seyn. Versagt ihr mir's, so fall' ein ewiger Fluch auf euch! Laßt michs wissen. Warum sinkt der Kessel? und was für ein Getön ist das?

(Man hört einen Marsch von Hautbois.)

1. Hexe. Erscheint!

2. Hexe. Erscheint!

3. Hexe. Erscheint!

Alle. Erscheint vor ihm, und härmt sein Herz!
Kommt wie Schatten, und verschwindet wieder.

Acht Könige, von Banquo geführt, erscheinen einer nach dem andern, und gehen langsam bey Macbeth vorbey; der lezte hält einen Spiegel in der Hand.

Macbeth (während daß sie vorbeygehen.)
Du gleichst zu sehr dem Geist des Banquo; hinab! – – deine Crone verwundet meine Augäpfel – – Du gleichst dem ersten – – und du dem vorigen – – Ihr garstigen Unholden, wofür zeigt ihr mir das? ein Vierter! – – Erstarre, mein Auge! Wie? wird sich dieser verdammte Zug bis an den jüngsten Tag erstreken? Noch einer? – – Ein Siebenter! Ich will nicht mehr sehen – – aber da kommt noch der Achte, und trägt einen Spiegel, worinn er mir noch viele andre zeigt; ja ich sehe einige, welche doppelte Reichs-Aepfel und dreyfache Scepter tragen.Dieses war ein Compliment für Jacob den I. der beyde Inseln und die drey Reiche zuerst unter ein Haupt brachte, und dessen Haus, der Sage nach, von Banquo abstammte. Abscheuliches Gesichte! Nein, nun, seh ich, ist's wahr; denn der wundenvolle Banquo lächelt auf mich, und deutet mit der Hand auf diese hier – wie, ist es so?

1. Hexe. Ja, Sir, alles ist so. Aber warum steht Macbeth so erstaunt da? Kommt, Schwestern, laßt uns, seine Geister aufzumuntern, ihm die beste unsrer Lustbarkeiten zeigen; ich will die Luft bezaubern, Musik zu unserm grotesken Rundtanz zu machen, damit dieser grosse König sagen könne, daß wir ihm Ehre angethan haben.Reime, im Original; wie alles was die Hexen im ganzen Stüke sprechen.

(Musik. Die Hexen machen einen Tanz und verschwinden.)

Macbeth. Wo sind sie? Weg? – – Laß diese verderbliche Stunde auf ewig verflucht im Calender stehen! – – Komm herein, du draussen!

Lenox kommt herein.

Lenox. Was befiehlt Eu. Hoheit?

Macbeth. Saht ihr die Zauber-Schwestern?

Lenox. Nein, gnädigster Herr.

Macbeth. Kamen sie nicht bey euch vorbey?

Lenox. Nein, in der That, nicht, Sire.

Macbeth. Verpestet sey die Luft, durch die sie reiten! und verdammt alle die ihnen trauen! – – Ich hörte das Stampfen von Pferden im Gallop. Wer kam vorbey?

Lenox. Es waren zween oder drey, Gnädigster Herr, die euch Nachricht bringen, daß Macduff nach England geflohen ist.

Macbeth. Nach England geflohen?

Lenox. Ja, gnädigster Herr.

Macbeth. Zeit, du entziehst meinem furchtbaren Vorsaz sein Opfer – – die Ausführung sollt' allemal an den Fersen der Entschliessung gehen. Von diesem Augenblik an soll jeder Erstling meines Herzens unmittelbar in meine Hand übergehen. Und eben izt, meine Gedanken mit Handlungen zu krönen, sey es gedacht und gethan! Ich will Macduffs Schloß überfallen, Fife im Sturm wegnehmen, und sein Weib, seine Kinder und alle die unglüklichen Seelen, die zu seinem Stamme gehören, der Schneide des Schwerts Preiß geben. Das soll keine Pralerey eines Narren seyn; die That soll gethan seyn, eh der Entschluß noch erkaltet ist – – Aber keine Gesichter mehr! – – Wer sind diese Männer? Komm, begleite mich zu ihnen.

(Sie gehen ab.)

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