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Das Trauerspiel vom Macbeth.

William Shakespeare: Das Trauerspiel vom Macbeth. - Kapitel 13
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20152-2
titleDas Trauerspiel vom Macbeth.
pages3-121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1765
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DritteDer Übersetzer hat die erste mit der zweiten Scene zusammengefaßt. Scene.

Lady Macbeth tritt auf.

Lady. Das, was sie trunken machte, hat mich kühn gemacht; was ihr Feuer auslöschte, fachte das meinige an. Horch! Stille! es war eine Eule, die schrie, der fatale Nachtwächter, der uns die gräßlichste gute Nacht giebt – – Er hat es vollbracht – – die Thüren sind offen, und die überfüllten Kämmerer spotten ihres Amts mit Schnarchen. Ich habe ihnen einen so kräftigen Schlaftrunk zubereitet, daß Tod und Natur sich um sie zanken, ob sie leben oder gestorben seyen.

Macbeth tritt auf.

Macbeth. Wer ist hier? – – he!

Lady. O weh! ich fürchte, sie sind aufgewacht, und es ist nicht gethan; der Vorsaz, nicht die That wird uns zu Grunde richten – – horch! ich legte ihre Dolche neben sie, er mußte sie finden – – Hätte er nicht, wie ich ihn schlaffen sah, meinem Vater gleich gesehen, ich hätt' es selbst gethan – – Mein Gemahl!

Macbeth. Sie ist gethan, die That! – – Hörtest du kein Getöse?

Lady. Ich hörte die Eule heulen, und die Feldgrillen schreyen – – Sagtet ihr nicht was?

Macbeth. Wenn?

Lady. Eben izt.

Macbeth. Wie ich herab kam?

Lady. Ja.

Macbeth. Horcht! wer ligt im andern Zimmer?

Lady. Donalbain.

Macbeth (sieht seine Hände an.)
Das ist ein trauriger Anblik!

Lady. Ein närrischer Gedanke, es einen traurigen Anblik zu heissen.

Macbeth. Der eine lachte in seinem Schlaf, und einer schrie: Mörder! Sie wekten einander auf; und ich stuhnd und hörte ihnen zu; aber sie sagten ihr Nacht-Gebett her, und schlieffen wieder ein.

Lady. Es sind zween, die beysammen ligen.

Macbeth. Der eine schrie: Gott helf uns! und Amen; der andre, wie sie mich mit diesen Henkers-Händen sahen: Ich hörte zu, aber ich konnte nicht Amen! sagen, wie sie sagten: Gott helf uns!

Lady. Denkt ihm nicht so tief nach.

Macbeth. Aber warum konnt' ich nicht Amen! sagen? Es war als ob es mir im Hals steken bliebe – –

Lady. Man muß solchen Thaten nicht auf eine solche Art nachdenken; das würde uns unsinnig machen.

Macbeth. Es war mir auch nicht anders, als hörte ich eine Stimme, die dem Schlafenden zurief. Schlafe nicht länger! Macbeth ermordet den Schlaf, den unschuldigen Schlaf; den Schlaf, der die Stirne des Kummers entrunzelt, die Geburt von jedes folgenden Tages Leben, den Balsam verwundeter Gemüther, die heilsamste Erquikung der Natur, und die nahrhafteste Speise im Gastmahl des Lebens – –

Lady. Was wollt ihr mit allem dem?

Macbeth. Es war immer als ob es im ganzen Hause schreye: Wacht auf, schlaft nicht mehr; Glamis hat den Schlaf ermordet, und dafür soll Cawdor nicht mehr schlafen; Macbeth soll nicht mehr schlaffen!

Lady. Wer rief denn so? Wie, mein edler Than, was für fieberhafte, euers Helden-Muths unwürdige Einbildungen sind das? Geht, nehmt ein wenig Wasser, und waschet diese garstige Zeugschaft von euern Händen. Warum brachtet ihr diese Dolche mit euch; sie müssen dort ligen bleiben. Geht, tragt sie wieder hin, und beschmiert die schlaffenden Kämmerer mit Blut.

Macbeth. Ich gehe nicht; ich erschreke vor dem Gedanken was ich gethan habe; seht ihr dazu, ich habe das Herz nicht.

Lady. Schwache Seele! Gebt mir die Dolche; Schlaffende und Todte sind nur Gemählde; nur Kinder fürchten sich vor einem gemahlten Teufel. Wenn er blutet, so will ich die Gesichter der Kämmerlinge damit übergülden; denn sie müssen für die Thäter angesehen werden.

(Sie geht ab.)
(Man hört ein Klopfen hinter der Scene.)

Macbeth (auffahrend.)
Woher dieses Klopfen! – – Was wird aus mir werden, wenn jeder Laut mir zu ruffen scheint: Was für Hände sind das? Ha! Sie reissen mir meine Augen aus! Kan des grossen Neptuns ganzer Ocean dieses Blut von meiner Hand waschen? Nein, eh würde diese meine Hand deine unermeßliche See zu Purpur machen – –

Lady Macbeth kommt zurük.

Lady. Meine Hände haben die Farbe der eurigen, aber ich schäme mich, ein so weisses Herz zu tragen – – (Ein Klopfen.) Ich hör' ein Klopfen, von der südlichen Pforte her. Wir wollen uns in unser Gemach zurük ziehn; ein wenig Wasser wird uns von dieser That reinigen. Wie leicht ist sie also? Eure Standhaftigkeit hat euch ganz verlassen – – Horcht, es klopft schon wieder! Geht und hüllt euch in euern Schlafrok ein, sonst möcht' uns die Gelegenheit ruffen, und zeigen daß wir gewacht haben; verliehrt euch nicht so armselig in euern Gedanken.

Macbeth. Wollte der Himmel, ich könnte das Bewußtseyn dieser That oder meiner selbst verliehren! Erwache, Duncan, von diesem Klopfen: Wie wollt' ich, du könntest!

(Sie gehen ab.)

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