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Das Sünderglöckel

Peter Rosegger: Das Sünderglöckel - Kapitel 32
Quellenangabe
typenarrative
authorPeter Rosegger
titleDas Sünderglöckel
correctorreuters@abc.de
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Wie der Funk bekehrt wurde.

Wenn ein junger Vater und ein altes Kind zusammen kommen, so ist das immer bedenklich, besonders wenn das Kind älter ist als der Vater. Da war er einmal in der Kirche, der Funk in der Huben, und sah zu seiner nicht geringen Verwunderung, wie vor dem blutjungen Priester die ältesten Leute knieten, Greise und Matronen, um sich Belehrung und Ratschläge fürs Leben zu holen. Er, der eine, der noch lange nicht durch war, der selbst erst vor dem dunklen, gefährlichen Stollen stand, der Leben und Lehre nur aus den Büchern kannte – er sollte erfahrenen Leuten, die ein langes Leben durchgeprobt, durchlitten und durchdacht hatten, ein Führer und Weiser sein! Nein, dabei hatte der Funk in der Huben nichts zu tun. Er hätte – wie die Leute sagen – spielend des Pfarrers Großvater sein können. Und jetzt vor ihm ein Kind sein? Nein. Da ging er lieber gar nicht in die Kirche Nun, das verdroß aber wieder den Pfarrer. Und einmal über Feld, als er dem Funk begegnete, sprach er ihn an: »Nun, lieber Funk in der Huben, wie geht's immer? Wir sehen uns selten, wie? Das tut mir leid. In der Kirche – wenn Ihr Sonntags manchmal rasten wolltet – wäre es hübsch kühl, auch gut sitzen in den Stühlen mit Rücklehne, die Musik ist auch nicht übel, dieweilen wir jetzt einen neuen Bombardon haben. Wollt Ihr ihn nicht einmal anhören? Hernach dürfte Euch – um ganz offen zu sein – manchmal ein bissel Lehr und Weisung nicht schaden. Was meint Ihr?«

Der Bauer hatte mit zwei Fingern unter seinem Hute so ein wenig herumgekratzt, er wußte auch nicht recht, sollte er den Hut abziehen oder auf dem Kopfe behalten; ihn über der Glatze zu lockern, das war jetzt der Mittelweg. »Das schon, Herr Pfarrer, daß es in der Kirche gut rasten ist, aber schlafen kann ich auch zu Hause, und den Bombardon hört man eh völlig übers ganze Dorf und wegen der Lehr und Weisung ist mir der Herr halt doch ein bissel gar zu jung. So in diesen Jahren kann der Mensch halt noch nit alles verstehen. Nix für ungut, Herr Pfarrer.«

Der Pfarrer hätte auf so schnöde Abweisung wohl etwas zu entgegnen gehabt, doch er dachte nur: auch wieder einmal ein Altersprotz.

»Behüt Gott Funk! Laßt es Euch gut gehen!« sagte er und schritt wegshin.

Darauf verstrich ein Weilchen. Der Funk ging nicht in die Kirche und der Pfarrer forderte ihn nicht mehr auf. Der Mann, dachte er, ist schon alt genug, um zu wissen, was not tut.

Da war es einmal im Spätherbst, als der Funk in seinem Baumgarten gerade metzgerte, daß der Pfarrer des Weges kam, stehen blieb und, die fette Sau bewunderte.

»Da gratulier ich«, sagte er, »die gibt mindestens drei Zentner.«

»Ei, was versteht denn Ihr von der Sau!« gab der alte Bauer unwirsch zurück. Bei der Arbeit dreinschwatzen, das hatte er nie leiden mögen.

»Nun so wünsch ich bloß, daß sie so viel wiegen möge«, entgegnete gelassen der Pfarrer und ging weiter.

Als es nachher aber zum wägen kam, begann der Funk den Kopf zu schütteln. Er hing den Gewichtsklumpen nicht weniger als drei Mal an die Wagstange – und allemal dasselbe. Genau drei Zentner. Muß doch nit so dumm sein, der Pfarrer. Wenn er schon davon was versteht, was nit in sein Handwerk schlägt, da wird er in seinem Fach nit der ungeschickteste sein. Wahr ist's, wer sich bei der Sau so gut auskennt, dem kann man auch die Seel' anvertrauen.

Und ging von da an in die Kirche.

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