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Das rote Messer

Paul Zech: Das rote Messer - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDas rote Messer
authorPaul Zech
year1953
firstpub1953
publisherGreifenverlag
addressRudolstadt
titleDas rote Messer
pages176
created20170203
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Vogel Tschudi und die Heuschrecken

Vier Wochen lang war ich nun schon in Bewegung, war ich auf der Suche nach einem Zimmer, nach einer anderen Gegend, nach einem weniger aufdringlichen und in meine Lebensgewohnheiten nicht so barbarisch einschneidenden Lärm, nach neuen Menschen mit einem möglichst noch unzivilisierten Habitus, wie man ihn so allgemein hier in Buenos Aires nicht findet. Die veranschlagten vier Wochen hatten nicht ausgereicht, eine »Sala« oder wenigstens ein Loch zu finden, das kein Vermögen kostete. Mir waren tierliebende Leute schon recht, aber ich wollte eine Stube ohne Wanzen und Cucarachas, lärmfrei vor allem und mit einem Fenster versehen, das nicht bloß von außen nur so aufgemalt ist, das sich vielmehr öffnen läßt und mindestens einen grünen Baum, wenn auch nicht gleich Urwälder vor der Nase hat.

Ich habe bei dieser Wohnungssuche die Stadt von allen Seiten und vor allen Dingen den berüchtigten Lärm von Buenos Aires in den denkbar möglichsten Abstufungen kennengelernt. Er hörte erst dort auf, wo von der sichtbaren Stadt überhaupt nichts mehr existierte. Und ich fand die herrlichste Aussicht mit der Zeit doch noch, nur ein Stück weiter in die argentinischen Lande hineingewachsen. Ich fand die leergefressene Rückenschale von einem Gürteltier, das Obergestell von einem Kinderwagen made in Germany, einen an allen vier Ecken angebrannten Öldruck des Königs Alfons von Spanien und ferner den gar nicht einmal umzäunten Platz für Sonnenbäder, diese allerdings nur jenen Mädchen vorbehalten, die in den Dancings der Stadt kein Ansehen und auch keine Aussicht mehr hatten, sich noch entsprechender zu produzieren. Ich fand alles das, was eine Riesenstadt wie dieses Buenos Aires hinter 8 sich gebracht hat oder noch vor sich zu bringen gedenkt. Ich fand schließlich wahrhaftig auch das, was ich mir als eine stille Wohnung in dieser Stadt immer vorgestellt hatte, aber nie als eine reale Erscheinung erfahren hatte. Jetzt mit einemmal war es da. Es waren sogar Bäume vorhanden und eine Lagune mit einem dicken Schilfrohrkranz rundherum. Kein Frosch wagte es, das Maul weit aufzureißen, so gründlich hatten die berufsmäßigen Froschfänger hier gehaust.

Von dem Lärm, den Frösche hier speziell in der Nacht machen, bin ich übrigens noch nie in einen aufgeregten Zustand versetzt worden. Die Frösche, wenn sie noch jung und unternehmend sind, machen für mein Gefühl einen angenehmen Lärm. Sie spinnen eine vielstimmige, gewiß nicht von einem unmodernen Komponisten erfundene Melodie aus ihrem Gequarr. Und jetzt in dieser auswärtigen, dem Urwald zwar noch nicht ganz angenäherten, aber seit acht Tagen von mir bewohnten Stille entbehre ich die Frosch-Melodien geradezu.

Oft war es so still im Haus, daß man die Feder über das Papier hinkratzen hörte. Und wenn man das Kratzen selbst nicht mehr anhören konnte, aufstand und in der Stube auf und ab ging, dann wurde diese Stille noch unangenehmer, weil man an den Wänden aus Brettern von Apfelsinenkistenholz alle Risse sehen konnte. Aus den Löchern der Dielen stiegen die Ameisen hoch, eine rote Sorte von beinahe Termitengröße; in Vierer-Kolonnen marschierten sie durch die Stube, kletterten die Fensterwand hoch und entdeckten in einer Ecke der Decke eine große Fledermaus. In Millionen Teile zersägten die Ameisen das schlafende Tier und trugen sie nach ihrem Bau, der jenseits meiner Behausung an einer Lagune wie ein brauner Zuckerhut sich hochtürmte. 9 Das Zersägen der Fledermaus und das Weitertransportieren der einzelnen Teile geschah in einer einzigen Nacht. Und in der anderen Nacht hörte ich an jener Stelle, wo die Fledermaus sich festgekrallt hatte, kleine weiße Pilze wachsen. Sie wurden allerdings nicht viel größer als ein Hirsekorn. Und wenn man sie unter der Lupe betrachtete, waren sie von einer pflanzlichen Vollkommenheit, wie man sich eine wunderschöne Rose vollkommener kaum vorstellen kann. Ob dieser Pilzacker nun von den Ameisen angelegt worden war oder ob es verfilzte Läuse der Fledermaus 10 waren . . . das ging über sämtliche Tiefen und Untiefen meiner Vorstellung. Als ich aber meiner Wirtsfrau, einer alten Criolla, ein paar von diesen Pilzen unter der Lupe zeigte, sagte sie: »Señor, wo diese Bichos wachsen, dort gehört auch ein Golondrina hin, einer, der sprechen und flöten kann.« Nun ist ein Golondrina aber eine azurblaue Schwalbe; die Criolla jedoch meinte den buntesten aller Papageien, den Rohrpfeifer. Der ist womöglich noch kleiner als eine Schwalbe. Und von den Jungens auf den Wiesen von Punta Mora kann man das Stück für dreißig Centavos kaufen.

Die Stille im Haus war mit der Zeit so beängstigend geworden, daß ich die Bohr- und Sägewerkzeuge der Ameisen nicht mehr hörte, nicht mehr den Wurm im Holz, nicht mehr das Mate-Geschlürfe der Criolla, nicht mehr das Wachstum im Garten der weißen Pilzrosen, selbst das Kratzen der Feder war eine Gewohnheit geworden, die keinen Reflex mehr hinterließ.

Ja, nun mußte ich etwas gegen diese unheimliche Stille tun. Ich hätte mir einen ausrangierten Radioapparat schenken lassen können. Die Criolla jedoch bedrängte mich, ich solle mir ein Kind kaufen von einer ihrer Verwandten, die überzählige Kinder abzugeben hätte, zum Selbstkostenpreis und ein paar nette Kleinigkeiten dazu, zum Abgewöhnen sozusagen.

Es blieb mir nun nichts anderes übrig, als mich für einen Rohrpfeifer zu entscheiden, hieß es doch auch von diesem Vogel, daß er der anspruchsloseste Logiergast eines Haushalts sei. Auch soll man ein ganz junges Exemplar nehmen, damit man zunächst den Käfig spart und alles, was zu solch einem Vogelkäfig sonst noch gehört an Mühe und Arbeit, ihn sauber zu halten.

Soll die Wirtin mir den Vogel besorgen, sagte ich mir. 11 Und sie brachte ihn eines Nachmittags auch an. Ein Rohrpapagei, der nicht viel größer war als ein Zaunkönig. Weil der Vogel nach der Taxierung des Vogelhändlers eine Señorita war, hatte meine Wirtin einen Peso zahlen müssen.

Der Zaunkönig gehört zu den bekanntesten Vögeln, die in Deutschland verbreitet sind. Er sieht nicht so schwindsüchtig aus wie ein Kanarienvogel und ist auch sonst ein munter hüpfender Gesell.

Der hiesige Rohrpapagei ist noch etwas kleiner, er könnte gut der etwas größere Bruder von einem Kolibri sein. Alles an seinem Gefieder ist wie aus Edelstein geschmolzen, vom Lachsrot unter dem Bauch bis zu den dunkelgrünen Flügeldecken, der quittengelben Kehle und dem ultramarinblauen Schopf. Schneeweiß ist der Schnabel gefärbt, und darüber trägt der Vogel eine bernsteinbraune Hornbrille zu steinkohlenschwarzen Augen. Mehr kann man für dreißig Centavos wohl nicht verlangen. Und es ist einzig die Schuld der Wirtin, daß sie sich einen Peso dafür hatte abknöpfen lassen. Der Vogel ist allerdings gut seine zehn Peso wert, wenn man sich die einzelnen Teile des Gefieders zerlegt und in eine Verwirrung dabei gerät, ob es Schmetterlingsflügel sind oder Blumenblätter.

Als ich ihn das erste Mal ein Tänzchen auf der Hand machen ließ und mir sein Gesicht etwas genauer ansah, erinnerte mich sein Aussehen an das Gesicht eines Mannes, der früher in Berlin vor der Universität antiquarische Bücher von einem Karren herunter verkaufte und von einem jeden Buch nicht nur den Inhalt wußte, sondern auch über den Verfasser, sofern er noch lebte, Äußerungen machte, die kein Literatur-Kalender verzeichnete und die trotzdem der Wahrheit entsprachen. 12 Dieser gelehrte Bücherverkäufer trug eine bernsteingelb geränderte Hornbrille zu kohlschwarzen Augen und einer papageienhaften Nase. Und weil wir diesen Mann Tschudi nannten, gab ich auch dem Rohrpapagei den Namen Tschudi und nicht, wie die Wirtin es wünschte, Bichofeo. Denn so wie ein häßlicher Wurm sah mein Tschudi nicht aus.

Der »häßliche Wurm« in Tschudis Charakter stellte sich erst viel später heraus, als er schon sprechen konnte und alles, was er aufschnappte, fehlerfrei nachsprach. Worte sogar, die sich sonst nur zwei Liebende ins Ohr flüstern. Oft wieder andere Worte, die schön klingen, wenn ein berühmter Sprecher sie auf der Bühne verlautbaren läßt, in jenem bekannten Stück von Goethe, von dem die meisten Leute nur den Titel und die ominösen Worte kennen. Und schließlich rezitierte Tschudi auch noch Worte aus einem Bühnenwerk, an dem ich gerade schrieb.

Wenn ich an den Dialogen dieses Dramas herumfeilte und die Feder über das Papier kratzen ließ – auch dieses Kratzen schlechter Stahlfedern hatte der Tschudi bald weg. Und weil er auf meiner Schulter saß und das Ohr untersuchte, dem die Stille nicht bekam, übertrug er das Geräusch der Feder industria argentina direkt auf mein Trommelfell. Oft kletterte er auch bis zur Nasenspitze, krallte sich dort fest und hatte nicht die geringste Furcht vor den bösen Falten auf meiner Stirn. Er tat so, als wäre er in meinem Gesicht zu Hause, als sei es ein Stück von jenem Bambusschaft, auf dem er groß geworden war. Die Verwandtschaft mußte wohl noch tiefer gehen, denn er schlug sogar den Takt der Schlagader mit seinem Schnabel nach. Er ließ einen kleinen weißen Kringel auf das Papier herunterrollen, als wolle er das 13 Wort, das dem von mir begonnenen Satz noch fehlte, aus dem Seinigen hinzufügen.

Es ist eigentlich doch nicht richtig gewesen, daß ich ihn so vorschnell Tschudi nannte. Er glich dem Bücher-Tschudi nur in einem: in der Redseligkeit und in dem Wissen um Geschriebenes. Er konnte aber auch ebensogut eine Maus sein oder eine Brosche an dem Spitzenkragen eines adligen Hoffräuleins. Manchmal wieder hätte ich sagen mögen: Tschudi sieht wie ein japanischer Zierfisch aus, ja sogar wie ein kleiner Staubwedel, mit dem man vorsichtig über kostbare Porzellanfiguren fährt. So fuhr Tschudi nämlich auf meinem Teller herum, wenn wir zusammen eine Reissuppe aßen. So fuhr er auf dem Stück Brot herum und pickte sich das ihm Wohlgefällige heraus.

Hinwiederum war er bei weitem nicht so eitel wie meine Haus-Criolla. Wenn sie in dem Spiegel der Puderdose sich die mit blauen und roten Fetten verklebten Lippen besah, nach der üblen Angewohnheit des »Küßchengebens«, drehte ihr Tschudi allemal erbost den Schwanz zu. Der Schwanz sah wie eine Hutnadel aus, eine einzige lange, dünne, weiße Feder mit einer schwarzen Kugel am Ende. An dieser Kugel, die nicht viel größer war als eine Erbse, putzte er den ganzen Tag herum. Sie war so zart wie ein Flöckchen Seide und duftete nach einem mir noch nie begegneten Parfüm.

Es war aber doch richtig gewesen, daß ich ihn Tschudi getauft habe, denn seine Kenntnisse von dem, was in dem Drama stand, an dem ich schrieb, waren enorm. Dieses Stück hatte den symbolischen Titel »Heuschrecken«, und sein Schauplatz war dort, wo die Heuschrecken zu Hause sind, nämlich in Paraguay, wo auch die grauenhafte Armut zu Hause ist, an der die deutschen 14 Siedler, die sich durch das Drama hinbewegen, elend verrecken. In Paraguay. Im Jahre 1937.

Das grauenhafte Geräusch, womit die Heuschrecken eine Tabakpflanzung oder ein Batatenfeld zu einem buchstäblichen Nichts zersägen und in die Eingeweide der Erde fahren, in die Felder von oft zehntausend Hektar Mächtigkeit . . . dieses Sägen, Schnarren, Knistern und Schleifen verstand Tschudi so genau nachzuahmen, als wäre er viele Millionen Jahre vor seiner Geburt als Rohrpfeifer eine Heuschrecke gewesen.

Dabei kam das Wort Heuschrecke nur dreimal in meinem Stück vor. Nur dreimal konnte er es gehört haben, weil ich leider die dumme Angewohnheit habe, das Wort, wenn es die Feder über das Papier kratzt, gleichzeitig auch laut auszusprechen. Und auch der weiße Kringel war dort hingefallen, wo ich gerade das Wort Heuschrecken hingeschrieben hatte.

Das allein war jedoch nicht das Besondere, das an den Büchermann Tschudi erinnerte. Weil er jedoch das Personenverzeichnis des Dramas in genauer Reihenfolge im Kopf hatte und es aufsagte, wenn ich ihn dazu ermunterte . . . allein schon deshalb trug er den Namen Tschudi wohl doch zu Recht. Mit Tschudi überwand ich die Stille im Haus. Er machte Lärm, jedoch war es nichts anderes als dieses stoßweise Sprechen, als hielte ich Zwiesprache mit mir, was zuweilen vorkam. Sicher würde ich das Quartier in diesem Bretterhäuschen, das nur aus zwei kleinen Zimmern bestand (die Küche, wo die Criolla kochte, befand sich draußen unter einer Eukalypte), noch für ein paar weitere Monate gemietet haben. Nun mit einemmal reizte es mich, umfriedet und zugleich auch heftig angeregt von dieser Stille, noch einen Roman zu schreiben, von Orchideen, 15 Peludos und wilden Orangen in den Wäldern am Alto Paraná, von Pirañas in dem Großen Wasser und von einem indianischen Knaben und einem kleinen weißen Mädchen (Kinder vom Paraná. Greifenverlag Rudolstadt 1952). Von einem Erlebnis also, das bereits drei Jahre zurücklag und nicht zu den elenden Kapiteln der Stadt Buenos Aires gehört. Bei der Arbeit an dem Roman sollte Tschudi mir wieder behilflich sein, mit seinem guten Personengedächtnis, seinem indianischen Wesen und den klugen Randbemerkungen, die aus weißen Kringeln bestanden.

Ich hatte aber nicht mit den Heuschrecken gerechnet, nicht mit den wirklichen. Jedenfalls hätte ich nie geglaubt, daß die Heuschrecken in solchen Millionenschwärmen sich bis nach Punta Mora verirren könnten. Sie hatten mir zwar schon einmal die gute Oktobersonne von Montevideo verfinstert, und die Kadaver verwandelten nachher die Straßen der Stadt zu einem glitschigen grünen Morast.

Jetzt waren sie eines schönen Morgens auch hier, noch ehe Tschudi mir die Augen wachrieb mit seiner schwarzseidenen Schwanzkugel. Als ich schließlich von allein wach wurde und zuerst glaubte, daß der Vogel sich mit seinem Sägen und Wetzen einen Spaß erlaubte, kam das Geräusch dennoch von draußen her, aus dem Nachbargarten, wo die Orangen gerade in der Blüte standen, und aus dem Rohr der Lagune, von den Distelwäldern des unbebauten Ackers und den Bäumen der Allee.

Und weil nun dieses Geräusch, das von draußen kam, so natürlich klang, wie es Tschudi nicht nachzuahmen vermochte, gesellte er sich dem Heuschreckenschwarm zu, um noch mehr von ihm zu erfahren als nur dieses Sägen und Wetzen. Er war, was er in den letzten 16 Wochen nur noch selten getan hatte, aus dem Fenster geklettert, auf den Myrtenbaum hinaus und von dort in den Orangenhain.

Hier erfuhr er den Grund-Ton aller dieser häßlichen, in die Nerven sich tief hineinbohrenden Geräusche. Hier erfuhr er, daß die Heuschrecken nicht nur Geräusche machen. Sie fraßen das Grüne von den Bäumen und Sträuchern weg. Sie fraßen den Entengrieß von der Lagune, das Moos aus der Wurzelgrotte eines Ombú und die noch nicht vertrockneten Fladen der Kühe. Nur um den Eukalyptus machten sie einen Bogen.

Sie rupften und fraßen auch den Vogel Tschudi, als sei er eine nach Honig und Vanille duftende Orchidee. Sie ließen nur die lange weiße Feder mit der schwarzen, wohlriechenden Bommel zurück. An dieser Bommel erkannte ich nach tagelangem Suchen den mir verbliebenen Rest von Tschudi wieder.

Die Heuschrecken sägten einen ganzen Tag und eine Nacht, bis aus dem Gras der Wiesen Lehm geworden war, aus den Distelstauden verrosteter Stacheldraht und aus den Orangenbäumen eine neue Art von Reiserbesen. Sie zerrissen die Stille dieses hier nur in einem Exemplar vorhandenen Ruheortes, wohin ich vor dem Lärm der Stadt geflohen war. Sie ließen einen Lärm zurück, der wie die Wasserfälle des Iguazú durch meine Ohren sauste. Ich hörte nur noch dieses Sägen und Wetzen, im Wachen und im Schlaf. Schließlich war auch der Schlaf nicht mehr vorhanden. Die Schlaflosigkeit vier Wochen hindurch konnte nur durch eine gründliche Luftveränderung wieder ausgetrieben werden. Das war die Meinung des indianischen Zauberpriesters, den ich wieder aufsuchen mußte. Und solch eine andere, vom Lärm der Heuschrecken nicht zersägte Luft war 17 natürlich nur in der Stadt vorhanden. Vielleicht aber auch auf dem Hochplateau der Anden.

Ich zog also wieder in die Stadt zurück, dorthin, wo die großen Steinmühlen eine ganze Straßenseite von Conventillos zu Bauschutt zermahlen und binnen acht Wochen ein Wolkenkratzer von fünfzig Stockwerken sich hochtürmt, mit einem marmornen Reiterdenkmal davor, das von einer leuchtenden Fontäne umsprüht wird. 18 Ich wohne jetzt wieder in dem alten Haus in der Nähe des Hafens. Die Wirtin sagte, sie habe gewußt, daß ich reumütig zurückkehren würde, wenn auch nicht ausgesprochenermaßen zu ihr, so doch zu der guten Behandlung, die nur in dem Ambiente des Familiären möglich sei.

Ich konnte mir nun wieder die Stadt von oben herunter betrachten und mit dem Mond mich anfreunden, der blutrot aus den giftgrünen Wassern hochsteigt, dort, wo die Schiffe des Hungers und die der Sattheit einander begegnen.

 

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