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Das Rheingold

Richard Wagner: Das Rheingold - Kapitel 3
Quellenangabe
typeopera
booktitleDas Rheingold
authorRichard Wagner
titleDas Rheingold
pages1-217
sendergerd.bouillon@t-online.de
noteQuelle: Beiheft zu CD 427 607-2
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Zweite Szene

Freie Gegend auf Bergeshöhen

Wotan, Fricka, Freia, Fasolt, Fafner, Donner, Froh, Loge

Fricka
Wotan! Gemahl! erwache!

Wotan (fortträumend)
Der Wonne seligen Saal
bewachen mir Tür und Tor:
Mannes Ehre, ewige Macht
ragen zu endlosem Ruhm!

Fricka
Auf, aus der Träume wonnigem Trug!
Erwache, Mann, und erwäge!

Wotan
Vollendet das ewige Werk:
auf Berges Gipfel die Götterburg,
prächtig prahlt der prangende Bau!
Wie im Traum ich ihn trug,
wie mein Wille ihn wies, stark und schön
steht er zur Schau; hehrer, herrlicher Bau!

Fricka
Nur Wonne schafft dir, was mich erschreckt?
Dich freut die Burg, mir bangt es um Freia.
Achtloser, lass dich erinnern
des ausbedungenen Lohns!
Die Burg ist fertig, verfallen das Pfand:
vergassest du, was du vergabst?

Wotan
Wohl dünkt mich's, was sie bedangen,
die dort die Burg mir gebaut;
durch Vertrag zähmt' ich ihr trotzig Gezücht,
dass sie die hehre Halle mir schüfen;
die steht nun – Dank den Starken:
um den Sold sorge dich nicht.

Fricka
O lachend frevelnder Leichtsinn!
Liebelosester Frohmut!
Wusst' ich um euren Vertrag,
dem Truge hätt' ich gewehrt;
doch mutig entferntet ihr Männer die Frauen,
um taub und ruhig vor uns
allein mit den Riesen zu tagen
So ohne Scham verschenktet ihr Frechen
Freia, mein holdes Geschwister,
froh des Schächergewerbs.
Was ist euch Harten doch heilig und wert,
giert ihr Männer nach Macht!

Wotan
Gleiche Gier war Fricka wohl fremd,
als selbst um den Bau sie mich bat?

Fricka
Um des Gatten Treue besorgt
muss traurig ich wohl sinnen,
wie an mich er zu fesseln,
zieht's in die Ferne ihn fort:
herrliche Wohnung, wonniger Hausrat
sollten dich binden zu säumender Rast.
Doch du bei dem Wohnbau sannst auf Wehr und Wall allein:
Herrschaft und Macht soll er dir mehren;
nur rastlosern Sturm zu erregen,
erstand dir die ragende Burg.

Wotan
Wolltest du Frau in der Feste mich fangen,
mir Gotte musst du schon gönnen,
dass, in der Burg gefangen, ich mir
von aussen gewinne die Welt.
Wandel und Wechsel liebt, wer lebt:
das Spiel drum kann ich nicht sparen.

Fricka
Liebeloser, leidigster Mann!
Um der Macht und Herrschaft müssigen Tand
verspielst du in lästerndem Spott
Liebe und Weibes Wert?

Wotan
Um dich zum Weib zu gewinnen,
mein eines Auge setzt' ich werbend daran:
wie törig tadelst du jetzt!
Ehr' ich die Frauen doch mehr, als dich freut!
Und Freia, die gute, geb' ich nicht auf:
nie sann dies ernstlich mein Sinn.

Fricka
So schirme sie jetzt; in schutzloser Angst
läuft sie nach Hilfe dort her!

Freia
Hilf mir, Schwester! Schütze mich, Schwäher!
Vom Felsen drüben drohte mir Fasolt,
mich Holde käm' er zu holen.

Wotan
Lass ihn drohn! Sahst du nicht Loge?

Fricka
Dass am liebsten du immer dem Listigen traust!
Viel Schlimmes schuf er uns schon,
doch stets bestrickt er dich wieder.

Wotan
Wo freier Mut frommt,
allein frag' ich nach keinem;
doch des Feindes Neid zum Nutz sich fügen,
lehrt nur Schlauheit und List,
wie Loge verschlagen sie übt.
Der zum Vertrage mir riet,
versprach mir Freia zu lösen:
auf ihn verlass' ich mich nun.

Fricka
Und er lässt dich allein!
Dort schreiten rasch die Riesen heran:
wo harrt dein schlauer Gehilf'?

Freia
Wo harren meine Brüder, dass Hilfe sie brächten,
da mein Schwäher die Schwache verschenkt?
Zu Hilfe, Donner! Hieher, hieher!
Rette Freia, mein Froh!

Fricka
Die im bösen Bund dich verrieten,
sie alle bergen sich nun.

Fasolt
Sanft schloss Schlaf dein Aug':
wir beide bauten Schlummers bar die Burg.
Mächt'ger Müh' müde nie,
stauten starke Stein' wir auf;
steiler Turm, Tür und Tor
deckt und schliesst im schlanken Schloss den Saal.
Dort steht's, was wir stemmten;
schimmernd hell bescheint's der Tag:
zieh nun ein, uns zahl' den Lohn!

Wotan
Nennt, Leute, den Lohn:
was dünkt euch zu bedingen?

Fasolt
Bedungen ist's, was tauglich uns dünkt:
gemahnt es dich so matt?
Freia die holde, Holda die freie,
vertragen ist's, sie tragen wir heim.

Wotan
Seid ihr bei Trost mit eurem Vertrag?
Denkt auf andren Dank: Freia ist mir nicht feil.

Fasolt
Was sagst du? Ha, sinnst du Verrat?
Verrat am Vertrag? Die dein Speer birgt,
sind sie dir Spiel, des beratenen Bundes Runen?

Fafner
Getreuster Bruder!
Merkst du Tropf nun Betrug?

Fasolt
Lichtsohn du, leicht gefügter,
hör' und hüte dich: Verträgen halte Treu'!
Was du bist, bist du nur durch Verträge:
bedungen ist, wohl bedacht deine Macht.
Bist weiser du, als witzig wir sind,
bandest uns Freie zum Frieden du:
all deinem Wissen fluch' ich,
fliehe weit deinen Frieden,
weisst du nicht offen, ehrlich und frei
Verträgen zu wahren die Treu'!
Ein dummer Riese rät dir das:
du Weiser, wiss' es von ihm!

Wotan
Wie schlau für Ernst du achtest,
was wir zum Scherz nur beschlossen!
Die liebliche Göttin, licht und leicht,
was taugt euch Tölpeln ihr Reiz?

Fasolt
Höhnst du uns? Ha, wie unrecht!
Die ihr durch Schönheit herrscht,
schimmernd hehres Geschlecht,
wie törig strebt ihr nach Türmen von Stein,
setzt um Burg und Saal Weibes Wonne zum Pfand!
Wir Plumpen plagen uns
schwitzend mit schwieliger Hand,
ein Weib zu gewinnen, das wonnig und mild
bei uns Armen wohne:
und verkehrt nennst du den Kauf?

Fafner
Schweig' dein faules Schwatzen,
Gewinn werben wir nicht:
Freias Haft hilft wenig;
doch viel gilt's,
den Göttern sie zu entreissen.
Goldne Apfel wachsen in ihrem Garten;
sie allein weiss die Äpfel zu pflegen!
Der Frucht Genuss frommt ihren Sippen
zu ewig nie alternder Jugend;
siech und bleich doch sinkt ihre Blüte,
alt und schwach schwinden sie hin,
müssen Freia sie missen.
Ihrer Mitte drum sei sie entführt!

Wotan
Loge säumt zu lang!

Fasolt
Schlicht gib nun Bescheid!

Wotan
Fordert andern Sold!

Fasolt
Kein andrer: Freia allein!

Fafner
Du da, folge uns!

Freia
Helft, helft vor den Harten!

Froh
Zu mir, Freia! Meide sie, Frecher!
Froh schützt die Schöne.

Donner
Fasolt und Fafner,
fühltet ihr schon meines Hammers harten Schlag?

Fafner
Was soll das Drohn?

Fasolt
Was dringst du her?
Kampf kiesten wir nicht,
verlangen nur unsern Lohn.

Donner
Schon oft zahlt' ich Riesen den Zoll;
kommt her! des Lohnes Last
wäg' ich mit gutem Gewicht!

Wotan
Halt, du Wilder! Nichts durch Gewalt!
Verträge schützt meines Speeres Schaft:
spar' deines Hammers Heft!

Freia
Wehe! Wehe! Wotan verlässt mich!

Fricka
Begreif ich dich noch, grausamer Mann?

Wotan (sieht Loge kommen)
Endlich Loge! Eiltest du so,
den du geschlossen,
den schlimmen Handel zu schlichten?

Loge
Wie? Welchen Handel hätt' ich geschlossen?
Wohl was mit den Riesen dort im Rate du dangst?
In Tiefen und Höhen treibt mich mein Hang;
Haus und Herd behagt mir nicht:
Donner und Froh,
die denken an Dach und Fach!
Wollen sie frein, ein Haus muss sie erfreun.
Ein stolzer Saal, ein starkes Schloss,
danach stand Wotans Wunsch.
Haus und Hof, Saal und Schloss,
die selige Burg, sie steht nun fest gebaut;
das Prachtgemäuer prüft' ich selbst;
ob alles fest, forscht' ich genau:
Fasolt und Fafner fand ich bewährt;
kein Stein wankt im Gestemm.
Nicht müssig war ich, wie mancher hier:
der lügt, wer lässig mich schilt!

Wotan
Arglistig weichst du mir aus:
mich zu betrügen höre in Treuen dich wohl!
Von allen Göttern dein einziger Freund,
nahm ich dich auf
in der übel trauenden Tross.
Nun red' und rate klug!
Da einst die Bauer der Burg zum Dank Freia bedangen,
du weisst, nicht anders willigt' ich ein,
als weil auf Pflicht du gelobtest,
zu lösen das hehre Pfand.

Loge
Mit höchster Sorge drauf zu sinnen,
wie es zu lösen, das – hab ich gelobt.
Doch dass ich fände,
was nie sich fügt, was nie gelingt,
wie liess' sich das wohl geloben?

Fricka (zu Wotan)
Sieh, welch trugvollem Schelm du getraut!

Froh
Loge heisst du,
doch nenn' ich dich Lüge!

Donner
Verfluchte Lohe, dich lösch' ich aus!

Loge
Ihre Schmach zu decken
schmähen mich Dumme.

Wotan
In Frieden lasst mir den Freund!
Nicht kennt ihr Loges Kunst:
reicher wiegt seines Rates Wert,
zahlt er zögernd ihn aus.

Fafner
Nichts gezögert! Rasch gezahlt!

Fasolt
Lang währt's mit dem Lohn.

Wotan
Jetzt hör', Störrischer! Halte Stich!
Wo schweiftest du hin und her?

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