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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 9
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typepoem
authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
correctorreuters@abc.de
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Neuntes Abenteuer

Wie Siegfried nach Worms gesandt ward

Da sie gefahren waren · voll neun Tage,
Da sprach von Tronje Hagen · »Nun höret, was ich sage.
Wir säumen mit der Kunde · nach Worms an den Rhein:
Nun sollten eure Boten · schon bei den Burgunden sein.«

Da sprach König Gunther · »Ihr redet recht daran;
Auch hätt' uns wohl niemand · die Fahrt so gern getan
Als ihr selbst, Freund Hagen · nun reitet in mein Land,
Unsre Hofreise · macht niemand besser da bekannt.«

Drauf entgegnet' Hagen · »Ich bin kein Bote gut:
Laßt mich der Kammer pflegen · bleiben auf der Flut
Will ich hier bei den Frauen · behüten ihr Gewand,
Bis daß wir sie bringen · in der Burgunden Land.

»Nein, bittet Siegfrieden · um die Botschaft dahin:
Der mag sie wohl verrichten · mit zuchtreichem Sinn.
Versagt er euch die Reise · ihr sollt mit guten Sitten
Bei eurer Schwester Liebe · um die Fahrt ihn freundlich bitten.«

Er sandte nach dem Recken · der kam, als man ihn fand.
Er sprach zu ihm: »Wir nahen · uns schon meinem Land;
Da sollt' ich Boten senden · der lieben Schwester mein
Und auch meiner Mutter · daß wir kommen an den Rhein.

»So bin' ich euch, Herr Siegfried · erfüllet mein Begehr,
Ich will's euch immer danken« · so sprach der Degen hehr.
Da weigerte sich Siegfried · dieser kühne Mann,
Bis ihn König Gunther · sehr zu flehen begann.

Er sprach: »Ihr sollt reiten · um den Willen mein,
Dazu auch um Kriemhild · das schöne Mägdelein,
Daß es mit mir vergelte · die herrliche Maid.«
Als Siegfried das hörte · da war der Recke bald bereit.

»Entbietet, was ihr wollet · es soll gemeldet sein:
Ich will es gern bestellen · um das schöne Mägdelein.
Die ich im Herzen trage · verzichtet' ich auf die?
Leisten will ich alles · was ihr gebietet, um sie.«

»So saget meiner Mutter · Ute der Königin,
Daß ich auf dieser Reise · hohen Mutes bin.
Wie wir geworben haben · sagt meinen Brüdern an;
Auch unsern Freunden werde · diese Märe kund getan.

»Ihr sollt auch nichts verschweigen · der schönen Schwester mein,
Ich wollt' ihr mit Brunhilden · stets zu Diensten sein;
So sagt auch dem Gesinde · und wer mir untenan
Was je mein Herz sich wünschte · daß ich das alles gewann.

»Und saget Ortweinen · dem lieben Neffen mein,
Daß er Gestühl errichte · zu Worms bei dem Rhein;
Den Mannen auch und Freunden · sei es kund getan,
Ich stelle mit Brunhilden · eine große Hochzeit an.

»Und bittet meine Schwester · werd' ihr das bekannt,
Daß ich mit meinen Gästen · gekommen sei ins Land,
Daß sie dann wohl empfange · die liebe Traute mein:
So woll' ich Kriemhilden · stets zu Dienst erbötig sein.«

Da bat bei Brunhilden · und ihrem Ingesind
Alsbald um den Urlaub · Siegfried, Siegmunds Kind,
Wie es ihm geziemte · da ritt er an den Rhein.
Es könnt' in allen Landen · ein beßrer Bote nicht sein.

Mit vierundzwanzig Recken · zu Worms kam er an;
Ohne den König kam er · das wurde kund getan.
Da mühten all die Degen · in Jammer sich und Not,
Besorgt, daß dort der König · gefunden habe den Tod.

Sie stiegen von den Rossen · und trugen hohen Mut;
Da kam alsbald Herr Geiselher · der junge König gut,
Und Gernot, sein Bruder · wie hurtig sprach er da,
Als er den König Gunther · nicht bei Siegfrieden sah:

»Willkommen, Herr Siegfried · ich bitte, sagt mir an:
Wo habt ihr meinen Bruder · den König, hingetan?
Brunhildens Stärke · hat ihn uns wohl benommen;
So war uns sehr zum Schaden · ihre hohe Minne gekommen.«

»Die Sorge lasset fahren · euch und den Freunden sein
Entbietet seine Dienste · der Heergeselle mein.
Ich verließ ihn wohlgeborgen · er hat mich euch gesandt,
Daß ich sein Bote würde · mit Mären her in euer Land.

»Nun helft mir es fügen · wie es auch gescheh',
Daß ich die Königin Ute · und eure Schwester seh';
Die soll ich hören lassen · was ihr zu wissen tut
Gunther und Frau Brunhild · um sie beide steht es gut.«

Da sprach der junge Geiselher · »So sprecht bei ihnen an;
Da habt ihr meiner Schwester · einen Liebesdienst getan.
Sie trägt noch große Sorge · um den Bruder mein:
Die Maid sieht euch gerne · dafür will ich euch Bürge sein.«

Da sprach der Degen Siegfried · »Wo ich ihr dienen kann,
Das soll immer treulich · und willig sein getan.
Wer sagt nun, daß ich komme · den beiden Frauen an?«
Da warb die Botschaft Geiselher · dieser waidliche Mann.

Geiselher der junge · sprach zu der Mutter da
Und auch zu seiner Schwester · als er die beiden sah:
»Uns ist gekommen Siegfried · der Held aus Niederland;
Ihn hat mein Bruder Gunther · her zum Rheine gesandt.

»Er bringt uns die Kunde · wie's um den König steht;
Nun sollt ihr ihm erlauben · daß er zu Hofe geht:
Er bringt die rechten Mären · uns her von Island.«
Noch war den edlen Frauen · große Sorge nicht gewandt.

Sie sprangen nach dem Staate · und kleideten sich drein
Und luden Siegfrieden · nach Hof zu kommen ein.
Das tat der Degen williglich · weil er sie gerne sah.
Kriemhild die edle · sprach zu ihm in Güte da:

»Willkommen, Herr Siegfried · ein Ritter ohne Gleich,
Wo blieb mein Bruder Gunther · der edle König reich?
Durch Brunhilds Stärke, fürcht' ich · ging er uns verloren:
O weh mir armen Mägdelein · daß ich je ward geboren!«

Da sprach der kühne Ritter · »Nun gebt mir Botenbrot!
Ihr zwei schönen Frauen · weinet ohne Not.
Ich verließ ihn wohlgeborgen · das tu' ich euch bekannt:
Sie haben mich euch beiden · mit der Märe hergesandt.

»Mit freundlicher Liebe · viel edle Herrin mein,
Entbeut euch seine Dienste · er und die Traute sein.
Nun laßt euer Weinen · sie wollen balde kommen.«
Sie hatte lange Tage · so liebe Märe nicht vernommen.

Mit schneeweißem Kleide · aus Augen wohlgetan
Wischte sie die Tränen · zu danken hüben sie an
Dem Boten dieser Märe · die ihr war gekommen.
Ihr war die große Trauer · und auch ihr Weinen benommen.

Sie hieß den Boten sitzen · des war er gern bereit.
Da sprach die Minnigliche · »Es wäre mir nicht leid,
Wenn ich euch geben dürfte · zum Botenlohn mein Gold.
Dazu seid ihr zu vornehm · so bleib' ich sonst denn euch hold.«

»Und würden dreißig Lande« · sprach er, »mein genannt,
So empfing' ich Gabe · doch gern aus eurer Hand.«
Da sprach die Wohlgezogne · »Wohlan, es soll geschehn.«
Da hieß sie ihren Kämmerer · nach dem Botenlohne gehn.

Vierundzwanzig Spangen · mit Edelsteinen gut
Gab sie ihm zum Lohne · So stund des Helden Mut:
Er wollt' es nicht behalten · er gab es unverwandt
Ihren schönen Maiden · die er in der Kammer fand.

Ihre Dienste bot ihnen · die Mutter gütlich an.
»Ich soll euch ferner sagen« · sprach der kühne Mann,
»Um was der König bittet · gelangt er an den Rhein:
Wenn ihr das, Fraue, leistet · er will euch stets gewogen sein.

»Seine reichen Gäste · das ist sein Begehr,
Sollt ihr wohl empfangen · auch bittet er euch sehr,
Entgegen ihm zu reiten · vor Worms ans Gestad.
Das ist's, worum der König · euch in Treun gebeten hat.«

»Das will ich gern vollbringen« · sprach die schöne Magd:
»Worin ich ihm kann dienen · das ist ihm unversagt.
Mit freundlicher Treue · wird all sein Wunsch getan.«
Da mehrte sich die Farbe · die sie vor Freude gewann.

Nie sah man Fürstenboten · besser wohl empfahn:
Wenn sie ihn küssen durfte · sie hätt' es gern getan;
Wie minniglicher Weise · er von den Frauen schied!
Da taten die Burgunden · wie da Siegfried ihnen riet.

Sindold und Hunold · und Rumold der Degen
Großer Unmuße · mußten sie da pflegen,
Als sie die Sitze richteten · vor Worms an dem Strand:
Die Schaffner des Königs · man sehr beflissen da fand.

Ortwein und Gere · säumten auch nicht mehr,
Sie sandten nach den Freunden · allwärts umher,
Die Hochzeit anzusagen · die da sollte sein;
Der zierten sich entgegen · viel der schönen Mägdelein.

Der Pallas und die Wände · waren allzumal
Verziert der Gäste wegen · König Gunthers Saal
Ward herrlich ausgerüstet · für manchen fremden Mann;
Das große Hofgelage · mit hohen Freuden begann.

Da ritten allenthalben · die Wege durch das Land
Der drei Kön'ge Freunde · die hatte man besandt,
Die Gäste zu empfangen · die da sollten kommen.
Da wurden aus dem Einschlag · viel reicher Kleider genommen.

Bald brachte man die Kunde · daß man schon reiten sah
Brunhilds Gefolge · Gedränge gab es da
Von des Volkes Menge · in Burgundenland.
Hei! was man kühner Degen · da zu beiden Seiten fand!

Da sprach die schöne Kriemhild · »Ihr, meine Mägdelein,
Die bei dem Empfange · mit mir wollen sein,
Die suchen aus den Kisten · ihr allerbest Gewand:
So wird uns Lob und Ehre · von den Gästen zuerkannt.«

Da kamen auch die Recken · und ließen vor sich her
Schöne Sättel tragen · von rotem Golde schwer,
Daß drauf die Frauen ritten · von Worms an den Rhein.
Besser Pferdgeräte · konnte wohl nimmer sein.

Wie warf da von den Mähren · den Schein das lichte Gold!
Viel Edelsteine glänzten · von den Zäumen hold;
Die goldenen Schemel · auf lichtem Teppich gut
Brachte man den Frauen · sie hatten fröhlichen Mut.

Die Frauenpferde standen · auf dem Hof bereit,
Wie gemeldet wurde · für manche edle Maid.
Die schmalen Brustriemen · sah man die Mähren tragen
Von der besten Seide · davon man je hörte sagen.

Sechsundachtzig Frauen · traten da heraus,
Die Kopfgebinde trugen · zu Kriemhild vor das Haus
Zogen die Schönen · jetzt in reichem Kleid;
Da kam in vollem Schmucke · auch manche waidliche Maid,

Fünfzig und viere · aus Burgundenland:
Es waren auch die besten · die man irgend fand.
Man sah sie gelblockig · unter lichten Borten gehn.
Was sich bedingt der König · das sah er fleißig geschehn.

Von kostbaren Zeugen · den besten, die man fand,
Trugen sie vor den Gästen · manch herrlich Gewand.
Zu ihrer schönen Farbe · stand es ihnen gut:
Wer einer abhold wäre · litte wohl an schwachem Mut.

Von Hermelin und Zobel · viel Kleider man da fand.
Da schmückte sich gar manche · den Arm und auch die Hand
Mit Spangen auf der Seide · die sie sollten tragen.
Es könnt' euch dies Befleißen · niemand wohl zu Ende sagen.

Viel Gürtel kunstgeschaffen · kostbar und lang,
Über lichte Kleider · die Hand der Frauen schwang
Um edle Ferransröcke · von Zeug aus Arabia.
Die edeln Jungfrauen · waren in hohen Freuden da.

Man sah in Brustgeschmeide · manch schöne Maid
Minniglich sich schnüren · Die mochte tragen Leid,
Deren lichte Farbe · das Kleid nicht überschien.
So schönes Ingesinde · hat nun keine Königin.

Als die Minniglichen · nun trugen ihr Gewand,
Die sie da führen sollten · die kamen unverwandt,
Die hochgemuten Recken · in großer Zahl daher;
Man bracht' auch hin viel Schilde · und manchen eschenen Speer.

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