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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 38
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authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
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Achtunddreißigstes Abenteuer

Wie Dietrichens Recken alle erschlagen wurden

Der Jammer allenthalben · zu solchem Maße schwoll,
Daß von der Wehklage · Pallas und Turm erscholl.
Da vernahm es auch ein Berner · Dietrichs Untertan:
Der schweren Botschaft willen · wie eilends kam er heran!

Da sprach er zu dem Fürsten · »Hört mich, Herr Dieterich,
Was ich noch je erlebte · so herzensjämmerlich
Hört' ich noch niemals klagen · als ich jetzt vernahm.
Ich glaube, daß der König · selber nun zu Schaden kam.

»Wie wären sonst die Leute · all' in solcher Not?
Der König oder Kriemhild · eins ward dem Tod
Von den kühnen Gästen · in ihrem Zorn gesellt.
Es weint übermäßig · mancher auserwählte Held.«

Da sprach der Vogt von Berne · »Ihr Getreun in meinem Lehn,
Seid nicht allzu eilig · was hier auch ist geschehn
Von den Heimatlosen · sie zwang dazu die Not:
Nun laßt sie des genießen · daß ich ihnen Frieden bot.«

Da sprach der kühne Wolf hart · »Ich will zum Saale gehn,
Der Mare nachzufragen · was da sei geschehn,
Und will euch dann berichten · viel lieber Herre mein,
Wenn ich es dort erkunde · worum die Klage möge sein.«

Da sprach der edle Dietrich · »Wenn man sich Zorns versieht
Und ungestümes Fragen · zur Unzeit dann geschieht,
Das betrübt den Recken · allzuleicht den Mut:
Drum will ich nicht, Wolfhart · daß ihr die Frage da tut.«

Da bat er Helfrichen · hin zu gehn geschwind,
Ob er erkunden möge · bei Etzels Ingesind
Oder bei den Gästen · was da war' geschehn.
Da wurde nie bei Leuten · so großer Jammer gesehn.

Der Bote kam und fragte · »Was ist hier geschehn?«
Da ward ihm zum Bescheide · »Nun mußt' uns auch zergehn
Der Trost, der uns geblieben · noch war in Heunenland:
Hier liegt erschlagen Rüdiger · von der Burgunden Hand.

»Nicht einer ist entkommen · der mit ihm ging hinein.«
Das konnte Helfrichen · nimmer leider sein.
Fürwahr er mochte Märe · noch nie so ungern sagen:
Er kam zu Dietrichen · zurück mit Weinen und Klagen.

»Was bringt ihr uns für Kunde?« · sprach da Dieterich,
»Wie weint ihr so heftig · Degen Helferich?«
Da sprach der edle Recke · »Wohl hab' ich Grund zu klagen:
Den guten Rüdger haben · die Burgunden erschlagen.«

Da sprach der Held von Berne · »Das wolle nimmer Gott!
Eine starke Rache wär' es · und des Teufels Spott.
Wie hätt' an ihnen Rüdiger · verdient solchen Sold?
Ich weiß wohl die Kunde · er ist den Fremdlingen hold.«

Da sprach der kühne Wolfhart · »Und wär' es geschehn,
So sollt' es ihnen allen · an Leib und Leben gehn.
Wenn wir's ertragen wollten · es brächt' uns Spott und Schand',
Uns bot so große Dienste · des guten Rüdiger Hand.«

Der Vogt von Amelungen · erfragt' es gern noch mehr.
In ein Fenster setzt' er sich · ihm war das Herz so schwer.
Da hieß er Hildebranden · zu den Gästen gehn,
Bei ihnen zu erforschen · was da wäre geschehn.

Der sturmkühne Recke · Meister Hildebrand,
Weder Schild noch Waffen · trug er an der Hand.
Er wollt' in seinen Züchten · zu den Gästen gehn;
Von seiner Schwester Kinde · mußt' er sich gescholten sehn.

Da sprach der grimme Wolfhan: · »Geht ihr dahin so bloß,
So kommt ihr ungescholten · nimmer wieder los:
So müßt ihr dann mit Schanden · tun die Wiederfahrt;
Geht ihr dahin in Waffen · so weiß ich, daß es mancher spart.«

Da rüstete der Alte · sich nach des Jungen Rat.
Eh' er es inne wurde · standen in ihrem Staat
Die Recken Dietrichs alle · die Schwerter in der Hand.
Leid war das dem Helden · er hätt' es gern noch abgewandt.

Er frag, wohin sie wollten · »Wir wollen mit euch hin.
Ob von Tronje Hagen · wohl dann noch ist so kühn,
Mit Spott zu euch zu reden · wie ihm zu tun gefällt?«
Als er dieses hörte · erlaubt' es ihnen der Held.

Da sah der kühne Volker · wohlgewaffnet gehn
Die Recken von Berne · in Dietrichens Lehn,
Die Schwerter umgegürtet · die Schilde vor der Hand:
Er sagt es seinen Herren · aus der Burgunden Land.

Da sprach der Fiedelspieler · »Dorten seh' ich nahn
Recht in Feindesweise · die Dietrich Untertan,
Gewaffnet unter Helmen · Sie wollen uns bestehn.
Nun wird es an das Üble · mit uns Fremdlingen gehn.«

Es währte nicht lange · so kam auch Hildebrand.
Da setzt' er vor die Füße · seinen Schildesrand
Und begann zu fragen · die Gunthern untenan:
»O weh, ihr guten Degen · was hatt' euch Rüdiger getan?

»Mich hat mein Herr Dietrich · her zu euch gesandt,
Ob erschlagen liege · Helden, von eurer Hand
Dieser edle Markgraf · wie man uns gab Bescheid?
Wir könnten nicht verwinden · also schweres Herzeleid.«

Da sprach der grimme Hagen · »Die Mär' ist ungelogen,
Wie gern ich's euch gönnte · wärt ihr damit betrogen,
Rüdigern zuliebe · so lebt' er uns noch,
Den nie genug beweinen · mögen Fraun und Mannen doch.«

Als sie das recht vernahmen · Rüdiger sei tot,
Da beklagten ihn die Recken · wie ihre Treu' gebot.
Dietrichens Mannen · sah man die Tränen gehn
Übern Bart zum Kinne · viel Leid war ihnen geschehn.

Siegstab der Herzog · von Bern sprach zuhand:
»O weh, wie all die Güte · hier gar ein Ende fand,
Die uns Rüdiger hier schuf · nach unsers Leides Tagen:
Der Trost der Heimatlosen · liegt von euch Degen erschlagen.«

Da sprach von Amelungen · der Degen Wolfwein:
»Und wenn ich vor mir liegen · hier säh' den Vater mein,
Mir würde nimmer leider · als um Rüdgers Tod.
O weh, wer soll nun trösten · die Markgräfin in ihrer Not?«

Da sprach im Zornmute · der kühne Wolfhart:
»Wer leitet nun die Recken · auf mancher Heerfahrt,
Wie von dem Markgrafen · so oft geschehen ist?
O weh, viel edler Rüdiger · daß du uns so verloren bist!«

Wolfbrand und Helferich · und auch Helmnot
Mit allen ihren Freunden · beweinten seinen Tod.
Nicht mehr fragen mochte · vor Seufzen Hildebrand:
Er sprach: »Tut denn, ihr Degen · warum mein Herr uns gesandt.

»Gebet uns den toten · Rüdiger aus dem Saal,
An dem all unsre Freude · erlitt den Jammerfall.
Laßt uns ihm so vergelten · was er an uns getan
Hat mit großer Treue · und an manchem andern Mann.

»Wir sind hier auch Vertriebene · wie Rüdiger der Degen.
Wie laßt ihr uns warten? · Laßt uns ihn aus den Wegen
Tragen und im Tode · lohnen noch dem Mann:
Wir hätten es wohl billig · bei seinem Leben getan.«

Da sprach der König Gunther · »Nie war ein Dienst so gut,
Als den ein Freund dem Freunde · nach dem Tode tut.
Das nenn' ich stete Treue · wenn man das leisten kann:
Ihr lohnt ihm nach Verdienste · er hat euch Liebes getan.«

»Wie lange solln wir flehen?« · sprach Wolfhart der Held.
»Da unser Trost der beste · liegt von euch gefällt
Und wir ihn nun leider · nicht länger mögen haben,
Laßt uns ihn hinnen tragen · daß wir den Recken begraben.«

Zur Antwort gab ihm Volker · »Man bringt ihn euch nicht her:
Holt ihn aus dem Hause · wo der Degen hehr
Mit tiefen Herzenswunden · gefallen ist ins Blut:
So sind es volle Dienste · die ihr hier Rüdigern tut.«

Da sprach der kühne Wolfhart · »Gott weiß, Herr Fiedelmann,
Ihr müßt uns nicht noch reizen · ihr habt uns Leid getan.
Dürft' ich's vor meinem Herren · so kämt ihr drum in Not,
Doch müssen wir es lassen · weil er den Streit uns verbot.«

Da sprach der Fiedelspieler · »Der fürchtet sich zu viel,
Der, was man ihm verbietet · alles lassen will:
Das kann ich nimmer heißen · rechten Heldenmut.«
Die Rede dauchte Hagnen · von seinem Heergesellen gut.

»Laßt's lieber unterwegen!« · fiel ihm Wolfhart ein,
»Ich verstimm' euch so die Saiten · daß ihr noch am Rhein,
Wenn je ihr heimreitet · habt davon zu sagen.
Euer Überheben · mag ich mit Ehren nicht ertragen.«

Da sprach der Fiedelspieler · »Wenn ihr den Saiten mein
Die guten Töne raubtet · eures Helmes Schein
Müßte trübe werden · dabei von meiner Hand,
Wie ich halt auch reite · in der Burgunden Land.«

Da wollt' er zu ihm springen · doch blieb nicht frei die Bahn.
Hildebrand sein Oheim · hielt ihn mit Kräften an:
»Ich seh', du willst wüten · in deinem dummen Zorn;
Nun hätten wir auf immer · meines Herren Huld verlorn.«

»Laßt los den Leuen, Meister! · er hat so grimmigen Mut;
Doch kommt er mir zu nahe« · sprach Volker der Degen gut,
»Hätt' er mit seinen Händen · die ganze Welt erschlagen,
Ich schlag' ihn, daß er nimmermehr · ein Widerwort weiß zu sagen.«

Darob ergrimmte heftig · den Bernern der Mut.
Den Schild ruckte Wolfhart · ein schneller Recke gut:
Gleich einem wilden Leuen · lief er auf ihn an.
Die Schar seiner Freunde · ihm rasch zu folgen begann.

Mit weiten Sprüngen setzt' er · bis vor des Saales Wand;
Doch ereilt' ihn vor der Stiege · der alte Hildebrand:
Er wollt' ihn vor ihm selber · nicht lassen in den Streit.
Zu ihrem Willen fanden · sie gern die Gäste bereit.

Da sprang hin zu Hagen · Meister Hildebrand:
Man hörte Waffen klingen · an der Helden Hand.
Sie waren sehr im Zorne · das zeigte sich geschwind:
Von der beiden Schwertern · ging der feuerrote Wind.

Da wurden sie geschieden · in des Streites Not:
Das taten die von Berne · wie Kraft und Mut gebot.
Als sich von Hagen wandte · Meister Hildebrand,
Da kam der starke Wolfhart · auf den kühnen Volker gerannt.

Auf den Helm dem Fiedler · schlug er solchen Schwang,
Daß des Schwertes Schärfe · durch die Spangen drang.
Das vergalt mit Ungestüm · der kühne Fiedelmann:
Da schlug er Wolf harten · daß er zu sprühen begann.

Feuers aus den Panzern · hieben sie genug;
Grimmen Haß jedweder · zu dem andern trug.
Da schied sie von Berne · der Degen Wolf wein;
War' er kein Held gewesen · so konnte das nimmer sein.

Gunther der Recke · mit williger Hand
Empfing die hehren Helden · aus Amelungenland.
Geiselher der junge · die lichten Helme gut
Macht' er in dem Sturme · manchem naß und rot von Blut.

Dankwart, Hagens Bruder · war ein grimmer Mann:
Was er zuvor im Streite · Herrliches getan
An König Etzels Recken · das schien nun gar ein Wind:
Nun erst begann zu toben · des kühnen Aldrians Kind.

Ritschart und Gerbart · Helfrich und Wichart
In manchen Stürmen hatten · die selten sich gespart:
Das ließen sie wohl schauen · die in Gunthers Lehn.
Da sah man Wolfbranden · in dem Streite herrlich gehn.

Da focht, als ob er wüte · der alte Hildebrand.
Viel gute Recken mußten · vor Wolfhartens Hand
Auf den Tod getroffen · sinken in das Blut:
So rächten Rüdgers Wunden · diese Recken kühn und gut.

Da focht der Herzog Siegstab · wie ihm der Zorn gebot.
Hei! was guter Helme · brach in des Sturmes Not
Dort an seinen Feinden · Dietrichens Schwestersohn!
Er könnt' in dem Sturme · nicht gewaltiger dröhn.

Volker der starke · als er das ersah,
Wie Siegstab der kühne · aus Panzerringen da
Bäche Blutes holte · das schuf dem Biedern Zorn:
Er sprang ihm hin entgegen · da hatte hier bald verlorn

Von dem Fiedelspieler · das Leben Siegstab:
Volker ihm seiner Künste · so vollen Anteil gab,
Er fiel von seinem Schwerte · nieder in den Tod.
Das rächte Meister Hildebrand · wie ihm sein Eifer gebot.

»O weh des lieben Herren« · sprach Meister Hildebrand,
»Der uns hier erschlagen · liegt von Volkers Hand!
Nun soll der Fiedelspieler · auch länger nicht gedeihn.«
Hildebrand der kühne · wie könnt' er grimmiger sein?

Da schlug er so auf Volker · daß von des Helmes Band
Die Splitter allwärts stoben · bis zu des Saales Wand,
Vom Helm und auch vom Schilde · dem kühnen Spielmann;
Davon der starke Volker · nun auch sein Ende gewann.

Da drangen zu dem Streite · die in Dietrichs Lehn:
Sie schlugen, daß die Splitter · sich wirbelnd mußten drehn
Und man der Schwerter Enden · in die Höhe fliegen sah.
Sie holten aus den Helmen · heiße Blutbäche da.

Nun sah von Tronje Hagen · Volker den Degen tot:
Das war ihm bei der Hochzeit · die allergrößte Not,
Die er gewonnen hatte · an Freund und Untertan!
O weh, wie grimmig Hagen · den Freund zu rächen begann!

»Nun soll es nicht genießen · der alte Hildebrand:
Mein Gehilfe liegt erschlagen · von des Helden Hand,
Der beste Heergeselle · den ich je gewann.«
Den Schild rückt' er höher · so ging er hauend hindann.

Helferich der starke · Dankwarten schlug:
Gunthern und Geiselhern · war es leid genug,
Als sie ihn fallen sahen · in der starken Not;
Doch hatten seine Hände · wohl vergolten seinen Tod.

Derweil schuf sich Wolfhart · hin und wieder Bahn,
Alles niederhauend · was Gunthern untenan.
Er machte nun zum dritten Mal · die Runde durch den Saal:
Da fiel von seinen Händen · gar mancher Recke zutal.

Da rief der edle Geiselher · Wolf harten an:
»O weh, daß ich so grimmen · Feind je gewann!
Kühner Ritter edel · nun wende dich hieher!
Ich will es helfen enden · nicht länger trag* ich es mehr.«

Zu Geiselheren wandte · sich Wolfhart in den Streit.
Da schlugen sich die Recken · manche Wunde weit.
Mit solchem Ungestüme · er zu dem König drang,
Daß unter seinen Füßen · übers Haupt das Blut ihm sprang.

Mit schnellen grimmen Schlägen · der schönen Ute Kind
Empfing da Wolfharten · den Helden hochgesinnt.
Wie stark auch war der Degen · wie sollt' er hier gedeihn?
Es konnte nimmer kühner · ein so junger König sein.

Da schlug er Wolfharten · durch einen Harnisch gut,
Daß ihm aus der Wunde · niederquoll das Blut:
Zum Tode war verwundet · Dietrichens Untertan.
Wohl mußt' er sein ein Recke · der solche Werke getan.

Als der kühne Wolfhart · die Wund' an sich empfand,
Den Schild ließ er fallen · Höher in der Hand
Hob er ein starkes Waffen · das war wohl scharf genug:
Durch Helm und Panzerringe · der Degen Geiselhern schlug.

Den grimmen Tod einander · hatten sie angetan.
Da lebt' auch niemand weiter · der Dietrich Untertan.
Hildebrand der alte · Wolf harten fallen sah:
Gewiß vor seinem Tode · solch Leid ihm nimmer geschah.

Erstorben waren alle · die in Gunthers Lehn
Und die in Dietrichens · Hilbranden sah man gehn,
Wo Wolfhart war gefallen · nieder in das Blut.
Er umschloß mit Armen · den Degen bieder und gut.

Er wollt' ihn aus dem Hause · tragen mit sich fort;
Er war zu schwer doch, lassen · mußt' ihn der Alte dort.
Da blickt' aus dem Blute · der todwunde Mann:
Er sah wohl, sein Oheim · hülfe gern ihm hindann.

Da sprach der Todwunde · »Viel lieber Oheim mein,
Mir kann zu dieser Stunde · eure Hilfe nicht gedeihn.
Nun hütet euch vor Hagen · fürwahr, ich rat' euch gut:
Der trägt in seinem Herzen · einen grimmigen Mut.

»Und wollen meine Freunde · im Tode mich beklagen,
Den nächsten und den besten · sollt ihr von mir sagen,
Daß sie nicht um mich weinen · das tu' nimmer not:
Von eines Königs Händen · fand ich hier herrlichen Tod.

»Ich hab' auch so vergolten · mein Sterben hier im Saal,
Das schafft noch den Frauen · der guten Ritter Qual.
Will's jemand von euch wissen · so mögt ihr kühnlich sagen:
Von meiner Hand alleine · liegen hundert wohl erschlagen.«

Da gedacht' auch Hagen · an den Fiedelmann,
Dem der kühne Hildebrand · das Leben abgewann:
Da sprach er zu dem Degen · »Ihr entgeltet nun mein Leid.
Ihr habt uns hier benommen · manchen Recken kühn im Streit.«

Er schlug auf Hildebranden · daß man wohl vernahm
Balmungen dröhnen · den Siegfrieden nahm
Hagen der kühne · als er den Helden schlug.
Da wehrte sich der Alte · er war auch streitbar genug.

Dietriches Recke · ein breites Waffen schwang
Auf Hagen von Tronje · das scharf den Stahl durchdrang.
Doch konnt' er nicht verwunden · Gunthers Untertan.
Da schlug ihm Hagen wieder · durch einen Harnisch wohlgetan.

Als der alte Hildebrand · die Wunde recht empfand,
Besorgt' er größern Schaden · noch von Hagens Hand.
Den Schild warf auf den Rücken · Dietrichs Untertan:
Mit der starken Wunde · der Held vor Hagen entrann.

Da lebt' auch von allen · den Degen niemand mehr
Als Gunther und Hagen · die beiden Recken hehr.
Mit Blut ging beronnen · der alte Hildebrand:
Er brachte leide Märe · da er Dietrichen fand.

Schwer bekümmert sitzen · sah er da den Mann.
Noch größern Leides Kunde · nun der Fürst gewann.
Als er Hildebranden · im Panzer sah so rot,
Da fragt' er nach der Ursach' · wie ihm die Sorge gebot.

»Nun sagt mir, Meister Hildebrand · wie seid ihr so naß
Von dem Lebensblute? · oder wer tat euch das?
Ihr habt wohl mit den Gästen · gestritten in dem Saal?
Ihr ließt es billig bleiben · wie ich so dringend befahl.«

Da sagt' er seinem Herren · »Hagen tat es mir:
Der schlug mir in dem Saale · diese Wunde hier,
Als ich von dem Recken · zu wenden mich begann.
Kaum daß ich mit dem Leben · noch dem Teufel entrann.«

Da sprach der von Berne · »Gar recht ist euch geschehn,
Da ihr mich Freundschaft hörtet · den Recken zugestehn
Und doch den Frieden brächet · den ich ihnen bot:
War mir's nicht ewig Schande · ihr solltet's büßen mit dem Tod.

»Nun zürnt mir, Herr Dietrich · darob nicht allzusehr:
An mir und meinen Freunden · ist der Schade gar zu schwer.
Wir wollten Rüdger gerne · tragen aus dem Saal:
Das wollten uns nicht gönnen · die, welchen Gunther befahl.«

»O weh mir dieses Leides! · Ist Rüdiger doch tot?
Das muß mir sein ein Jammer · vor all meiner Not.
Gotelind die edle · ist meiner Base Kind:
O weh der armen Waisen · die dort zu Bechlaren sind!«

Herzeleid und Kummer · schuf ihm sein Tod:
Er hub an zu weinen · den Helden zwang die Not.
»O weh der treuen Hilfe · die mir an ihm erlag!
König Etzels Degen · nie verschmerzen ich mag.

»Könnt ihr mir, Meister Hildebrand · rechte Kunde sagen,
Wie der Recke heiße · der ihn hat erschlagen?«
Er sprach: »Das tat mit Kräften · der starke Gernot;
Von Rüdigers Händen · fand auch der König den Tod.«

Er sprach zu Hilbranden · »So sagt den Meinen an,
Daß sie alsbald sich waffnen · so geh' ich selbst hinan.
Und befehlt, daß sie mir bringen · mein lichtes Streitgewand:
Ich selber will nun fragen · die Helden aus Burgundenland.«

Da sprach Meister Hildebrand · »Wer soll mit euch gehn?
Die euch am Leben blieben · die seht ihr vor euch stehn:
Das bin ich ganz alleine · die andern die sind tot.«
Da erschrak er dieser Märe · es schuf ihm wahrhafte Not,

Da er auf Erden nimmer · noch solches Leid gewann.
Er sprach: »Und sind erstorben · all die mir untenan,
So hat mein Gott vergessen · ich armer Dietrich!
Ich herrscht' ein mächt'ger König · hehr einst und gewaltiglich.«

Wieder sprach da Dietrich · »Wie könnt' es nur geschehn,
Daß sie all' erstarben · die Helden ausersehn,
Vor den Streitmüden · die doch gelitten Not?
Mein Unglück schuf's alleine · sonst verschonte sie der Tod!

»Wenn dann mein Unheil wollte · es sollte sich begeben,
So sprecht, blieb von den Gästen · einer noch am Leben?«
Da sprach Meister Hildebrand · »Das weiß Gott, niemand mehr
Als Hagen ganz alleine · und Gunther der König hehr.«

»O weh, lieber Wolfhart · und hab' ich dich verloren,
So mag mich bald gereuen · daß ich je ward geboren.
Siegstab und Wolf wein · und auch Wolfbrand:
Wer soll mir denn helfen · in der Amelungen Land?

»Helferich der kühne · und ist mir der erschlagen,
Gerbart und Wichart · wann hör' ich auf zu klagen?
Das ist aller Freuden · mir der letzte Tag.
O weh, daß vor Leide · niemand doch ersterben mag!«

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