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Das Nibelungenlied

Karl Simrock: Das Nibelungenlied - Kapitel 37
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authorKarl Simrock
titleDas Nibelungenlied
publisherWeltbild Verlag
editorAndreas Heusler
translatorKarl Simrock
correctorreuters@abc.de
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Siebenunddreißigstes Abenteuer

Wie Rüdiger erschlagen ward

Die Heimatlosen hatten · am Morgen viel getan.
Der Gemahl Gotlindens · kam zu Hof heran
Und sah auf beiden Seiten · des großen Leids Beschwer:
Darüber weinte inniglich · der getreue Rüdiger.

»O weh, daß ich das Leben« · sprach der Held, »gewann
Und diesem großen Jammer · nun niemand wehren kann!
So gern ich Frieden schüfe · der König geht's nicht ein,
Da ihm das Unheil stärker · immer stärker bricht herein.«

Zu Dietrichen sandte · der gute Rüdiger,
Ob sie's noch könnten wenden · von den Kön'gen hehr?
Da entbot ihm der von Berne · »Wer möcht' ihm widerstehn?
Es will der König Etzel · keine Sühne mehr sehn.«

Da sah ein Heunenrecke · Rüdigern da stehn
Mit weinenden Augen · wie er ihn oft gesehn.
Er sprach zu der Königin · »Nun seht, wie er da steht,
Den ihr und König Etzel · vor allen andern habt erhöht

»Und dem doch alles dienet · die Leute wie das Land.
Wie sind so viel der Burgen · an Rüdigern gewandt,
Deren er so manche · von dem König haben mag!
Er schlug in diesen Stürmen · noch keinen löblichen Schlag.

»Mich dünkt, ihn kümmert wenig · was hier mit uns geschieht,
Wenn er nach seinem Willen · bei sich die Fülle sieht.
Man rühmt, er wäre kühner · als jemand möge sein:
Das hat uns schlecht bewiesen · in dieser Not der Augenschein.«

Mit traurigem Mute · der vielgetreue Mann,
Den er so reden hörte · den Heunen sah er an.
Er dachte: »Das entgiltst du · du sagst, ich sei verzagt:
Da hast du deine Mären · zu laut bei Hofe gesagt.«

Er zwang die Faust zusammen · da lief er ihn an
Und schlug mit solchen Kräften · den heunischen Mann,
Daß er ihm vor die Füße · niederstürzte tot.
Da war gemehrt aufs neue · dem König Etzel die Not.

»Fahr' hin, verzagter Bösewicht!« · sprach da Rüdiger,
»Ich hatte doch des Leides · genug und der Beschwer.
Daß ich hier nicht fechte · was rügst du mir das?
Wohl trüg' auch ich den Gästen · mit Grunde feindlichen Haß,

»Und alles, was ich könnte · tat' ich ihnen an,
Hätt' ich nicht hieher geführt · die Gunthern untertan.
Ich war ihr Geleite · in meines Herren Land:
Drum darf sie nicht bestreiten · meine unsel'ge Hand.«

Da sprach zum Markgrafen · Etzel der König hehr:
»Wie habt ihr uns geholfen · vieledler Rüdiger!
Wir hatten doch der Toten · so viel in diesem Land,
Daß wir nicht mehr bedurften · mit Unrecht schlug ihn eure Hand.«

Da sprach der edle Ritter · »Er beschwerte mir den Mut
Und hat mir bescholten · die Ehre wie das Gut,
Des ich aus deinen Händen · so große Gaben nahm,
Was nun dem Lügenbolde · übel auch zustatten kam

Da kam die Königstochter · die hatt' es auch geseh
Was von des Helden Zorne · dem Heunen war geschah
Sie beklagt' es ungefüge · ihre Augen wurden naß.
Sie sprach zu Rüdigeren · »Wie verdienten wir das,

»Daß ihr mir und dem König · noch mehrt unser Leid?
Ihr habt uns, edler Rüdiger · verheißen allezeit,
Ihr wolltet für uns wagen · die Ehre wie das Leben;
Auch hört' ich viel der Recken · den Preis des Mutes euch geben.

»Ich mahn' euch nun der Treue · die mir schwur eure Hand,
Da ihr mir zu Etzeln rietet · Ritter auserkannt,
Daß ihr mir dienen wolltet · bis an unsern Tod.
Des war mir armen Weibe · noch niemals so bitter not.«

»Das kann ich nicht leugnen · ich schwur euch, Königin,
Die Ehre wie das Leben · gab' ich für euch dahin:
Die Seele zu verlieren · hab' ich nicht geschworen.
Zu diesem Hofgelage · bracht' ich die Fürsten wohlgeboren.«

Sie sprach: »Gedenke, Rüdiger · der hohen Eide dein
Von deiner steten Treue · wie du den Schaden mein
Immer wolltest rächen · und wenden all mein Leid.«
Der Markgraf entgegnete · »Ich war euch stets zu Dienst bereit.«

Etzel der reiche · hub auch zu flehen an.
Da warfen sie sich beide · zu Füßen vor den Mann.
Den edeln Markgrafen · man da in Kummer sah;
Der vielgetreue Recke · jammervoll begann er da:

»O weh mir Unsel'gem · muß ich den Tag erleben!
Aller meiner Ehren · soll ich mich nun begeben,
Aller Zucht und Treue · die Gott mir gebot;
O weh, Herr des Himmels · daß mir's nicht wenden will der Tod!

»Welches ich nun lasse · das andre zu begehn,
So ist doch immer übel · und arg von mir geschehn.
Was ich tu' und lasse · so schilt mich alle Welt.
Nun möge mich erleuchten · der mich dem Leben gesellt!«

Da baten ihn so dringend · der König und sein Weib,
Daß bald viel Degen mußten · Leben und Leib
Von Rüdgers Hand verlieren · und selbst der Held erstarb.
Nun mögt ihr bald vernehmen · welchen Jammer er erwarb.

Er wußte wohl, nur Schaden · und Leid sei sein Gewinn.
Er hätt' es auch dem König · und der Königin
Gern versagen wollen · der Held besorgte sehr,
Erschlug' er ihrer einen · daß er der Welt ein Greuel war'.

Da sprach zu dem Könige · dieser kühne Mann:
»Herr Etzel, nehmt zurücke · was ich von euch gewann,
Das Land mit den Burgen · bei mir soll nichts bestehn:
Ich will auf meinen Füßen · hinaus ins Elend gehn.«

Da sprach der König Etzel · »Wer aber hülfe mir?
Mein Land mit den Leuten · das alles geb' ich dir,
Daß du mich rächest, Rüdiger · an den Feinden mein:
Du sollst neben Etzeln · ein gewalt'ger König sein.«

Da sprach wieder Rüdiger · »Wie dürft' ich ihnen schaden?
Heim zu meinem Hause · hab' ich sie geladen:
Trinken und Speise · ich ihnen gütlich bot,
Dazu meine Gabe · wie sann' ich ihnen den Tod?

»Die Leute mögen wähnen · ich sei zu verzagt.
Keiner meiner Dienste · war ihnen je versagt,
Den hochedeln Fürsten · wie ihrem letzten Mann.
Nun reut mich die Freundschaft · die ich an ihnen gewann.

»Geiselher dem Degen · gab ich die Tochter mein:
Sie könnt' auf Erden nimmer · besser verwendet sein,
Seh' ich auf Zucht und Ehre · auf Treu' oder Gut.
Nie ein so junger König · trug wohl tugendreichern Mut.«

Da sprach wieder Kriemhild · »Vieledler Rüdiger,
Nun laß dich erbarmen · unsres Leids Beschwer,
Mein und auch des Königs · gedenke wohl daran,
Daß nie ein Wirt auf Erden · so leide Gäste gewann.«

Da begann der Markgraf · zu der Kön'gin hehr:
»Heut' muß mit dem Leben · entgelten Rüdiger,
Was ihr und der König · mir Liebes habt getan:
Dafür muß ich sterben · es steht nicht länger mehr an.

»Ich weiß, daß noch heute · meine Burgen und mein Land .
Euch ledig werden müssen · von dieser Helden Hand.
So befehl' ich euch auf Gnade · mein Weib und mein Kind
Und all die Heimatlosen · die da zu Bechlaren sind.«

»Nun lohne Gott dir, Rüdiger!« · der König sprach da so;
Er und die Königin · sie wurden beide froh.
»Uns seien wohlbefohlen · alle Leute dein;
Auch trau' ich meinem Heile · du selber werdest glücklich sein.«

Da setzt' er auf die Wage · die Seele wie den Leib.
Da begann zu weinen · König Etzels Weib.
Er sprach: »Ich muß euch halten · den Eid, den ich getan.
O weh' meiner Freunde! · wie ungern greif ich sie an.«

Man sah ihn von dem König · hinweggehn trauriglich.
Da fand er seine Recken · nahe stehn bei sich:
Er sprach: »Ihr sollt euch waffnen · ihr all in meinem Lehn:
Die kühnen Burgunden · muß ich nun leider bestehn.«

Nach den Gewaffen riefen · die Helden allzuhand,
Ob es Helm wäre · oder Schildesrand,
Von dem Ingesinde · ward es herbeigetragen.
Bald hörten leide Märe · die stolzen Fremdlinge sagen.

Gewaffnet ward da Rüdiger · mit fünfhundert Mann;
Darüber zwölf Recken · zu Hülf' er sich gewann:
Die wollten Preis erwerben · in des Sturmes Not;
Sie wußten nicht die Märe · wie ihnen nahe der Tod.

Da sah man unterm Helme · den Markgrafen gehn.
Scharfe Schwerter trugen · die in Rüdgers Lehn,
Dazu vor den Händen · die lichten Schilde breit.
Das sah der Fiedelspieler · dem war es ohne Maßen leid.

Da sah der junge Geiselher · seinen Schwäher gehn
Mit aufgebundnem Helme · Wie mocht' er da verstehn,
Wie er damit es meine · es sei denn treu und gut?
Da gewann der edle König · von Herzen fröhlichen Mut.

»Nun wohl mir solcher Freunde« · sprach da Geiselher,
»Die wir gewonnen haben · auf der Fahrt hieher!
Meines Weibes willen · ist uns Hülfe nah:
Lieb ist mir, meiner Treue · daß diese Heirat geschah.«

»Wes ihr euch wohl tröstet!« · sprach der Fiedelmann:
»Wann saht ihr noch zur Sühne · so viel der Helden nahn
Mit aufgebundnen Helmen · die Schwerter in der Hand?
Er will an uns verdienen · seine Burgen und sein Land.«

Eh' der Fiedelspieler · die Rede sprach vollaus,
Den edeln Markgrafen · sah man schon vor dem Haus.
Seinen Schild den guten · setzt' er vor den Fuß:
Da mußt' er seinen Freunden · versagen dienstlichen Gruß.

Rüdiger der edle · rief da in den Saal:
»Ihr kühnen Nibelungen · nun wehrt euch allzumal!
Ihr solltet mein genießen · ihr entgeltet mein:
Wir waren ehmals Freunde · der Treue will ich ledig sein.«

Da erschraken dieser Märe · die Notbedrängten schwer.
Ihnen war der Trost entsunken · den sie gewähnt vorher,
Da sie bestreiten wollte · dem jeder Liebe trug.
Sie hatten von den Feinden · schon Leid erfahren genug.

»Das verhüte Gott vom Himmel!« · sprach Gunther der Degen
»Daß ihr eurer Freundschaft · tätet so entgegen
Und der großen Treue · darauf uns sann der Mut:
Ich will euch wohl vertrauen · daß ihr das nimmermehr tut.«

»Es ist nicht mehr zu wenden« · sprach der kühne Mann:
»Ich muß mit euch streiten · wie ich den Schwur getan.
Nun wehrt euch, kühne Degen · wenn euch das Leben wert,
Da mir die Königstochter · nicht andre Willkür gewährt.«

»Ihr widersagt uns nun zu spät« · sprach der König hehr.
»Nun mög' euch Gott vergelten · viel edler Rüdiger,
Die Treu' und die Liebe · die ihr uns habt getan,
Wenn ihr bis ans Ende · auch halten wolltet daran.

»Wir wollen stets euch danken · was ihr uns habt gegeben,
Ich und meine Freunde · lasset ihr uns leben:
Der herrlichen Gaben · als ihr uns brachtet her
In Etzels Land mit Treue · des gedenket, edler Rüdiger!«

»Wie gern ich euch das gönnte« · sprach Rüdiger der Degen,
»Daß ich euch meiner Gabe · die Fülle dürfte wägen
Nach meinem Wohlgefallen · wie gerne tat' ich das,
So es mir nicht erwürbe · der edeln Königin Haß!«

»Laßt ab, edler Rüdiger« · sprach wieder Gernot,
»Nie ward ein Wirt gefunden · der es den Gästen bot
So freundlich und so gütlich · als uns von euch geschehn.
Des sollt ihr auch genießen · so wir lebendig entgehn.«

»Das wollte Gott,« sprach Rüdiger · »viel edler Gernot,
»Daß ihr am Rheine wäret · und ich wäre tot.
So rettet' ich die Ehre * da ich euch soll bestehn!
Es ist noch nie an Degen · von Freunden übler geschehn.«

»Nun lohn' euch Gott, Herr Rüdiger« · sprach wieder Gernot,
»Eurer reichen Gabe · Mich jammert euer Tod,
Soll an euch verderben · so tugendlicher Mut.
Hier trag' ich eure Waffe · die ihr mir gäbet, Degen gut.

»Sie hat mir noch nie versagt · in all dieser Not:
Es fiel vor ihrer Schärfe · mancher Ritter tot.
Sie ist stark und lauter · herrlich und gut:
Gewiß, so reiche Gabe · kein Recke je wieder tut.

»Und wollt ihr es nicht meiden · wider uns zu gehn,
Erschlagt ihr mir die Freunde · die hier bei mir stehn,
Mit euerm Schwerte nehm' ich · Leben euch und Leib.
So reut ihr mich, Rüdiger · und euer herrliches Weib.«

»Das wolle Gott, Herr Gernot · und möcht' es geschehn,
Daß hier nach euerm Willen · alles könnt' ergehn
Und euern Freunden bleiben · Leben möcht' und Leib,
Euch sollten wohl vertrauen · meine Tochter und mein Weib.«

Da sprach von Burgunden · der schönen Ute Kind:
»Wie tut ihr so, Herr Rüdiger? · Die mit mir kommen sind,
Die sind euch all gewogen · ihr greift übel zu:
Eure schöne Tochter · wollt ihr verwitwen allzufrüh.

»Wenn ihr und eure Recken · mich wollt im Streit bestehn,
Wie war' das unfreundlich · wie wenig ließ' es sehn,
Daß ich euch vertraute · vor jedem andern Mann,
Als ich eure Tochter · mir zum Weibe gewann.«

»Gedenkt eurer Treue« · sprach da Rüdiger.
»Und schickt euch Gott von hinnen · viel edler König hehr,
So laßt es nicht entgelten · die liebe Tochter mein:
Bei aller Fürsten Tugend · geruht, ihr gnädig zu sein.«

»So sollt' ich's billig halten« · sprach Geiselher das Kind;
»Doch meine hohen Freunde · die noch im Saal hier sind,
Wenn die vor euch ersterben · so muß geschieden sein
Diese stete Freundschaft · zu dir und der Tochter dein.«

»Nun möge Gott uns gnaden« · sprach der kühne Mann.
Da hoben sie die Schilde · und wollten nun hinan,
Zu streiten mit den Gästen · in Kriemhildens Saal.
Laut rief da Hagen · von der Stiege her zutal:

»Verzieht noch eine Weile · viel edler Rüdiger,«
Also sprach da Hagen · »wir reden erst noch mehr,
Ich und meine Herren · wie uns zwingt die Not.
Was hilft es Etzeln, finden · wir in der Fremde den Tod?

»Ich steh' in großen Sorgen« · sprach wieder Hagen,
»Der Schild, den Frau Gotlind · mir gab zu tragen,
Den haben mir die Heunen · zerhauen vor der Hand;
Ich bracht ihn doch in Treuen · her in König Etzels Land.

»Daß es Gott vom Himmel · vergönnen wollte,
Daß ich so guten Schildrand · noch tragen sollte,
Als du hast vor den Händen · viel edler Rüdiger:
So bedürft' ich in dem Sturme · keiner Halsberge mehr.«

»Wie gern wollt' ich dir dienen · mit meinem Schilde,
Dürft' ich dir ihn bieten · vor Kriemhilde!
Doch nimm ihn hin, Hagen · und trag ihn an der Hand.
Hei! dürftest du ihn führen · heim in der Burgunden Land!«

Als er den Schild so willig · zu geben sich erbot,
Die Augen wurden vielen · von heißen Tränen rot.
Es war die letzte Gabe · es dürft' hinfort nicht mehr
Einem Degen Gabe bieten · von Bechlaren Rüdiger.

Wie grimmig auch Hagen · wie hart auch war sein Mut,
Ihn erbarmte doch die Gabe · die der Degen gut
So nah seinem Ende · noch hatt' an ihn getan.
Mancher edle Ritter · mit ihm zu trauern begann.

»Nun lohn euch Gott vom Himmel · viel edler Rüdiger!
Es wird eures Gleichen · auf Erden nimmermehr,
Der heimatlosen Degen · so milde Gabe gebe.
So möge Gott gebieten · daß eure Milde immer lebe.«

»O weh' mir dieser Märe!« · sprach wieder Hagen.
»Wir hatten Herzensschwere · schon so viel zu tragen:
Das müsse Gott erbarmen · gilt's uns mit Freunden Streit!«
Da sprach der Markgraf wieder · »Das ist mir inniglich leid.«

»Nun lohn' ich euch die Gabe · viel edler Rüdiger:
Was euch auch widerfahre · von diesen Recken hehr,
Es soll euch nicht berühren · im Streit meine Hand,
Ob ihr sie all erschlüget · die von der Burgunden Land.«

Da neigte sich ihm dankend · der gute Rüdiger.
Die Leute weinten alle · daß nicht zu wenden mehr
Dieser Herzensjammer · Das war zu große Not.
Der Vater aller Tugend · fand an Rüdiger den Tod.

Da sprach von der Stiege · Volker der Fiedelmann:
»Da mein Geselle Hagen · euch trug den Frieden an,
So biet' ich auch so steten · euch von meiner Hand.
Das habt ihr wohl verdient an uns · da wir kamen in das Land.

»Ihr sollt, viel edler Markgraf · mein Bote werden hier:
Diese roten Spangen · gab Frau Gotlinde mir,
Daß ich sie tragen sollte · bei dieser Lustbarkeit:
Ich tu es, schauet selber · daß ihr des mein Zeuge seid.«

»Wollt' es Gott vom Himmel!« · sprach da Rüdiger,
»Daß euch geben dürfte · die Markgräfin noch mehr!
Die Märe sag' ich gerne · der lieben Trauten mein,
Seh' ich gesund sie wieder · des sollt ihr außer Zweifel sein.«

Nach diesem Angeloben · den Schild hob Rüdiger,
Sein Mut begann zu toben · nicht länger säumt' er mehr.
Auf lief er zu den Gästen · wohl einem Recken gleich.
Viel kraftvolle Schläge · schlug da dieser Markgraf reich.

Volker und Hagen · die zwei traten beiseit,
Wie ihm verheißen hatten · die Degen allbereit.
Noch traf er bei den Türen · so manchen Kühnen an,
Daß Rüdiger die Feindschaft · mit großen Sorgen begann.

Aus Rachewillen ließen · ihn ins Haus hinein
Gernot und Gunther · das mochten Helden sein.
Zurück wich da Geiselher · fürwahr, es war ihm leid;
Er versah sich noch des Lebens · drum mied er Rüdigern im Streit.

Da sprangen zu den Feinden · die in Rüdgers Lehn.
Hinter ihrem Herren · sah man sie kühnlich gehn.
Schneidende Waffen · trugen sie an der Hand:
Da zerbrachen viel der Helme · und mancher herrliche Rand.

Da schlugen auch die Müden · noch manchen schnellen Schlag
Auf die von Bechlaren · der tief und eben brach
Durch die lichten Panzer · und drang bis auf das Blut.
Sie frommten in dem Sturme · viel Wunder herrlich und gut.

Das edle Heergesinde · war alle nun im Saal.
Volker und Hagen · die sprangen hin zumal:
Sie gaben niemand Frieden · als dem einen Mann.
Das Blut von ihren Hieben · von den Helmen niederrann.

Wie da der Schwerter Tosen · so grimmig erklang,
Daß unter ihren Schlägen · das Schildgespänge sprang!
Die Schildsteine rieselten · getroffen in das Blut.
Da fochten sie so grimmig · wie man es nie wieder tut.

Der Vogt von Bechlaren · schuf hin und her sich Bahn,
Wie einer der mit Ungestüm · im Sturme werben kann.
Des Tages ward an Rüdiger · herrlich offenbar,
Daß er ein Recke wäre · kühn und ohne Tadel gar.

Hier standen diese Recken · Gunther und Gernot,
Sie schlugen in dem Streite · viel der Helden tot.
Geiselhern und Dankwart · am Heile wenig lag:
Da brachten sie noch manchen · hin zu seinem jüngsten Tag.

Wohl erwies auch Rüdiger · daß er stark war genug,
Kühn und wohl gewaffnet · hei, was er Helden schlug!
Das sah ein Burgunde · da schuf der Zorn ihm Not:
Davon begann zu nahen · des edeln Rüdiger Tod.

Gernot der starke · rief den Helden an.
Er sprach zum Markgrafen · »Ihr wollt mir keinen Mann
Der Meinen leben lassen · viel edler Rüdiger.
Das schmerzt mich ohne Maßen · ich ertrag' es nicht länger mehr.

»Nun mag euch eure Gabe wohl · zu Unstatten kommen,
Da ihr mir der Freunde · habt so viel genommen.
Nun bietet mir die Stirne · ihr edler kühner Mann:
So verdien' ich eure Gabe · so gut ich immer nur kann.«

Bevor da der Markgraf · zu ihm gedrungen war,
Ward noch getrübt vom Blute · manch lichter Harnisch klar.
Da liefen sich einander · die Ehrbegier'gen an:
Jedweder sich zu schirmen · vor starken Wunden begann.

Doch schnitten ihre Schwerter · es schützte nichts dagegen.
Da schlug den König Gernot · Rüdiger der Degen
Durch den steinharten Helm · daß niederfloß das Blut:
Das vergalt alsbald ihm · dieser Ritter kühn und gut.

Hoch schwang er Rüdgers Gabe · die in der Hand ihm lag;
Wie wund er war zum Tode · er schlug ihm einen Schlag
Auf des Helmes Bänder · und durch den festen Schild,
Davon ersterben mußte · der gute Rüdiger mild.

So reicher Gabe übler · gelohnt ward nimmermehr.
Da fielen beid' erschlagen · Gernot und Rüdiger,
Im Sturm gleichermaßen · von beider Kämpfer Hand.
Da erst ergrimmte Hagen · als er den großen Schaden fand.

Da sprach der Held von Tronje · »Es ist uns schlimm bekommen.
So großen Schaden haben · wir an den Zwein genommen,
Daß ihn nie verwinden · ihr Volk noch ihr Land.
Uns Heimatlosen bleiben · nun Rüdgers Helden zu Pfand.«

»Weh mir um den Bruder! · der fiel hier in den Tod.
Was mir zu allen Stunden · für leide Märe droht!
Auch muß mich immer reuen · der edle Rüdiger:
Der Schad' ist beidenthalben · und großen Jammers Beschwer.«

Als der junge Geiselher · sah seinen Bruder tot,
Die noch im Saale waren · die mußten leiden Not.
Der Tod suchte eifrig · wo sein Gesinde wär':
Deren von Bechelaren · entging kein einziger mehr.

Gunther und Hagen · und auch Geiselher,
Dankwart und Volker · die guten Degen hehr,
Die gingen zu der Stelle · wo man sie liegen fand:
Wie jämmerlich da weinten · diese Helden auserkannt!

»Der Tod beraubt uns übel« · sprach Geiselher das Kind.
»Nun laßt euer Weinen · und gehn wir an den Wind,
Daß sich die Panzer kühlen · uns streitmüden Degen:
Es will nicht Gott vom Himmel · daß wir länger leben mögen.«

Den sitzen, den sich lehnen · sah man manchen Mann.
Sie waren wieder müßig · Die Rüdgern untertan
Waren all erlegen · verhallt war das Getos.
So lange blieb es stille · daß es Etzeln verdroß.

»O weh dieser Dienste!« · sprach die Königin:
»Die sind nicht so stetig · daß unsre Feinde drin
Müßten Buße zahlen · durch Rüdigers Hand:
Er will sie wiederbringen · heim in der Burgunden Land.

»Was hilft's, König Etzel · daß wir an ihn vertan,
Was er nur begehrte? · Er tat nicht wohl daran:
Der uns rächen sollte · der will der Sühne pflegen.«
Da gab ihr Volker Antwort · dieser zierliche Degen:

»Dem ist nicht also leider · viel edel Königsweib,
Und dürft' ich Lügen strafen · ein so hehres Weib,
So hättet ihr recht teuflisch · Rüdigern verlogen.
Er und seine Degen · sind um die Sühne gar betrogen.

»So williglich vollbracht' er · was ihm sein Herr gebot,
Daß er und sein Gesinde · hier fielen in den Tod.
Nun seht euch um, Frau Kriemhild · wem ihr gebieten wo
Euch war bis an sein Ende · Rüdiger getreu und hold.

»Wollt ihr mir nicht glauben · so schaut es selber an.«
Zu ihrem Herzeleide · ward es da getan:
Man trug ihn hin erschlagen · wo ihn der König sah.
König Etzels Mannen · wohl nimmer leider geschah.

Da sie den Markgrafen · tot sahn vor sich tragen,
Da vermocht' euch kein Schreiber · zu schildern noch zu sagen,
Die ungebärd'ge Klage · so von Weib als Mann,
Die sich aus Herzensjammer · da zu erzeigen begann.

König Etzels Jammern · war so stark und voll,
Wie eines Löwen Stimme · dem reichen König scholl
Der Wehruf der Klage · auch ihr schuf's große Not;
Sie weinten übermäßig · um des guten Rüdger Tod.

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